Die „Blaue Serie“ – Teil 34 – Das unverhoffte Geschenk

Veröffentlicht: 8. September 2014 in Allgemein, Film
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Endlich ist uns der Wettergott einmal überaus freundlich gesonnen. Nach meinem Urlaub ist wieder ein Besuch bei meiner alten Dame notwendig und für sie ein Ausflug an die frische Luft. Allein getraut sie sich nicht mehr hinaus ins feindliche Leben, ist also immer auf eine Begleitperson angewiesen. Dieses Mal gibt es bei meinem regulären Besuch keine großartigen Einkäufe zu erledigen und die Wohnung ist auch top in Ordnung. Hier hatte bereits mein Bruder fleißig Hand angelegt. Da kommt mir dieser Tag in Wismar eigentlich fast wie ein nachgeschobener Urlaubstag vor.

Blick auf Hafen, Werft und die Altstadt von Wismar

Blick auf Hafen, Werft und die Altstadt von Wismar

So können wir zunächst ganz in Ruhe Mittag essen, mein Blick wandert dabei aus dem Fenster auf die Wismarer Altstadt. Wie schön klar es heute ist und wie herrlich die Sonne scheint. Es sieht fast so aus, als wolle der Sommer uns doch noch einmal mit ein wenig Wärme verwöhnen. Natürlich wollen wir dieses Schönwetterangebot nicht ungenutzt vorübergehen lassen. So sind wir wenig später unterwegs hinunter ans Wasser, an die Ostsee. Im Moment ist die Wismarer Seebrücke leider gesperrt. Sie harrt dringender Baumaßnahmen und ist somit für die nächste Zeit nicht begehbar.

Schwäne und Segelboote in der Wismarer Bucht

Schwäne und Segelboote in der Wismarer Bucht

Um sich frischen Wind um die Nase wehen zu lassen und den salzigen Geschmack des Meeres zu spüren, braucht es aber nicht gezwungenermaßen eine Seebrücke. Von einer Bank aus dicht am Wasser kann man ebenso schön den Blick entspannt über die leise ans Ufer schwappenden Wellen der Ostsee gleiten lassen, den Schiffen mit den herrlich weiß leuchtenden Segeln hinterherschauen, die zahlreichen das Wasser bevölkernden Schwäne beobachten oder den beiden Paddlern, die in Strandnähe mit ihren Paddeln die Wellen kämmen, zuschauen. Das Meer verwöhnt uns an diesem Tag ganz besonders – mit einem wundervoll tiefblauen Farbton. Die Ostsee hat uns beide während der vergangenen 1 1/2 Jahre, seit es meinen Vater nicht mehr gibt,  öfter einmal auf der Seebrücke oder auf einer Bank im Park nahe des Wassers gesehen. Wahrscheinlich  weiß das blaue Meer inzwischen, dass ein solcher Ausflug für uns jedes Mal etwas ganz Besonderes ist, für die eine von uns deshalb, weil der für solche Ausflüge motivierende Partner fehlt, andererseits aber das Alter inzwischen auch seinen Tribut fordert und die Kräfte für einen Alleingang ganz einfach nicht mehr ausreichen und für die andere ist es die Freude daran, wieder einmal etwas zusammen mit einem sehr lieben Menschen unternehmen zu können, ihm ganz einfach Gesellschaft zu leisten und gemeinsam die Orte, die mit so vielen Erinnerungen verbunden sind, neu zu entdecken und all die Erlebnisse im Geiste noch einmal vor sich sehen zu können.

In der Ferne ist plötzlich eine Kogge zu sehen

In der Ferne ist plötzlich eine Kogge zu sehen

Während wir auf das glitzernde Wasser blicken und jeder seinen Gedanken nachhängt, sehe ich plötzlich hinter der Seebrücke rechts von uns ein Schiff auftauchen – etwas, das wie aus einem anderen Jahrhundert anmutet. Das Vorbild zu dem, was dort vor uns auf dem Wasser liegt, gehört tatsächlich in ein anderes Jahrhundert, nämlich in die Zeit der Hanse. Sicher, ich habe sie schon im Wismarer Hafen liegen sehen und auch auf der Rostocker Hansesail ist sie mir bereits als etwas ganz Besonderes aufgefallen. Dass sie aber ausgerechnet heute und hier auftauchen würde, damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Es erscheint mir wie ein ganz besonderes Geschenk – die Poeler Kogge „Wissemara“ präsentiert sich uns in all ihrer Pracht, reißt uns aus den traurigen Gedanken fort, die leider auch immer wieder aufkommen, wenn man in seinen Erinnerungen kramt, und verschönt uns mit ihrem unverhofften Erscheinen den spätsommerlichen Nachmittag. Begeistert schauen wir zu dem altertümlich anmutenden Schiff hinüber. Offensichtlich ist die „Wissemara“ zu einer kleinen Fahrt in See aufgebrochen. An Bord sind viele kleine bunte Farbtupfer zu erkennen. Später bei der Betrachtung der Bilder am PC kann ich die farbigen Punkte tatsächlich als Fahrgäste identifizieren, die sicher zu einer spannenden, erlebnisreichen und unvergesslichen Fahrt aufgebrochen sind. Noch lange schauen wir dem stolzen Schiff auf dem tiefblauen Farbgrund hinterher. Irgendwann dann spüren wir doch den frischen Wind, der von der See zu uns herüberweht. Der Nachmittag ist vorangeschritten, es ist kühler geworden, der Wind hat aufgefrischt, sodass wir unseren Rundgang durch den Park fortsetzen und uns dann bald auf den Rückweg machen. Es ist inzwischen Kaffeezeit. Vielleicht sind wir ja bald wieder einmal hier, wenn auch der Herbst uns noch ein paar sonnige Tage schenken sollte. Sie werden uns ganz sicher unweigerlich zum Meer hinunterziehen …

Für Diaschau eines der Bilder anklicken!

 

Bei YouTube habe ich übrigens ein schönes Video zur Poeler Kogge „Wissemara“ gefunden. Wer also gern ein wenig mehr darüber wissen möchte, sollte sich dieses Video unbedingt anschauen. Hinterher weiß man eigentlich alles, was es Wichtiges und Interessantes zu diesem Schiff zu sagen gibt. Viel Spaß!

Kommentare
  1. arabella50 sagt:

    Viel zu selten komme ich ans Meer, danke dass du mich mitgenommen hast.

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  2. gageier sagt:

    Sehr schöne Fotos super fotografiert einen schönen Wochenstart wünsche ich dir Klaus

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  3. nixe sagt:

    Wie schön, die ganze Weite mit dir und deinen schönen Ausflugsbildern genießen zu dürfen…haaaach.
    Tatsächlich bekommt man beim Anblick der Kogge ein Gefühl man wäre im Mittelalter gelandet. Sagenhaft, dass man so vieles in Handarbeit nachgebaut hat…
    Liebe Grüße
    von der Nixe

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, wenn da diese neumodischen Seezeichen und Badebereichsbegrenzungen nicht wären, dann könnte man schon glauben, man wäre in einem anderen Jahrhundert unterwegs. 😀 Am Beispiel der Kogge kann man gut sehen, was alles in reiner Handarbeit noch geht. Andererseits ist es auch erstaunlich, wie lange es dauert, bis man so ein Schiff dann endlich fertig hat. Aber ich finde es immer wieder toll, was doch alles so geht, wenn sich ein paar Fans zusammenfinden und aus reinem Spaß an der Freude so eine Sache durchziehen.
      Liebe Grüße auch an Dich

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  4. einfachtilda sagt:

    Was für eine herrliche Serie. Vielleicht sollte ich das auch mal starten, denn da habe ich noch Fotos von der Nordsee, der Ostsee und Müggelsee, sowie Flensburg. Alle noch nicht gezeigt, kommt aber noch 🙂

    Liebe Grüße von Mathilda ❤

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  5. kowkla123 sagt:

    echt wieder schön, die blaue Serie, gute neue Woche, Klaus

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  6. Frau Hummel sagt:

    Ein so anwechslungsreicher und kurzweiliger Nachmittag den Du da mit Deiner Mutter verbracht hast *freu*. Ich kann mir gut vorstellen, wie Ihr dort auf der Bank gesessen und die schönen Momente genossen habt. Eine schöne Zeit, in trauter Zweisamkeit, an die Du sicher irgendwann gern zurückdenken wirst.

    Deine Bilder laden zum Träumen ein mit all dem Blau. Ich genieße sie sehr 🙂
    Sei lieb gegrüßt ♥

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, das war sein sehr entspannender Nachmittag, der uns beiden ausgesprochen gutgetan hat. Meine Mutter war zwar im Anschluss ein wenig k.o., aber es hat ihr sehr gut gefallen. Nur immer Balkon ist auf die Dauer sicher auch nicht ganz so schön, wie wenn das Meer zum Anfassen nahe vor einem plätschert.
      Schön, dass Dir unser Ausflug auch so viel Spaß gemacht hat wie uns 🙂 Danke fürs Mitkommen 🙂
      Ganz liebe Grüße auch an Dich ❤

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  7. Es freut mich sehr, dass ihr an eurem gemeinsamen Nachmittag noch einmal so schönes Wetter mit Sonne, Wind sowie viel frischer Luft hattet und neben all den anderen Schiffen, Wasservögeln etc. sogar die Kogge erspähen konntet! Das war aber ein glücklicher Zufall!

    Ich kann mir gut vorstellen, dass solche Orte schöne wie auch traurige Momente hervorrufen, doch irgendwie überwiegt eindeutig das Gute/Wohltuende, und man „muss“ einfach immer einmal wieder dort sein. Ich hoffe, du kannst mit deiner Mutter noch recht häufig diese Plätze aufsuchen.

    Für mich waren natürlich außer deinem Bericht auch die Bilder unheimlich schön zu betrachten, liebe Silberdistel. Dafür vielen Dank!

    Liebe Grüße
    Michèle

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    • Silberdistel sagt:

      Es war ein sehr schöner und angenehmer Nachmittag, liebe Michèle. Die Kogge war natürlich eine tolle Zugabe. Meine Mutter hat diesen Tag ganz besonders genossen, denn da sie nicht mehr allein rausgeht, sind solche Momente für sie immer etwas Besonderes. Ich hoffe, wir dürfen davon noch recht viele gemeinsam erleben.
      Danke, dass Du dabei warst und ich freue mich natürlich sehr, dass Du ebenso Deine Freude am blauen Meer, den Schwänen und den Schiffen hattest.
      Liebe Grüße auch an Dich

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  8. giselzitrone sagt:

    Danke liebe Silberdistel so schöne Bilder und das Weite Meer da kam ich dieses Jahr noch gar nicht hin.Ich wünsche dir einen sonnigen schönen Tag in Köln ist tolles Wetter kann mal so bleiben.Eine glückliche Woche für dich lieber Gruß Gislinde

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  9. ann53 sagt:

    Superschön deine Bilder wieder liebe Silberdistel oder auch Carlina 😀
    Einfach herrlich und bekomme bei diesem Anblick immer mehr Sehnsucht nach Meer….. woraus es in diesem Jahr für mich leider nix mehr wird.
    Danke für’s virtuelle mitnehmen und grüße dich ganz lieb ❤

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    • Silberdistel sagt:

      Danke, liebe Ann 🙂 Oh, schade, dass Du das Meer in diesem Jahr nicht mehr wirst besuchen können. Naja, vielleicht können Dich meine Meerbesuche dann ein wenig trösten. Ich nehme Dich gern mit und freue mich, wenn es Dir auf diese Weise auch ein wenig Spaß macht.
      Liebe Grüße auch an Dich ❤

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  10. kowkla123 sagt:

    Auch heute kommt ein Gruß von mir, alles Gute, Klaus

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  11. Gudrun sagt:

    Liebe Silberdistel,
    dein Beitrag ist mir heute so richtig zu Herzen gegangen. Ich wünsche mir, dass mich meine Kinder in einigen Jahren auch noch besuchen, und mich dann mitnehmen auf eine kleine Zeitreise draußen vor der Tür.
    Ich war noch nie in Wismar und habe mich gefreut, heute bei dir ein wenig von einer interessanten Stadt kennengelernt zu haben. In einer Hansestadt war ich gerade auch. Ich weiß nun, warum am Rathaus von Frankfurt (Oder) ein Hering hängt. 🙂 Nur Seeluft hat gefehlt.
    Herzliche Grüße von der Gudrun

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    • Silberdistel sagt:

      Liebe Gudrun, ich glaube, das sind so die Hoffnungen, die wir alle haben, dass wir auch dann nicht vergessen werden, wenn wir alt sind und nicht mehr so können, wie wir uns das gern wünschen würden. Meine Mutter war immer eine sehr mobile Frau. Sie leidet ziemlich darunter, dass ihre Kräfte nachlassen und nicht mehr so wie früher funktionieren und natürlich besonders auch darunter, dass mein Vater nicht mehr da ist. Ich hoffe, dass solche Tage, wie dieser am Meer, sie dann doch immer mal wieder ein wenig glücklich machen.
      Deine Berichte über Frankfurt haben mir sehr gefallen – die Oder in der Morgensonne – einfach toll.
      Liebe Grüße zu Dir

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  12. Morgentau sagt:

    Liebe Silberdistel,

    welch schöner Eintrag, der wieder einmal zeigt, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die wir fast nicht mehr als Zufall sehen können oder wollen, gell? Da möchte man einfach an Wunder glauben, weil sie uns passieren. Als hätte es so sein sollen an jenem Tag, in jenem Moment.
    Ich finde das so schön.

    Danke auch für die dazugehörigen wunderschönen Fotos, die meine Vorstellung von alldem noch leichter machen. Ich genieße es.

    Ein ganz lieber Gruß
    von Frau Morgentau

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    • Silberdistel sagt:

      Liebe Frau Morgentau, ich denke auch, der Tag hat es einfach gut mit uns gemeint und diese kleine Extraüberraschung im Gepäck gehabt, weil er wollte, dass wir uns ganz besonders über ihn freuen. … und so war es auch. Wir waren am Ende beide glücklich und zufrieden mit diesem schönen Nachmittag. Manchmal gibt es diese wunderbaren Zufälle, die uns vorkommen, als hätte sie jemand extra für uns bestellt 🙂
      Schön, dass auch Dir unser Ausflug so viel Freude bereitet hat 🙂
      Einen ganz lieben Abendgruß an Dich

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  13. ein schöner Ausflug an die Ostsee, der deiner Mutter und dir gefallen hat und mir auch…
    Liebe Grüsse Ernst

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