… umso schöner ist es am Mittwochmorgen gewesen, als ich von ihrem lieblichen Gezwitscher geweckt wurde. „Schwalben?“, fragte ich meinen Herrn Silberdistel.“ „Es hört sich so an, sie sitzen wohl auf unserer Dachrinne“, war die Antwort. Wir lauschten noch ein Weilchen den morgendlichen Schwalbengesprächen und machten uns dann auf ins Bad, d.h. Herr Silberdistel machte sich auf ins Bad. Ich hatte ja vorher noch andere Verpflichtungen zu erfüllen. Meine pelzige Herrschaft stand schon wieder bei Fuß und gab mir lauthals zu verstehen, dass es ungehörig war, noch minutenlang faul im Bett zu liegen und dem dummen Schwalbengezwitscher zu lauschen. Jetzt wehte wieder ein anderer Wind, nichts da mehr mit Urlaub – an erster Stelle stand die Bewirtung der Herrschaft mit einem überaus leckeren und mit viel Liebe gemachten Frühstück. Ich widersprach schüchtern und meinte: „Aber erst bringen wir den Pelzmantel mit ein paar Strichen in Ordnung, oder?“ Die Katzendame, immer auf ihre Schönheit bedacht, meckerte nicht, sondern fand das ganz okay und sprang sofort auf ihren „Frisiertisch“ im Gästezimmer. Ich durfte sie ausgiebig kämmen und sie anschließend noch eine Weile ohne dieses Kämmdingens streicheln. Dann sprang sie vom Tisch und wartete darauf, dass ich mich durch des Katers Pelz gekämmt hatte, damit es endlich Frühstück gab und danach den begehrten und über alles geliebten Morgenspaziergang durch den Garten, der ihr eigentlich sogar wichtiger ist als das Frühstück. Beim Kater ist es eher umgekehrt.

Die Katzen waren versorgt, die Dusche inzwischen frei, sodass ich mich in Ruhe fertigmachen konnte. Wenig später stand ich dann wieder in unserem Schlafgemach für das letzte bisschen eigene Schönheitspflege. Wieder vernahm ich das entzückende Schwalbengezwitscher, ganz nah dieses Mal und manchmal hörte ich sogar ein leises blechernes Scharrgeräusch. Saßen da Schwalben auf dem metallenen Rahmen unseres Dachfensters? Leise schlich ich näher, konnte im ersten Moment aber nichts sehen. Vorsichtig schaute ich durch den schmalen Schlitz des offenen Fensters hinunter zur Dachrinne. Nichts, kein Vogel zu sehen. Links und rechts auf dem Dach konnte ich ebenso wenig einen Vogel entdecken. Dann hörte ich wieder dieses leise Zwitschern. Das war doch direkt hinter mir. So bedächtig wie möglich drehte ich mich um und da sah ich sie – zwei kleine gelbschnäbelige Schwalben saßen auf dem oberen Rahmen des Dachfensters und putzten ihr Gefieder. Zwischendurch plauderten sie miteinander. Gaaaaanz vorsichtig tauchte ich wieder hinab ins Schlafzimmer, kramte meine kleine Canon Ixus aus einem der Koffer, die ich nach unserem Kurzurlaub noch nicht wieder ganz ausgepackt hatte, und schlich zurück zum Fenster. Welch Glück, dass ich so nachlässig mit dem Auspacken der Koffer gewesen war, die andere Kamera lag bereits eine Etage tiefer, dort, wo sie hingehörte. Aber die kleine Kompakte war zu meiner Freude noch hier oben im Koffer gewesen und sollte reichen. Die Vögelchen saßen immer noch auf ihrem Platz am Fenster. Sie flatterten auch nicht fort, als ich wieder auftauchte. Entweder hatten sie keine Angst vor mir oder sie hatten mich, weil das Glas des Fensters spiegelte und mich dadurch für sie unsichtbar machte, noch gar nicht wahrgenommen. Ich versuchte, jede hektische Bewegung und jedes Geräusch zu vermeiden, saßen die Schwalben doch keinen Meter von mir entfernt. Da meine Ixus recht leise arbeitet, ließen sich die Schwalben durch das leise klickende und summende Kamerageräusch nicht stören. Ich war ganz begeistert, dass ich die Schwalbenkinder aus so großer Nähe beobachten konnte. Ab und zu kam sogar ein Altvogel angeflogen, stopfte in rasanter Geschwindigkeit, quasi im Vorbeiflug, einem der beiden Schwälbchen etwas in den Schnabel und war in Bruchteilen von Sekunden wieder fort.

So konnte ich etliche Bilder machen und sogar ein kleines Filmchen. Was war das für ein wunderbarer Tagesbeginn. Solche Erlebnisse am frühen Morgen können einen ganzen Tag verschönen. Beschwingt lief ich wenig später zu meinem Herrn Silberdistel zum Frühstück hinunter und berichtete von meinem aufregenden Erlebnis.

Übrigens kreisten die Schwalben gestern, also einen Tag nach meinem Schwalbenkinderlebnis, in großen Schwärmen über unserem Wohngebiet. Immer wieder landeten sie auf dem Dach unseres Hauses – für eine kleine Pause zum Glätten und Ordnen des Gefieders oder um ein wenig Sonne zu tanken. Ob sich die Schwalben bereits für ihren langen Flug in den Süden sammeln? Auf jeden Fall wird es wohl nicht mehr allzu lange dauern, bis sie uns wieder verlassen. Die vielen Schwalben ließen mich wieder an meine Kindheit denken. Wenn sich die Schwalben auf den Telegrafendrähten sammelten, dann war das ein untrügliches Zeichen für mich, dass der Sommer seinem Ende entgegen ging und somit auch das Ende der Schulferien und das Ende meines Aufenthaltes bei den Großeltern nahte. Ja, es wird wohl so sein … der diesjährige Sommer geht seinem Ende entgegen. Ob wir wollen oder nicht, wir werden uns mit dem Herbst arrangieren müssen. Ich hoffe, er ist milde gestimmt und bringt noch ein bisschen Wärme mit. Dann mag ich auch den Herbst, den Mann, der mit dem hübschen bunten Blätterhut daherkommt und  der mit Pinsel und Malkasten so wundervoll zaubern kann.

Ein wenig hat sich der Maler an den Blättern unseres Hartriegel schon geübt und wenn ich die Schwalben sehe, dann weiß ich, er hat recht, es ist Zeit für den Herbst und für all das Schöne, das er mitbringt …

Kommentare
  1. arabella50 sagt:

    Was für ein schöner Tages Beginn.
    Erinnerungen an Kindertage bei den Großeltern kommen mir oft und ich habe das Privileg im Garten meiner Kindheit zu leben. Das schätze ich sehr.
    Liebe Grüße an dich.

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    • Silberdistel sagt:

      Um mit einem Motto aus Deinem Blog zu sprechen: Das war das Beste vom Tag 😉
      Ich wohne zwar nicht im Garten meiner Großeltern, aber wohl fühle ich mich in ihm auch. … und Schwalben gibt es ebenso wie damals bei den Großeltern. Also alles in allem auch gar nicht einmal sooo schlecht 😉
      Aber wenn man im Garten seiner Kindheit wohnen darf, dann ist das sicher ein ganzes Ende schöner und damit sind sicher auch viele wunderschöne Erinnerungen mehr mit verbunden, als wenn man seinen Garten nur ein paar Jahre hat, selbst wenn die auch bereits im zweistelligen Bereich liegen.
      Liebe Grüße auch an Dich

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  2. einfachtilda sagt:

    Die sind so schön. In Mecklenburg Vorpommern konnte ich viele Schwalben und Schwalbennester sehen, da war was los 🙂

    LG Mathilda ❤

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    • Silberdistel sagt:

      Mir haben diese kleinen Schwälbchen auch sehr gefallen. Ich konnte mich gar nicht von ihnen trennen. War schon echt schön 🙂
      Ja, MV ist ja ein durchaus von der Landwirtschaft geprägtes Bundesland und das, glaube ich, mögen auch die Schwalben – wegen der vielen leckeren Insekten, die um die Ställe schwirren 😉
      Liebe Grüße auch an Dich

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  3. kowkla123 sagt:

    unglaublich schön wieder mit tollem Video, Extralob von mir, schönes Wochenende, Klaus

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  4. minibares sagt:

    Wir hatten früher mal ein Schwalbennest über unserem Schlafzimmer. Da hatte ich unten auf der Fensterbank draußen was angeklebt, dass der Marmor nicht Schaden nahm.
    Und wenn sie sich unterhielten, was war das für ein herrliches Gequassel, einfach süß.
    Aber der neue Hausbesitzer, mit dem wir uns ja nicht verstanden, hat da was hingepinselt, damit nichts mehr hielt…
    So kamen sie im nächsten Jahr und mussten sich leider was anderes suchen.
    Das spricht schon dafür, dass mit denen keine Verständnis möglich war.
    Dein kleiner Films ist sooooo schön. Und die Fotos auch, mit Flügelschlagen in allen möglichen Stellungen.
    Toll, ich kann gut nachempfinden, dass du glücklich warst.
    Ich freue mich dir
    Bärbel

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  5. Frau Hummel sagt:

    Viele Jahre lebten wir gemeinsam mit diesen Segelkünstlern unter dem Dach eines Sechsfamilienhauses 😉
    Obwohl sie keine Miete zahlten waren sie gern gesehene Mieter 🙂
    Man sagt ihnen nach, das sie dem Hauseigentümer Glück bringen.

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    • Silberdistel sagt:

      In dem Mehrfamilienhaus, in dem auch wir viele Jahre wohnten, nisteten auch jedes Jahr Schwalben. Sie gehörten einfach dazu.
      Dass sie Glück bringen sollen, wusste ich bisher nicht. Schön, dass man ihnen eine so nette Gabe zuschreibt 🙂 Ich mag diese kleinen Dauerschwätzer sehr gern und freue mich jedes Mal neu darüber, wenn sie wieder da sind.
      Liebe Grüße in die Nacht ❤

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      • Frau Hummel sagt:

        Die Schwalben sind noch hier aber ich habe heute 14 Kraniche ziehen sehen. Der Herbst ist da 😦

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        • Silberdistel sagt:

          Einige Schwalben sind auch hier noch zu sehen, aber die große Masse aus der Woche ist weg. Auf die Kraniche warte ich hier fast auch schon.
          Lt. Nabu sind die Störche auch bereits unterwegs.
          Herbst – ja, aber es soll noch wieder wärmer werden 🙂

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  6. Gudrun sagt:

    Ich glaube auch, dass es langsam Zeit wird für den Herbst. Es gibt schon ganz viele Anzeichen draußen. Du hast dem Herrn Herbst schon mal eine Liebeserklärung gemacht, liebe Silberdistel.
    Eine schöne Geschichte erzählst du wieder, und die Fotos wiegen alles noch ein bissel mehr auf.
    Liebe Grüße von der Gudrun, die sich jedes Jahr auf etwas andere Weise mit dem Herbst auseinandersetzen muss.

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, Gudrun, morgens liegt Tau im Garten, die Spinnen sind mit ihren Netzen allgegenwärtig und die Masse der Schwalben scheint nun tatsächlich bereits auf Wanderschaft zu sein. Der Große Schwarm ist plötzlich verschwunden und nur vereinzelte Schwalben kreisen noch am Himmel. Wenn der Herbst einigermaßen warm und bunt daherkommt, dann mag ich ihn sehr gern, nur kalt und nass ist nicht so mein Fall. Mal schauen, was er uns dieses Jahr so bringt. Du bist ja sicher auch gegen Kälte und Nässe gut mit Deinen vielen Tees gewappnet 😉 Ich muss noch einmal meine verschiedenen Minzen ernten, die wir uns dann auch im Herbst und im Winter werden schmecken lassen 🙂
      Liebe Grüße an Dich und ein schönes Wochenende

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  7. Waldameise sagt:

    Liebe Silberdistel,

    hier bei uns fliegen die Schwalben auch ihre letzten Runden, was mich traurig stimmt. Was hattest du für ein Glück, sie so nah vor die Linse zu bekommen, wow, super. Es stört kein bisschen, dass die Aufnahmen durch das schwalbenblickdichte Fenster gemacht wurden. Klasse sind sie.

    Schön, dass ihr wieder im Lande seid, wenn auch mit leichter Verzögerung. Hauptsache, am Ende ging alles gut, auch wenn sich manche Katze übergeben mussten. Aber das tun unsere zuweilen auch bei bestimmten Futtersorten. Deshalb meinte der Tierarzt, man könne ihnen durchaus auch Wurst geben oder auch mal ein Fitzelchen vom eigenen Braten. Das vertrügen sie oft besser als das Futter, das es zu kaufen gibt.

    Ich wünsch euch ein wunderschönes Wochenende
    und sende liebe Grüße,
    die Waldameise

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    • Silberdistel sagt:

      Liebe Waldameise, hier ist dieser große Schwalbenschwarm jetzt offensichtlich fort. Man sieht nur noch vereinzelte Schwalben am Himmel kreisen. Ich denke, die werden den anderen sicher auch bald folgen.
      Ja, es ließ sich natürlich nicht vermeiden, die Fotos und das Video durch die Scheibe zu versuchen. Aber dafür war das Ergebnis noch ganz passabel, fand ich.
      Du hast recht, es gibt da so einige Futtersorten, die den Tigern mitunter nicht so recht bekommen. Unser Kater ist da auch sehr empfindlich. Wenn ich sehe, dass in vielen Futtersorten neuerdings Gemüse enthalten ist, dann muss ich mich doch ein wenig darüber wundern. Damit darf ich unseren beiden verständlicherweise schon gar nicht kommen, dann schauen sie mich an, als würde ich plötzlich den Verstand verloren haben. Ich weiß nicht, ob man jetzt die Katzen schon auf vegane Ernährung umstellen soll? Sie sind und bleiben Raubtiere und Fleischfresser, ob uns das nun passt oder nicht.
      Auch Dir ein wunderschönes Wochenende und ganz liebe Grüße an Dich

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  8. eifeltussi sagt:

    Nein, wie schön!!! Wir haben auch fast jedes Jahr welche, die bei uns unterm Dach nisten. Meistens klappt es auch, dass sie so lange bleiben, bis die Jungen flügge sind. Nur in diesem Jahr wurden sie mal wieder von den Spatzen verjagt, die dann das Nest bezogen haben. Sauerei. Aber toll hast Du das festgehalten. Danke dafür und schönes Wochenende in der Villa Schwalbe – Elke

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, ich habe Deinen Beitrag mit dem herunter gefallenen Schwalbennest gelesen. Solche Sachen sind dann sehr tragisch. Aber die Spatzen nutzen mitunter recht gern die Schwalbennester für ihre Zwecke. Aber wenn dann solche Unglücke passieren, ist es gleich doppelt schlimm, finde ich.
      Schön ist es, wenn die Schwalben überhaupt noch irgendwo Möglichkeiten finden, ihre Nester zu bauen. Ich mag diese netten Dauerschwätzer 🙂
      Liebe Grüße und auch Dir ein tolles Wochenende

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  9. IceQueen37 sagt:

    Wunderschön! Ja, das weckt auch bei mir Erinnerungen an die Sommerferien bei den Großeltern. Die lebten in einer kleinen Stadt und hatten ein Häuschen mit Garten. Es war für uns Enkelkinder die schönste Zeit des Jahres. Wenn die Schwalben sich sammelten, war das das Signal für die Großstadtkinder, dass man langsam die Taschen packen musste. 😦

    Ich wünsche Euch ein wunderschönes Wochenende!

    Liebe Grüße
    Antje

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    • Silberdistel sagt:

      Ich habe das damals als Kind einerseits gern gesehen, wenn sich die vielen Schwalben auf den Drähten sammelten und dort so viel und aufgeregt schwatzten, als müssten sie die Reisepläne besprechen, andererseits war ich aber auch immer ein wenig traurig, weil die schöne Ferienzeit zu Ende ging.
      Liebe Grüße an Dich und auch Dir ein tolles Wochenende, liebe Antje

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  10. gageier sagt:

    Hallo liebe Silberdistel danke für deinen Link einen schönen Sonntag wünscht dir Klaus

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  11. katerchen sagt:

    Glücksmomente und die halten länger als einen Tag an liebe Silberdistel.
    DANKE für die wundervollen Bilder…und das Filmchen 😀

    der Herbst es steht auch in den Startlöchern..leider
    LG zum Abend vom katerchen

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, liebes Katerchen, das ist das Schöne an solchen Glücksmomenten, dass man sich noch lange an sie erinnert und dabei kommt das schöne Gefühl, dass man dabei spürte, immer wieder mit 🙂 Es ist schön, wenn ich meine eigene Freude über die kleinen Schwälbchen so ein wenig weitergeben konnte.
      Liebe Grüße auch zu Dir und einen schönen Abend für Dich und den Paulimann

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  12. ein toller Beitrag, vielen Dank
    und liebe Grüsse in den Norden Ernst

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