Nein, nein, keine Angst, wir laufen nicht durch die Katakomben irgendeiner fränkischen Großstadt. Obwohl … vielleicht wäre das gar nicht so uninteressant. Aber wer weiß, vielleicht würde es mich bei meiner reichen Fantasie da sogar gruseln. Dafür habe ich eventuell doch bereits einmal zu viel „Indiana Jones“ geschaut. Wer weiß, was da alles in dunklen Ecken lauern würde. Ich laufe dann doch lieber oberirdisch und an der frischen Luft an einem freundlich von der Sonne beschienenen Kanal entlang. Der Main-Donau-Kanal, über den wir Silberdistels hier unlängst stolperten, bot sich regelrecht dafür an.

Wenn wir Herrn Silberdistels Frau Mama besuchen, fahren wir oft unter dem Mittellandkanal hindurch. Herr Silberdistel musste irgendwann dort sogar schon einmal anhalten, weil seine neugierige Gattin diesen Kanal endlich auch einmal von seiner Wasserseite aus begutachten und nicht immer nur seinen Unterboden anstarren wollte. Ich fand es schon immer überaus spannend, oben fahren große Schiffe, während wir unten mit dem Auto quasi drunter durchtauchten. Dieser kurze Halt damals am Mittellandkanal war nur eine kleine und recht kurze Kanalstippvisite. Immerhin hatte sie wenigstens meine schlimmste Neugierde befriedigen können. Gern hätte ich noch mehr und länger geschaut.

Aber nun bot sich ein längeres Schauen endlich einmal an. Eigentlich sollte es nur ein kleiner gemütlicher Spaziergang entlang des Kanals werden. Ich hatte mir ein paar nette Entenfotos versprochen, vielleicht dazu noch das eine oder andere vorbeifahrende Schiff. Doch dann wurde ganz plötzlich mehr daraus. Ganz in der Ferne sah es aus, als würde es dort eine Schleuse oder ähnliches geben. Voller Neugierde zogen wir los. Herr Silberdistel warnte zwar, das könne ganz schön weit entfernt sein, auch wenn es recht nah ausschaute. Aber egal, wir hatten doch Zeit und nach Regen sah es ausnahmsweise einmal nicht aus. So wanderten wir und wanderten und wanderten. Etwa zwei Stunden später waren wir endlich bei dem, was wir dort in der Ferne gesehen hatten, angekommen. Es handelte sich tatsächlich um eine Schleuse. Unterwegs hatten wir bereits einige Schiffe gesehen, die entweder von der Schleuse kamen oder in ihre Richtung unterwegs waren. Ob wir auch noch eines in der Schleuse würden beobachten können?
Wir hatten die Schleuse noch nicht ganz erreicht, da überholte uns ein Schiff. Wenn wir uns beeilen würden, könnten wir vielleicht zuschauen, was in der Schleuse mit diesem Schiff passierte. … und so war es dann auch. Wir kamen gerade noch rechtzeitig, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie eine Schleuse arbeitet. Das Schiff, das eben noch auf Kanalhöhe schwamm, sank in der geschlossenen Schleusenkammer mit sinkendem Wasserstand langsam tiefer und tiefer, dann öffnete sich das vordere große Schleusentor und unser Schiff konnte hindurchfahren. Wir schauten voller Begeisterung zu. Toll, dass unser Ausflug mit einem solch interessanten Erlebnis gekrönt wurde.
Zurück ging es dann auf der anderen Kanalseite. Hinter der Schleuse konnten wir nämlich auch den Kanal überqueren. Natürlich gab es während unserer Wanderung entlang des Main-Donau-Kanals nicht nur Wasser und Schiffe zu sehen, ich kam auch noch zu meinen Entenfotos, entdeckte vielerlei Blühendes am Wegesrand und sogar eine Flaschenpost. Obwohl … wir konnten nicht prüfen, ob sich eine geheime Nachricht in der Flasche befand. Kanalschwimmen trauten wir uns dann doch nicht zu und die Enten waren auch so gar nicht hilfreich. Sie waren mehr mit sich selbst beschäftigt und wenig an uns und der dummen Flaschenpost interessiert. So werden wir also in diesem Punkte dumm sterben müssen. Schade eigentlich, oder? Naja, egal. Wenigstens kam am Schluss zum Troste nicht nur noch ein winziger Hauch von Heimatgefühl in uns auf, als wir auf einmal einige Möwen über uns hinwegfliegen sahen, wir glaubten sogar, an diesem Tag noch einmal den Sommer gefunden zu haben, so angenehm warm und sonnig war der Tag.

Für Diaschau eines der Bilder anklicken!

Kommentare
  1. arabella50 sagt:

    Wunderschöne Fotos sind das wieder.

    Gefällt mir

  2. minibares sagt:

    Unter einem Kanal herfahren, das kann man in Deutschland.
    Ok, in England, da ist es fast normal.
    Aber in Deutschland eher selten.
    In Heidelberg haben wir auch mal Schiffe beobachtet in der Schleuse. Ist schon eine spannende Sache.
    Du hast ja noch so vielerlei gefunden, die Flasche, war kein Drankommen möglich?
    Kohlweißling, Schiffsanker, Getreiderollen, sie warteten auf dich, hach noch ein Schmetterling, und die Möwe, jaaaaaaaaaa, bald seid ihr wieder daheim.

    Gefällt mir

  3. Andrea sagt:

    Durch den Bücherstaub geblinzelt…sehe ich bei dir ENTEN und so vieler-l-EI SCHÖN((es))von der NATUR……DANKE dir für´s schauen….hab einen guten SonnTAG….und eine gute WOCHE….HERZlichst ANDREA:))

    Gefällt mir

  4. Frau Hummel sagt:

    Das ist wirklich eine interessante Sache so eine Kanal- und Schleusenbesichtigung. Da hat sich der lange Fußmarsch ja gelohnt. Und wie üblich hat die Silberdistel noch viele andere Sehenswürdigkeiten entdeckt 🙂
    Ich habe leider ein wenig den Blick dafür verloren, da ich das hier ganz in meiner Nähe auch habe. Schön, wenn einem mal wieder die Äuglein geöffnet werden durch so einen schönen Bericht 😀
    Liebe Grüße vom Elbeseitenkanal

    Gefällt mir

    • Silberdistel sagt:

      Das glaube ich gern, wenn man so einen Schleusenschauplatz quasi vor der Tür hat, dass er dann irgendwann zur Normalität wird und man ganz automatisch das Interesse daran verliert. Ich habe vor vielen Jahren in der Nähe von Passau das erste Mal eine Schleuse gesehen. Das fand ich damals schon hochinteressant. Diese Schleuse hier ist gegen die von damals allerdings ein Winzling. Interessant fand ich es trotzdem wieder.
      Liebe Grüße von Kanal zu Kanal 😉

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s