Wenn man denkt, fern der Heimat und vor allem so ganz fern der eigenen kätzischen Herrschaft kann man endlich ausspannen und so tun, als würde man Urlaub haben, dann wird man schneller, als man denkt, ins reale Leben und die eigentlichen Aufgaben, die schnödes Katzenpersonal zu verrichten hat, zurück katapultiert.

So wurden wir, nachdem die Müllers an die Ostsee enteilt waren und wir zu alleinigen Herrschern und Verteidigern ihres Heimes und ihrer Katzenherrschaft aufgestiegen waren, am darauffolgenden Morgen durch gar seltsame und überaus beharrliche Kratz- und Klopfgeräusche aus dem schönsten Schlaf und den süßesten Träumen gerissen. Verwirrt und verwundert blickte ich um mich. Was klopfte und raschelte hier so seltsam? Gehörte dieses Geräusch etwa doch nicht in den Traum von eben? Ach, richtig, wir sind ja fern der Heimat und in einem fremden Haus mit fremder kätzischer Herrschaft, der wir für eine Weile dienstverpflichtet sind und der wir gefälligst für diesen Zeitraum jeden noch so kleinen Wunsch von den Augen abzulesen haben. Offensichtlich herrschen im Hause der Müllers andere Sitten und Gebräuche als daheim, vor allem scheint das Frühstück wesentlich früher gereicht zu werden als in unserer Hauptanstellung nahe dem Meer. Die fränkische Katzenherrschaft meint wohl, uns auf diese Dienstverfehlung erst einmal per Zeichensprache aufmerksam machen zu müssen. Sie scheint der Überzeugung zu sein, an der Erziehung des angereisten Hilfspersonals noch intensiv arbeiten zu müssen. So wird ganz streng darauf gepocht – in Ermangelung eines Tisches halt an die Schlafzimmertür der Neuankömmlinge – dass die Essenszeiten in diesem Hause überaus pünktlich einzuhalten sind. Wie lange mag die Herrschaft schon geklopft haben? Immer nachdrücklicher mischen sich unter die Klopfsignale ärgerliche Schimpflaute.

01

Peinlich berührt wegen meiner dienstlichen Verfehlung stehe ich auf, trotte schlaftrunken zur Tür und werde, kaum dass ich die Tür geöffnet habe, fast von zwei halb verhungerten Pelzträgern umgeworfen und gewürgt. Die hochherrschaftliche Dame im getigerten Pelzmantel stürzt sich auf mich und beißt … ach nein … sie putzt viel mehr an meinen Beinen herum. Wahrscheinlich will sie damit verhindern, dass ich noch auf die Idee komme, vor der Zubereitung des Frühstücks ins Bad zu huschen und ausgiebige Körperpflege zu betreiben. Ganz so vornehm muss das Personal wohl doch nicht das morgendliche Mahl servieren. Okay, verstanden! Ich gebe mich erst einmal mit dieser kleinen Katzenwäsche zufrieden und bemühe mich, irgendwie zwischen einer mich putzenden Katze und einem mir  vor den Füßen herumlaufenden Kater unfallfrei die Treppen hinauf zur Küche zu stolpern.

02

Ungeduldig tigert die fränkische Herrschaft um mich herum und fordert mit gestrengen Lauten, gefälligst etwas zügiger bei der Frühstückszubereitung zu arbeiten.

03

Endlich stehen die Teller bereit, ich darf mir den Schweiß von der Stirn wischen und die fränkische Herrschaft stürzt sich ohne Dankeswort auf das morgendliche Mahl. Schüchtern frage ich, ob ich mich entfernen darf – ins Bad vielleicht? Das mampfende Vierbeinerpaar straft mich mit Nichtachtung und schlingt, als hätte es monatelang darben müssen. Hier herrschen ganz schön strenge Sitten, wenn das Essen nicht rechtzeitig zur Stelle ist.

04

Auch später gibt es kein Wort des Dankes.

05

Man möchte nun seine Ruhe.

06

Demonstrativ genervt schaut die Herrschaft weg und lässt mich dumm dastehen.  Den Dank für meine Dienste bekomme ich später serviert. Ich finde einen Teil des meinerseits so überaus liebevoll kredenzten Essens hochgewürgt und halbverdaut vor den Katzenklos wieder. Wie darf ich das denn nun verstehen? Ist das die Art der gestrengen fränkischen Herrschaft, mir zu zeigen, was sie von meiner Aushilfstätigkeit hält?

 

Kommentare
  1. ann53 sagt:

    Oh Oh, ist ja super liebe Silberdistel und das hat man nun von seiner Fürsorge! 😀
    So ein Katerchen wie dieser getiegerte Geselle hier hatten wir auch mal und machte uns viel Freude.
    Der drohende Blick der schwarzen Katze verheißt jedoch nichts Gutes und nur gut dass du schnell wieder das Haus verlassen hast denke ich. *lach*
    Liebs Grüßle von Herzen ❤

    Gefällt mir

    • Silberdistel sagt:

      Ja, neue Katzen, neue Sitten. Da muss man sich erst einmal ganz vorsichtig an die neuen Sitten und Gebräuche herantasten. Aber ich bin ja geduldig 😉
      Hier ist übrigens das Tigerle die Katze und der Schwarze ist der Kater 😉
      Liebe Grüße auch an Dich, liebe Ann ❤

      Gefällt mir

  2. arabella50 sagt:

    Haha, immer dieser Ärger mit dem Personal.

    Gefällt mir

  3. minibares sagt:

    Oha, Frühaufsteher sind eben Frühaufsteher, da kann man nix machen.
    So musst du dir wohl den Wecker stellen, und das im Urlaub.
    Neee, neee, nicht so schön.
    Aber du schaffst das, da bin ich sicher.
    Liebe Grüße in den Urlaub
    Bärbel

    Gefällt mir

  4. einfachtilda sagt:

    Ja ja, so sind sie. Die geben keine Ruhe, schlingen das Futter hinunter und dann alles wieder auswürgen.Danach schlafen sie ihren Schönheitsschlaf….ganz schön gemein, aber man kann auch Katzen erziehen, das klappt wirklich 🙂

    LG Mathilda ❤

    Gefällt mir

  5. Und das nennt sich nun Urlaub … :-)). Ich hoffe, ihr habt euch bald einander angenähert. Stell dir vor, ihr verlegt im Laufe eurer Anwesenheit die Essenszeit ein wenig nach hinten. Was die Müllers dann wohl bei der Wiederkehr erleben … Katz und Kater, die morgens nicht in die Puschen kommen.
    Oh, Moment, das könnte sich andersherum genauso auswirken. Falls die Müllers eure Katzen daheim an frühere Zeiten gewöhnen … ^^ Dann geht das ganze daheim noch einmal von vorne los! Aufstehen vor dem Wachwerden und so …
    Urlaub ist echt anstrengend. 🙂

    LG Michèle

    Gefällt mir

    • Silberdistel sagt:

      Ich dachte gestern schon, wir würden nun endlich miteinander auskommen. Mein Schoß wurde besetzt und Streicheleinheiten wurden eingefordert. Doch als wir heute nach längerer Abwesenheit hier wieder aufschlugen, waren die Futterteller noch gut gefüllt und der Teppich im Wohnzimmer trug einen wunderhübschen dunklen Ulf-Fleck. Wahrscheinlich hatten wir uns zu viele Stunden einfach frei genommen und die Herrschaft fühlte sich somit sträflich vernachlässigt.
      Oh Schreck 🙄 Deine Variante jagt mir kalte Angstschauer über den Rücken. Ich freute mich schon auf das Ausschlafen zuhause. Wer weiß, was uns nun nach unserer Heimkehr droht 🙄
      Liebe Grüße und danke für die Vorwarnung, dass uns zuhause Schlimmes drohen könnte. Wir werden ganz gefasst heimkehren 😉

      Gefällt mir

  6. kowkla123 sagt:

    so hat man seine Freude, wie auch immer, beste Grüße, Klaus

    Gefällt mir

  7. Frau Müller sagt:

    Jaja, gleich wiedererkannt, die lieben Kleinen… 😀
    Die Fütterzeit richtet sich normalerweise nach der Aufstehzeit der Kinder, also derzeit noch eindeutig zu früh. Ich hätte vorwarnen sollen….

    Gefällt mir

    • Silberdistel sagt:

      Soso, nach der Aufstehzeit der Kinder also … So etwas haben wir doch lange hinter uns. Wir schlafen jetzt gern aus. Ist doch nichts, wenn man sich nicht VOR der Übernahme eines Jobs gründlich informiert. Naja, zu spät … Die Hauptsache ist, Ihr polt unsere Herrschaft jetzt nicht auch auf Frühschicht um …

      Gefällt mir

  8. giselzitrone sagt:

    Einen schönen Tag liebe Silberdistel schöne Bilder von den beiden Katzen und ein guter Beitrag.Ich wünsche dir eine gutes sonniges Wochenende sin ein paar Tage an der Ahr.Liebe Grüße Gislinde

    Gefällt mir

  9. IceQueen37 sagt:

    Wieder ein sehr vergnüglicher Bericht! Meiner erster Gedanke: „Was macht denn Jerry da?“. Auch das Verhalten kommt mir allzu vertraut vor. Wenn ich nicht rechtzeitig wach werde, kann es passieren, dass ich eine Pfote im Gesicht habe oder durch Kratzen am Schrank aus dem Schlaf gerissen werde. 😀
    Ich wünsche Dir einen tollen Start in die Woche und dass die Wolken bei Euch mal die Sonne durchlassen mögen!

    Liebe Grüße
    Antje

    Gefällt mir

    • Silberdistel sagt:

      Ja, die Katzendame dort ist auch so schön getigert wie Dein Jerry. Dieses Verhalten ist wohl fast allen Katzen eigen. Unsere beschweren sich auch, wenn sie meinen, wir hätten wieder einmal viel zu lange geschlafen und sie völlig vernachlässigt.
      Auch Dir einen schönen Start in die neue Woche und liebe Grüße an Dich – mal schauen, ob die Sonne diese Woche mehr Lust auf Arbeit hat 😉

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s