… muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Ob Reinhard Mey wohl recht hat? Bis zu unserem letzten Urlaub jetzt im Juni hätte ich die Frage nicht beantworten können …

Wir Silberdistels haben schon viele Male oben in der Rhön auf der Wasserkuppe gestanden, den Schülern der Gleitschirmflugschule bei ihren ersten Übungen zugeschaut, den kleinen Modellseglern hinterhergeblickt, aber auch zu den Motor- und Segelflugzeugen hoch über uns sehnsuchtsvoll hinaufgesehen, beobachtet, wie sie starteten, landeten und wieder starteten. Herr Silberdistel sprach irgendwann seinen Wunsch, die Rhön einmal in einem solchen Flugzeug überfliegen zu wollen, laut aus. Jetzt endlich war es so weit. Wir hatten beschlossen, den lang gehegten Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen. Für meinen Herrn Silberdistel war das eine echte Mutprobe, denn auf Schiffen oder in Bussen geht es ihm gewöhnlich nicht so gut. Ich habe gestaunt, dass er sich dennoch in so ein kleines Flugzeug würde setzen wollen. Sicher würde es wackeln, tänzeln, vibrieren – alles Dinge, die der Magen eines Seeuntauglichen nicht mit Lobeshymnen honorieren würde. Ich getraute mich auch gar nicht, vor dem Start zu fragen, ob wir für den schlimmsten Fall aller Fälle eine Tüte mitnehmen wollten. Ich behielt meine Frage lieber für mich, in der Hoffnung, dass eine solche Notfalltüte nicht nötig werden würde.
Das Wetter war am Tag unseres großen Unternehmens ein wenig uneins mit sich und der Welt. Als wir uns auf den Weg zur Wasserkuppe, dieses Mal per Auto, machten, sah der Himmel recht wolkenverhangen aus, nur selten blinzelte die Sonne einmal auf uns herab. Würde die Sicht überhaupt gut genug sein? Schließlich wollten wir nicht nur fliegen, sondern auch etwas sehen. Wenn wir gegen Mittag am Flugplatz auf der Wasserkuppe sein würden, ob sich der Dunst bis dahin etwas verzogen hätte? … und ob sich zu der Zeit hoffentlich wenige Flugwillige dort oben versammelt hätten oder würde es trotz Mittagszeit lange Wartezeiten geben? Was soll’s, wir würden es sehen und uns zur Not auch in Geduld üben …

20-Unser Flieger

… und tatsächlich ging unsere Rechnung auf. Am Flugplatz warteten bereits mehrere Piloten der Fliegerschule Wasserkuppe auf Kundschaft. Schneller als gedacht, saßen wir in einem kleinen Motorflugzeug und warteten auf die Startgenehmigung. Die ließ nicht lange auf sich warten und wenig später waren wir bereits in der Luft. … und ich hatte recht, wie vermutet, zappelte das kleine Maschinchen mitunter recht heftig in dem luftigen Element. Sogar mir, die ich eigentlich ganz seetauglich bin, wurde es etwas mulmig in der Magengegend. Wie würde diese Zappelei dem Magen von Herrn Silberdistel gefallen? Fragen würde ich lieber nicht. Man soll schließlich keine schlafenden Hunde wecken. Vielleicht würde ich mit einer solchen Frage sogar noch den Piloten in Panik versetzen, der zu Recht befürchten würde, nach dem Rundflug sein Flugzeug putzen zu müssen.

08-Den Wolken ganz nah
Doch dann vergaß zumindest ich, dass mir gerade noch ein wenig seltsam in der Magengrube gewesen war. Fasziniert schaute ich hinaus, betrachtete begeistert die Welt von hoch oben, die ich schon so viele Mal zu Fuß durchquert hatte. Welch berauschendes Gefühl, den Wolken ganz nah zu sein und sogar der Sonne ein Stück näher. Ja, auch der Sonne. Sie war wieder da und blinzelte uns durch immer größer werdende Wolkenlücken hindurch an. Sie wusste sicher, wie wichtig sie uns in diesem Moment war. Ich blinzelte ihr ein Dankeschön hinüber und schaute verträumt aus dem Flugzeug und genoss es, unsere wunderbare Welt einmal aus einer ganz anderen Perspektive betrachten zu können. Gut, wenn sich die Maschine  ein wenig in die Kurve  legte, war es nach wie vor etwas seltsam, aber irgendwie war es auch ein erhebendes Gefühl, so durch die Lüfte zu schweben, sich so schwerelos zu fühlen. Ich knipste, was das Zeug hielt, hatte dabei natürlich zu tun, die Kamera ruhig zu halten, denn mitunter wurden wir doch ziemlich durchgeschüttelt. Wir merkten durchaus die eine oder andere Windböe. Immer wieder einmal hatte ich plötzlich die Tragflächen im Bild, aber so sieht man wenigstens, dass wir wirklich in einem Flugzeug saßen 😉 Zeitweise saß ich aber auch ganz still auf meinem Platz und schaute einfach nur ergriffen in die weite Ferne – die Kamera hatte Pause. Wie schön doch alles von hier oben ausschaute. Ich konnte auf einmal dieses Gefühl von grenzenloser Freiheit nachempfinden – hier oben, den Wolken, der Sonne so nah wie nie zuvor in meinem Leben. Wie erstaunlich  winzig alles unter mir aussah – wie Spielzeug.

09-Winzige Pferde auf einer Weide unter uns

Die Pferde auf der Weide dort unten erschienen mir nahezu unwirklich. Auch wenn wir bei unseren Wanderungen bereits von den höchsten Bergen der Rhön hinuntergeschaut hatten, hier, noch ein Stückchen höher, war es doch ein ganzes Ende fantastischer – nahezu märchenhaft schön.

15-Rhön, was bist Du schön!

Es ist himmlisch, fantastisch, wunderschön, wenn man so grenzenlos weit schauen kann. … und während ich in dem kleinen Flugzeug saß, ging mir plötzlich das Lied von Reinhard Mey durch den Kopf … Wenn nicht hier, wo sonst wohl sollte die Freiheit grenzenlos sein?

Aber auch der schönste Augenblick geht irgendwann vorüber und man landet wieder auf dem Boden der Tatsachen oder, so wie wir, auf dem Flugplatz auf der Wasserkuppe. Für mich hätte der Flug noch ewig so weitergehen können. Für Herrn Silberdistel hätten die zwanzig Minuten keinen Augenblick länger dauern dürfen.

19-Frau silberdistel muss sich wohl erst noch sammeln
Er ist froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Immerhin schafft er es aber sogar noch, einige Fotos zu machen, während ich mich im Flugzeug noch sammeln bzw. all unsere Taschen zusammensuchen muss, um sie dem Piloten zuzureichen, damit auch ich endlich aussteigen kann.
Als ich wieder vor Herrn Silberdistel stehe, entgeht mir nicht, dass er etwas blass ausschaut. Wir hoffen, wenn sein Magen etwas Ablenkung in Form eines kleinen Mittagessens bekommt, wird die Welt gleich wieder in Ordnung sein. So streben wir erst einmal dem Imbiss-Stand  entgegen, essen und trinken eine Kleinigkeit und lassen uns den frischen Wasserkuppenwind um die Nase wehen, und so langsam erholt sich auch mein Herr Silberdistel wieder.

24-Höher und höher geht es
Zwanzig Minuten später stehen wir noch einmal am Flugplatz, schauen einem startenden Segelflieger, der von einem Motorflugzeug in die Lüfte geschleppt wird, hinterher und dann machen wir uns langsam auf den Weg zu unserem Auto auf dem Parkplatz an der Fuldaquelle, kurz unterhalb des Flugplatzes. Nebenher nehmen wir die hübsche Landschaft, auf die wir eben noch aus luftiger Höh‘ hinabgeschaut haben, als liebe Erinnerung in uns auf und verabschieden uns so für ein Jahr von der Wasserkuppe.

34-...und die immer wieder für eine Überraschung gut ist

Als ich noch einmal einen letzten Blick auf den „Fußball“ auf der Wasserkuppe werfen will, bietet sich mir ein lustiges Bild. Auf einem Schild, das die äußeren Grenzen des Flugplatzes markiert, sitzt ein Vogel. Ob er seinen Job als Flugsicherungspersonal ausübt oder ob er ganz einfach nur ein neuer Schüler der Fliegerschule Wasserkuppe ist?

Hier unten in der Diaschau sind noch einmal die Bilder dieses für uns so ereignisreichen Tages zusammengefasst. Wenn Ihr mitkommen mögt? – Wie immer für die Diaschau eines der Bilder anklicken!

Kommentare
  1. Frau Hummel sagt:

    Liebe Silberdistel, das ist ein eindrucksvoller Bericht von Eurem Flug über den Wolken 🙂
    Eben musste ich herzlich lachen als ich das Bild mit dem Vogel auf dem Schild sah. Ich bildete mir ein, dort einen Geier zu erkennen 😉 . Bei genauerem Hinsehen erkannte ich jedoch meinen Irrtum 🙂

    Das war sicher ein wunderbares Erlebnis und ehrlich gesagt, mein Verständnis für den „armen gebeutelten“ Herrn Silberdistel war groß. Wie schön, dass Ihr alles so gut überstanden habt und wohlbehalten wieder auf dem Boden angekommen seid.

    Für mich war dieser Bericht von Dir auch ein wunderschönes Erlebnis und deshalb sage ich hier wohl zum gefühlten tausendstem Mal ♥ DANKE, DASS iCH EUCH HIER BEGLEITEN DURFTE ♥ Es war wieder sehr schön 😀

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    • Silberdistel sagt:

      Wer weiß, als Geier sitzt man vielleicht am Rande eines Flugplatzes gar nicht so schlecht. Mitunter könnte dort durchaus etwas Fressbares vom Himmel fallen 😉
      Für mich war der Flug schon ein faszinierendes Erlebnis, Herrn Silberdistel hat es auch sehr gefallen. Nur hat sein etwas beeinträchtigtes Wohlbefinden seine Freude natürlich etwas gedämpft. Schade eigentlich 😦 Aber so ist das nun mal.
      Es freut mich natürlich ganz doll, dass Du an unserem Erlebnis so intensiv teilgenommen hast und dass es Dir sooo Gut gefallen hat. Danke fürs Mitkommen und ganz liebe Grüße an Dich ♥

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  2. arabella50 sagt:

    Ein wunderbarer Himmelsflug war das.Liebe Grüße

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  3. kowkla123 sagt:

    Man, hast du das toll gemacht mit dem passenden Lied dazu, wir haben hier 2 km von uns auch so einen kleinen Flugplatz, ich wünsche eine gute Woche, Klaus

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  4. ann53 sagt:

    Fantastische Impressionen eines wieder bestimmt superschönen und sehr interessanten Urlaubs in der Rhön liebe Silberdistel!!!
    Hatte auch mal die Gelegenheit an unserem kleinen Sportflugplatz in einer Cessna mitzufliegen…… muss ich aber nimmer haben, denn war mir doch etwas zu klein und wacklig das ganze. 😀
    Herrliche Aufnahmen aus dem Flugzeug, auch von den Wolken und überhaupt…………. klasse!
    Liebe Grüße und einen guten Start in die Woche wünsche ich dir von Herzen ❤

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    • Silberdistel sagt:

      Mein Herr Silberdistel meinte auch, man muss alles einmal mitgemacht haben, aber einmal reicht dann auch 😀 Ginge mir an seiner Stelle sicher ähnlich. Ich fand’s schon toll, dass er überhaupt fliegen wollte.
      Liebe Grüße und auch Dir eine schöne Woche ❤

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  5. nixe sagt:

    Mutig, mutig, liebe Silberdistel, alle Achtung! Ich bin in Punkto fliegen ein *Bangebüx* sagt man hier bei uns. Mir wird schon beim Zugucken schlecht 😎
    Aber diese fantastischen Fotos von oben kann man ja sonst nie nicht bekommen..es sein denn aus einem Fesselballon heraus, okay..nix für die Nixe.
    Liebe Grüße

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    • Silberdistel sagt:

      Naja, also mir hat es schon Spaß gemacht. Ich würde den Spaß auch durchaus wiederholen wollen, aber das müsste ich dann in Zukunft wohl ohne meinen Herrn Silberdistel tun. Ich denke, der würde dann lieber nur von unten zuschauen.
      Die Fotos waren allerdings beinahe eine Kunst für sich, weil es ja echt recht wacklig ist in so einem kleinen Flieger. Aber letztendlich waren doch etliche ganz schöne Erinnerungsbilder dabei.
      Liebe Grüße auch an Dich, liebe Nixe

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  6. minibares sagt:

    Was für ein toller Bericht, liebe Silberdistel.
    Ob wir uns sowas trauen würden, keine Ahnung.
    Solche kleinen Flieger sind schon speziell, lach.
    Deine Fotos sind ne Wucht, auch im Flieger.
    Grins, der Vogel auf dem Schild ist genial, der wartet auf seine Lehrstunde.
    gut, dass dein Mann die ganze Tour durchgestanden hat. Jippieh!
    Die kleine Stärkung anschließend brachte die Gedanken zum Glück woanders hin.
    Mit euch bin ich natürlich gern mitgeflogen.
    Liebe Grüße Bärbel

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  7. Morgentau sagt:

    Wow … liebe Silberdistel,

    dass ich heute noch zu einem so grandiosen, wunderschönen Rundflug kommen würde, hab ich ja nicht im Traum gedacht.
    Danke fürs Mitnehmen. Ich hab es sehr genossen … und ehrlich, mir war kein bisschen schwindlig oder kottrig (wie es meine Mutter zu nennen pflegte) … und heil gelandet sind wir auch. Herz, was willst du mehr?

    Ein lieber Abendgruß am Beginn einer hoffentlichen schönen Woche
    von Frau Morgentau

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    • Silberdistel sagt:

      Na endlich einmal einer, dem es nicht schlecht wird beim Fliegen 😉 Da hast Du den Flug wenigstens auch so richtig genießen können, liebe Frau Morgentau. Das finde ich schön 🙂 Ja, heil gelandet sind wir auch, der Pilot hat seine Sache sehr gut gemacht.
      Einen lieben Abendgruß zurück an Dich und auch Dir eine ganz besonders schöne Woche 🙂

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  8. fsmilla sagt:

    Ja, der Reinhard hat schon recht, du zeigst es ja……
    LG Smilla

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  9. Gudrun sagt:

    Ein feiner Bericht, liebe Silberdistel. Ich glaube, diese Momente und diese Bilder wirst du nicht wieder vergessen. Ich freue mich mit dir, dass du diese Landschaft, die du so liebst, ganz in Ruhe von oben sehen konntest. Nein, du warst bestimmt nicht zum letzten Mal in der Rhön.
    Liebe Grüße von der Gudrun, deren Tochter gerade auf dem Heimflug in ihr Land ist.

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    • Silberdistel sagt:

      Nein, Gudrun, die Bilder werde ich ganz sicher nicht vergessen. Es war schon sehr faszinierend. Und Du hast recht, wir waren nicht das letzte Mal in der Rhön. Wenn nichts dazwischen kommt, dann sind wir nächstes Jahr Ende Mai wieder dort.
      Oh, dann ist Deine schöne Zeit mit den Kindern also auch erst einmal wieder vorüber? Da bleibt dann aber immer die Vorfreude auf das nächste Mal, oder?
      Liebe Grüße auch an Dich, liebe Gudrun

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  10. annapos sagt:

    Ano, kouzelný zážitek. Také létám, z kuchyně do pokoje, na zahradu a zpět, v dubnu i na koštěti, stejně jako všechny čarodějnice? Let malým letadlem závidím.

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  11. […] gerade in den beiden Fliegern saßen. Wie aufregend es dort oben ist, weiß auch ich seit unserem Rhönrundflug im vergangenen Jahr und wie berauschend es ist, den Wolken so nah zu […]

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