Versunkene Dörfer und Glockengeläute. Wo mag es so etwas geben? Ein Moor würde zu diesem Szenario passen? Genau! Vielleicht sogar ein „Schwarzes Moor“? Hört man nicht immer wieder von irgendwelchen Moorleichenfunden? Warum sollte nicht auch ein ganzes Dorf in einem Moor verschwinden können? … und wenn das Dorf versinkt, ob da nicht auch die Glocken des langsam immer tiefer sinkenden Kirchturms ganz wild um Hilfe läuten?

01-Wegweiser gegenüber dem Parkplatz am Schwarzen Moor

Wir haben ein solches Moor besucht – das Schwarze Moor in der Rhön, der Hochrhön. Es umfasst etwa 60 ha und ist das größte Moor in der Hohen Rhön überhaupt.

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Beim Schwarzen Moor handelt es sich um ein Hochmoor. Eine der Tafeln auf dem Moorrundweg erklärt recht gut, was man unter einem Hochmoor zu verstehen hat. Wer es also etwas genauer wissen möchte, darf sich gern hier bilden. Das Schwarze Moor ist das einzige Moor in Mitteleuropa, das immer noch im Wachstum begriffen ist. Erstaunlich oder? Wo man doch immer denkt, Moore gehören irgendwie der Vergangenheit an. Es gibt sie also noch und einige von ihnen sind auch gut behütete Naturwunder, in die der Mensch nicht mehr eingreift, die er aber dennoch anschauen und bewundern darf. Schon seit vielen Jahren gehört dem Schwarzen Moor unsere ganz besondere Liebe. Ich glaube, es gab nur ganz wenige Wanderurlaube in der Rhön, in denen wir bei unseren Ausflügen dieses Moor nicht besucht haben.

Der Eingangsbereich zum Schwarzen Moor

Der Eingangsbereich zum Schwarzen Moor

Immer wieder zieht es uns dorthin, immer wieder auch entdecken wir Neues, ist es ein Erlebnis der besonderen Art. Moore sind überhaupt ein faszinierendes Stückchen Natur und genau deshalb habe ich mir mit meinen fleischfressenden Pflanzen auch ein kleines Stückchen davon in meinen Garten geholt. Ich werde noch berichten, denn meine beiden Moorbewohner, die ich hier im Bücherstaub schon einmal vorgestellt habe, sind umgezogen – in einen kleinen eigenen Bottich – in ihr eigenes Mini-Moor. … und Zuwachs haben die beiden Karnivoren auch bekommen. Aber dazu später irgendwann. Zurück zu unserem Schwarzen Moor. In jeder Jahreszeit sieht ein Moor anders aus, betört durch seinen Farbenzauber, durch unterschiedliches Licht und Wetter auf eine ganz besondere geheimnisvolle Weise. Das Schwarze Moor liegt im Dreiländereck Bayern/Hessen/Thüringen in einer Höhe von 710 m ü. NN. Man kann es gut über die Hochrhönstraße mit dem Auto erreichen. Vom Parkplatz am Schwarzen Moor aus gibt es vielerlei Wandermöglichkeiten. Am faszinierendsten ist für mich jedoch immer wieder eine Wanderung entlang des Holzbohlenstegs, der direkt durch das Moor führt. Viele Informationsschilder geben zudem Auskunft über die Besonderheiten der Tier- und Pflanzenwelt dieses Moores, sodass man genau weiß, worauf man an welchen Stellen im Moor besonders achten sollte, um Seltenes und vielleicht auch Einzigartiges zu entdecken.

Sonnentau

Sonnentau

Im Schwarzen Moor gibt es nicht nur eine hochinteressante Pflanzenwelt zu sehen, hier lebt durchaus auch eine beachtliche Tierwelt, auch wenn es größere Tiere hier kaum gibt, da sie im Moor versinken würden. Die Insektenwelt ist zahlreich vertreten, aber auch die Vogelwelt hat hier einige sehr seltene Arten zu bieten, die man allerdings eher einmal hört als dass man sie sieht. Birkhahn und Auerhahn sind hier, wenn man Glück hat, anzutreffen, Bekassine, Kiebitz, Wildente, Taucher leben im Moor, aber auch Raubvögel sind dort zu finden.

Kreuzotternschild

Natürlich will ich auch die Blindschleichen, Kreuzottern, Salamander und Eidechsen nicht vergessen, die hier im Schwarzen Moor ihr Zuhause haben. Sicher sind all diese Tiere eher selten zu sehen, aber sie sind da und machen das Moor zu einem einzigartigen Lebensraum.

Ein Moorsee

Ein Moorsee

Der Name des Schwarzen Moores hängt mit einer Sage zusammen, die immer wieder in der Geschichte des Schwarzen Moores umhergeistert.  Vor langer Zeit soll es  am Schwarzen Moor eine Ortschaft gegeben haben, deren Bewohner ein recht sündhaftes Leben geführt haben sollen. Zur Strafe für ihr sündhaftes Tun soll eines Tages an Stelle des Ortes ein tiefer schwarzer See entstanden sein, der sich nach und nach mit einer schwarzen Moordecke überzog. Diese schwarze Moordecke gab dem Moor irgendwann seinen Namen. Das Dorfleben des im Moorsee versunkenen Ortes soll aber trotzdem nicht ausgestorben sein, denn in der Tiefe des Sees soll immer noch Leben sein. Die mit ihrem Dorf versunkenen Bewohner bitten  voller Reue um Erlösung. An manchen Tagen kann man aus der Tiefe des Moores ein unheimliches Rauschen und Gurgeln hören und den Klang einer Orgel. Das Moor brodelt und kocht und schwarzes schlammiges Wasser tritt aus den Mooraugen. Es wird behauptet, dass man, wenn man an solchen Tagen am Rande des Schwarzen Moores sein Ohr auf die Erde legt, Glocken läuten hört, das Schlagen der Kirchturmuhr vernimmt und das Krähen der Hähne aus dem versunkenen Dorf hören könne.
Sicher tragen auch die immer wieder einmal gefundenen Moorleichen dazu bei, dem Moor Unheimliches, Gespenstisches, Grusliges zuzuschreiben. Eine der Informationstafeln im Schwarzen Moor berichtet über solche Leichenfunde in Mooren und die sicher unter anderem auch daraus resultierenden Ängste der Menschen vor dem Moor.

Informationstafel auf dem Moorrundweg

Informationstafel auf dem Moorrundweg

Nun ja, wir sind bisher weder auf eine Moorleiche gestoßen, noch haben wir das versunkene Dorf entdeckt oder seine Kirchenglocken läuten gehört, noch kochte und brodelte das Moor, während wir es besuchten.  Aber ein bisschen unheimlich sind solche Geschichten dennoch, oder? Eine Nacht im Moor würde uns das Moor sicher eher von dieser finsteren und unheimlichen Seite sehen lassen und vielleicht würden wir dann sogar an die Existenz dieses versunkenen Dorfes glauben können.

Der Holzbohlensteg führt uns sicher durchs Moor

Ein Holzbohlensteg führt uns sicher durchs Moor

Aber genug der Gruselgeschichten, lasst uns bei herrlichstem Sonnenschein, Vogelgezwitscher und dem Summen von Insekten durchs Moor wandern. An diesem Tag musste man sich nicht fürchten. Die Mooraugen zeigten erstaunlich wenig Wasser. Da brodelte also auch nichts. Die trockene Hitze der letzten Tage hatte auch das Moor dursten lassen. Das Moor zeigte sich uns eher von seiner guten, sonnigen und sogar romantischen Seite denn von seiner schaurigen. Lasst uns heute also ein paar dieser schönen und nicht der dunklen Geheimnisse eines einzigartigen, und für meine Begriffe wundervollen, Moores gemeinsam entdecken.

Für Diashow eines der Bilder anklicken!

Kommentare
  1. Andrea sagt:

    klingt nach MYSTIK….bin ich davon aufgewacht…….DANKE di ollte sowieso wieder aufsehen…..hab einen guten TAG…..HERZlichst ANDREA:))

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  2. giselzitrone sagt:

    Wünsche einen schönen Freitag schöne Bilder da habe ich schon mal von gehört schöne Geschichte.Ich wünsche dir ein gutes und sonniges Wochenende.Liebe Grüße Gislinde

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    • Silberdistel sagt:

      Wir sind dort gern unterwegs – ist immer wieder ein schöner und interessanter und auch entspannender Rundgang. Es gibt dort auch viele Bänke. Man kann sich also auch einfach irgendwo niederlassen und nur schauen und dem Vogelgezwitscher lauschen 🙂
      Auch Dir, liebe Gislinde, ein schönes sonniges Wochenende und ganz liebe Grüße an Dich

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  3. kowkla123 sagt:

    Mit deinen Bildern und Texten machst du mir große Freude und auch etwas Appetit auf das Gebiet,einen tollen Tag wünsche ich, Klaus

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  4. Morgentau sagt:

    Liebe Silberdistel,

    wie gruslig, ich träume von Mooren, die unser Auto verschlucken und jetzt lese ich bei dir von versunkenen Dörfern. Ich mag solche Geschichten sehr (Träume, in denen ich mich selbst vor dem Versumpfen retten muss, weniger … lach), wie ja auch den Hund von Baskerville, über den ich neulich schon schrieb. Auch ein Buch über Moorleichen, wo jene auch abgebildet ist, habe ich mit Interesse und Faszination gelesen. Das hat schon was Schauriges … hihi.

    Wir besuchen manchmal das Wurzacher Ried, das auch über ein beachtliches Areal verfügt …

    http://www.naturschutz.landbw.de/servlet/is/67511/

    Wenn ich deine wunderschönen Naturfotos sehe, bekomme ich gleich Lust, auch mal wieder über die Knüppeldämme im Moor zu laufen. Aber nicht dieses Wochenende, muss einiges an Hausarbeit und Schlaf nachholen … lach.

    Dir, liebe Silberdistel, wünsche ich ein schönes, ausgefülltes Wochenende
    und sende ganz liebe Grüße,
    Frau Morgentau 🙂

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    • Silberdistel sagt:

      Liebe Frau Morgentau, nein, von Mooren, die unser Auto verschlucken habe ich noch nicht geträumt. Ich würde denken, von Mooren eigentlich überhaupt noch nicht. Vielleicht erscheinen mir Moore also gar nicht so gruselig. Ich fand es bisher auch immer eher faszinierend, was man dort alles sehen kann. Selbst die wenigen Nebeltage, die wir dort bereits erlebt haben, waren für mich eher interessant als gruslig. Aber wer weiß, vielleicht würde ich das Moor in der Nacht auch ein wenig anders betrachten und mir kämen dann ähnliche Gedanken wie Dir in Deinen Träumen. Ist es nicht seltsam, dass man von schaurigen Begebenheiten auch fasziniert sein kann? Wir Menschen sind schon ein komisches Volk *lach*
      Dein Wurzacher Ried scheint auch ein interessantes Stückchen Natur zu sein, dem man offensichtlich die Liebe angedeihen lässt, die solche Gegenden für meine Begriffe verdienen. Wenn ich einmal in der Gegend bin, dann muss ich dort ganz sicher hin.

      Mein Wochenende wird sich wohl ähnlich gestalten wie Deins. Bei mir wartet auch so einiges, was liegengeblieben ist, dennoch endlich einmal erledigt werden will.
      Liebe Grüße an Dich und trotz der Arbeit, die auf Dich wartet, wünsche ich Dir ein schönes und entspannendes Wochenende

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  5. buchpost sagt:

    Wie schön, habe meinem Mann gerade erzählt, wo wir dringend mal hin müssen 🙂 Moore und Holzbohlenstege, eine Mischung, der ich nicht widerstehen kann. Vielen Dank für Fotos und die Anregung, diesen schönen Ort zu besuchen. LG, Anna

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    • Silberdistel sagt:

      Da geht es Dir also wie mir 😉 Ich kann dieser Mischung auch nicht widerstehen. Einmal abgesehen von den Holzbohlenstegen sind Moore ohnehin ein ganz besonderes Stückchen Natur. Einerseits haben sie etwas seltsam Mystisches an sich, vielleicht sind sie auch gerade dadurch so anziehend für uns. Andererseits sind sie für mich auch irgendwie ein Ruhepol. Ich könnte dort den ganzen Tag auf einer Bank sitzen und einfach nur schauen, lauschen und die Düfte einsaugen, die die vielen Gräser verströmen.
      Schön, dass mein Beitrag vielleicht Anregung für Euch ist, auch einmal diesen wirklich sehr schönen Ort zu besuchen. Es lohnt sich, egal zu welcher Jahreszeit, obwohl es mir bisher im Herbst am besten gefallen hat.
      Liebe Grüße und einen schönen Abend für Dich

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  6. buchpost sagt:

    Vielen Dank für die Anregung, dass der Herbst vielleicht ganz besonders geeignet für einen Besuch ist. Ich hoffe sehr, dass wir das noch dieses Jahr auch in die Tat umsetzen. Ich werde berichten … Auch dir einen schönen Abend und einen schönen Sonntag, egal ob mit oder ohne Fußball.

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    • Silberdistel sagt:

      Wir haben das Moor in unserem Urlaub im letzten Herbst erlebt. Das war ein ganz fantastischer Farbenzauber. Allerdings muss man unter Umständen damit rechnen, dass es dann bereits relativ kalt ist dort oben im Moor – je nachdem, wann Ihr hinfahrt. Wir waren Mitte Oktober zur schönsten Laubfärbung dort. Es war traumhaft schön.
      Auch Dir einen netten Rest vom Abend und einen schönen Sonntag 🙂

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  7. […] Silberdistel macht mich ganz neugierig auf das Schwarze Moor und dazu passt der wunderbare Beitrag auf Von Orten und Menschen. […]

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  8. interessant, lehrreich und ganz fantastische Bilder…

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