Sie baut, er trällert …

Veröffentlicht: 12. Mai 2014 in Fotos, Garten, Geschichten, Natur, Tiere, Unterhaltendes
Schlagwörter:, , , , , , , , , , , , , , , , , ,

… so ist das bei den Amseln. Er sitzt auf dem Dach, zupft hier, zupft dort am Gefieder und macht sich so richtig schick für seinen Auftritt als Klein-Caruso. Frau Amsel dagegen hat überhaupt keine Zeit für die Schönheitspflege und für Gesang schon gar nicht, im Gegenteil, sie hat schwere Arbeit zu verrichten. Bei den Schwarzdrosseln ist nämlich die Frau für den Hausbau zuständig. Allerdings wäre es dennoch gut, wenn Herr Amsel mitunter seine Gattin bei der Wahl für den Standort des neuen Eigenheims etwas behilflich wäre. Sie hat bisweilen eine eigenartige Vorstellung von sicherem Baugrund. Obwohl, im Grunde ist Frau Amsels Idee beim ersten Hinschauen so übel nicht. Auf jeden Fall hätten die Kindlein ein Dach über dem Kopf. Da Wind und Regen oft aus nordöstlicher oder nordwestlicher Richtung heranrauschen, wäre der Bauplatz nahezu regensicher. Außerdem hätten die kleinen Amselküken später etwas Abwechslung bei Stillstands- und Wartezeiten auf das Futter. Sie könnten nämlich, solange Mama und Papa Amsel auf Futtersuche sind, den Silberdistels regelmäßig beim Frühstück, Mittag- und Abendessen zuschauen. Auch sonst würde die Menschenfamilie sicher für viel Abwechslung sorgen, denn in der warmen Jahreszeit hockt sie fast rund um die Uhr in ihrem gläsernen Gartenzimmer. Vielleicht würden die Silberdistels den kleinen Amseln sogar das eine oder andere Futterhäppchen zukommen lassen. Hatte Frau Amsel etwa mit voller Absicht diesen Bauplatz neben dem Glaskasten der Menschen gewählt? Wenn man es recht bedenkt … also doch wohldurchdacht. Im Winter hatte es im Garten reichlich Futter gegeben. Die Silberdistels würden sich beim Anblick der kleinen Vogelkinder sicher auch jetzt nicht lumpen lassen. Wenn, ja … wenn da nur diese beiden pelzigen Raubtiere nicht wären.  Alles hatte Frau Amsel anscheinend doch nicht bedacht, als sie sich für das im Moment nur mit Steinen gefüllte Blumenregal als Bauplatz für ihr Nest entschied. Eines Morgens nämlich nahm das Verhängnis seinen Lauf. Die Amseldame saß gerade in dem schon recht ansehnlichen Nest, polsterte hier und polsterte dort noch ein wenig aus, als die Silberdistel in ihrem Glaskasten, der sich unmittelbar neben dem Amselbauplatz befindet, erschien. Vor der Distel huschte die Katze ins Gartenzimmer und wollte hinausgelassen werden. Die Silberdistel öffnete dann auch wie jeden Morgen die Tür und entließ die Katzen in den Garten, damit sie sich die Beine vertreten und nach dem Rechten und Linken schauen konnten. Die Katzendame verschwand sofort irgendwo hinten auf dem Gartenweg, weit entfernt vom Amselnest. Der Kater hatte nichts Eiliges zu tun, als zunächst seine geliebte Katzenminze aufzusuchen und sich anschließend gut gedeckt von der Sonne bescheinen zu lassen. Frau Amsel war inzwischen wieder ausgeflogen, um noch ein wenig Polstermaterial für das Nest zu sammeln. Als der Vogel aus dem Nest aufflog, bemerkte die Silberdistel, was dort im Regal quasi über Nacht entstanden war und staunte nicht schlecht. Wenig später tauchte die braune Vogeldame erneut auf, im Schnabel eine kleine Gräserauswahl. Zunächst machte Frau Amsel auf dem Schuppendach einen kleinen Zwischenstopp, ordnete die Gräsersammlung noch einmal und schaute dann aufmerksam zur Silberdistel hinüber. Die war gerade mit dem Eindecken des Frühstückstisches beschäftigt. Von dort schien keine Gefahr zu drohen. Die Silberdistel war schließlich ein Vogelfreund, hatte sie doch im Winter sogar ihr Futter mit den Amseln und den anderen Vögeln geteilt. So nahm die Amsel Schwung, um rüber zu ihrem Bauplatz zu fliegen, hatte dabei jedoch den gut getarnten Kater in der Katzenminze völlig übersehen. Als die Vogeldame über den Pelzträger hinwegflog, duckte sich der Kater, beobachtet die Amsel ein Weilchen bei ihren Bauaktivitäten und schlicht dann ganz vorsichtig Richtung Amselnest. Die Amsel erschrak, stürzte laut schimpfend in einem eleganten Bogen aus dem Nest und schoss durch die Büsche über den Nachbargarten davon.
Der Kater staunte der Amsel mit offenem Maul hinterher, besann sich aber wenig später und inspizierte nun erst einmal das Vogelnest. Entsetzt hatte die Silberdistel die Szene beobachtet. Ob die Vogeldame durch die Attacke des Katers nun wenigstens klug geworden war und sich einen anderen Nistplatz suchen würde?
Klopfenden Herzens schaute die Silberdistel an diesem Tag immer wieder zum Amselnest hinüber, bevor sie die Katzen in den Garten hinaus ließ. Das Nest blieb jedoch bis zum Abend leer, Frau Amsel baute offensichtlich nicht weiter. Am anderen Tag sammelte die Vogeldame wieder fleißig Nistmaterial, flog damit jedoch in den Garten gegenüber. Die Amselfrau hatte offensichtlich begriffen, dass der Bauplatz bei den Silberdistels, so schön er war, für ihren Nachwuchs nicht sicher sein würde.
Herr Amsel hatte sich von der ganzen Szenerie so gar nicht beeindrucken lassen. Zwischenzeitlich hatte er einmal kurz geschaut, wie weit der Hausbau vorangeschritten war, todderte kurz mit den Katzen herum, zerrte einen fetten Wurm aus der Erde und nahm wenig später frisch gestärkt erneut seinen Hochsitz auf dem Dach ein und trällerte fröhlich sein Lied. So sind sie, die Amselmänner … die Frau schuftet, muss sich zusätzlich zum anstrengenden Hausbau noch mit Katzen herumschlagen und der Mann hat nichts weiter zu tun, als ein Liedchen vom Dach zu pfeifen. Beim Brüten wird er sich ebenfalls kein Bein ausreißen, wenigsten bei der Fütterung der Kleinen wird er später mithelfen. Falls er dann auch immer nur trällern möchte, weil er meint, die Kinder müssen in den Schlaf gesungen werden, dann wird ihm die Gattin dieses Mal ganz bestimmt Beine … oder vielleicht doch eher Flügel … machen.

Für Diashow eines der Bilder anklicken!

Kommentare
  1. Andrea sagt:

    Durch den BücherSTAUB geblinzelt sehe ich fleißig die AMSEL sich ein NEST bauen für die jungen wie schön ist das zum frühen morgen mit anzusehen…hab einen guten TAG…HERZlichst ANDREA:))

    Gefällt mir

    • Silberdistel sagt:

      Inzwischen hat die Amsel einen hoffentlich besseres Nistplatz gefunden. Ich mochte mir gar nicht vorstellen, wie es geworden wäre, wenn sie darauf beharrt hätte. Da hätten wie Stress pur gehabt.
      Eine schöne neue Woche für Dich und viele Grüße

      Gefällt mir

  2. Frau Hummel sagt:

    Oh, was hat mir die Amseldame leid getan….
    Sooo viel Arbeit (das Nest ist so schön geworden) und alles für die Katz.
    Hier fliegt der Amselmann auch den ganzen Tag herum und verteidigt sein Revier durch, für meine Ohren, wunderschönen Gesang und mitunter gefährlich aussehenden Hahnenkämpfen. Er ist damit so stark beschäftigt, dass er beim besten Willen nicht beim Nestbau helfen kann ;-). Beim Füttern seiner Brut ist er dann hoffentlich wieder relaxter 🙂 .

    Gefällt mir

    • Silberdistel sagt:

      Mir hat die Amselfrau auch leid getan, aber letztendlich war ich dann doch froh, dass sie dort nicht weitergebaut hat, denn, wir hätten die Katzen über 4 Wochen einsperren müssen. Trotzdem wär das Nest dort nicht sicher gewesen. Es wäre ganz leicht von jeder anderen Katze oder jedem Marder zu erreichen gewesen. Beim Brüten wär vielleicht noch nichts passiert, aber später, wenn die kleinen Amseln nach Futter geschrien hätten, dann wär die gesamte Katzen- und Marderwelt der Gegend auf das Nest aufmerksam geworden. Das hätte mir in der Seele wehgetan. Da ist es so schon besser.
      LG an Dich

      Gefällt mir

  3. einfachtilda sagt:

    Ein wundervoller Beitrag mit tollen Bilder und lustigen Texten 😀
    Hat der Amselmann denn schon seine „Pflichten“ erledigt?

    Eine schöne Woche wünsche ich dir ❤ Mathilda

    Gefällt mir

    • Silberdistel sagt:

      Im Moment sitzt er wieder öfter auf einem Baum in unserem Garten und wartet offensichtlich auf seinen Einsatz, denn ab und zu schaut er von dort aus in den Garten gegenüber 😉
      Liebe Grüße und auch Dir eine schöne Woche, Mathilda ❤

      Gefällt mir

  4. kowkla123 sagt:

    Silberdistel hat sich wieder selbst übertroffen, eine gute Woche wünsche ich dir, Klaus

    Gefällt mir

  5. Bücherphilosophin sagt:

    Bei uns nisten die Vögel gerne unter den Dachpfannen. Es sieht immer sehr lustig aus, wenn so ein kleiner Vogel zwischen den Pfannen verschwindet und seine Frau rausschickt, damit die aufpassen kann, während er die Wohnung umräumt 😉

    Hab einen sonnigen Start in die Woche,
    Katarina 🙂

    Gefällt mir

    • Silberdistel sagt:

      Bei uns sind die Dachpfannen auch bewohnt. Dort haben sich Spatzen häuslich eingerichtet. Im Haus gegenüber ebenso, wir können es von unserem Gartensitzplatz gut beobachten. Dort werden sogar schon fleißig die kleinen Spatzenkinder gefüttert 🙂
      Hier ist die Sonne heute recht zurückhaltend. Es hat immer wieder geregnet 😦 Aber wir machen uns die Woche trotzdem schön 😉
      Liebe Grüße an Dich und auch Dir einen schönen Wochenstart

      Gefällt mir

  6. nixe sagt:

    Au weia…das ist so was mit dem richtigen Nistplatz, liebe Silberdistel, wir hatten ein Rotschwänzchen Nest auf der überdachtenTerrasse, als die Jungen versorgt werden sollten traute sich das Elternpaar nicht mehr an ihr Nest, weil wir die Terrasse ja auch frequentierten….leider sind sie verhungert.
    Sehr traurig….
    Hoffentlich haben die Amseln sich einen guten Platz ausgesucht.
    Liebe Grüße

    Gefällt mir

    • Silberdistel sagt:

      Ja, manchmal bauen die Amseln ausgesprochen dumm – dieses Mal z.B. Im letzten Jahr hat die Amseldame ein Nest in einen bedornten Busch gebaut. Das war ideal. Da hatten weder Katzen, noch Marder, noch die Elstern Lust, nach den kleinen Vögeln zu schauen.
      Bei Euch war es dann ja auch tragisch, wenn die Kleinen verhungert sind. Ich denke allerdings, dass die Amsel jetzt hier im Garten gegenüber einen besseren Platz gefunden hat. Vielleicht bekommen wir es ja irgendwann noch einmal mit, wenn gefüttert wird. Auf jeden Fall drücke ich den Amseln die Daumen, dass sich der Umzug gelohnt hat und sie jetzt Ruhe haben.
      Liebe Grüße auch an Dich
      Liebe Grüße auch an Dich

      Gefällt mir

  7. Das ging ja noch mal gut! Schade um die unnütze Vorarbeit der Amseldame, aber besser, als wenn sie es erst mitbekommen hätte, wenn sich die Eier schon im Nest befunden hätten. Dein Kater ist aber auch ein gewiefter Strolch! Macht der sich in der Minze klein und lauert. ^^
    Deine Amsel scheint ja jetzt in der unmittelbaren Nähe neu zu nisten. Vielleicht kommt sie mit ihrem Nachwuchs bei euch vorbei, lässt sich – wie ihr Gemahl – in sicherer Höhe nieder und mokiert sich über die Katzen, die dort nicht an sie und die Nachkommenschaft herankommen. Erzählt ihren Jungen: Damals, als wir hier herziehen wollten, vor eurer Geburt, da haben diese beiden da unten das verhindert! Jawohl! Aber haben wir uns abhalten lassen? Haben wir auf Kinder verzichtet? Nein, haben wir nicht! …
    Danke schön für deine schöne neue Geschichte von daheim, liebe Silberdistel – und auch für die begleitenden Fotos!

    LG Michèle

    Gefällt mir

    • Silberdistel sagt:

      Ich bin wirklich froh, dass die Amseldame doch noch rechtzeitig umgezogen ist. Ich hatte schon angefangen, mir Gedanken zu machen, wie ich das Nest hätte schützen können vor allen möglichen Jägern. Aber wahrscheinlich hätte man kaum etwas machen können, ohne die Amsel zu verschrecken. Außerdem ist so ein Holzregal ja das schönste Klettergerüst für Katzen und Co. Ich finde es so jetzt ganz in Ordnung, auch wenn wir sicher gern bei der Amselaufzucht zugeschaut hätten. Ja, ich denke, Du hast Recht, so mancher Vogel könnte seinen Kindern diverse aufregende Geschichten erzählen. Oft wird die Geschichte wohl leider auch tragisch geendet haben. Na, ich drücke den Amseln jetzt mal die Daumen für ein gutes Ende 🙂
      Liebe Grüße auch an Dich

      Gefällt mir

  8. Morgentau sagt:

    Ja, liebe Silberdistel, alle Jahre wieder spielen sich da richtige Dramen ab. Mir bleibt manchmal schier mein Herz stehen, wenn ich zufällig Zeuge werde. Sei es, dass ich beobachte, wie Gefahr auf vier Pfoten lauert, oder auch die Gedanken an Frau Storch und ihre junge Brut, wenn das Wetter gar so wüst ist. Zum Glück gibt es hier noch keinen Nachwuchs. Aber trotzdem scheint die ganze Vogelwelt damit beschäftigt und ich wünsche allen von Herzen Glück.

    Ein lieber Abendgruß
    von Frau Morgentau

    Gefällt mir

    • Silberdistel sagt:

      Leider hat sich hier bei uns auch schon das eine oder andere Drama abgespielt, liebe Frau Morgentau. In einem Jahr müssen Elstern ein Nest ausgeräubert haben. Ein anderes Mal hat die Amsel ihre Eier einfach im Stich gelassen. Was der Grund war, konnten wir nicht herausbekommen. Aber auf der anderen Seite habe wir auch viele schöne Beobachtungen machen können und z.T. die Aufzucht der Brut mitbekommen. Das waren immer wundervolle Erlebnisse, die ich ganz sicher nicht vergessen werde. Unser Garten ist so klein, trotzdem sind hier schon viele Vogelkinder zur Welt gekommen. Wir hatten mehrmals Amselnester im Garten, Rotschwänze haben hier gebrütet, Blaumeisen und Kohlmeisen und sogar schon mehrmals eine Familie Klappergrasmücke. Das alles TROTZ unserer Katzen. Aber selbst mit Katzen im Garten kann man viel für die Vogelwelt tun, wenn man ein wenig die Augen offenhält und seine pelzigen Vierbeiner ein wenig im Auge behält. Nur manchmal, so wie jetzt, sind die Katzen doch Störenfriede für die Vogelwelt. Aber ich denke, die Amseldame hat das erkannt und die richtigen Schlussfolgerungen gezogen.
      Einen lieben Abendgruß auch an Dich, lieb Frau Morgentau 🙂

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s