Es ist Gartenzeit. Was tut man da anderes, als im Garten herumzupusseln? Bei mir mutet das Herumpusseln mitunter wohl etwas seltsam an. Nicht nur einmal erntete ich schelmische Blicke von an meinem Gärtchen vorüber flanierenden Nachbarn. Ich habe nämlich neben all meinen gärtnerischen Gerätschaften gewöhnlich auch noch meine Kamera in unmittelbarer Reichweite, denn, man kann ja nie wissen, was einem plötzlich über den Weg läuft oder fliegt, und wie oft trifft man so ganz nebenher bei der Gartenarbeit auf die wundervollsten Fotomotive. In einem solchen Fall, und der tritt recht häufig ein, habe ich natürlich nichts Eiligeres zu tun, als das eben noch geschwungene Gartengerät fortzuwerfen, geschwind nach der Kamera zu greifen und mein Motiv für die Ewigkeit festzuhalten. Oft hockt, kniet oder liegt dann eine Silberdistel mehr oder weniger verrenkt in einem Blumenbeet und richtet ihre Kamera auf ein unsichtbares Etwas. Nicht immer ist für den Vorübergehenden sofort ersichtlich, was gerade in dem Beet vor sich geht.
Unlängst überraschte mich ein Nachbar bei solchem Tun. Wieder einmal lag ich in sicher seltsam anmutender Pose halb am Boden und knipste weltvergessen eine kleine Schnecke. Mehr im Unterbewusstsein bemerkte ich am Rande meines Sichtfeldes eine Bewegung. Dort stand ganz still und leise mit einer Schubkarre einer unserer Nachbarn und schaute mir bei meiner Knipserei zu. Wie lange mochte er dort schon gestanden haben? Als ich erstaunt zu ihm aufblickte, lächelte er mich freundlich an: „Was machen Sie dort unten auf der Erde? Fotografieren sie eine Ameise? Oder eine Fliege?“ „Nein“, grinste ich zurück, „eine Schnecke.“ „Ach so, im ersten Moment konnte ich gar nicht erkennen, was Sie dort unten überhaupt tun. Ich habe mir schon Sorgen um Sie gemacht. Doch dann habe ich Ihren Fotoapparat gesehen und dachte, Sie knipsen sicher Ameisen oder Fliegen. Darum habe ich mich jetzt ganz vorsichtig herangeschlichen. Ich dachte, ich kann hier jetzt nicht mit meiner Schubkarre vorbeidonnern und der armen Frau die Insekten verscheuchen“, sprach Herr Nachbar. Ich musste herzlich über ihn lachen, war aber dennoch ganz gerührt. So viel Feinfühligkeit und Verständnis hatte ich ihm gar nicht zugetraut. „Sie dürfen ruhig weitergehen, ich denke, die kleine Schnecke hier wird wohl nicht wegfliegen“, antwortete ich. „Eine Schnecke also“, sagte mein Zuschauer interessiert und trat vorsichtig samt Schubkarre näher, beugte sich zu mir herunter und nahm mein kleines Schnecken-Model in Augenschein. „Was Sie auch alles fotografieren! Sie machen sicher auch hübsche Blumenfotos, oder? Ich habe Sie nämlich schon öfter dabei beobachtet, wenn Sie mit dem Fotoapparat von Blume zu Blume gesprungen sind“, sprach der Nachbar lachend. Wenig später setzte er seinen Weg ganz vorsichtig und leise fort. Er schlich fast so sanft wie die Schnecke vor mir davon, so als hätte er trotz meiner Versicherung, mein Motiv würde ganz sicher nicht fortfliegen können, dennoch Bedenken, dass sich die Schnecke, würde er eine zu heftige Bewegung machen, auf wundersame Weise in die Lüfte erheben und davonflattern könnte. Ist es nicht wunderschön, wenn man solche interessierten und zugleich verständnisvollen Nachbarn hat? Lächelnd und angenehm berührt schaute ich ihm hinterher und widmete mich wenig später einem Marienkäfer.

Die Bilder in der Galerie hier unten sind alle an jenem Tag und nebenher bei der Gartenarbeit entstanden. Immer wieder hat mich ein Motiv von der eigentlichen Arbeit abgelenkt. Vielleicht wird mir auch deshalb die Arbeit im Garten nie langweilig. Es gibt so ganz nebenbei unendlich viel zu entdecken.

Für Diashow eines der Bilder anklicken!

Kommentare
  1. Frau Tonari sagt:

    Sooooo schöne Motive mal wieder.
    (Mich hielt neulich jemand beim hockend Fotografieren für den Teil einer Skulpturengruppe und erschrak fast zu Tode als ich plötzlich aufstand. „Ich dachte, sie sind ein Gnom.“ Na, vielen Dank auch. *zwinker*)

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  2. Andrea sagt:

    Ich bin jetzt im SCHNECKE(n)TEMPO angereist….zu dir…….durch den BücherSTAUB kurz durchgeblinzelt………um dir einen schönen SAMS–TAG zu wünschen….HERZlichst ANDREA:)

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    • Silberdistel sagt:

      Was? Heute im Schneckentempo und gar nicht mit dem Hexenbesen unterwegs? 😀 Naja, ist vielleicht besser, wenn man durch Bücherstaub taucht. Da ist es langsam sicherer, weil die Sicht doch meistens etwas durch den Staub getrübt ist. Nicht, dass Du am Ende noch verunfallst 😉
      Sonnige Grüße zum Wochenende 🙂

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      • Andrea sagt:

        Doch ………..ich habe meinen HEXE(n)besen in meinem langsamen SCHNECKE(n)häuschen dabei gehahbt……und dabei ist ein BücherSTAUB auf mein SCHNECKE(n)Häuschen gefallen und ……hat mein SCHNECKE(n)häuschen in LUFT aufgelöst….und ich ward verWANDEL(t)…..in eine HEXE mit einem HEXE(n)BESEN……doch da deine SICHT durch den BücherSTAUB langsam trübe wird……habe ich mir noch eine SPEZIALL–BRILL gehext……….und die SICHT…..ist zu dir geSICHER(t)……..blinzel blinzel…..gerinzel………ins WOCHE(n)END……..gelinze………((haha))

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  3. kowkla123 sagt:

    guter Nachbar und ja, er hat ja recht, du bist eben ein guter Fotograf und deine Aufnahmen sind immer wieder toll,schönen Samstag, Klaus

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  4. Waldameise sagt:

    Oh, welche schöne Gartenarbeitablenkungsfotos, liebe Silberdistel. Und nicht nur dort gibt es all diese Ablenkungen. Überall passieren die tollsten Sachen … da explodieren Knospen, da schlagen die Bäume aus … und alles möchte man mit der Kamera festhalten, gell?

    Schöne Fotos … vorallem das kleine Schneck- und Käferlein … wie ich das liebe.

    Ein lieber Gruß in deinen Garten
    von der Waldameise

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    • Silberdistel sagt:

      So ist es, liebe Waldameise 🙂 Überall und immer passieren die tollsten Sachen, im Moment ist es aber mit am schönsten. Man weiß gar nicht, worauf man die Kamera zuerst richten soll. Hier summt es, dort flattert es, dort drüben singt es wunderbar 🙂 So ist die Kamera jetzt auch fast überall dabei, nicht dass ich etwas ganz Besonderes verpasse 😉
      Einen lieben Sonntagsgruß in Deine Ameisenburg 🙂

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  5. ann53 sagt:

    Meine Nachbarn schaun manchmal etwas ironisch lächelnd, wenn ich mit Schaufel und Kamera bewaffnet im Garten herumwurstel liebe Silberdistel.
    Wunderschöne Aufnahmen wieder, mit viel Liebe zum Detail! 🙂
    Liebe Grüße von Herzen ♥

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, liebe Ann, hier schaut auch so mancher Nachbar etwas belustigt, wenn ich mit der Kamera vor mir über den Boden krieche, aber damit kann ich leben 😉 😀 Inzwischen dürfte sich mein Umfeld daran gewöhnt haben, dass meine Kamera auch eine Art Gartengerät ist 😀
      Liebe Grüße auch an Dich und einen wunderschönen sonnigen Sonntag ♥

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  6. Ich merke gerade, wenn ich deine Geschichte und auch die Kommentare lese (herrlich!), dass das Phänomen Gärtnernde mit Kamera offenbar häufiger anzutreffen ist. 🙂 Aber es ist tatsächlich so: Man muss seinen Apparat einfach griffbereit haben, wenn das Viehzeug und die Naturschönheiten sich in Pose werfen. Das passiert so plötzlich, da kannst du nicht erst drinnen auf die Suche gehen und deinem Gimpel (oder in deinem Fall der Schnecke) sagen, dass er (sie) kurz so bleiben soll … ja genau so .. nichts ändern!
    Wissen deine Nachbarn, dass du darüber bloggst, liebe Silberdistel? Bei mir haben es welche irgendwoher erfahren (ich glaube über einen Zeitungsartikel, den ich veröffentlichte). Seitdem wird noch genauer geschaut, was ich mache, und ich wiederum muss noch vorsichtiger sein, WAS ich schreibe!^^

    Liebe Grüße und vielen Dank für die schönen Fotos aus diesem Garten-Shooting!
    Michèle

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    • Silberdistel sagt:

      Wahrscheinlich treffen sich gerade hier in der Bloggerwelt gehäuft die Gärtnernden mit Kamera 😀 Die schönen Szenen, die man gern mit der Kamera einfangen möchte, sind oft so kurz, da bleibt echt keine Zeit, um die Kamera erst zu holen. Einige meiner Aufnahmen wären gar nicht möglich gewesen, wenn ich den Fotoapparat nicht regelrecht neben mir gehabt hätte. Die Schnecke hätte vielleicht einen Moment gewartet und der sich sonnende Siebenpunkt ebenso, ein Vogel schon eher weniger oder ein Schmetterling. Sogar manche nette Katzenszene hätte ich versäumt, wenn die Kamera nicht an der Frau gewesen wäre.
      Ich denke, meine Nachbarn wissen nicht, dass ich blogge, bin mir da aber nicht so sicher. Richtig, man muss vorsichtig sein, was man worüber schreibt, aber ich denke, das sollte man generell, denn nicht alles gehört an die Öffentlichkeit.
      Liebe Grüße auch an Dich, liebe Michèle, und einen schönen sonnigen Sonntag. Hier kommt der Sonntag wieder einmal ganz schön luftig daher 🙂

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  7. luiselotte sagt:

    So schöne berührende Motive…..

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  8. giselzitrone sagt:

    Einen guten Sonntag wünsche ich dir schöne Bilder, und der Marienkäfer so schön sind so schwer zu bekommen.Bin auch aus der Reha wieder zurück,war auch lange genug.Grüße noch lieb von mir.Gislinde

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    • Silberdistel sagt:

      Hallo liebe Gislinde, schön, dass Du wieder zurück bist 🙂 Ich hoffe, die Reha hat Dir und Deiner Gesundheit ordentlich gutgetan.
      Danke, dass Du mich gleich besucht hast, ganz liebe Grüße an Dich und einen wunderschönen Sonntag

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  9. Frau Hummel sagt:

    Liebe Silberdistel, wieder einmal musste ich schallend lachen, als ich Dein Post las. Ich wollte mir so gern vorstellen, wie Du dort im Blumenbeet liegend, Fotos für uns machst *lach*. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, wenn ich mir die herrlichen Fotos anschaue. Und einen netten und verständnisvollen Nachbarn hast Du auch. Ich fand es sehr fürsorglich, dass er nach Dir schaute.

    Ich kann das, zumindest von einem meiner Nachbarn, nicht behaupten. An einem späten Nachmittag wollte ich bei diesem Nachbarn ein für ihn angenommenes Paket abliefern. Als ich seinen Garten betrat, knurrte und bellte es plötzlich ganz hektisch neben mir im Gebüsch. Ich erschrak ganz fürchterlich, erwartete ich doch, im nächsten Moment von einer mordenden Bestie angefallen zu werden. Aber vor mir saß der besagte Nachbar auf allen Vieren mit Eimerchen und Hacke bewaffnet, beim Unkrautjäten. Er amüsierte sich köstlich darüber, dass er mir so einen Schreck eingejagt hatte und ich hätte ihm am liebsten sein Paket sonst irgendwo hingesteckt *grummel*.

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    • Silberdistel sagt:

      Da siehst Du mal, was ich alles auf mich nehme, um für Euch Fotos zu machen 😉
      Dein Nachbar wollte sich sicher nur einen Spaß erlauben. Wenn er natürlich gewusst hätte, dass Du Dich vor Hunden fürchtest, dann hätte er vielleicht doch lieber wie ein Vögelchen gezwitschert 😉 Aber ich hätte mich sicher auch erschrocken und gefürchtet und mir wäre sein Paket schon vor lauter Schreck aus der Hand gefallen. Ich glaube, MEIN Nachbar ist mir dann doch lieber 🙄

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  10. katerchen sagt:

    liebe Silberdistel
    stelle mir gerade vor WIE du die Schnecke VERFOLGT hast..grins
    Ja sie sind da..
    habe Löwenzahn ausgestochen und an jeder Wurzel wohnte eine Nacktschnecke brr

    Danke für die schönen Bilder aus deinem Garten
    mit einem LG vom katerchen

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    • Silberdistel sagt:

      Ich denke, gerade DU kannst Dir das bestimmt sehr gut vorstellen. Du kennst sicher derartige Positionen 😉
      Im Moment hätte ich allerdings arg mit der Verfolgung der Schnecke zu tun. Mein Ischiasnerv nervt mich gerade ungeheuer. Ich halte es momentan nicht lange aus am PC 😦
      Nacktschnecken habe ich hier leider auch schon wieder gesichtet 😦 Ich könnte wohlwollend auf sie verzichten.
      Liebe Grüße auch an Dich, liebes Katerchen 🙂

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