Aber sicher, der Lockruf des Frühlings ist auch bei uns Silberdistels  angekommen. Immer wieder zieht es uns hinaus in die frühlingshafte Natur.  So haben wir unlängst schon ein wenig für unseren nächsten Wanderurlaub die Beinmuskulatur trainiert. Schließlich wollen wir in naher Zukunft erneut die Berge der Rhön besiegen. Ein wenig Training im Vorhinein kann mit Sicherheit nicht schaden, so dachten wir, obwohl Berge bei uns Flachlandtirolern doch eher dünn gesät sind und wir somit vielleicht die Höhe, die die Berge ausmachen, mehr in die Länge ziehen müssen. So nahmen wir uns ein bisschen mehr als gewöhnlich vor. Doch letztendlich war der geplante Weg viel schneller bewältigt als gedacht. Oder sind wir ganz einfach gar nicht so untrainiert wie zunächst befürchtet? Auch wenn der Weg kurz war und wir Muskeln und Kreislauf nicht so intensiv trainiert haben, wir wir es uns vorgenommen hatten, hatte das Ganze doch einen angenehmen positiven Nebeneffekt. Immerhin kennen wir nun unsere nähere Umgebung schon wieder ein wenig besser und konnten somit einen weiteren für uns bisher noch weißen Fleck auf der heimischen Landkarte tilgen. Das kann schließlich auch nicht schaden. Wie erhofft, kamen wir doch tatsächlich an unserem kleinen Ententeich an.
Aber beginnen wir von vorn. Zunächst schauten wir natürlich bei den Rehen in unserer Obstplantage vorbei. Wir mussten doch sehen, wie ihnen der Frühling bekommt. Die Rehe allerdings  hatten dieses Mal mit uns so gar nichts im Sinn. Die Masse der braunäugigen Vierbeiner war gar nicht da. Wahrscheinlich ließen sie irgendwo anders ihren Frühlingsgefühlen freien Lauf. Der Rest von ihnen war uns ebenfalls nicht sehr gewogen, er zeigte mehr als überdeutlich sein Desinteresse an unserem Erscheinen.  Das Desinteresse hatte einen hübschen weißen Spiegel auf braunem Grund und schaute uns höhnisch an, und das war dann auch alles, was wir dieses Mal von den Rehen zu sehen bekamen. Wir versuchten tapfer, es zu ignorieren und es nicht persönlich zu nehmen. Hoch erhobenen Hauptes schritten wir weiter und taten so, als hätten uns Rehe noch nie interessiert.
Der Gedanke an unseren kleinen Ententeich munterte uns auch bald wieder auf, hatten wir es doch schon ein gutes Stück des Wegs bis dahin geschafft. Wir mussten nur noch irgendwo den richtigen Absprung, sprich die richtige Wegkreuzung, finden. Wenig später meinten wir, sie gefunden zu haben. Der kleine Bach rechts neben uns, sollte, wenn wir die Karte richtig deuteten, zu dem Park mit unserem kleinen Ententeich führen. Nach wenigen Minuten Fußmarsches öffnete sich der bis dahin schmale Weg zu einer hübschen parkähnlichen Gegend. Obwohl die Bäume und Sträucher trotz des in diesem Jahr so frühzeitig begonnenen Frühlings noch kaum belaubt waren, zeigte die Natur hier hübsche frühlingshafte Farben. Die Zweige des gelben und roten Hartriegel, die an vielen Stellen im Park wachsen, ließen bereits erahnen, wie hübsch es hier bald aussehen würde. In einer Gartenanlage, die sich rechts unseres Weges erstreckte, war bereits reges frühlingshaftes Treiben zu vernehmen. Überall wurde geräumt, gebuddelt, an Bäumen und Büschen frisiert. Auch der allerletzte Garten war wahrscheinlich spätesten an diesem Tag aus seinem eben noch geruhsamen Winterschlaf gerissen worden. Es pochte, hämmerte, raschelte. … und … kaum zu glauben, hatten wir uns doch noch gar nicht so richtig warmgelaufen, da war er bereits – der kleine Ententeich. Es flatterte, schnatterte, plantschte und jagte überall über den Teich. Die Entendamen konnten sich kaum vor Verehrern retten, so viele Erpel tänzelten um sie herum. Man merkte es, auf dem Teich war Frühling. Eine Weile schauten wir dem Geplantsche noch zu, amüsierten uns über die aufgeregten Erpel, die eifrig auf Brautschau waren und sich gegenseitig nicht aus den Augen ließen. Dann setzten wir unseren Weg fort. Wir ließen den Park mit seinem Entengeschnatter hinter uns und gingen an einer langen Pappelreihe entlang.
Hoch oben in einem der Bäume saß eine Elster und unterhielt sich krächzend mit ihrem Partner, der sich gerade einige Bäume weiter auf einem Ast niedergelassen hatte. Ob die beiden Vögel auf der Suche nach einem geeigneten Platz für die Aufzucht ihres geplanten Nachwuchses waren? Auch bei den Elstern hatte der Frühling scheinbar seine Gefühlswölkchen hinterlassen. Uups, beinahe hätte ich, während ich die Elstern beobachtete, einen der wenigen Krokusse, die noch blühten, zertreten. Ganz unvorsichtig hatte  sich ein lila Blütenköpfchen auf den Wegesrand gelegt. Aber es war ja noch einmal gutgegangen. So konnte der kleine Krokus hoffentlich noch einen weiteren Spaziergänger mit seiner leuchtenden Farbe erfreuen.
Ich ließ die Wiese mit dem Krokus hinter mir und folgte meinem Herrn Silberdistel in einen Weg, der hier auch schön öfter einmal zu Wort kam, in einen Weg, den urwüchsige, mitunter recht seltsam und gespenstisch anmutende, Kopfweiden säumen. Nicht nur in der Gartenanlage von eben war der Friseur unterwegs gewesen, auch hier trugen die Bäume neue kecke Frühlingsfrisuren. Durch die frisch gestutzten Haare der Weiden kamen die Gesichter der Bäume so richtig schön zur Geltung. Erstaunlich, was ich alles sah, je länger ich die Weiden betrachtete – einen Weidengeist mit einer Knubbelnase, einen mit einem riesigen Maul, einen weiteren mit einem kleinen Äffchen auf dem Rücken, wieder ein anderer hatte ein uriges Fenster zum Hindurchschauen zu bieten. Was für ein seltsames Paar stand dort drüben? Eng umarmt flüsterten sie einander etwas zu. Wie spitz die Nase des einen Geistes war. Spannend, aufregend und schaurig schön war dieses letzte Stückchen unseres Weges. Wer weiß, was Ihr noch alles entdecken könnt, was mir vor lauter Aufregung entgangen ist. Ach, habt Ihr auch die kleine Baumhöhle gesehen? Wer mag darin wohl wohnen? Oder ob sich in diesem Baum ebenso ein Baumgeist verbarg wie in den Weiden – ein Geist, der sein Maul so weit aufriss, um Vögelchen zum Nestbau zu verlocken, die er dann ganz einfach auffraß? Aber jetzt gruselt es mich doch ein wenig. Frühling kann unwahrscheinlich schön, spannend, aber auch enorm aufregend sein? Findet Ihr nicht auch?
So, ich mach‘ jetzt, dass ich nach Hause komme, sonst faszinieren mich die alten Weidengeister noch so sehr, dass ich gar nicht mehr von ihnen loskomme. Mein Herr Silberdistel wartet dort hinten schon auf mich, dort bei dem freundlichen Baumgeist mit der steifen Igelfrisur, gleich neben dem Strauch mit den vielen hübschen wuscheligen kleinen Kätzchen. Schnell hin, wo ich doch Kätzchen so mag – auch wenn es in diesem Falle Weidenkätzchen sind. 😀
Also, dann vielleicht bis zum nächsten Frühlingsausflug?

Für Diashow eines der Bilder anklicken!

Kommentare
  1. Morgentau sagt:

    Guten Morgen, liebe Silberdistel,

    was für ein bezaubernder … ver-zaubernder Frühlingsausflug in Wort und Bild. Da wär ich gern dabei gewesen. Was sag ich … ich war ja dabei, dank deiner detailgetreuen, einfallsreichen wunderbaren Erzählweise, liebe Silberdistel. Und lustig ist sogar, dass ich in den vergangenen Tagen ähnliches erleben, ja fühlen durfte. Naja, eine Kunst ist das nicht, wo wir uns doch den gleichen Frühling teilen dürfen … gottseidank.

    Dann wünsche ich euch weiterhin viel Spaß und Freude beim Trainieren eurer Beinmuskulatur für kommende Wanderungen und sende liebe Grüße,
    Frau Morgentau

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    • Silberdistel sagt:

      Hallo, liebe Frau Morgentau,
      wie schön, dass Du mich bei meinem Frühlingsausflug begleitet hast. 🙂 Ich habe eben gerade bei Dir geschaut und gesehen, dass wir in den letzten Tagen wohl tatsächlich Ähnliches erlebt haben. Auch wenn der Frühling sich hier noch etwas kühler zeigt als bei Euch, der Zauber, den wir empfinden, der dürfte ähnlich sein.
      Danke für Deine lieben Wünsche. Ich denke, wir werden noch viel und oft in der Natur unterwegs sein. Gerade die Zeit jetzt mit den vielen frischen Farben, begleitet von den fröhlichen Liedern der Vögel, darf man nicht versäumen. Da muss man einfach hinaus in die Natur. Auch wenn es manchmal ganz einfach nur der Garten ist – so wie es heute bei mir war.
      Liebe Grüße auch an Dich, liebe Frau Morgentau aus dem sonnigen Norden

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  2. kowkla123 sagt:

    sehr schöne Aufnahmen und ja, es geht den Tieren wie den Menschen, alles Gute, Klaus

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  3. einfachtilda sagt:

    Was für herrliche Fotos und die Betitelungen, einfach köstlich.

    Hab einen schönen Tag, bei uns wie im Sommer.

    LG Mathilda ☼

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    • Silberdistel sagt:

      Danke, liebe Mathilda 🙂 Du weißt doch … wenn Bilder sprechen könnten 😉
      Hier ist es immer noch relativ kühl. Aber das wird schon noch, wir folgen Euch in den Sommer 😉
      Liebe Grüße auch an Dich und einen schönen Abend ♥

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  4. Andrea sagt:

    Die FRÜHLING(s)GEFÜHLE erWACHen auch in diesen GESCHÖPFE(n)….hab einen guten ABEND…HERZlichst ANDREA:))

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  5. katerchen sagt:

    Hoffe der Muskelkater hat sich nicht DOCH heimlich in die Knochen geschlichen liebe Silberdistel
    Frühling..so richtig in Schwung ist er nicht,der Himmel bekommt keine klare Farbe:(
    Aber wenn man genauer schaut..dann ist es doch da das Band des Frühlings.
    Rehlein..hier rennen auch nur die Jährlinge umher,die Mamas bereiten sich sicher auf die Geburt nächsten Kinder vor.
    LG vom katerchen der DANKE für die schönen Bilder sagt

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    • Silberdistel sagt:

      Nein, kein Muskelkater, Katerchen 😉
      Hier ist es auch immer noch recht kühl. Ich war heute im Garten – in der Sonne – und trotzdem war ich am Ende ziemlich durchgefroren, weil ein recht kühler Wind ging.
      Du wirst Recht haben damit, dass sich die Ricken schon langsam wieder zurückziehen, weil der nächste Nachwuchs bald kommen wird. Da hat Paulimann wieder viel zu tun, wenn sich dann irgendwann das neue jugendliche Volk wieder über die Leckereien aus Eurem Garten hermachen wird. Er muss doch aufpassen 😉 😀
      Liebe Grüße auch an Dich und den Paulimann

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      • katerchen sagt:

        bis sie mit dem NEUEN Nachwuchs kommen liebe Silberdistel..ist es Sommer..
        aber Pauli..mann hat immer ein Auge auf die Rehlein.
        Kalt hier auch,hatte im Gewächshaus die Erde für die Tomaten vorbereitet..selbst da war es lausig.Übriges die Erde ist im Gewächshaus auch noch KALT..SEHR
        LG vom katerchen

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        • Silberdistel sagt:

          Paulimann hat bestimmt fleißig zu tun, wenn er immer ein Auge auf die Rehlein hat. Ein guter Haus- und Hofkater 😉
          Hier ist es heute auch wieder unangenehm kalt, recht windig dabei. Bei mir müssen die Tomaten auch noch warten 😉
          Liebe Grüße auch an Dich, Katerchen

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  6. minibares sagt:

    Grins, dich hat der Frühling offensichtlich auch fest im Griff,…
    Super dein mitreißender Text als auch die Fotos, es ist wahr, dort kämpfen die Erpel noch um ihr Weibchen.
    Und die gestutzten Bäume sind tatsächlich Geister der besonderen Art, lach.
    Klasse, danke für diesen tollen Bericht.
    Bärbel

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