Noch etwas verschlafen trotte ich, nachdem die Katzen frisch gekämmt und gefüttert sind, ins Wohnzimmer, um den beiden Pelzwesen die Tür nach draußen in den Garten zu öffnen. Die beiden schießen voller Vorfreude an mir vorbei hin zur Terrassentür. Dsc04376In dem Moment, als die Katzen an mir vorbeiflitzen, scheint irgendetwas von ihnen abzuspringen und durchs Zimmer zu flattern. Was war das denn jetzt eben? Ich schaue mich um, sehe aber im Halbdunkeln nichts Beunruhigendes. Die Katzen warten derweil ungeduldig darauf, dass das trantutige Personal endlich zu Potte kommt und ihnen die Tür öffnet. „Miauuuuuu“, ruft mir die Katzendame zu. „Ja, ich komm‘ ja schon“, sage ich lahm und trotte weiter. Der Kater versucht, mich mit einem aufmunternden Schnurrer zu einer schnelleren Gangart zu motivieren. Kaum ist die Tür geöffnet, huschen Kater und Katze in den Garten hinaus, verschrecken dabei eine Schar Spatzen, die gerade dabei ist, fröhlich vor der Terrasse herumzutrippeln und die letzten Sonnenblumenkerne der Vogelfuttersaison zusammenzusuchen und aufzupicken, was ich sehr löblich finde. So muss ich mich nicht um diese Aufräumungsarbeiten kümmern. Die Spatzen verteilen sich schimpfend rundum in den Bäumen und die Katzen eilen zügig weiter zu ihrer Sonnenbank, um zu prüfen, ob sich in der vergangenen Nacht nicht fremde Pelztiere an ihrer heiligen Stätte vergangen haben. Danach machen sie ihre übliche Revierrunde und ruhen anschließend irgendwo im Garten ab. Dsc05058Für mich ist erst einmal die wichtigste Aufgabe des Tages mit dem Türöffnen für die Katzen erledigt. Nun darf ich mich um mich selbst kümmern. Herr Silberdistel ist sicher schon mit seiner morgendlichen Schönheitspflege fertig, sodass nun auch  ich endlich ins Bad und unter die Dusche kann.
Bevor ich Richtung Bad schlendere, öffne ich noch schnell die Jalousien im Wohnzimmer und lasse den leuchtenden Morgen ins Zimmer. Ich blinzele kurz die Sonne an, drehe mich schließlich um und will hinauf ins Bad, als mein Blick auf ein kleines graubraunes Etwas auf dem Teppich vor mir fällt. Interessiert beuge ich mich hinunter und blicke einem kleinen wuscheligen Wesen in die Augen. Es ist ein Fellmonster, eines, wie es mir bisher noch nicht untergekommen ist. Nicht, dass ich keine Fellmonster kennen würde. Dsc04112Fellmonsterchen schweben hier häufig durchs Haus. Irgendwie scheinen sie mit den beiden Katzen gut Freund zu sein. Entweder lassen die Katzen diese kleinen flauschigen Wesen höchstpersönlich ins Haus oder aber, sie produzieren sie irgendwie selbst. Auf jeden Fall tragen die Katzen auf seltsame Weise dazu bei, dass sich diese kleinen Wesen überhaupt bei uns aufhalten. Es gibt Zeiten, wo die Monster besonders gehäuft auftreten und wiederum Zeiten, wo sie uns nicht so zur Last fallen. Im Moment ist es allerdings wieder besonders schlimm, da scheinen wir von kleinen Fellmonstern förmlich überrannt zu werden. Sie sind überall, wirklich ü b e r a l l. Offensichtlich vermehren sie sich im Frühjahr ganz besonders gern. Irgendwie muss es eine Symbiose zwischen dem Pelz der Katzen und diesen kleinen Monstern geben. Anders kann ich mir dieses vermehrte Vorkommen der Fellmonster ausgerechnet im Frühjahr und Herbst, wenn die Katzen nach einem neuen Pelzmantel rufen, nicht erklären. Dsc02945Ich denke beinahe, die Fellmonster leben im Pelz meiner Herrschaft und wenn die im Herbst vom Sommer- in den Wintermantel umsteigt, wollen die kleinen Monster ebenso wie die Katzen ins warme Winterkleidungsstück umsteigen und verlassen dafür den luftigen Sommermantel, um in einem unbeobachteten Moment in das neue wuschelwarme Winterkleid der Katzentiere zu huschen. Warum sollen es nicht auch Fellmonster schön und warm haben wollen? Im Frühjahr ist es ähnlich. Da wird dann wieder in den neuen Sommermantel umgestiegen. Offensichtlich scheint der Familienzuwachs der Fellmonster aber vorwiegend im Winter produziert zu werden, denn nach den kalten Wintermonaten schweben, fliegen, liegen und kleben im Frühjahr  plötzlich erstaunlich viele dieser haarigen Monster im Haus umher. Ich denke, im dünnen Sommermantel der Katzen ist nur für eine bestimmte Anzahl von Monstern Platz. Der Rest treibt sich dann einfach irgendwo bei uns im Haus herum. Nun bin ich zwar bemüht, sie immer schnell einzusammeln, bevor sie sich völlig unkontrolliert noch weiter vermehren und ich ihrer überhaupt nicht mehr Herr Frau werden kann, aber manchmal sind sie einfach schneller mit ihrer Vermehrung als ich mit meinen Sammelkünsten. So hocke ich also vor diesem kleinen, dieses Mal jedoch so andersartigem, Monster und schaue in zwei entzückende kleine Monsteraugen. Augen, nein Augen hatten die bisherigen Monster allesamt nie. So konnte ich die, bisher völlig gesichtslosen, Monster einfach immer einsammeln und schnell in den Mülleimer werfen oder besser noch mit dem Staubsauger fortsaugen. Ich hatte so gar kein Mitleid mit ihnen, ärgerten sie mich doch nur, verunstalteten sie doch ungefragt Teppiche und Sitzmöbel und mitunter sogar mich selbst mit ihrem fusseligen Körper. Doch dieses Mal war alles anders. Das Monsterchen war nicht mehr gesichtslos wie die vielen anderen vor ihm. Dieses schaute mich an – mit einem lieben wuscheligen Gesicht und bat um Erbarmen. „Bitte nicht, bitte nicht in den Müll“, schien es mir zuzurufen. Voller Mitleid mit dem niedlichen kleinen Fellmonster hob ich es auf, legte es vorsichtig auf meine Hand und dann gingen wir gemeinsam hinauf.

Das Teppich-Fellmonsterchen der neuen Art mit zwei kleinen schelmischen Augen

Das Teppich-Fellmonsterchen der neuen Art mit zwei kleinen schelmischen Augen

Das Fellmonsterchen bekam einen hübschen Platz auf meinem Schreibtisch und ich ging erst einmal ins Bad. Ich brauchte dringend eine kalte Dusche. Später würden wir weitersehen. Es schien sich eine neue, höher entwickelte Art  von Fellmonstern gebildet zu haben, die ich nicht mehr so einfach und gefühllos beseitigen konnte. Wie kann man ein Wesen in den Müll werfen oder gar vom Staubsauger verschlucken lassen, dem man zuvor in so unwahrscheinlich lieb blickende Augen geschaut hat? Vielleicht könnte dieses eine kleine haarige Wesen ja doch ausnahmsweise bei uns wohnen bleiben. Sicher würde ich einen hübschen Platz auf meinem Schreibtisch finden. Wenn es unter ständiger Aufsicht bliebe, würde es doch ganz sicher keinen Schaden anrichten … Ob sie … ob sie … ob sie mit der Zeit alle solche lieben Augen haben werden? Ja … was … was aber dann? Werden sie uns überrennen und schließlich ganz und gar die Herrschaft über uns, unser Haus und schließlich die Herrschaft der Welt übernehmen? Das könnte dann allerdings eine sehr haarige Angelegenheit werden.

Kommentare
  1. Frau Hummel sagt:

    AUFWACHEN, liebe Silberdistel, nun hast Du genug geträumt 😉
    Nein, nein, die Fellmonster mit den lieben Augen wollen die Weltherrschaft nicht übernehmen, es war alles nur ein Traum… oder!? 🙄

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    • Silberdistel sagt:

      Uups, da fällt mir aber ein Stein vom Herzen. Das war also nur ein Traum, obwohl es mir so wirklich erschien. Du glaubst gar nicht, wie beruhigt ich jetzt bin. Nun kann ich die kleinen Fellmonster wieder etwas ruhiger betrachten, sie wie früher einfach gnadenlos wegsaugen oder -sammeln. Ich werde mich gleich mal an die Arbeit machen. Am besten ist es, ich schaue sie gar nicht so genau an, nicht dass ich doch noch wieder eins mit kleinen treu blickenden Hundeaugen entdecke 😉

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  2. Andrea sagt:

    wo ist hier ein FELLmonsterchen???Dir einen guten TAG vielleicht im TEICH??**FG**HERZlichst ANDREA:))

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    • Silberdistel sagt:

      Genau, hier ist ein Fellmonsterchen mit furchtbar lieb guckenden Augen. Es hockt nun auf meinem Schreibtisch und schaut mir beim Schreiben zu.
      Nein, nein, in den Teich möchte es nicht, meint es, das schadet der Frisur 😉 Es mag nicht aussehen wie eine nasse Katze.

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      • Andrea sagt:

        doch doch es will hat es mir gerade zu–ge-flüstert……ich möchte so gerne baden in deinem TEICH…haste das in keinster WEISE gemerkt…..gehe jetzt in den GARTEN….KAFFEE trinken….und den Eichhörnchen zuSEHE(n)beim NÜßE knabbeern………(hihi)

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        • Silberdistel sagt:

          Also, als ich es eben in das Teichlein setzen wollte, hat es sich ganz furchtbar an mir festgeklammert und mich mit schreckgeweiteten Augen angeschaut. Ich konnte es einfach nicht ins Wasser setzen. Ich glaube, Du musst einem anderen Fellmonsterchen etwas ins Ohr geflüstert haben. DIESES hier mag definitiv nicht baden. Es ist so wasserscheu wie eine Katze 😀

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  3. ann53 sagt:

    Ist ja super und gut dass alles nur ein Traum war gelle liebe Silberdistel! 😀
    Liebe Grüße von Herzen ♥ ☼

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  4. Michaela sagt:

    Mein Fellmonsterchen liegt hier auf dem Sofa und blinzelt mich an und denkt nur meine Güte kennt Frauchen nie Feierabend und Ruhe? Die Tipperei stört mich beim schlafen 😀

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  5. Pauline sagt:

    Ja, ja, liebe Silberdistel, wenn Frau so transusig durch die Gegend läuft, kann man schon einmal ein wenig halluzinieren und über die Fellmonster-Weltherrschaft ins Grübeln kommen 😀
    Ich wünsche Dir ein wunderbares und entspanntes Wochenende und sende Dir ganz liebe Grüße ♥ Pauline ♥

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  6. katerchen sagt:

    ach diese Zeit..die PLÜSCHIGEN Fellmonster ist hier auch angebrochen liebe Silberdiste..nach dem Motto der Kater ist vor dem Haus,nur die Haare sind nicht mit.
    Der Staubauger hat bald Bauweh..
    LG vom katerchen und meinem Fellmonster

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    • Silberdistel sagt:

      Oh ja, der arme Staubsauger, der mag gar nicht so viel fressen, wie er im Moment muss. Er jammert mir schon wegen seines Frühjahrsübergewichtes etwas vor 😉
      Ich verstehe auch nicht, warum die Fellmonster solche Stubenhocker sind. Die Katzen sind so gern an der frischen Luft, nur die Fellmonster seilen sich, sobald nur ein Freigang droht, sofort von den Katzen ab und machen es sich auf dem Teppich gemütlich.
      Liebe Grüße zurück von mir und all unseren Fellmonstern 😉

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  7. […] doch mal in ihr liebenswertes Angesicht. Es geht um dieses Fellmonster von damals, um das, das mir vor über einem Jahr als erstes dieser Art vor die Füße sprang und das nach […]

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  8. […] Ich hatte schon einmal, nein zweimal vor der Weltherrschaft der gewarnt. Was ist, wenn sich die Fellmonster jetzt als Geister tarnen? Die Fellmonster hatten noch keine Füße, die Geister schon […]

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