Mein kleiner Märchenwald – Fortsetzung 12 – Achtung Märchenwald – bitte schellen!

Veröffentlicht: 12. März 2014 in Fotos, Geschichten, Natur, Naturgewalten, Pflanzen, Tiere, Unterhaltendes
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Mein kleiner Märchenwald ist vornehm geworden. Seinen Eingang ziert seit kurzem eine kleine weiße Türschelle. Wer Einlass begehrt, muss ab sofort vorn am Tor zur Märchenwelt läuten. Ein leuchtend weißes Schneeglöckchen ist dort nun angebracht. Berührt man die hübschen weißen Glöckchen ganz vorsichtig, erklingt leise ein kleines Frühlingslied. Wenig später geht ein Rauschen durch die Bäume und der Wald öffnet dem Gast das Tor in eine samtene Welt aus Moosen und ersten Farnen. Die Verwandlung, die die Waldameise in ihrem Wald entdeckt hat, ist auch in meinem Wald vor sich gegangen. Der Winter, der keiner war, hat meinen kleinen Märchenwald in ein moosgepolstertes Grün verzaubert. Er hatte also wieder einmal eine Überraschung für mich parat. Immer, wenn ich meine, diesen Wald nun endgültig in- und auswendig zu kennen, beweist er mir bei meinem nächsten Besuch bereits wieder das Gegenteil. Er ist unendlich wandlungsfähig. Seinen weißen Wintermantel trug er dieses Mal nur kurze Zeit. Schnell hat er ihn gegen einen flauschigen Mantel aus freundlichem Grün getauscht. Wieder einmal hat mich mein Märchenwald mit seiner Zauberkunst beeindruckt. Zu seinem hübschen neuen Mantel trug er am Tage meines Besuches sogar glänzenden und glitzernden Perlenschmuck sowie eine farblich zum Grün passende pilzige Brosche und einen feschen grüngetupften Pilzhut. Ob er all den Schmuck angelegt hatte, um mir besonders zu gefallen? Ich möchte fast glauben, er wollte gemeinsam mit mir das Ende des Winters feiern und dazu hatte er sich so hübsch gemacht.  Er reichte mir nach einer überaus freundlichen Begrüßung sogar ein Bier zum Anstoßen auf den Frühling, was mich dann doch zutiefst erstaunte. Nicht, dass wir auf den Frühling anstießen, sondern dass es in diesem hübschen Zauberwald sogar Bier gab. Das war etwas, womit ich nun so gar nicht gerechnet hatte. Mein Wald ist doch immer wieder für eine Überraschung gut. Aber vielleicht ist der Wald auch einfach nur froh darüber, dass der Frühling bereits so früh im Jahr an seine Tür geklopft hat, und das wollte er ganz einfach mit mir feiern. Wer weiß, wem er dieses Bier abgeschwatzt hat, nur damit er etwas zum Anstoßen hatte auf das vorzeitige Winterende. Der Frühling, der wird nun vieles richten, vieles, was dem Wald im letzten Herbst und Winter durch diese stürmischen Gesellen, die durch seine Bäume fegten, angetan wurde. Nur einigen Bäumen, wie beispielsweise diesem, von dem nur noch ein trauriger zerborstener Rest im Waldboden verankert ist, wird der Frühling nicht mehr zu neuem frischen Frühlingsgrün verhelfen können. Voller Trauer halten die Bäume, die jahrelang neben ihm standen und sicher so manches Erlebnis mit ihm teilten, ihren Freund in den Armen. Sie werden in Zukunft ohne ihn weiterleben müssen. Er wird nun eine neue Aufgabe übernehmen. Er wird sich nicht mehr gemeinsam mit den vielen langjährigen Baumgefährten im Winde wiegen können. Er wird auf neue Art für das Leben des Waldes sorgen. Wenn die Zeit reif ist, werden seine Freunde ihn sanft auf den weichen Waldboden gleiten lassen, Moose, Flechten und Pilze werden ihn bevölkern und ihm so ein zweites Leben schenken. Er wird nun Ameisen, Käfern, Würmern und den vielen anderen kleinen Lebewesen des Waldes Nahrung und Unterschlupf sein. Ein Trost – nicht nur für diesen Baum und seinen Wald, auch für mich, die den Wald und seine Bäume lieben gelernt hat und die es schmerzt, einen von ihnen so unendlich traurig und gebrochen vor sich zu sehen. Ich werde ihn besuchen, immer wieder einmal nach ihm schauen und ihn ein Stück seines Weges in diesem zweiten neuen Leben begleiten.

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Kommentare
  1. Tolle Fotos. Einen schönen Tag. LG. Wolfgang

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  2. Frau Hummel sagt:

    Klingeling, darf ich eintreten in Deinen Zauberwald?
    Wie wunderschön hat sich der Wald für Dich gemacht? Es war eine Freude Dich zu begleiten. Das Leben ist ein Kommen und Gehen.

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    • Silberdistel sagt:

      Aber sicher! Hast Du nicht gehört, wie es in den Bäumen rauschte, als sich die große Eingangspforte für Dich öffnete? Hatten wir nicht viel Spaß zusammen an diesen vielen kleinen Waldwundern? Danke fürs Mitkommen 🙂
      Ja, in diesem Wald sieht man wirklich das Kommen und Gehen, weil dort eben so gar nicht aufgeräumt wird. Aber gerade das macht ihn so interessant, auch wenn sich mitunter ein waldfremder(s) Pils hineinverirrt.
      LG ♥

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  3. Waldameise sagt:

    Nun kommen sie mir schon wieder … die Tränen, liebe Silberdistel, Und ich kann leider keine Haselnusspollen vorschieben als Grund. Es ist dein Bericht aus deinem Märchenwald … und weil mir die Bäume auch so leid tun. Hier ist es auch ganz schlimm. Überall noch die Spuren der heftigen Stürme des vergangenen Jahres. Nicht alle Bäume haben das Glück, in den Armen ihrer Freunde ihre letzte Ruhestätte zu finden … 😦

    Aber deine schönen Fotos schenken mir das Lächeln zurück. Danke dafür.

    Ein lieber Gruß
    von der Waldameise

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    • Silberdistel sagt:

      Dieser Wald, liebe Waldameise, sieht z. T. auch schlimm aus – viel frischer Bruch. Die Herbststürme haben ganz gewaltig gewütet. Vor einigen Jahren haben wir in der Rhön ganz schlimme Sachen gesehen. Da kamen mir auch die Tränen. Ganze Wälder hatte der Sturm niedergemäht. Wie geknickte Streichhölzer standen die Bäume traurig in einem ehemals stolzen Wald. Schlimm, wenn so etwas passiert. Wie viele Jahre müssen ins Land gehen, bevor der Wald wieder wie einst aussehen wird – darüber vergeht ein Menschenleben und mehr. Ganz so schlimm ist es jetzt nicht mit den Baumverlusten, trotzdem schlimm genug.
      Wenigstens konnten meine anderen Fotos Dir das Lächeln zurückschenken – schön. Zum Trost schicke ich Dir noch ein lächeln von mir dazu 😉
      Liebe Grüße in Deine Ameisenburg

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  4. kowkla123 sagt:

    dein wunderschöner Märchenwald, echt schön wieder, Klaus

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  5. Pauline sagt:

    Jedem Ende wohnt ein neuer Anfang inne, liebe Silberdistel und, wie Du richtig schreibst, wird der Rest des Baumes anderen Lebewesen weiterhin dienen, z.B. als neues Zuhause oder Versteck usw.
    Ich mag Deinen Märchenwald sehr 😀 Den schaue ich mir nachher noch einmal ganz in Ruhe an 😉
    Wünsche Dir einen schönen Abend und ganz liebe Grüße sendet Dir die ♥ Pauline ♥

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, liebe Pauline, so ist es. Irgendwie ist es doch ein Trost, dass der Baum auf andere Art weiterleben wird. In diesem Wald kann er das nämlich, weil hier so gar nicht aufgeräumt und durchgeforstet wird. Ich mag solche fast unberührten Flecken der Natur ganz besonders gern. Sie haben so unendlich viel zu erzählen. Schau ihn nur ganz in Ruhe an – meinen Wald. Vielleicht entdeckst Du noch etwas, was ich gar nicht gesehen habe. 🙂
      Liebe Grüße zurück und auch Dir und Deinem Hundchen einen ganz besonders schönen Abend ♥♥

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      • Pauline sagt:

        Danke, liebe Silberdistel, wir hatten bis jetzt einen ganz guten Tag und Abend und später oder morgen früh schaue ich mir den Wald tatsächlich noch einmal an, so etwas mag ich zu gern 😀
        Wünsche Dir und Deinem „Anhang“ auch noch einen schönen restlichen Abend und sei lieb gegrüßt von ♥ mir ♥

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        • Silberdistel sagt:

          Danke, Pauline, für die lieben Wünsche 🙂
          Sei ganz lieb gegrüßt ♥♥ und macht Euch heute einen schönen Tag. Der Frühling macht wohl demnächst eine kleine Pause 😦 So muss man das schnell noch einmal ausnutzen 😉

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  6. katerchen sagt:

    darf ich auch in den Märchenwald liebe Silberdistel..in die Reste??
    Mikado,das fällt mir immer ein wenn ich die zersplitterten Stämme sehe..in einem Bild kann man diese Verwüstungen nicht zeigen..
    Wenn man das was schon aufgeräumt wurde betrachtet..die zugeschittenen Stämme,dann kann man bei sehr sehr vielen Stämmen das rotte Innenleben sehen.
    viel Bäume sind von Innen her faul 😦
    Aber das war es überlebt hat rüstet sich schon mit dickeren Knospen für den großen Tag wenn der Wald in GRÜN explodiert.
    Hoffen wir er erholt sich von den schlimmen Wunden
    Danke für die Bilder aus dem Märchenwald

    mit einem LG vom katerchen der diese besondere Ruhe des Waldes auch liebt.

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    • Silberdistel sagt:

      Aber sicher, liebes Katerchen, Du darfst IMMER in meinen Märchenwald und ALLES bestaunen – ob nun Reste oder frisches Grün.
      Diese innen faulen oder hohlen Stämme – da bewundere ich besonders die Weiden, die können noch so hohl sein, sie schlagen immer wieder grün aus. Die lassen sich einfach nicht unterkriegen. Hier stehen viele solcher Bäume an den Straßen- und Wegrändern, sie gehören einfach in diese Gegend.
      Der Wald wird sich sicher von den schlimmen Wunden erholen, nur geht das leider nicht von heute auf morgen. Es dauert ja so viele Jahre. Darum finde ich jeden Verlust besonders schlimm.
      Liebe sonnige Grüße an Dich, liebes Katerchen

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  7. die natur gibt so viele schoene motive zum fotografieren her. danke fuer die schonen bilder

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  8. Ein Beitrag, wie er mir gefällt… Schön

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