Wenn die Katze weiß sieht …

Veröffentlicht: 15. Februar 2014 in Fotos, Garten, Geschichten, Natur, Tiere, Unterhaltendes
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… dann bremst sie gewöhnlich ihr eben noch recht zügiges Tempo in Richtung Garten erstaunlich schnell ab.

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So war es jedenfalls während der Zeit, als der Winter hier im Norden für einen kurzen Moment heftig über uns hergefallen war und die Welt um uns unter einer weißen Schneedecke verschwand. Ich berichtete unlängst bereits vom Leid der Stubentiger.

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Unlustig und enttäuscht setzte sich die Katzendame allmorgendlich erst einmal auf die graue Fußmatte im Wintergarten, wo es das Popöchen einigermaßen warm und weich hatte, und betrachtete dann ausgiebig durch die Fensterscheibe hindurch die weiße Natur.

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So war es auch jetzt, als eines Morgens in der Woche noch einmal ein paar weiße Schneekrümel die Erde bedeckten.

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Weiß ist so gar nicht des Katzes Lieblingsfarbe. Sie hätte es lieber bunt oder wenn schon nicht bunt, dann doch wenigstens grau oder braun wie ihre eigene Farbe oder die des Katers. DAS sind Farben, die ein Katzenauge erfreuen und die auch sonst nur an Behaglichkeit und Wärme denken lassen.

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Aber weiß, nein weiß ist hässlich und an den Pfoten so unerfreulich kalt und wenn es nicht mehr kalt ist, dann wandelt es sich in ein ekliges Nass, und das muss eine Katze nun schon gar nicht haben.

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Wie deprimierend doch die Welt aussieht.

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So sitzt das graue Pelzwunder vor all dem vielen Weiß und schaut und denkt und denkt und denkt …

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… und dann, dann muss  das Grautier urplötzlich zu einer weltbewegenden Erkenntnis gekommen sein …

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… einer Erkenntnis, die sofort in die Praxis umgesetzt werden musste. Ich sah sie eben noch mit diesem weltentrückten Blick vor mir sitzen und dann war sie weg, die große Denkerin, urplötzlich verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt. Wo mochte sie nur abgeblieben sein? Das Wohnzimmer schien katzenleer, die Hängematte war verwaist, auf dem gemeinsamen Katzen-Mensch-Lieblingssessel lag auch kein Grautier, selbst am Aquarium war Platz ohne Ende, die Fensterbänke – allesamt katzenfreie Zonen. Wo mochte meine Herrschaft nur sein? Ah ja, zur Abwechslung sicher einmal auf Herrn Silberdistels Schreibtischsessel. Hm, nein, dort war die pelzige Dame auch nicht zu sehen. Merkwürdig irgendwie. So setzte ich erst einmal, ganz in Gedanken an die verschwundene Katze versunken, meine hausfrauliche Tätigkeit fort, die ich eigentlich nur kurz unterbrochen hatte, um der Katzendame die Tür zum Garten zu öffnen. Sie würde schon wieder auftauchen. War sie nicht immer wieder aufgetaucht? Ja, schon … aber … War sie vielleicht nach vorn entwischt, als ich noch einmal kurz an der Mülltonne war? Ich konnte das arme schneehassende Tier doch nicht dort draußen in der Kälte stehen und frieren lassen. Sollte ich vielleicht doch noch einmal nachschauen? So hing ich meinen Gedanken nach, während ich schnell noch den Rest meines Wäscheberges forträumte. Danach würde ich noch einmal intensiv suchen. So spurlos konnte doch eine normal proportionierte Katze nicht verschwinden.

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… und plötzlich, plötzlich strahlten mich aus dem tiefsten Mittelpunkt der Erde (oder war’s aus Herrn Silberdistels Kleiderschrank?) zwei kleine gelbe Lichtpunkte an. Sie schienen aus Herrn Silberdistels Lieblingsreisetasche zu kommen. Nach genauerem Hinschauen entdeckte ich rund um die kleinen Lämpchen eine Art grauen Pelz, zwei Ohren, eine Nase.

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Das Ganze bebte leicht. Ich meinte, ein wonnigliches und verzücktes Schnurren zu vernehmen. Leise machte ich die Schranktür, bis auf einen ganz kleinen Spalt, wieder zu. Ich hatte verstanden, die gelben Lampen sagten nämlich auch: „Lass mich bitte in Ruhe und sag mir erst wieder Bescheid, wenn nichts, aber auch gar nichts Weißes mehr dort draußen herumliegt.“

Kommentare
  1. Frau Spätlese sagt:

    Ich vermute, dass genau diese Gedanken durch das Katzenköpfchen gingen . . . und ich hatte schon befürchtet, das wäre aktueller Schnee bei Dir . . . 😉

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    • Silberdistel sagt:

      Nein, nein, das VIELE Weiß war Schnee von gestern 😉 Aber, ich glaube, es war am Montag- oder Dienstagmorgen dieser Woche, da war es früh hier noch einmal weiß überflockt. Katze und Mensch guckten einigermaßen sprachlos in den Garten, weil … wir hatten gedacht, wir sind das Zeugs los. Aber jetzt ist es echt weg und bleibt hoffentlich auch weg.

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  2. ann53 sagt:

    Jaja, die liebe Silberdistel als Katzenversteherin wirklich klasse! 😀
    Besser weiß als grau sehen wie es bei uns seit ewig ist und wird schon wieder Frühling werden! 😉
    Liebs Grüßle von Herzen ♥ ☀

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    • Silberdistel sagt:

      Jetzt sieht es hier ja tatsächlich nach Frühling aus. Man kann gar nicht so schnell schauen, wie alles aus dem Boden sprießt. Aber wer weiß, ob es so bleibt 🙄 Auf jeden Fall nutzt es die Katze begeistert aus 🙂
      Liebe Grüße auch zu Dir und einen schonen Samstagabend ♥

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  3. kowkla123 sagt:

    ja, du bist echt eine gute Katzenversteherin, KLaus

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  4. Andrea sagt:

    Wer was wissen will über KATZE(n)…frage NUR bei der KATZE(n)verSTEHE(r)in UTE nach die weis BESCHEID…..wünsche dir einen guten TAG….HERZLichst ANDREA:))

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  5. Waldameise sagt:

    Liebe Silberdistel,

    da wünschte ich mir manchmal auch so ein stilles heimliches Eckchen, in das ich mich verkriechen könnte. Nicht nur, wenn ich das Weiß nicht mehr sehen kann. Das ist diesen Winter hier bei uns nicht so sehr das Problem … lach. Naja, aber mir bleibt ja noch mein Ameisenbau im Wald.

    Ich habe Text und Fotos wieder sehr genossen. Wunderbare Perspektiven, interessante und schöne Einblicke und auch viele Seelenstreichler waren wieder dabei. So danke dafür.

    Ein schönes Wochenende wünscht dir
    mit lieben Grüßen die Waldameise

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    • Silberdistel sagt:

      Für solche stillen Eckchen haben besonders Katzen einen 6. Sinn. Sind sie um diese Gabe nicht zu beneiden? Vor allem nehmen sie sich die Ruhe und Entspannung, wenn sie sie brauchen, nicht so wie wir, die wir oft meinen, jetzt so gar keine Zeit dafür zu haben.
      Ich freue mich, dass von meinen Seelenstreichlern auch wieder einige für Dich dabei waren. Das ist dann wenigstens ein kleiner Ausgleich, wo ich doch bei Dir immer reichlich etwas für meine Seele finde.
      Liebe Grüße an Dich, liebe Waldameise, und einen wunderschönen Sonntag, der hier heute ein wenig stürmisch daherkommt

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  6. katerchen sagt:

    glaube Winterschlaf ist keine schlechte Sache liebe Silberdistel..ETWAS davon haben die Katzenkinder noch davon in ihren Genen..grins.
    LG vom katerchen das DANKE sagt für Wort und Bild
    und einen guten Wochenstart wünscht

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    • Silberdistel sagt:

      Inzwischen ist die Schläferin wieder aufgewacht und läuft zwischen Garten und Haus hin und her. Ich denke, nun zwicken wohl plötzlich die Frühlingsgefühle. Auf einmal nervt auch der sonst so überaus gelassen wirkende Kater damit, dass er dauernd zwischen Tür und Angel sitzen möchte. Nur leider ist es UNS dafür dann doch noch etwas zu frisch 😦
      Liebe Grüße zurück und auch Dir einen schönen Wochenstart

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  7. Wolfram sagt:

    „… und bis dahin schickt mich nach Südfrankreich, wo es nie schneit!“

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