In meinem Beitrag vom vergangenen Montag „Wenn’s im Urlaub regnet …“ hatte ich Euch auf eine Reise in die Vergangenheit mitgenommen. Wir hatten während unseres Urlaubs jetzt im Oktober einem kleinen Freilichtmuseum in der Rhön einen Besuch abgestattet. Das „Rhöner Museumsdorf“ in dem kleinen Ort Tann hat viel  über unsere bäuerlichen Vorfahren zu erzählen. Es zeigt uns sehr anschaulich, wie die Landbevölkerung von damals gelebt und gearbeitet hat. Katerchen vom katerchen.designblog erzählte in einem Kommentar zu diesem Beitrag davon, dass in einem Nachbardorf nicht weit von ihrem Wohnort noch ein solcher Göpel, wie ich ihn in meinen Bildern zu obigem Post gezeigt habe, auf dem Hof stehen würde. Ist es ist nicht erstaunlich, was sich von diesem alten Gerät mitunter noch bis in unsere moderne Zeit hinübergerettet hat? Durch Katerchens Kommentar wurde ich an eine interessante Vorführung erinnert, die wir vor einigen Wochen im Freilichtmuseum Klockenhagen, einem Museumsdorf in Mecklenburg-Vorpommern, miterleben durften. Wir waren anlässlich des Erntedankfestes 2013 im Klockenhagener Museumsdorf. Ich hatte hier auch darüber berichtet. In dem Museum des kleinen Dorfes unweit der Ostseeküste gibt es unter den vielen alten landwirtschaftlichen Geräten, die man dort bewundern kann, auch noch so einen Göpel wie wir ihn im Tanner Museum in der Rhön entdecken konnten. Als wir Silberdistels im September zum Erntedankfest in Klockenhagen waren, gab es eine kleine Schauvorführung, die den Besuchern des Festes zeigte, wie mit solchen Geräten früher gearbeitet wurde.
Der hier unten abgebildete Göpel vom Tanner Museumsdörfchen wurde in seiner aktiven Zeit benutzt, um mit Hilfe von Pferdekraft eine Dreschmaschine anzutreiben.  Für die Interessierten habe ich jetzt zusätzlich noch die Bilder, die ich von der kleinen Demonstration bäuerlicher Arbeiten in Klockenhagen aufgenommen habe, herausgesucht. Ich denke, sie zeigen ganz gut, wie ein Göpel funktioniert und wie dieses Gerät dem Bauern früher die ohnehin schon schwere Arbeit etwas erleichterte.

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Hier sehen wir in der Mitte des Hofes den Göpel aus dem Museumsdorf in Tann in der Rhön. Er ist fest in der Erde verankert, damit er der enormen Kraft, die umgesetzt werden muss, standhält.

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Hier ist das Gerät aus der Nähe zu sehen …

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… und auf diesem Bild sehen wir den Göpel noch einmal von der anderen Seite. Es ist jeweils gut zu erkennen, dass eine Eisenstange in einem Metallrohr verschwindet, das in den Boden eingelassen ist.

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Szenenwechsel: Wir sind nun auf der Vorführung landwirtschaftlichen Geräts in Klockenhagen/Mecklenburg-Vorpommern. Der Göpel, den wir dort bewundern durften, sieht nicht wesentlich anders aus als der aus dem Rhöner Museumsdorf. Auf den Göpel ist hier nun eine Holzvorrichtung montiert worden, vor die ein Pferd gespannt wurde.

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Auf diesem Bild sieht man den Göpel und eine darauf befestigte Holzvorrichtung, die sicher für die Vorführung nur sehr provisorisch nachgebaut wurde, und das vor diese Vorrichtung gespannte Pferd.

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Rechts noch einmal der Göpel mit der aufgesetzten Holzvorrichtung, links davor das angespannte Pferd. Dicht über dem Boden, zwischen Pferd und Göpel, sehen wir die eine Eisenstange, die, genau wie bei dem Göpel aus der Rhön, in einem Rohr, das im Boden verläuft, verschwindet.

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Die Eisenstange (Welle) wird, wenn der Göpel durch das Pferd angetrieben wird, in eine Drehbewegung versetzt. In dieser Ausschnittsvergrößerung sieht man die Anschlussstelle zwischen Göpel und Eisenstange – die Stelle, an der die Kräfte umgesetzt werden – noch einmal etwas genauer.

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Hier treibt nun das Pferd den Göpel an und zwar dadurch, dass es im Kreis um den Göpel herumläuft, den Holzbalken quasi wie einen Wagen hinter sich herzieht. Wie man sieht, wurden für solche Arbeiten keine leichten Reitpferde verwendet. Dafür eigneten sich nur Kaltblüter, also die schwere Arbeitspferde.

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Dieses Bild zeigt nun eine zweite Eisenstange, die mit der in der Erde liegenden Stange und mit einem kleinen Dreschkasten verbunden ist. Die Drehbewegung des Göpels wird auf die im Boden verlaufende Stange und von dort auf diese weitere, schräg aus dem Boden herausragende, übertragen.

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Durch die Verbindung mit dem Dreschkasten wird ein Rad angetrieben, das letztendlich den Dreschkasten arbeiten lässt. An der Seite des Dreschkastens ist dieses Rad zu sehen. Es bewegt eine durch den Kasten führende Welle. Weitere  auf diese Welle montierte Teile im Dreschkasten sorgen schließlich für das Trennen von Körnern und Stroh.

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Das Bild zeigt noch einmal den kleinen Dreschkasten, der in der Vorführung in Klockenhagen über einen Göpel betrieben wurde. Vor dem Dreschkasten liegt das Stroh, das nun anderer Verwendung zugeführt werden kann – z. B. als Einstreu für den Pferdestall, denn unser Arbeitstier möchte es nach der schweren Arbeit auch ein wenig schön haben.

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Unser Arbeitspferd (links 😉  ) nach getaner Arbeit.

mmm

Kommentare
  1. Andrea sagt:

    SCHÖNen MITTWOCH dir…….HERZlichst ANDREA:))

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  2. giselzitrone sagt:

    Schöne Bilder und guter Beitrag, wünsche einen schönen Mittwoch liebe Grüße von mir.Gislinde

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  3. Strandsigi sagt:

    Liebe Silberdistel, danke für den super tollen Beitrag 🙂
    Der hat mal richtig veranschaulicht, wie das Gerät funktioniert und vor allem, wie sehr doch im Gegensatz zu heute, Mensch und Tier immer noch mit Muskelkraft arbeiten mussten, trotz der mechanischen Hilfe.
    Und tolle Fotos waren es auch 😀
    Ach ja, und der Hinweis, wer von den beiden nun das Arbeitspferd ist… tststs 😉

    Liebe Grüße
    Sigi

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    • Silberdistel sagt:

      Einerseits zeigt es, wie sehr Mensch und Tier noch mit Muskelkraft arbeiten mussten, andererseits zeigt es aber auch, wie enorm solche Hilfsmittel die Arbeit erleichtern konnten. Es war eine sehr interessante Vorführung und in diesem Falle hast Du auch richtig gemerkt, dass es den Männern Spaß gemacht hat, dieses alte Gerät wieder zum Laufen zu bringen.
      Der Hinweis mit dem Arbeitspferd musste schon sein, nicht dass es hier zu Verwechslungen kommt 😉 😀
      Liebe Grüße zurück

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  4. kowkla123 sagt:

    das sieht so richtig romantisch aus, war aber mal echt die Wirklichkeit, ich grüße ganz herzlich, Klaus

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  5. katerchen sagt:

    Liebe Silberdistel WUNDERBAR was du hier zeigst..
    Danke für die schönen anschaulichen Bilder
    mit einem LG zum Abend vom katerchen

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  6. Gudrun sagt:

    Klassebeitrag, liebe Silberdistel, gut ge- und beschrieben und mit schönen Fotos hinterlegt. Ich habe jetzt sehr gern gelesen. Und auch ein bissel in Erinerung gechwelgt.
    Der Müller in meinem ehemaligen Dorfchen spannte sein Pferd immer vor einen uralten Heuwender. Ich habe ihm mal beim Anspannen geholfen. Es war gar nicht so einfach, sich zu merken, wo welche Gurte hinkommen. Das heißt, für mich war das schwer zu merken. Der Müller meinte, dass er gar nicht daran denkt, sich von dem Heuwender zu trennen. Er funktioniert tadellos und teuren Sprit braucht er zum Heuwenden nicht. Das waren wirkliche Argumente, die auch mal für altes Gerät sprechen.
    Liebe Grüße aus dem Spinnstübchen

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    • Silberdistel sagt:

      Schön, Gudrun, dass Dir mein Beitrag gefallen hat. Das freut mich sehr. Ich fand die Vorführung dort in Klockenhagen sehr interessant. Sich einen Dreschkasten samt Göpel anzusehen, das ist die eine Seite, aber diese Geräte in Aktion zu erleben, das ist doch ein ganzes Ende beeindruckender und vermittelt sehr anschaulich, wie damals gearbeitet wurde und wie effektiv andererseits solche rein mechanische Technik doch sein kann. Natürlich kamen da auch bei mir alte Erinnerungen hoch, denn meine Großeltern haben mit vielen solcher Geräte, die jetzt im Museum stehen, noch gearbeitet. Den Müller aus Deinem ehemaligen Dörfchen kann ich durchaus verstehen. Für kleinere Flächen ist solch altes Gerät vielleicht sogar rentabler, denn wenn man überlegt, was ein Traktor kostet, Unterhalt und Pflege kommen ja auch noch hinzu und ein moderner Heuwender evtl. dann ebenfalls noch. Oft spielt natürlich die Arbeitszeit an sich eine Rolle. Es wäre in einigen Fällen aber schon interessant, einmal eine Kosten-Leistungs-Rechnung durchzuspielen.
      Liebe Grüße zurück in Dein Spinnstübchen

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  7. Waldameise sagt:

    Guten Abend, liebe Silberdistel, was bin ich froh, dass ihr einen Regentag für so einen schönen Besuch genutzt und diese tollen Fotos mitgebracht habt. Ich liebe Bauernmuseen, finde es hoch interessant. Außerdem macht es mir unheimlich Spaß, mich in jene Zeit zurückzuversetzen, mir vorzustellen, wie die Menschen damals gelebt, gearbeitet, gelacht und geliebt haben.
    Danke für diese zwei tollen Einträge.

    Mein Mann war auch Handwerker und Mechaniker mit Leib und Seele. Er liebte die alte Technik, war fasziniert davon und reparierte auch gern selbst alte Geräte. Er hat mir soviel erklärt und gezeigt, dass bei mir selbst das Interesse an diesen Dingen geweckt wurde, von denen ich früher gar keine Ahnung hatte. Man muss sich nur mal das Uhrwerk einer ganz alten Uhr anschauen … faszinierend.

    Ein lieber Abendgruß
    von der Waldameise

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    • Silberdistel sagt:

      Hallo liebe Waldameise,
      wir haben gedacht, dass man auch aus einem verregneten Urlaub etwas machen kann, wenn man nur will. Das kleine Bauernmuseum macht immer wieder Spaß, denn wir lieben es beide, ein wenig in der Vergangenheit zu stöbern. So war es kein Wunder, dass wir an diesem Regentag dort gelandet sind. Man entdeckt so vieles, was man als Kind noch in Aktion gesehen hat. Es weckt so viele Erinnerungen.

      Deinem Mann hätte es ganz sicher auch gefallen, einen solchen alten Dreschkasten wieder zum Laufen zu bringen, denn das kann ich aus Deinen Worten herauslesen. Die Männer, die uns dort im Museumsdorf diese alte Technik vorgeführt haben, waren mit Hingabe bei der Arbeit. Die Freude darüber, dass der Dreschkasten lief, war richtig ansteckend. Es gab dort ja noch so viel zu sehen und zu entdecken, aber diese Vorführung war für mich das Schönste an diesem Tag.
      Ja, alte Uhren sind auch etwas ganz Besonderes. Bei uns hängt noch eine von den Großeltern meines Herrn Silberdistel – mit Gong. Sie ist eines der liebsten Stücke in unserem Haushalt. Sie ist schon eine u(h)ralte Dame und tut immer noch ihren Dienst – sehr pünktlich und genau.

      Einen lieben Abendgruß zurück in Deinen Ameisenbau

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  8. Die alten Techniken, wie sie unsere Vorfahren erfanden und nutzten, erstaunen und begeistern mich immer wieder aufs Neue. Ein schöner und interessanter Bericht hast Du von diesem Museum nach Hause gebracht. Du scheinst sehr viel von Technik zu verstehen! Ich wünsche dir ein angenehmes Wochenende. Liebe Grüsse Ernst

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