Am Freitag vor genau einer Woche waren wir Silberdistels auf dem MS „Schaprode“ vom Hafen Zingst aus zu einer Kranichfahrt unterwegs. Ein lang gehegter Wunsch sollte für mich in Erfüllung gehen. Schon immer wollte ich die Kraniche einmal auf ihren großen herbstlichen Sammelplätzen, auf denen sie sich für ihre lange Rückreise in den sonnigen Süden treffen, erleben können. Ein schöner Zufall bescherte uns eine Kranichfahrt auf den Boddengewässern an der Halbinsel Zingst.
Leider war der Wettergott uns an jenem Freitag nicht so ganz hold. Gern hätten wir wunderschönen Sonnenschein für unseren Besuch bei den Kranichen gehabt. Gerade weil unsere Fahrt erst um 16.30 Uhr begann, wäre ein wolkenloser Himmel noch um einiges wichtiger gewesen. Leider jedoch ließ sich die Sonne nur zu sehr kurzen Intermezzi in winzigen Wolkenlücken sehen. Wir mussten fast die ganze Zeit mit tristem Grau vorliebnehmen. So blieben auch die Kraniche für uns nur mehr oder weniger graue Schatten am Himmel und ein dunkler Scherenschnitt in der Ferne im flachen Wasser. Trotzdem war es wohl für alle, die an diesem Tag zu einer Kranichfahrt aufgebrochen waren, ein unvergessliches Erlebnis. Wann sieht man schon einmal Kraniche in solchen Massen wie hier im Wasser stehen. Wie oft im Leben hat man das Vergnügen, sie Formation um Formation viele Minuten lang über sich hinwegziehen zu sehen, zu sehen, wie sie über dem flachen Wasser dahinschweben, um kurze Zeit später elegant neben ihren Artgenossen zu landen. Es sei denn, man gönnt sich alljährlich eine solche Kranichfahrt, wie wir sie jetzt das erste Mal erleben durften.
Das schlechte Licht an jenem Tag war der eine Wermutstropfen, ein zweiter war der, dass man von den Kranichrufen nur sehr wenig vernehmen konnte, denn ein Motor-Schiff macht nun einmal Krach. Der laute Diesel übertönte die Rufe der großen Vögel problemlos, sodass man sich eigentlich nur am Anblick der Kraniche erfreuen konnte. Sicher hatten es unsere Gegenüber, die die Kraniche von einem Beobachtungsturm aus bewundern konnten, in dieser Hinsicht besser. Mir fehlten diese melancholischen Trompetenrufe zu den wunderschönen Bildern ein wenig, auch wenn ab und zu einmal ein verirrter Ruf zu uns hinunterklang, wenn die Kraniche in unmittelbarer Nähe des Schiffes vorüberflogen.
Allerdings war die Schiffsfahrt über den Bodden ein Erlebnis für sich. Die Fahrt führte uns am Kleinen und Großen Werder vorbei zum Bock, der Kernzone I des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft. Im Windwatt, zwischen der Halbinsel Zingst und dem Bock, durften wir den abendlichen Vogelzug miterleben. Nicht nur Kraniche, auch unzählige Gänse bevölkerten an diesem Abend den Himmel und flogen in Richtung Sammelplatz. Die Landschaft ist hier so einmalig und wunderhübsch, dass man selbst bei weniger gutem Wetter von ihrer Schönheit geradezu überwältigt ist. Wie muss es erst sein, wenn die Sonne scheint, das Wasser glitzert und bunt im Lichte schimmert, das Ufer in der Ferne seine leuchtenden Farben zeigt und die Vogelwelt ihr strahlendes Gefieder zur Schau stellt.
Trotz der kleinen Wehrmutstropfen wird diese Kranichfahrt für uns ein unvergessliches Erlebnis bleiben. Dieser Tag, die vierstündige Schiffsreise haben unendlich viel Spaß gemacht und es blieb ein wenig der Wunsch in uns nach mehr davon übrig. Irgendwann werden wir wohl wieder bei den Kranichen vorbeischauen, ob mit dem Schiff oder auf andere Art, das wird sich zeigen. Es war ganz einfach wunderschön … Sogar meinem Herrn Silberdistel hat es gefallen, obwohl er eher kein Seemann ist. Ich bin immer noch ganz gerührt, dass er sich mir zuliebe sogar mit einem schwankenden Schiff aufs Wasser begeben hat.
Übrigens gab es am Ende unserer Fahrt ein ganz leckeres Abendessen – das sogenannte Kranichmenü. Vielleicht mag es ein wenig makaber erscheinen, wenn man weiß, dass dieses Menü aus Gemüse und Hühnerbrust in Blätterteig gebacken besteht.  Wer sich nicht daran stört, nach einer solch tollen Vogelschau einen gebackenen Vogel auf seinem Teller zu sehen, der sollte es auf jeden Fall probieren. Geschmeckt hat es ganz ausgezeichnet. … und zum Nachtisch gab es Strudel vom Herbst-Apfel mit Vanille-Soße. Für mich war das Menü ein gelungener Abschluss eines gelungenen Tages.

Für Diashow eines der Bilder anklicken!

Kommentare
  1. katerchen sagt:

    aber auch OHNE gnädigen Wettergott liebe Silberdistel..wunderbar was du da mitgebracht hast..
    Hatte im Radio von dieser Möglichkeit gehört und in der wwWelt mal geschaut..das sollte man sich auch mal gönnen
    DANKE für dieses Erlbnis
    mit einem LG vom katerchen

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    • Silberdistel sagt:

      Dieser Wettergott lässt ja manchmal einfach nicht mit sich verhandeln, liebes Katerchen. Da muss man halt selbst versuchen, das Beste aus der vorhandenen Situation zu machen. Aber in den Abend und somit in die Dämmerung wären wir so oder so hineingekommen. Aber Dunkelheit ist eben nicht gleich Dunkelheit 😉
      Trotz allem – es lohnt sich wirklich eine solche Tour einmal mitzumachen. Es war schon toll, auch die Ansammlung all der irren Fotografen war nett 😉
      Liebe Grüße auch zu Dir

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  2. fsmilla sagt:

    Toll,…bei uns gibt es sie nicht. Würde ich auch gerne mal erleben.
    Schönes Wochenende wünscht Smilla

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    • Silberdistel sagt:

      Es ist wohl so, dass die Kraniche einige Gebiete so gar nicht überfliegen. Wir sind hier in der glücklichen Lage, dass sie uns alljährlich mit ihrer Anwesenheit beehren. Sie überfliegen uns nicht nur, einige brüten hier sogar. In den letzten Jahren haben etliche von ihnen tatsächlich auch den Winter hier verbracht.
      Auch Dir ein schönes Wochenende und liebe Grüße

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  3. eifeltussi sagt:

    Wie man sieht, haben Deine Fotos unter der Wettersituation nicht gelitten. Es sind ganz tolle Eindrücke entstanden. Ganz besonders die Stimmung, die durch das Licht rüber kommt. Toll, da wäre ich auch gerne dabei gewesen. LG und schönes Wochenende – Elke

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    • Silberdistel sagt:

      Ein paar Wolken weniger und somit etwas mehr Licht hätten den Bildern sicher nicht geschadet. Dann hätte man bestimmt auch etwas mehr als fast nur Schattenspiele am Himmel gesehen. Trotzdem, es war ein tolles Erlebnis und hat viel Spaß gemacht. So eine Kranichtour trägt Suchtpotential in sich 😉
      LG zurück und auch Dir ein schönes Wochenende

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  4. kowkla123 sagt:

    Hallo, natürlich die Kraniche, hier bei uns sind auch viele davon unterwegs, beste Grüße für dich, Klaus

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  5. Kranichtour hat Suchtpotential? ^^ Das glaube ich dir aufs Wort! Es ist auch von einem auf den nächsten übertragbar … *hat bereits leicht süchtigen Blick*.
    Schöne Fotos – Wetter hin oder her. Hauptsache die Vögel waren da, und die Stimmung kommt auf jeden Fall hinüber. Freut mich, dass auch dein Mann auf dem Schiff gut klar kam und es nicht bereut hat, sich auf wackelige Planken begeben zu haben.

    Liebe Grüße
    Michèle

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, lass Dich ruhig anstecken. Es ist ein tolles Erlebnis. Ich könnte gleich noch einmal hinfahren 😉 Aber vielleicht sollte ich mir nun erst einmal die Kraniche anschauen, die hier jetzt täglich unseren Luftraum durchqueren. Das Gute liegt fliegt so nah 🙂
      Mein Mann kam mit der Seefahrerei besser klar, als er selbst vermutet hatte. Zum Glück hat das Schiff auch kaum geschaukelt. Andererseits ist wohl auch das Vibrieren durch den Motor für einen Seekranken nicht so angenehm. Ich war sehr froh, dass mein armer Gatte dass alles recht gut überstanden hat, sogar das sogenannte Kranichmenü konnte er genussvoll verspeisen.
      Liebe Grüße auch zu Dir

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  6. laurazeitlos sagt:

    Ein tolles Erlebnis,welches Du hier zeigst! Ganz wundervoll..Danke dafür 😉
    LG,Laura

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  7. Frau Hummel sagt:

    Es ist also wieder soweit. Jedes Jahr aufs Neue schaue ich fasziniert in den Himmel wenn ich diese wundervollen Vögel rufen höre. Ich glaube, der Kranichzug ist wohl das auffälligste Schauspiel, das uns die Vogelwelt zu bieten hat. Ich liebe es auch, dem Formationsflug dieser einzigartig schönen Vögel nachzuschauen bis sie am Himmel immer kleiner werden. Ich beneide Dich um Deine Kranichbeobachtungstour, liebe Silberdistel. Ich glaube, die Inseln Kirr und Oie sind wohl bevorzugte Kranichschlafplätze dort oben im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft? Danke, dass Du uns das Schauspiel des abendlichen Einflugs zu den Schlafplätzen durch die tollen Bilder und Deinem wie immer sehr schönen Text so nahe gebracht hast. Ich kann mir gut vorstellen, was für ein grandioses Erlebnis so eine Kranichtour ist. Allerdings wäre mir das Abendessen im Halse stecken geblieben. Ich glaube nicht, dass ich nach so einer Tour ausgerechnet Geflügel essen wollte.

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    • Silberdistel sagt:

      So ist es. Sie haben ihr Ränzlein wieder geschnürt und sind bereit für ihre große Reise in die Sonne. Hier bei uns sieht man jetzt täglich Kraniche ziehen. Ich kann mich ihrer Faszination auch nicht entziehen und starre jedes Mal, wenn ich sie höre, begeistert in den Himmel.
      Bis zur Oie sind wir nicht vorgedrungen. Wir haben bei unserer Kranichtour vor der Insel Bock “geparkt“.
      Mir hat das Kranichmenü trotzdem geschmeckt. Kraniche ansehen macht auch hungrig. Ich denke da lieber nicht weiter drüber nach, denn ansonsten müsste ich Vegetarier werden und das nun wiederum kann ich aus anderen Gründen nicht.
      LG zu Dir, schön, wieder von Dir zu lesen 🙂

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  8. Gudrun sagt:

    Der Sonnenuntergang ist schön, liebe Silberdistel. Wie ein großer Lichtblick ist das, auch mit dem Grau drumherum. Ich glaube dir gern, dass das eine wunderschöne Seefahrt war. Kraniche sind faszinierend.
    Liebe Grüße von der Gudrun

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  9. Wunderbar ist dein zweiter Kranichbericht. Majestätische Vögel, schöne Flugformationen und Stimmungen auf dem See. Danke dass Du mich auf diese Tour mitgenommen hast. Liebe Grüsse aus dem Süden. Ernst.

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    • Silberdistel sagt:

      Oh ja, Kraniche sind majestätische Vögel. Das stimmungsvolle Abendlicht, als die Sonne dann doch noch für einen Moment zwischen den Wolken vorschaute, gab ihnen den rechten Rahmen. Wir hatten einen wunderschönen und erlebnisreichen Tag bei den Kranichen. Es freut mich, wenn das mit meinem Bericht auch so rübergekommen sein sollte.
      Liebe Grüße in den Süden

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  10. […] In Gesellschaft Hunderter von Artgenossen würden die großen Vögel, die eben über uns hinwegflogen, im Uferbereich des Boddens stehend die Nacht verbringen. Welch wunderbares Schauspiel hatte sich uns an diesem Septembertag vor einem Jahr geboten – dort im Windwatt, zwischen der Halbinsel Zingst und dem Bock. […]

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