Herr Silberdistel blättert in einem kleinen Heftchen, das dem Wanderbegeisterten so allerlei begehrenswerte Wanderziele aufzeigt. Die Friesener Warte soll uns einen schönen Ausblick über das weite Frankenland bieten und nebenher sollen der Wandersmann und seine ihn begleitende Wandersfrau auch noch wundervolle Einblicke in die heimische Flora und Fauna erhalten können. Nun ja, wenn dem so ist, dann wollen wir das alles haben, erleben und bewundern. Schnell ist das Ränzlein mit ein wenig Verpflegung geschnürt, Fernglas und Kamera sind ebenso am Mann und an der Frau, also los, nichts hält uns mehr auf.
Für das erste kleine Stück bitten wir noch unser vierrädriges Gefährt um Hilfe und dann geht es zu Fuß weiter. Nebenbei bemerkt ist der kleine Ort Friesen, den wir unterwegs zu unserem Wanderparkplatz durchqueren, durchaus sehenswert. Hübsche kleine Fachwerkhäuschen sind zu sehen und auch sonst macht Friesen einen sehr hübschen und vor allem auch einen sehr gemütlichen Eindruck. Vielleicht sollten wir das nächste Mal schauen, ob man auch hier irgendwo ein Ferienquartier mieten kann. Wir lassen nun Friesen hinter uns und halten auf einem kleinen Waldparkplatz an. Unser Auto ist zufrieden und dankbar, dass es an diesem heißen Tag, ein Schattenplätzchen einnehmen darf.
Viel Kartenmaterial haben wir Silberdistels nicht dabei. Wir hoffen auf eine perfekte Ausschilderung der Wanderwege, so wie wir das aus der Rhön gewohnt sind. Dort ist ein Verlaufen praktisch unmöglich, obwohl wir selbst das trotz guter Wegmarkierungen auch schon geschafft haben. Großartige Wanderwegsbezeichnungen suchen wir zunächst vergeblich, wenigstens sagt uns ein Wegweiser die Richtung, die wir erst einmal einschlagen müssen. Ich frage Herrn Silberdistel, ob er für den Notfall einen Kompass dabei hat. Er greift in eine seiner Taschen und schon baumelt vor meinen Augen ein Kompass hin und her. Okay, ich bin zufrieden, wenigstens werden wir im schlimmsten Fall nicht im Kreise laufen, obwohl … die Sonne scheint, da würde selbst ich das wohl zu verhindern wissen, denn wie man mit einer Uhr und dem Sonnenstand die Himmelsrichtung ermittelt, weiß sogar ich noch, auch wenn ich dafür weit in meiner Erinnerung zurückwandern muss.

Los geht’s also und schnell ist diese Ungewissheit den Weg betreffend vergessen. Ich entdecke auf dem einzigen Sonnenfleckchen am Wegesrand im Wald eine blühende Glockenblume. Wenig später quert ein Frosch meinen Weg. Für einen kurzen Moment bleibt er ruhig sitzen, dann macht er sich mit großen Sprüngen davon ins Unterholz.
Begeistert springe ich von einer Seite des Weges zur anderen, entdecke hier ein Insekt, dort eine hübsche Blume. Der Weg streckt sich und streckt sich, von der Friesener Warte ist nach wie vor nichts zu sehen. Wo sind die Felsen, die wir erwarten, wo ist der freie Blick ins herrliche Frankenland hinein? Nichts da! Auch Wegmarkierungen sind nach wie vor nicht zu entdecken, wenigstens erscheint manchmal ein kleiner Wegweiser wie der zum Flugplatz, der doch wohl so falsch nicht sein kann. Bald sind wir irgendwo oben, es ist heiß, die Sonne meint es mehr als gut. Mitten im Wald erscheinen plötzlich Getreidefelder, die z. T. bereits abgeerntet sind, andere reifen noch fleißig vor sich hin. Welch ein Schlaraffenland für die Tiere des Waldes! Während ich einen Greifvogel und Flugzeuge am Himmel fotografiere, läuft mein Herr Silberdistel mal schnell ein Stückchen vor, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Zum Flugplatz geht es wieder hinunter, dazu haben wir keine Lust. Ansonsten öffnet sich der Wald und vor uns gibt es nur Felder und in der Ferne einige wenige Häuser zu sehen. Ab und zu braust ein Auto über unseren Schotterweg und hüllt uns in fiese Staubwolken. Nein, so hatten wir uns die heutige Wanderung nicht vorgestellt. Wo ist unsere Friesener Warte und was machen die vielen Autos hier?

Wir mögen nicht mehr sinnlos weiterlaufen für nichts und wieder nichts. Wir kehren um, entdecken auf einer kleinen Anhöhe ein Kreuz und daneben einige Bänke. Herr Silberdistel beschließt, dort oben sitzen zu wollen und rennt los. Ich habe den Berg noch nicht einmal zu einem Drittel erklommen, da sitzt mein Gatte bereits auf einer der Bänke und wartet darauf, dass die langweilige Dame endlich mit der ersehnten Verpflegung eintrifft. Aber die hat mit dem Anstieg zu kämpfen. Außerdem läuft, springt und fliegt ihr noch so allerlei Getier vor die Kamera. So dauert ein solch straffer Anstieg natürlich entsprechend länger. Aber irgendwann sinkt eine ermattete Silberdistel auf der Bank neben ihrem Gatten nieder. Mit letzter Kraft öffnet sie den Rucksack und zaubert Getränke und Notfallkekse aus den Tiefen ihres ständigen Begleiters hervor. Trotz leichter Erschöpfung kann ich all das Zirpen und Summen überall im Gras und im Wald hinter uns nicht überhören. Wie wunderschön das ist! Ein Vögelchen schaut, wer sich da in sein Revier verirrt hat, fliegt dann aber doch schnell wieder fort. Sicher ist sicher! Ach, da ist ja noch ein neugieriges Tierchen. Ein grünes Heupferd hat es sich auf meinem Hosenbein gemütlich gemacht. Wahrscheinlich war ihm die viele grüne Farbe langweilig geworden und es wollte schauen, was es auf dem Blau von Silberdistels Hose alles zu entdecken gibt. Das war dann aber wohl doch nicht so ergiebig und interessant, denn … hops … ist der Springer im großen Bogen wieder im Graswald verschwunden. Dann erst schaue ich geradeaus … und … ja, dort ist er doch, der freie … naja fast freie … Blick ins Frankenland hinein, zwar anders als wir ihn uns vorgestellt hatten, aber immerhin – man hat Weite vor sich und sie tröststet ein wenig. Die Kekse stärken, das Wasser löscht den Durst, wir nähern uns wieder einer gewissen Zufriedenheit und beschließen, das war’s für heute. Wir suchen nicht weiter nach der Friesener Warte, vielleicht sitzen wir ja schon mitten auf ihr und wissen es nur nicht. Ein Weilchen genießen wir noch den Wald hinter uns, die Wiese vor uns und die Ferne dort hinten, dann rappeln wir uns auf, steigen den Hang wieder hinab und laufen langsam durch den Wald in Richtung Parkplatz.
Unterwegs verschwindet Herr Silberdistel plötzlich auf einem schmalen Weg, der auf einen hohen Felsen zuführt. Ich folge meinem Gatten, der vor einer weißen hohen Kalksteinwand steht, dann wieder einen Stein vom Boden aufhebt und ihn interessiert betrachtet. An der Wand, die mein Wanderbegleiter eben noch angeschaut hat, sehe ich einige seltsame Abdrücke und rundherum frisch abgebrochenes Gestein. Hat hier jemand nach Versteinerungen gesucht? Wie es ausschaut, sogar mit Erfolg. Wir können nur noch die Reste entdecken und die Stellen, in denen die Versteinerungen gesessen haben. Eine interessante Entdeckung! So haben wir heute doch noch etwas Neues entdeckt. Obwohl … der Frosch, die Blumen, die Hüpfer, Schmetterlinge, Hummeln … sind sie nicht auch allesamt interessante Entdeckungen?

Fazit: Auch wenn wir nicht das gefunden haben, was wir finden wollten, es war ein schöner Wandertag, der letztendlich Spaß gemacht hat.

Kommentare
  1. katerchen sagt:

    liebe Silberdistel
    man darf NIE eine Knipse dabei haben..mein Mann ist auch immer flotter als ich.
    Fein was du so gefunden hast..und mit uns geteilt hast.
    Danke und einen guten Start in die Woche vom katerchen

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    • Silberdistel sagt:

      Aber ich hab sie doch so gern dabei, die Kamera, liebes Katerchen 😀 Das muss der Herr Silberdistel eben einfach aushalten. Ich muss ja auch aushalten, dass er immer in einem Affenzahn davonrennt 😉
      Liebe Grüße und auch Dir einen guten Start in die neue Woche

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  2. andrea sagt:

    Liebe UTE:))
    SCHÖN …was du wieder so SCHÖNes von NATUR zusammen-gestellt hast….HERRlich….wünsche dir einen schönen MonTAG und eine GUTE WOCHE…..HERZlichst ANDREA:))

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  3. andrea sagt:

    Liebe UTE:))
    SCHÖN …was du wieder so SCHÖNes von NATUR zusammen-gestellt hast….HERRlich….wünsche dir einen schönen MonTAG und eine GUTE WOCHE…..HERZlichst ANDREA:))

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  4. giselzitrone sagt:

    Hallo liebe Silberdistel wünsche eine gute Woche das sind aber tolle Bilder eine Heuschrecke habe ich auch noch nicht,und eine tolle Landschaft wunderschön,ja die Schwäne sind fast immer da zwei weiße und ein Schwarzer diesmall waren beide zusammen,sind eben wieder in Köln angekommen gestern hat es schon an der Ahr geregnet.Einen schönen Tag wünsche ich noch Gruß Gislinde

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    • Silberdistel sagt:

      Ich war ganz stolz, dass mir ein solcher Hüpferling bzw. sogar zwei unterschiedliche über den Weg gesprungen sind.
      Ja, die Fränkische Schweiz ist schon eine tolle Gegend. Da macht das Wandern so richtig Spaß. Aber in Eurer Wandergegend an der Ahr ist es mit Sicherheit auch herrlich. Jedenfalls denke ich mir das so, wenn ich Deine Fotos immer sehe.
      Liebe Grüße und auch Dir einen schönen Tag

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  5. kowkla123 sagt:

    ziellos oder nicht, aber schön, eine gute Woche, Klaus

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  6. Mathilda sagt:

    Das sind wieder ganz wundervolle Fotos und gut, dass ich einen geduldigen Mann habe, der nimmt sich einen Tag in der Woche Zeit und fährt mit mir auf Fotopirsch….meistens auch ziellos!!
    Als Belohnung gibt es Kuchen auswärts und Abendessen 😀

    LG Mathilda ♥

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    • Silberdistel sagt:

      Danke, Mathilda 🙂 Mein Herr Silberdistel mag auch durchaus solche Fototouren, nur ist er auch gern für eine straffe Wanderung, damit er sich mal wieder so ordentlich durchtrainieren kann 😉 … und manchmal lockt die Belohnung, Kaffee und Kuchen, wohl zu sehr 😀 Aber irgendwo wartet er ja immer wieder auf mich. Das passt schon 😀
      Halt Deinen geduldigen Mann nur ganz fest – davon gibt es nicht so viele 😉 😀
      LG

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  7. kowkla123 sagt:

    wünsche dir einen guten Tag, Klaus

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  8. Waldameise sagt:

    Guten Morgen, liebe Silberdistel,

    deine unterhaltsame Beschreibung und die dazugehörigen zauberhaften Fotos beweisen einmal mehr, dass man in der Natur niemals ziellos unterwegs ist. Im Gegenteil … der Weg IST das Ziel.

    Und ich bin wieder gern mitgekommen, denn solche Wege liebe ich.

    Einen schönen Mittwoch wünscht dir mit lieben Grüßen
    die Waldameise

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    • Silberdistel sagt:

      Hallo liebe Waldameise,
      im Grunde möchte ich schon immer gern wissen, wo ich hinlaufe, und meistens hat mein Weg auch irgendein Ziel, wo dann eine kleine Belohnung auf mich wartet – in welcher Form auch immer. Hier haben wir unser eigentliches Ziel nicht erreicht und mussten uns dann umorientieren und ein neues Ziel finden. Letztendlich war es dann diese kleine Anhöhe, auf der wir pausiert haben. Entdeckt haben wir trotzdem viel und angemessen müde waren wir am Ende auch, und das ist ja eigentlich das Wichtige, dass man zufrieden ist mit einem solchen Tag.
      Schön, dass Du uns wieder begleitet hast – dieses Mal auf unserem Weg ins Nichts, auf dem es dann eine ganze Menge mehr als nichts zu bestaunen gab 😉
      Liebe Grüße in Deine Ameisenburg und einen schönen Tag für Dich

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  9. Ruthie sagt:

    Da hast du aber ganz schön viele Schätze entdeckt, wenn auch nicht den großen Rundumblick. Mir hat die Wanderung gefallen 🙂

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    • Silberdistel sagt:

      Den großen Rundumblick entdecke ich irgendwann auch noch einmal. Inzwischen haben wir nämlich Wanderkarten und wissen, was wir an dem Tag falsch gemacht haben 😀 Es war schön – trotz einer gewissen Ziellosigkeit.

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