00-Panorama - von der Giechburg geschaut
Jetzt ist es endlich so weit, wir machen uns auf zur Giechburg! Ich hatte ja bereits vorsorglich versprochen, auch darüber noch zu berichten. Das Auto hat seinen Platz für einen kleinen Mittagsschlaf bereits gefunden, wir Silberdistels dagegen schultern Rucksack und Kameras und suchen uns einen schönen Ausgangspunkt für unsere Wanderung hoch zur Giechburg. Nicht weit entfernt vom Parkplatz trafen wir ja das letzte Mal auf diese seltsame Kunst, die den Wald bereichern und den Wanderer verwirren soll. Genau dort ist auch dieses Mal der Ausgangspunkt für unsere kleine Wanderung. Inzwischen bin ich sogar ein wenig kunstbewandert und kann dieses seltsame Kunstwerk sogar benennen. Es heißt „Zeitenraum“, der Bildhauer ist Frank Lambrecht. Was möchte uns der Künstler mit seinem Werk wohl sagen? Vielleicht hat ja wieder jemand eine Idee? Ich bin in dieser Hinsicht erneut so völlig unbedarft und total ideenlos. Trotzdem stehe ich jetzt nicht weiter vor diesen Holzköpfen herum, auf geht’s den Wander- oder/und Kreuzweg entlang, dann über diese hübsche Wiese und da liegt sie schon vor uns – die Giechburg. Ja, wenn ich sie jetzt noch einmal so anschaue, sie hat wirklich ein wenig schottischen Charme, jedenfalls von dieser Seite aus betrachtet. Mal schauen, was sie uns aus ihrem langen Leben zu erzählen hat.

Dass Kinder ihrer Fantasie durchaus freien Lauf lassen, wenn man sie fragt, wie sie sich eine richtig schöne Ritterburg vorstellen würden, ist sicher nicht ungewöhnlich. Ein wenig seltsam mutet es allerdings an, wenn ein durchaus gestandener Mann plant, eine relativ gut erhaltene Burg in eine malerische Burgruine umzugestalten. Der bayerische Bauinspektor von Hohenhausen ließ dazu einfach die Dächer der Giechburg abdecken und damit wäre es ihm auch fast gelungen, die Burg zu einer echten Ruine werden zu lassen. So geschehen nach der Säkularisierung 1802.
Die Burg fand erstmals 1125 in der Geschichte Erwähnung, soll aber schon lange zuvor bestanden haben. Nach vielen Streitigkeiten gehörte sie ab 1390 zum Hochstift Bamberg. 1430 ist sie von den Hussiten zerstört worden, wurde kurz darauf erneut aufgebaut und war durch Brandschatzung aufständischer Bauern 1525 wieder der Zerstörung nahe. Während des sogenannten Markgrafenkrieges 1553 erlebte die Giechburg wohl den schlimmsten Teil ihrer Geschichte. Um 1600 ließ sie Fürstbischof von Gebsattel zu einer großen Bergfestung umgestalten. Damit begann endlich wieder eine Glanzzeit für die Giechburg. Sie gilt heute als ein gut erhaltenes Beispiel einer späten Höhenburg. Während des Dreißigjährigen Krieges erwies sich die Giechburg durch diesen Ausbau zur Bergfestung als recht wehrhafte Burg. Sie konnte von den Schweden nicht eingenommen werden.

Nach 1802 war die Burg dann praktisch dem Verfall preisgegeben, was nicht nur dem Herrn von Hohenhausen zu verdanken war. Erst 1971 entschloss sich der Landkreis Bamberg, die Burg zu kaufen und zu erhalten. Seit 1974 ist sie wieder für die Öffentlichkeit zugänglich, dient als Wanderziel und somit auch als ein Ort der Erholung in einer malerischen Landschaft. Auf der Burg befindet sich eine Gaststätte, in der der Wandersmann gut mit Speis und Trank versorgt wird.
Übrigens habe ich diesen historischen Abriss inhaltlich einer Beilage zur Speisekarte der Gaststätte entnommen. Die Idee, der Speisekarte eine solche Einführung zur Geschichte der Burg beizulegen, finde ich übrigens sehr schön. Man sitzt gleich ein bisschen lieber dort, wenn man den Gastgeber ein wenig kennengelernt hat. Man schaut ihn dann doch mit ganz anderen Augen an, voller Interesse, wissensdurstig, und vom Lesen ist man sogleich auch sonst durstig und hungrig geworden. Da kann aber durchaus Abhilfe geschaffen werden, denn die Karte enthält ja nicht nur Historisches sondern auch etwas für den kulinarischen Genuss. Natürlich haben wir die Speisekarte auch in dieser Hinsicht eingehend studiert, mehrmals Kuchen, Eis, Cappucino und Kaffee getestet, und alles hat den Test bestens bestanden. Dazu die angenehme Atmosphäre auf der Burg. Das alles ist schon einen kleinen Ausflug auf die Giechburg wert. Wir werden wiederkommen, so wir Silberdistels noch einmal im schönen Franken Urlaub machen werden.

Übrigens wählten wir für den Rückweg von der Burg zum Parkplatz den kurzen Weg. Herr Silberdistel schaute dabei einen Moment lang etwas verwirrt auf eine blau-weiße Bemalung vor sich auf dem Fußweg – drauf eine berockte Dame mit einem Kind an der Hand. Durften diesen Weg nur alleinerziehende Mütter, fraulich im Rock gekleidet, begehen? Weiß man’s? Heutzutage kann man vor nichts sicher sein 😉 Frau Silberdistel ließ sich von dieser möglichen Diskriminierung nicht beeindrucken. Da auch sie weder einen Rock trug, noch ein Kind an der Hand führte, hätte auch sie wohl als Weg die gefährliche Straße wählen müssen. Doch sie ignorierte das Schild einfach, sperrte es in ihre Kamera und schritt dann einfach über diese mögliche Vorschrift hinweg. Manchmal muss man auch über seinen eigenen Schatten springen können 😉
P.S.: Als die Silberdistel später noch einmal das blauweiße Schild mit Mutter und Kind betrachtete, kam ihr der Verdacht ob der zu erkennenden Reifenspuren, dass man auf der eigentlichen Straße vielleicht doch sicherer ist als auf diesem Mutter-Kind-Fußweg 🙄

Für Diashow eines der Bilder anklicken!

Kommentare
  1. andrea sagt:

    Bestimmt war eure WANDERUNG auf die BURG**GiechBURG**sehr schön…..ich wünsche EUCH noch viel SPASS weiterhin…HERZlichst ANDREA:))

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  2. Mathilda sagt:

    Danke für diesen schönen Spaziergang und dir einen schönen Sonntag ♥ Mathilda

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  3. Frau Hummel sagt:

    Das war ein interessanter Ausflug. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht Euch begleiten zu dürfen. Das Panoramabild ist auch sehr sehr schön. Eine verdammt schöne Gegend um Bamberg. Liebe Grüße aus der sonnigen Heide ♥

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  4. kowkla123 sagt:

    hab immer überlegt, man, das kennst du doch, also noch mal gelesen und , na klar, da war ich ja auch schon, schön dort, Klaus

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  5. Waldameise sagt:

    … und noch so ein Ausflug, auf den ich dich gern begleitet hätte, liebe Silberdistel. Es gibt doch wirklich so wunderschöne Gegenden, romantische und interessante Orte, in denen man sich verzaubern lassen kann. Nur ein wenig traurig macht es mich immer, dass ich diese nicht mehr mit meinem lieben Mann aufsuchen kann. Als ich dein Foto von dem Bänklein sah, auf das du dich später mit deinem Mann gesetzt hast, da war mir schon etwas schwer ums Herz. Denn immer, wenn wir unterwegs waren und an solchen Plätzen auf Bänken Ruhe fanden, sah ich uns schon im Alter darauf sitzen … hab es mir immer so schön vorgestellt … Opa und Oma auf so einem Bänklein 😦
    Aber wer weiß, vielleicht sitzt er ja immer neben mir.

    Noch ein lieber Gruß
    von der Waldameise, die auch für die lieben Kommentare dankt!!!

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    • Silberdistel sagt:

      Liebe Waldameise,
      es tut mir leid, dass Dich mein Beitrag nicht nur erfreut hat, sondern Dein Herz auch ein wenig schwer gemacht hat. Manchmal ist das Leben ungerecht und grausam und man fragt sich, womit man das verdient hat. Solche Fragen werden wir wohl leider nie beantworten können. Es ist schwer, wenn da plötzlich jemand fehlt, mit dem man immer Freud und Leid geteilt hat. Ich glaube, da kann man noch so viel trösten wollen, eigentlich gibt es keinen Trost, einzig und allein schöne Erinnerungen bleiben und die kann einem niemand nehmen, aber gerade die machen auch immer wieder traurig, weil man die Zeit nicht zurückholen kann. Bei mir ist es „nur“ der Vater, aber ich hänge auch immer wieder solchen Erinnerungen nach.
      Ich schicke Dir einen lieben Gruß und einen lieben Drücker

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  6. Ruthie sagt:

    Ist es nicht wunderbar schön, mein altes Heimatland? Ja, ist es! Danke für die herrlichen Bilder!

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  7. […] der Burggeschichte gern etwas tiefer eintauchen möchte, der sollte vielleicht noch einmal meinen Beitrag zur Giechburg aus dem vorigen Jahr […]

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  8. […] wir doch eben erhalten hatten. Wenn das kein Grund zum Feiern war … Also, schnell hinauf zur Giechburg – natürlich über die große Kräuterwiese, die zwischen unserer Wallfahrtskirche und der […]

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