Richtig gelesen, bei mir im Zimmergarten gibt es einen Ordensträger. Ganz verschämt hat er sich, na … eigentlich ist es eine Sie, den besagten Orden, noch gut verpackt in diskretes Grün, an die Brust geheftet. Viele Tage spannte uns die Dame mit diesem grünen Päckchen auf die Folter, doch dann sprang plötzlich die grüne Verpackung mit einem kleinen Knall auf und ein getigertes Wunder erblickte das Licht der Welt und verschönte uns den Tag. So hatte die Dame von einem Augenblick zum anderen einen ganz schicken Orden an ihrer Brust hängen. Die Dame heißt übrigens Stapelia. Klingt der Name nicht toll? Muss sie bei diesem Namen nicht wundervoll aussehen? Wer wundervoll aussieht, duftet gewöhnlich auch herrlich lieblich und verführerisch – sollte man meinen. In diesem Falle liegt man mit einer derartigen Meinung aber völlig falsch, denn die Dame scheint sich im Parfümfläschchen vergriffen zu haben. Sie duftet nicht blumig und hinreißend lieblich, sie stinkt irgendwie ganz penetrant, so also würde sie gleich in Verwesung übergehen wollen. Nicht grad angenehm, oder? Allerdings verfolgt sie damit einen ganz besonderen Zweck, sie ist nämlich nicht auf Bienen als Bestäuber sondern auf Fliegen aus. Fliegen fliegen eben eher auf strengen denn lieblichen Geruch, weil sie gern dort, wo Verwesung ihr Unwesen treibt, ihre Eier ablegen, um ihrem Nachwuchs eine gute Futtergrundlage zu bieten, und genau das nutzt die kluge Dame Stapelia aus. Sicher, sie riecht nicht grad zum Verlieben schön, hübsch anzusehen sind ihre Blüten trotzdem. In meinem Zimmergarten, der jetzt über Sommer auf die Terrasse umgezogen ist, blühte gerade vor wenigen Tagen noch eine meiner Stapelien oder Aasblumen, wie sie wegen ihrer ganz persönlichen Duftnote auch noch genannt werden. Draußen darf sie ihr gewöhnungsbedürftiges Parfüm ungehemmt verbreiten, es wirkt dort weniger auffallend als in einem geschlossenen Raum.
Na, sieht die Blüte nicht tatsächlich wie ein kleiner Orden aus? Die Stapelien nennt man nicht nur Aasblumen sondern auch Ordenssterne. Diese Bezeichnung ist, wenn man die Blüten betrachtet, durchaus zutreffend. Ich finde, die Blüte ist ein fantastisches kleines Kunstwerk, einem kleinen Orden durchaus nicht unähnlich. Immer wieder staune ich, wie einfallsreich die Natur doch ist und welche zauberhaften Wunder sie hervorbringt, um ihr Überleben zu sichern, denn ohne Fliegen, die hässliche Gerüche mögen, gäbe es in diesem Falle keine Samen und somit auch keine neuen Pflanzen, und damit die Fliegen auch etwas für die Seele haben, sind die Blüten der Stapelie eine kleine Augenweide, die nicht nur Fliegen verzaubern kann.  😉
Einige Tage konnten wir uns nun an dem hübschen gepunkteten Orden erfreuen und dann war von einem Tag zum anderen all die Schönheit dahin. Nichts, aber auch gar nichts, erinnerte mehr an all die Pracht, die die Blüte eben noch zur Schau stellte. Wie ein kleines Häufchen Unglück sieht der Rest des kleinen Blütenordens aus. Damit ich ihn aber immer und ewig in Erinnerung behalte, hat er mir auf dem Regal, auf dem die Stapelie den Sommer verbringt, einen kleinen weinroten Fleck hinterlassen. Er dürfte wischecht und inzwischen gut ins Holz eingezogen sein. Auch Pflanzen können scheinbar ihre Initialen für immer und ewig ins Holz ritzen und sich somit ihre eigene kleine Gedenktafel setzen.  😉

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Kommentare
  1. andrea sagt:

    Guten Morgen UTE:))
    Eine schöne Zusammenstellung deiner BILDer…..hab einen schönen MonTAG…..HERZlichst Andrea:))

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  2. katerchen sagt:

    den STINCKER hatte ich auch einmal auf der Fensterbank..nur OHNE Blüte finde ich ihn schön.
    aber toll abgelichtet hat du die schöne Blüte.
    LG vom katerchen

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    • Silberdistel sagt:

      Jetzt, wo sie draußen steht, merkt man den strengen Geruch eigentlich gar nicht. Da konnte man die Blüte genießen, ohne dabei die Nase zuhalten zu müssen 😉 Ich mag sie auch MIT Blüte, sie sieht doch zu schön aus 😀
      LG auch zu Dir

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  3. Elvira sagt:

    Wir hatten auch einmal eine Pflanze mit sehr unangenehm riechenden Blüten, eine Gynura (Samtblume). Allerdings hatte sie keine so großen, sondern viele kleine Blüten. Leider ging sie irgendwann ein.

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  4. einfachtilda sagt:

    Kenne ich gar nicht, jedoch sehr faszinierend.
    Liebe Grüße von Mathilda ♥

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  5. kowkla123 sagt:

    Stapelia, der Name war mir nicht bekannt, schöne Blumensammlung hast du, schöne Woche wünsche ich, Klaus

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  6. Michaela sagt:

    Was für Superbilder!
    Ich selber habe ja gar keinen grünen Daumen -lach-
    Aber ich beneide alle menschen die in ihren Wohnungen eine grüne Oase haben…
    Herrlich!

    Lieben Gruß, Michaela

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    • Silberdistel sagt:

      Danke, Michaela 🙂 Es gibt bei mir auch etliche Pflanzen, da ist gar nichts vom grünen Daumen zu merken. Manche mögen mich auch einfach nicht. Von denen muss ich dann halt die Finger lassen 😉
      LG auch zu Dir

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  7. laurazeitlos sagt:

    Die Blüte ist faszinierend schön!
    LG,Laura

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  8. eifeltussi sagt:

    Irre, habe ich noch nie gesehen. Wär aber nix für meinen empfindlichen Rüssel😉. Tolle Bilder und – wie immer bei Dir – sehr schön beschrieben. LG Elke

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    • Silberdistel sagt:

      Mit dieser Stapelienblüte geht es eigentlich noch vom Geruch her. Ich hatte schon welche, die waren wirklich ein bisschen sehr eklig. Da habe ich immer gedacht, irgendwo liegt etwas Totes. Das war nicht so schön. Die haben sich vorübergehend dann immer ein eigenes Zimmer erkämpft 😉
      LG auch zu Dir

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  9. IceQueen37 sagt:

    Tolle Fotos! Meine Mutti hatte früher auch solch eine Prachtstück auf der Fensterbank stehen. Ich kann mich nur nicht erinnern, ob damals jemand ein Foto von der Blüte gemacht hatte. 😕 Egal, gucke ich eben bei dir. 😀
    LG Antje

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