Kürzlich saß ich ganz in ein Buch vertieft in meinem Garten und spionierte zusammen mit der Katze Sina in einem Kurbad, in Bad Ems, umher, als ich plötzlich in die Wirklichkeit zurückgerissen wurde. Eine kleine graue Katzendame aus dem Hause Silberdistel holte mich in heimische Gefilde zurück und kriminalisierte einige Meter von mir entfernt unter einem Staudenbeet. Schacht01Zum Glück für uns alle wurde aus der Verfolgung einer warzigen pummeligen Kröte dann doch kein Kriminalfall. Es lief mehr auf die Vorführung von yogaähnlicher Krötengymnastik hinaus, sodass ich mich nach dieser, allerdings ebenfalls hochspannenden, Gelenkigkeitsübung wieder meinem Katzenkrimi widmen konnte.
Damit nun keiner vor lauter Neugierde auf das, was ich da wohl an jenem Tag gelesen haben könnte,  in den Wahnsinn verfällt, möchte ich heute dieses Geheimnis lüften. Das mit dem Wahnsinn ist nicht nur so dahergesagt. Schon Erasmus von Rotterdam muss mit Büchern eine seltsame Erfahrung gemacht haben, die er in folgende Worte fasste: „Der Umgang mit Büchern führt zum Wahnsinn.“ Damit es also niemandem wie besagtem Erasmus geht, sprechen wir lieber drüber – die Katze Sina, mit der ich kriminaltechnisch unterwegs war, ist die Hauptdarstellerin in dem Buch „Die Spionin im Kurbad“. Ausgedacht hat sich diese nette Geschichte um Katzen und Menschen in einem Kurbad Andrea Schacht.

Es ist nicht das erste Buch von Andrea Schacht, in dem man aus der Sicht einer Katze der Handlung folgt. Ich habe hier vor etwas längerer Zeit bereits das Buch „Die Lauscherin im Beichtstuhl“ vorgestellt. Ähnlich wie dort führt uns auch  in dem neuen Buch von Andrea Schacht eine Katzendame durch die Geschichte. Hier ist es die Streunerkatze Sina, die sich, um ihren Katzennachwuchs durchbringen zu können, entgegen der eigenen Vorsätze in die Nähe der Menschen begibt. Dort stolpert sie, kaum dass sie ein Plätzchen für sich und ihre Kätzchen gefunden hat, über die Taten eines heimtückischen Giftmörders. Nicht nur Menschen kommen ums Leben, auch eines von Sinas Kindern stirbt an einem Gift, das nach Bittermandel riecht. Ob es einen Zusammenhang gibt zwischen dem Tod von Sinas Kätzchen und dem Toten in einer der Badewannen des Kursaales? Sina beginnt nachzuforschen und freundet sich dabei mit einem Kurgast, einer jungen Frau namens Altea, an. Bald entwickelt sich daraus eine enge Freundschaft zwischen Mensch und Tier.

Schacht02Die Geschichte spielt, wie oben schon erwähnt, in Bad Ems und zwar im Sommer des Jahres 1872. Das Buch ist recht humorvoll geschrieben, immer wieder muss man über die kleine Hauptdarstellerin schmunzeln und auch über den Kater eines anderen Kurgastes, mit dem sich Sina im Laufe der Handlung anfreundet. Der Kater Bouchon ist eigentlich ein reiner Stubenkater – schüchtern, überaus höflich, etwas pummelig und total unbedarft, was das Leben außerhalb der menschlichen Behausungen betrifft. Am Ende war mir Bouchon fast mehr ans Herz gewachsen als Gina, die auf ihre Art dennoch auch viel von dem hochherrschaftlichen Kater lernen kann. Beide ermitteln zusammen und ergänzen sich letztendlich ausgezeichnet, auch wenn Bouchon recht oft etwas ungeschickt und tollpatschig zu sein scheint.

Kurz und gut – den Leser erwartet eine nette kleine Katzengeschichte mit viel Humor und liebevoll gezeichneten Charakteren. Natürlich kommen auch die Bösewichte nicht zu kurz, denn wir haben es hier ja mit einem Krimi zu tun, der durchaus auch für Spannung sorgt. Dank Sina und Bouchon kommen wir dem Täter fast eher auf die Spur als die ermittelnden Menschen. Aber gerade das macht den Reiz dieses Buches aus. Wir sind nämlich mit allen Sinnen Katze.
Nebenher erfahren wir sogar noch allerlei über das Kurleben in Bad Ems um 1872. Wer hätte gedacht, dass auch zu jener Zeit die Leute schon zur Kur fuhren?

Mir hat die Geschichte um Sina gefallen und ich empfehle sie gern weiter an all jene, die nicht nur tiefschürfende, hochernste und zutiefst philosophische Literatur lieben. Es ist ein Buch für Leser, die sich durchaus auch öfter einmal begeistert in ein lockeres, leichtes und lustiges Leseabenteuer entführen lassen. Das Buch macht einfach Spaß.

Ach ja, … und wer eine Katze hat, wird diese nach einer solchen Lektüre sogleich mit ganz anderen Augen sehen, sie vielleicht sogar ein wenig besser verstehen als zuvor.

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Zum Schluss vielleicht noch die vollständigen Angaben zum Buch:
Die Spionin im Kurbad : Roman / Andrea Schacht. – Augsburg : Weltbild, 2012. – 365 S. – ISBN 978-3-86365-157-2

Kommentare
  1. katerchen sagt:

    Hallo liebe Silberdistel
    also Bücher die der guten Laune dienen.DANKE

    LG vom katerchen der solche Sachen auch ab und an gerne liest
    ..

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, dieses ist ein solches Buch, dass durchaus der guten Laune dienlich ist. Wenn man selbst Katzen hat, dann macht es bestimmt noch ein bisschen mehr Spaß, weil man seine eigenen Vierbeiner dabei doch immer ein wenig vor sich sieht.
      LG zurück zu Dir, liebes Katerchen

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  2. Ruthie sagt:

    Das kenn ich, dass man nach Lektüre mit/über Katzen sein eigenes Tier mit anderen Augen sieht. Jaja, wer weiß 😉

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    • Silberdistel sagt:

      Wahrscheinlich beobachtet man seine kätzischen Mitbewohner dann nur noch ein wenig genauer, weil man die Eigenschaften, die ihnen der Buchautor zugeschrieben hat, auch bei der eigenen Katze sucht 😀
      … und ja, manchmal entdeckt man sogar solche neuen Seiten an seiner Katze 😉 😀

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  3. kowkla123 sagt:

    danke dir für die guten Tipps, wünsche ein schönes Wochenende, Klaus

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  4. andrea sagt:

    DANKE dir für deinen BücherTIP…..hab einen schönen SpätNachMITTAG…..HERZlichst ANDREA:))

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  5. Gudrun sagt:

    Sag mir nur noch eines, liebe Silberdistel. Hat der Kater die Sina näher kennengelernt? Ich weiß, man soll nicht alles verraten, aber ein ganz, ganz klein wenig noch. 😀
    Weißt du, es muss nicht immer die ganz große Weltliteratur sein. Manchmal ist einem einfach nicht danach. Und dennoch kann man ganz großen Spaß am Lesen finden. Eben mal mit anderen Themen.
    Und ehe mir jetzt die Augen zufallen, sage ich mal liebe Grüße und gute Nacht.
    Die Gudrun

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    • Silberdistel sagt:

      Aber nicht weitersagen *pssst* Es gibt ein kleines Vierbeiner-Happy-End. 😉

      Ja, so ist es Gudrun, manchmal brauche ich auch eine schöne leichte Lektüre, die einfach nur rundum Spaß macht. Probleme hat man oft selbst genug zu wälzen. Generell lese ich aber fast alles, aber von der schweren Kost nicht zu viel hintereinander. Zwischendurch darf es immer mal wieder etwas sein wie „Die Spionin im Kurbad“.
      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende für Dich in Deinem Wollwaschgarten (?) ♥

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