Wenn’s im Unterholz raschelt …

Veröffentlicht: 1. Juli 2013 in Garten, Geschichten, Natur, Pflanzen, Sehenswertes, Tiere
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Ich bin wieder einmal im Garten beschäftigt und zupfe hier ein wenig, dort ein wenig und … igitt … angeekelt zucke ich zurück – ein Prachtexemplar von Regenwurm fühlt sich in seinem unterirdischen Reich wohl durch mein Gezupfe gestört, schiebt sich aus der Erde und sucht auf den Trittplatten, auf denen ich gerade hocke, einen Weg zu ruhigeren Gefilden. Der Wurm wird länger und länger und scheint überhaupt kein Ende nehmen zu wollen. Etwas angewidert schaue ich zu ihm hinunter und hoffe, dass er möglichst schnell irgendwo in der Erde verschwindet. Er weiß nicht so recht, wohin er sich wenden soll, testet links den Untergrund, dann rechts, richtet sich etwas auf, als würde er in die Ferne schauen, und schlängelt sich dann weiter in meine Richtung. Ich betrachte ihn zutiefst misstrauisch und überlege, ob ich nicht mein Schäufelchen nehmen soll, um diesen mir äußerst unangenehmen Erdling weit weg von hier wieder auszusetzen. Eigentlich befasse ich mich mit solchen Wurmumsetzungsaktionen nur sehr widerwillig. Lieber ist es mir, wenn sich das Gewürm möglichst schnell ohne mein Zutun davonmacht. Auf die Amsel ist auch kein Verlass mehr, obwohl sie doch im Moment einen erhöhten Regenwurmbedarf haben sollte, wo der Nachwuchs gerade flügge geworden ist und die ersten Flugübungen durch den Garten macht. Eben noch sah ich die Amseldame mit einem Schnabel voller Gewürm durch den Garten hüpfen. Nur, wenn ich sie brauche, ist sie nicht zur Stelle. Die Amseln von heute sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. So werde ich wohl in den sauren Apfel beißen müssen und den Wurm … Huuuuch! Jetzt habe ich mich aber erschrocken. Plötzlich, als ich mich hochkonzentriert dem Wurm nähere, raschelt es im Frauenmantel neben mir. Das Blatt am Hinterende des Wurms hebt sich und eine pummelige Kröte kommt zum Vorschein, beäugt kurz den schmackhaften Braten vor sich und beißt hinein. Ich schaue auf den Kampf der Giganten und bemerke, dass ich gar keinen Fotoapparat zur Hand habe. Wie dumm aber auch! Egal! Versuch macht kluch! Vielleicht kann ich vorsichtig über das Kampfgetümmel hinwegsteigen und zu meiner Kamera eilen. Geschickt schwebe ich mit einem Riesenschritt über Kröte und Wurm hinweg, renne ins Haus, die Treppen hoch, greife die Kamera, eile hinunter, wiederhole meinen eleganten Hüpfer von eben in die andere Richtung und nehme wieder die Position von vor wenigen Augenblicken ein, mache die Kamera startklar und knipse, was das Zeug hält. Die Kröte indes ließ sich durch meine hektischen Anwandlungen überhaupt nicht stören. Wahrscheinlich war dieses Prachtexemplar von einem Wurm doch zu verlockend. Da konnte sie nicht widerstehen – Hektik hin, Hektik her. Vielleicht aber kennt sie mich bereits von vorherigen Fototerminen und weiß, dass von mir keine Gefahr ausgeht, auch wenn es noch so viel zappelt oder laut klickt. Während ich nach der Kamera durchs Haus raste, hat die Kröte sich bereits fleißig des Regenwurms angenommen. Ein nur noch verhältnismäßig kleiner Teil des Wurms hängt aus dem Krötenmaul und wehrt sich heftig dagegen, ganz verschlungen zu werden. Ich bin geneigt, mich beim Anblick dieses Schauspiels immer wieder vor Ekel zu schütteln, bin aber tapfer, überwinde mich und halte das Wurmmahl der Kröte im Bild fest. Huuuuch! Was ist das schon wieder? Beinahe hätte ich die Kamera fallen lassen, denn es raschelt erneut ganz heftig neben mir. Nein, es ist glücklicherweise keine Schlange, die jetzt die Kröte samt Wurm verschlingen will. Es ist nur das graue Ungeheuer des Hauses, unsere neugierige Katzendame. Ich muss sie bremsen, damit sie nicht die Kröte vertreibt. Voller Jagdlust bleibt sie dann aber doch neben mir sitzen und schaut ebenso gespannt wie ich auf das Schauspiel. Ich denke, das Katzenmädchen hat erkannt, dass die Kröte vor uns sitzt und es unklug wäre, näher heranzugehen. Auch sie hat ebenso wie unser Kater bereits ihre Erfahrungen mit dem unangenehmen Sekret der Kröte gemacht. So schauen wir beide voller Spannung auf das Drama vor uns – den spannenden Kampf zwischen Kröte und Regenwurm. Irgendwann hat die Kröte die Nase voll von uns und zieht sich unter den Frauenmantel zurück. Nase voll und Maul voll, da braucht man keine unnötigen Zuschauer. Da muss man seine Kräfte konzentrieren und hat keinen Sinn dafür, auch noch auf eine Katze und einen Menschen zu achten. Durch eine kleine Lücke zwischen den Blättern können wir dennoch beobachten, dass der Regenwurm noch nicht aufgegeben hat und sich bemüht, dem Krötenmaul wieder zu entkommen. Die Kröte jedoch kämpft ebenso weiter und versucht tapfer, ihr riesiges Mittagsmahl zu beenden. Ob sie sich damit nicht doch übernommen hat? Wenig später verschwindet sie dann ganz unter dem Blätterwald und ist wahrscheinlich für eine lange Zeit satt, es sei denn, der Wurm konnte doch noch entkommen, was ich fast nicht glauben kann.

Für Diashow eines der Bilder anklicken!

Kommentare
  1. Frau Hummel sagt:

    Faszinierende Bilder, wirklich spitze. Aber, Du ekelst Dich vor Regenwürmern? Naja, wenn ich recht bedenke… richtig lecker sehen die auch nicht aus. Danke, so etwas hatte ich noch nie gesehen. Liebe Grüße zu Dir an die Ostsee

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    • Silberdistel sagt:

      Danke! Ich fühl mich ganz gebauchklatscht 😀 Eigentlich muss ich der Kröte wohl den Bauch streicheln, weil sie Katz und Mensch hat bei ihrem Mahl zuschauen lassen. Ich weiß diese Ehre aber ganz doll zu schätzen.
      Regenwürmer, nein, die sind nicht so mein Fall. Sie sind das für mich, was für andere die Spinnen sind.
      Für mich war das ebenso das erste Mal 😉 Ich habe so etwas bisher auch noch nie beobachten dürfen. Aber ich stehe ja mit dem Getier in meinem Garten auf gutem Fuß. Einige nette Erlebnisse hatte ich hier bereits, wobei der Wurm für mich nicht so nett war, aber das steht auf einem anderen Blatt 😉
      Liebe Grüße in Deine Heide und einen sonnigen Tag für Dich und Dein Heim ♥

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  2. andrea sagt:

    Na was raschelt denn da wohl…..es sind die lieben Gänschen und haben kein SCHUH……also doch nicht….sind ja keine Gänschen…..hihihi…..viel mir gerade nur so ein…….Wünsche dir einen schönen MonTAG…SCHÖN BILDer wieder aus der NATUR und deinem GARTEN…mit den süßen jungen……für dich was es einmal bei uns zum ESSEN gab guten HUNGER wünsche ich dir…LG ANDREA:))
    http://andreasch45.wordpress.com/2013/03/27/das-hat-esgestern/

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  3. ann53 sagt:

    Fantastisch schöne Foto’s und auch sehr interessant zu lesen!
    Freu mich auch immer wenn bei mal ein Igel im Gehölz oder Laub über’m Zaun raschelt und dann auch noch ganz seltsame Grunzlaute von sich gibt. 🙂 Bekam aber leider noch nie einen vor die Linse.
    Die Wurm fressende Kröte und das süße neugierige Kätzchen…. einfach herrlich!!
    Liebe Grüße auch wieder von mir und einen guten, sonnigen Start in die Woche wünsche ich ♥ ☀

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    • Silberdistel sagt:

      Da erinnerst Du mich daran, dass ich unseren Igel in diesem Jahr noch gar nicht gesehen habe. Vielleicht lebt er nur heimlicher als in den Vorjahren 😉 Wer weiß?
      Die Katze fand die Mahlzeit der Kröte mindestens so interessant wie ich. Wir haben beide ganz fasziniert zugeschaut.
      Liebe Grüße zurück und auch Dir einen tollen Start in die neue Woche

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  4. laurazeitlos sagt:

    Tolle Aufnahmen..dank natürlich auch an die Kröte,das sie Dir erlaubte,ihr beim Speisen zuzusehen:D
    LG,Laura

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    • Silberdistel sagt:

      Ich hab’s der Kröte gerade ausgerichtet. Sie ist mir heute, als ich wieder im Garten gewerkelt habe, erneut über den Weg gelaufen. Vielleicht wollte sie schauen, ob ich wieder Würme für die ausbuddele. 😉
      Liebe Grüße zurück

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  5. giselzitrone sagt:

    So schöne Bilder ja einen Frosch bin ich noch nicht begegnet und das Kätzchen dazu lustig.Wünsche einen schönen Tag und eine gute neue Woche.Gruß Gislinde

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, das war wohl ein Glückstreffer, die Kröte bei einer Regenwurmmahlzeit beobachten zu können. Ich hab‘ mich selbst über die Bilder gefreut.
      Auch Dir eine schöne Woche und liebe Grüße

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  6. kowkla123 sagt:

    schön wieder, wenig Zeit, aber trotzdem gefreut, schönen Montag, Klaus

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  7. Mathilda sagt:

    Klasse Doku 😀 ♥

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  8. katerchen sagt:

    nah das nenne ich wirklich SCHNAPPSCHUSS..und dann in Serie
    DANKE liebe Silberdistel hätte es GERNE selbst erlebt
    LG in den Tag der hier mal freundlich gestartet ist(geregnet hat es in der Nacht)
    bis dann das katerchen

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    • Silberdistel sagt:

      Da war die Kröte richtig nett zu mir, nicht wahr? 😀 Ich denke mal, das erlebt man wohl auch nicht alle Tage, obwohl die Kröte am Sonntag noch einmal unerwartet neben mir aufgetaucht ist, als ich wieder im Unterholz buddelte. Vielleicht sind auch Kröten klüger, als wir denken. Bestimmt war sie der Meinung, ich serviere ihr noch einmal ein solches Prachtexemplar von Wurm 😀
      Hier droht gerade ein Gewitter, aber ob es wirklich kommt 🙄 Es scheint sich in Richtung See davonzumachen.
      LG und bis dann

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  9. Gudrun sagt:

    Gut, dass du so flotte Füße hattst, liebe silbrige Distel. Aber ganz ehrlich, ein bissel eklig ist es schon. Ich habe nämlich genau so eine Gänsehaut-Abneigung gegenüber Regenwürmern wie du. Ich weiß wohl, dass sie sich im Boden sehr nützlich machen, decke aber sofort wieder Erde darüber, wenn ich bei der Gartenarbeit einen aufspüre. Deine Bilder sind große Klasse.
    Liebe Grüße von der Gudrun

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    • Silberdistel sagt:

      Das sage ich Dir 😀 Ich befürchtete schon, die Kröte wäre samt Wurm verschwunden, wenn ich mit der Kamera zurück bin. Endlich aber mal ein Tierchen, das nicht so fotoscheu ist. Wahrscheinlich wollte sie als Fotostar ins Internet 😉
      Nein, also Würmer sind nicht mein Ding. Seltsam für eine begeisterte Gärtnerin, oder? 😀 Aber, wenn es Dir auch so geht, tröstet mich das ein wenig.
      Liebe Grüße auch zu Dir, liebe Gudrun

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