Die Sonne lockt mich nun schon seit Tagen immer wieder in meinen Garten, um kleine Arbeiten zu verrichten. Es gibt so allerlei aufzuräumen, was ich im letzten Herbst einfach nicht mehr geschafft habe. Der Winter hatte es mit seinem Kommen zu eilig gehabt oder vielleicht war ja auch ich nur zu langsam oder zu unmotiviert gewesen, was die restlichen herbstlichen Gartenarbeiten betraf. So blieb also einiges liegen und war dann auch bald unter einer dicken Schneeschicht begraben. Grund genug für mich, es bis zum nächsten Frühjahr unter der weißen Pracht ruhen zu lassen.

Nun endlich, eigentlich sollte schon lange Frühling sein, hat Frau Holle sich zurückgezogen und hoffentlich mit ihrem Sommerschlaf begonnen. Die Jüngste ist sie schließlich auch nicht mehr. Ein wenig Ruhe und Erholung sollten ihr guttun, zumal sie sich Tage, Wochen und Monate unermüdlich abgerackert hat. Diese Arbeitswut! Was wohl in sie gefahren war? Aber nun lass es gut sein, Frau Holle, ruh Dich ordentlich aus, Du hast es Dir verdient.

Aber zurück zu meinem Garten. Es gibt zu tun – mehr als genug und es macht Spaß im Freien zu werkeln, die neuen Düfte einzusaugen, die Farben der Blumen rundum in sich aufzunehmen und den zaghaften Frühlingsgesängen der Vögel zu lauschen. Trotz Arbeit lasse ich es mir nicht nehmen, immer wieder dem emsigen Treiben der gefiederten Zweibeiner um mich herum zuzuschauen. Das Futterhaus ist noch gut gefüllt, denn bisher gab es immer noch Nachtfröste, die es der Sonne schwer machen, den eisigen Boden zu erwärmen und aufzutauen. So kann ich neben der Arbeit beobachten, wer alles Garten und Futterhaus besucht. Seit einiger Zeit kommen regelmäßig zwei Stare zum Futterplatz. Ob sie wohl vor einigen Wochen unter dem riesigen Starenschwarm waren, der wie eine marodierende Truppe über unseren Futterplatz hergefallen war? Vielleicht haben die beiden sogar da beschlossen, hier ganz in der Nähe zu bleiben, um das reichhaltige Nahrungsangebot noch eine Weile nutzen zu können. Wo es reichlich Futter gibt, kann man doch sicher auch gut den Nachwuchs aufziehen. Dass die Körnerbar nun bald wieder geschlossen wird, ahnen sie sicher noch nicht. Aber auch so wird der Garten genug Nahrung für sie bereithalten.

Cover Star im ApfelbaumIch bin gerade dabei, einige Sträucher auszulichten, da höre ich das typische Geschwätz von Staren über mir. Ich schaue hoch und entdecke zwei der schwarzen fast ins Grünliche schillernden Vögel oben im Apfelbaum. Sie scheinen in ein anregendes Gespräch vertieft zu sein. Der links sitzende Vogel ist offensichtlich der Gesprächsführer, denn er redet fast pausenlos. Der andere wirft nur ab und zu ein paar kurze Silben in das Geplauder seines Gegenübers ein. Während ich den beiden hübschen Vögeln zuschaue, geht mir „Der Star im Apfelbaum“ durch den Kopf, der Titel eines Kinderbuches von Edith Bergner und Ingeborg Meyer-Rey. Wie oft habe ich meinen Kindern aus diesem Buch vorgelesen? Nicht nur meine Kinder liebten diese Geschichte, auch ich konnte sie wieder und wieder lesen. Das hübsch illustrierte Buch machte es selbst mir als Erwachsenem nicht schwer, in die Welt eines kleinen schwatzenden schwarzen Vogels abzutauchen. Es ist ein so zauberhaftes Buch, dass man es gar nicht wieder aus der Hand legen mag. Ein Star, wie er hier über mir im Apfelbaum sitzt, ist der Hauptheld in dieser wunderschönen Geschichte. Ein kleines Mädchen fordert den Vogel, der auch in unserer Geschichte in einem Apfelbaum sitzt, dazu auf, doch endlich einmal ein anderes Lied zu singen, nicht immer nur dieses eine vom Frühling. Nur zu dumm, der Vogel kennt kein anderes Lied. So macht er sich ganz einfach zu anderen Tieren auf den Weg, um vielleicht von ihnen ein neues Lied zu lernen. Tatsächlich lernt er viele neue Lieder kennen und bei so viel Vielfalt hat er ganz plötzlich sein eigenes Lied vergessen. Was jetzt? Wer soll nun mit seinem Gesang den Frühling herbeilocken, so wie es sich das kleine Mädchen Babett so sehr wünscht?

Lächelnd schaue ich zu den beiden Vögeln auf meinem Apfelbaum hinauf und freue mich darüber, dass diese kleinen Federbälle mich an das hübsche Büchlein erinnert haben. Ich weiß noch, dass ich es auch viele Male an Leser meiner Bibliothek ausgeliehen habe. Voller Begeisterung erzählten sie mir später, welch wundervolles Buch ich ihnen doch damit empfohlen hätte und wie sehr ihre Kinder die Geschichte mit den wunderschönen Illustrationen liebten. Manchmal war diese Empfehlung sogar der Auslöser für ein schönes Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenk.

Noch eine ganze Weile höre ich dem Plaudern meiner gefiederten Gäste zu. Zwischendurch fliegen sie immer wieder die nahe Haselnuss an, um von dort aus zum Futterhaus zu gelangen, wo sie sich für ein erneutes Zwiegespräch mit einem Körner-Cocktail stärken. Ob auch sie ihr Repertoire bei den anderen Tieren gelernt haben – so wie in dieser kleinen Geschichte? Mir scheint es fast so, denn ich höre kurz eine Amsel pfeifen, die gar nicht hier über mir im Baum sitzt, eine Krähe krächzen, dann ertönt ein Pfeifton wie ihn unser Nachbar oft ausstößt, wenn er nach seinem Hund ruft. Sitzt der Nachbar etwa dort oben im Baum? Ich schaue hoch und muss über mich selbst lachen. Dort sitzen nur diese beiden in der Sonne so wundervoll schillernden Vögel und schwatzen leise miteinander. Manchmal habe ich fast den Eindruck, als würden sie über etwas herzlich lachen. Was sie sich wohl alles für lustige Begebenheiten zu erzählen haben?

Hier noch einige Angaben zum Buch: Der Star im Apfelbaum / Edith Bergner. Illustrationen von Ingeborg Meyer-Rey.  – Neuausg. – Weinheim : Beltz, 2008. – 32 S.
ISBN 978-3358030608

Für Diashow eines der Bilder anklicken!

Kommentare
  1. Waldameise sagt:

    Oh, ich mag sie auch, die kleinen schnatternden Freunde. Von dem Buch lese ich leider zum ersten Mal, liebe Silberdistel. Danke für den Tipp. Die Illustratorin mag ich sehr. Eines meiner Lieblingsbücher in meiner Kindheit war dieses:

    http://www.antiquariat.de/angebote/GID19205162.html

    Vielleicht kennst du es ja schon. Es ist jetzt eine besondere Freude, unseren gefiederten Freunden zuzuhören und zu sehen, gell? Ich liebe es.

    Ein lieber Gruß in deinen Garten
    von der Waldameise

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    • Silberdistel sagt:

      Ich könnte diesen schnatternden Federbällen stundenlang zuhören. Es ist hochinteressant, was sie manchmal für Laute von sich geben. Man kann eine ganze Reihe anderer Vögel erkennen, aber eben auch Laute, die uns sonst so täglich umgeben und die dieser kleine „Papagei“ nachplappert. Er scheint richtig Freude an seinem eigenen Geschnatterte zu haben, so eifrig ist er dabei.
      Das Buch „Der Star im Apfelbaum“ ist wirklich ein hübsches kleines Kinderbuch. Dein Meisenbuch kenne ich auch, habe es aber schon lange nicht mehr in der Hand gehalten. Schön, dass Du mich daran erinnerst. Ich habe auch dieses Buch in netter Erinnerung. Ich freue mich sehr, dass man solche hübschen Bücher noch kaufen kann, selbst wenn es nur noch im Antiquariat ist. Da habe ich schon so manchen Schatz entdeckt, nach dem ich lange gesucht habe.
      Liebe Grüße zurück in Deine Ameisenburg

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  2. andrea sagt:

    Schöne GESCHICHTE zu deinen WUNDERvollen VÖGEL(n)…hab einen schönen TAG..LG ANDREA:))

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  3. Das ist eine superschöne Geschichte heute wieder bei dir im Blog! Dein Schreibstil – gerade hier – hat mir sehr gut gefallen. Und von den Fotos bin ich einfach nur begeistert!

    LG Michèle

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    • Silberdistel sagt:

      Oh, danke für das Lob. Das von Dir zu lesen, freut mich ganz besonders, wo ich doch unter anderem wegen Deines Schreibstils immer so gern bei Dir lese.
      Ja, die Fotos … eben ein Star 😉
      Liebe Grüße zurück

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  4. giselzitrone sagt:

    So tolle Fotos und eine wunderschöne Geschichte wieder in deinen Blog zu lesen.Ich wünsche dir noch einen schönen Mittwoch.Gruß Gislinde

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  5. Das sind ganz zauberhafte Fotos! Toll!

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  6. kowkla123 sagt:

    wieder tolle Bilder(ich mag diese Vögel) und ein richtig guter Text dazu, hat mir sehr gefallen, alles Gute, Klaus

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, die Stare sind lustige Gesellen. Mir gefallen sie auch mit ihrem ewigen Geplauder in allerlei Sprachen 🙂 Der Text wurde mir von den Staren in den Mund … äh … in die Tastatur gelegt 😉 Danke für Deine lobenden Worte.
      LG an Dich

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  7. eifeltussi sagt:

    Ich bin hin und weg von den superschönen Fotos! Haste ganz toll hingekriegt (die passende Geschichte natürlich auch!). Bei uns ist es eher überschaubar mit der Vogelschar in diesem Winter. Fast nur Spatzen, Amseln, Meisen – Ende im Gelände. LG Elke

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    • Silberdistel sagt:

      Na, weg solltest Du nicht sein 😉 Ich freue mich, dass Du da bist und Dein Blog auch wieder. Schön 🙂
      Die beiden Stare haben sich schön in Positur gesetzt, nicht? Naja, von einem Star sollte man das auch erwarten können 🙂 Irgendwann fielen diese geschwätzigen Vögel einfach über uns her – in großen Scharen. Seitdem sind einige von ihnen liebe Gäste am Futterhaus geblieben. Auch sonst können wir nicht klagen. Es sieht immer noch recht bunt aus am Vogelfuttertrog bei uns im Garten.
      Liebe Grüße zurück

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  8. mokinamonaz sagt:

    Sehr schöne Bilder. Viel Spaß noch in Deinem Garten.

    LG
    ~M

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  9. einfachtilda sagt:

    Das sind ganz wundervolle Fotos, so nah konnte ich noch keine Star fotografieren. Bin begeistert.
    Dein Artikel war nicht im WP Reader 😦 der spinnert heute mal wieder.

    LG Mathilda ♥

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    • Silberdistel sagt:

      Ich durfte wirklich sehr nah ran, habe mich selbst darüber gewundert. Wahrscheinlich hat aber doch noch das gut gefüllte Futterhaus gelockt. Ich denke, ich war da das kleinere Übel 😉
      Der WP Reader spinnert aber öfter mal, oder? Ich benutze ihn deshalb auch eher selten.
      LG zurück

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  10. Frau Hummel sagt:

    Wow, da sind Dir ja geniale Fotos gelungen. Was für hübsche Vögel… Wenn ich ein Vöglein wär, dann wäre ich gern ein Star. Echt, so ein hübsches Gefieder. Ein Abendkleid in den Farben müsste auch toll aussehen… *überleg*. Ich habe noch keinen Star in freier Natur gesehen, schade eigentlich.
    Hast Du denn nun fertig aufgeräumt in Deinem Garten? Ich frag nur so, weil… ich könnte noch Hilfe gebrauchen *lach*.

    Sei lieb gegrüßt aus der Heide ♥

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    • Silberdistel sagt:

      Es sind wirklich hübsche Vögel. Im Sonnenlicht glänzen sie fast in allen Farben – wie ein kleiner Regenbogen. Auf einigen Bildern kann man das ganz gut sehen. Aber, dass Du noch keinen Star in freier Natur gesehen hast? Vielleicht ist er Dir nur nicht aufgefallen? Eigentlich hört man sie immer eher als man sie sieht. Wenn z.B. Dein Handy klingelt und es klingelt gar nicht, dann könnte da irgendwo ein Star sitzen 😉 😀
      Oh ja, ein Abendkleid im Starenlook könnte fantastisch aussehen 🙂 Tolle Idee 🙂
      Okay, wenn ich fertig bin im Garten, komm ich vorbei 😉
      Liebe Grüße zurück in die Heide

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      • Frau Hummel sagt:

        Oh, so ein „Handy“ saß vor zwei Jahren mehrere Tage hintereinander in den Bäumen in Nachbars Garten. Ich dachte damals an einen entflohenen Käfigvogel… dann war das wohl ein Star *grübel“.
        Sag Bescheid wenn Du aufbrichst zu mir, dann backe ich uns noch schnell einen Kuchen 😉 🙂

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        • Silberdistel sagt:

          Na bitte! Bestimmt wirst Du nun auch irgendwann den ersten Star Deines Lebens mit eigenen Augen sehen können. Vielleicht hörst Du das Handy bald wieder 😉
          Ja, und dann kannst Du ja nach dem Muster seines Kleides Dein Abendkleid fertigen oder fertigen lassen 😀
          Oh Kuchen *lecker* Bei den verlockenden Aussichten sage ich doch ganz sicher vorher Bescheid 🙂 😉

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  11. katerchen sagt:

    schön gesagt liebe Silberdistel
    Der Garten.. der Winter hat uns im Garten überholt und der Frühling ausgebremst..
    Stare ich mag auch ,immer schauen was da nun los ist bei den schillernden Vögel..ihrem Gesang lauschen und Ihrem Tuscheln zuhören.
    LG vom katerchen der wohl nicht in den Garten kommt..
    Nebel und kühl..gerade mal so etwas über Null..

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    • Silberdistel sagt:

      Hier hellt es sich jetzt ganz langsam auf. Es sah früh auch recht dunstig aus. Aber Gartenarbeit ist heute bei mir nicht angesagt, muss erst noch einige andere Dinge erledigen. Aber Kälte hin und Kälte her, es war schon die erste Nacktschnecke unterwegs, die Appetit auf die Pflanzen hatte, die in unserem Wintergarten auf ihren Ausgang ins Freie warten. Es war nur ganz kurz die Tür auf wegen der Katzen und siehe da – Schneckenbesuch 😉
      Liebe Grüße zurück

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  12. Gudrun sagt:

    Das ist eine ganz wunderbare Geschichte, die du erzählst, liebe Silberdistel. Es ist doch schön, wenn man solche schöne Erinnerungen hat. Die kann einen keiner nehmen. Mich hat deine Geschichte wieder etwas fröhlicher gemacht, denn vor einigen Tagen erzählte mir meine jüngste Tochter, dass sie ganz in den Norden ziehen will, in Richtung Flensburg. Sie wird dort weiter studieren und freut sich sehr darauf. Naja, ich war zuerst nicht so begeistert, dass auch noch das letzte Kind weit weg gehen wird. Aber so wie du habe ich ja noch meine Bücher. Und meine Erinnerungen.

    Liebe Grüße von der Gudrun

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    • Silberdistel sagt:

      Danke, liebe Gudrun. Ich freue mich, dass Du Gefallen an meiner Geschichte gefunden hast. Bei uns wurde jeden Abend eine Gutenachtgeschichte vorgelesen. Das hat den Kindern immer sehr gefallen. Außerdem war es für sie und auch für uns Erwachsene ein schöner gemeinsamer Tagesausklang.
      Uns geht es auch so, dass man oft ganz schön traurig ist, weil Kinder und Enkelkinder so weit weg wohnen. Aber das ist nun mal der Lauf des Lebens. Ich weiß ja nicht, ob es ein Trost für Dich ist, aber hier im Norden ist es gar nicht mal so schlecht 😉
      Liebe Grüße zurück

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  13. Frau Spätlese sagt:

    Oh – das sind aber wunderschöne Fotos. So schön von dichtem habe die noch gar nicht bewundern können.
    Tja – und das mit der Buchempfehlung muss ich mir merken. Der Sohn mit seinen fast 15 ist wohl schon zu groß dafür. Aber glücklicherweise habe ich ja kleine Neffen, so dass ich das Buch wohl doch noch genießen kann. 😉

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    • Silberdistel sagt:

      Bisher hatte ich sooo dicht auch noch keinen Star vor der Linse. Wahrscheinlich war das Futter doch zu verlockend. Die beiden haben mich auch lange genug beobachtet, bevor sie zum Futterhaus flogen, in dessen Nähe ich mit der Kamera saß.
      Das Buch ist für Kinder zwischen 4 und 6 Jahren. Aber vielleicht schaut der 15jährige ja auch noch rein. Ich bin schon um einige Jahre älter als 15 und schaue immer noch gern rein 😉 Spaß beiseite – für den Neffen ist es sicher ein hübsches Geschenk.

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  14. Dir sind aber tolle Aufnahmen gelungen. Chapeau! Ernst

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