Meine Katzendame verlangt laut schreiend Ausgang. „Jaha, ich komme ja schon, will nur noch schnell die Kamera holen.“ Die Katze scheint ob meiner Worte die Augen zu verdrehen und zu sagen: „Du immer mit Deiner blöden Kamera!“ Meine Herrschaft steht, quasi von einem Bein aufs andre tretend, vor der Terrassentür und ruft mir einige laute und ungeduldige Maunzer zu. Eigentlich sollte sie wissen, dass auch ihr Personal manchmal wie eine Katze handelt, nämlich nicht immer das tut, was man von ihr verlangt, sondern manchmal ganz einfach den eigenen Kopf durchsetzt. Wenig später bin ich mit der Kamera zurück und muss mir noch den einen und anderen Schimpfmaunzer anhören: „Das hat ja mal wieder gedauert! So, nun mach aber schnell auf, ich hab‘ da draußen Wichtiges zu tun. Mach schnell, bevor die Sonne wieder weg ist!“ Ich öffne die Tür und sehe nur noch Staub und Katzenhacken. Fort ist sie, wie ein Wirbelwind! In aller Ruhe folge ich der Dame des Hauses und schaue, was die Sonne zwischen gestern und heute alles im Garten geschafft hat. Es liegen immer noch einige Schneereste hier und da, aber der Frühling sprießt selbst an den noch schneebedeckten Stellen bunt aus der Erde – Krokusse erhellen in allen Farben mein kleines Gartenreich. Ich atme tief ein und aus – so lange ich es noch kann, denn wenn der Frühling erst einmal seine zahlreichen Pollen durch die Lüfte schickt, wird mir das tiefe Einatmen zunehmend schwerer fallen und mir nicht mehr ganz so viel Freude bereiten. Aber jetzt kann ich es noch fast ungehindert tun, fast, denn meine Augen, die auch nicht gerade vom Pollenflug begeistert sind, füllen sich  manchmal schon mit Tränen. Sind das nun bereits die Pollen, die an mir hier ihre Arbeit tun, oder sind es doch ganz einfach nur Freudentränen über die täglich zunehmende Farbenfülle und den wundervollen Duft des Frühlings, auf die wir in diesem Jahr so besonders lange warten mussten? Vielleicht mischt sich ja auch eins mit dem anderen.

Während ich in die Betrachtung meines Gartens versunken bin, nur manchmal durch eine vorbeihuschende Katze davon abgelenkt, höre ich über mir den lang nicht mehr vernommenen Schrei eines Kranichs. Endlich! Ich hatte diese melancholischen Laute, die für mich wie der Ruf des Frühlings sind, schon so vermisst. Einige Blogger hatten bereits berichtet, dass große Formationen von Kranichen über ihren Heimatort hinweggezogen wären, nur hier bei uns hatte sich in dieser Hinsicht noch nichts getan. Ich hatte zwar schon Kraniche entlang von Landstraßen und Autobahnen auf verschneiten Wiesen und Feldern beobachten können, aber im Flug konnte ich sie in diesem Jahr hier noch nicht entdecken. Mir hatten ihre Rufe schon so sehr gefehlt. Nun endlich darf auch ich sie wieder hören. Als ich zum Himmel blicke, sehe ich im ersten Moment gar nicht, woher dieser Ruf kommt, doch dann entdecke ich einen Kranich, der einsam große Kreise zieht, dabei immer wieder seinen traurigen Ruf ausstoßend. Er erscheint mir sogar noch ein wenig trauriger und melancholischer als sonst, wenn zahlreiche dieser wundervollen Trompetenrufe den großen Zug der Kraniche begleiten. Noch während ich dem einsamen Vogel zuschaue, dringt aus weiter Ferne  ein Echo an mein Ohr. Plötzlich wird der einsame Segler über mir aktiver mit seinen Flugbewegungen und seinen Rufen. Auf seine Frage kommt in regelmäßigen Abständen eine Antwort. Der Kranich schraubt sich vor meinen Augen höher und höher und dann kann ich nur noch sehen, wie er mit der Gruppe, die inzwischen hoch über meinem Kopf angekommen ist, verschmilzt. Ich bin froh, dass mein einsamer Kämpfer angekommen ist – im Kreise seiner Artgenossen. Nun wird der Weiterflug sicher leichter für ihn werden. Was mag ihm wohl widerfahren sein, dass er so einsam seine Kreise ziehen musste? War er bei einer Zwischenlandung zurückgeblieben, weil er zu erschöpft war? Fehlte ihm irgendwann die Kraft, um seinen Gefährten zu folgen? Wir werden es wohl nicht erfahren. Für mich ist wichtig zu wissen, dass er nun wieder bei seinesgleichen ist und mit ihnen gemeinsam in den Frühling fliegt. Ich wünsche ihm einen schönen Frühling und einen wundervollen Sommer, wo immer er sie erleben mag. Vielleicht sehen wir uns im Herbst ja wieder, wenn ich zum Himmel schaue und den Kranichen für eine Weile wieder einmal, wie jedes Jahr im Herbst, mein Lebewohl hinterherrufe. Sicher wird mein Freund unter ihnen sein und mir mit seinem lauten melancholischen Ruf antworten: „Bis bald!“

Kommentare
  1. katerchen sagt:

    Du hast sie erwischt ..die schönen Schreihälse
    sie haben es sicher nicht einfach bei diesem Dauerwinter.
    Ach liebe Silberdistel und mit unsgeteilt.DANKE mit einem LG vom katerchen

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, endlich, liebes Katerchen, ich dachte schon, sie lassen uns in diesem winterlichen Frühjahr ganz aus. Hoffentlich machen sich Frau Holle und der kalte Herr Winter nun endlich aus dem Staube, damit die Kraniche und die anderen Tiere nicht mehr so darben müssen. Hier fallen schon wieder Schneeflocken vom Himmel 😦
      Ich teile solche Erlebnisse gern mit Euch, Katerchen. Ihr teilt auch mit mir – das ist ein Geben und Nehmen, das Freude macht.
      Liebe Grüße zurück

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  2. Patricia sagt:

    Schöööne Bilder! Ich liebe die Kraniche auch so sehr. Hier gab es in den letzten Tagen auch Formationen. Sogar nachts habe ich sie gehört.

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    • Silberdistel sagt:

      Ich mag sie sooooo sehr. Es sind ja auch so schöne und elegante Vögel, die muss man einfach mögen. Bisher habe ich leider noch keine weiteren Kranichformationen fliegen sehen. In anderen Jahren habe ich sie oft auch ganze Nächte lang gehört. Sind das nicht wundervolle Rufe. Ich könnte jetzt glatt ins Schwärmen geraten.
      Liebe Grüße und danke für Deinen Besuch

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  3. andrea sagt:

    Schöne BILDer..warste diesmal schnell mit der KAMERA dabei..und die BILDer schlüpfte schön LEISE auf bequemliche WEISE schlüpfend durch die LINSE…ganz leise…LG ANDREA:))

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    • Silberdistel sagt:

      Da muss man wirklich immer schnell sein, denn die Kraniche sind schnelle Flieger. Wenn man sie hört, muss man auch schon gleich die Kamera an der Frau haben, ansonsten sind sie schon vorbei. Es sei denn, sie kreisen wie in diesem Falle. Da hatte ich etwas mehr Zeit.
      Danke für die dichterische Umsetzung meines Tuns 😉 und liebe Grüße

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  4. Dina sagt:

    Toll, richtige schöne Bilder und Text! Hab ein feines Wochenende, lieber Silberdistel,
    Dina

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  5. kowkla123 sagt:

    da war deine Kamera jo richtig toll in Bewegung, hast du gut hinbekommen, da ist deine Katze sicher auch stolz auf dich, tolles Wochenende für dich, Klaus

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  6. eifeltussi sagt:

    Sehr schöne Fotos und schöner Text. 99 Punkte! Offensichtlich bist Du auch so pollengebeutelt wie ich. Wie das Bloggen doch verbindet… Ich muß auch schon Augentropfen nehmen. Ich hoffe, das Komplettpaket mit Nase und Bronchien geduldet sich noch ein wenig (oder besser sehr lange!). LG und Pollen ade – Elke – schnief

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    • Silberdistel sagt:

      Oh, danke für die vielen Punkte *stolzguck*
      Leider bin auch ich sehr pollengebeutelt. Ohne Augentropfen geht schon eine Weile nichts mehr. Mein Komplettpaket steht in Bereitschaft, ich musste es aber noch nicht öffnen. Wenn aber der Frühling demnächst explodiert, dann kann ich wohl ohne all das nicht mehr sein.
      Ein Frühling ohne Pollen wär eine super Sache – aber die Blumen will ich trotzdem 😉
      LG und ein Schnief zurück

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  7. wanderer63 sagt:

    Die Bilder sind so gut, dass ich die Kraniche hören konnte! Danke und schönes Wochenende. 🙂

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  8. einfachtilda sagt:

    Danke für die schönen Fotos liebe Silberdistel, aber es ist heute kalt und sehr bedeckt bei uns, der Frühling soll wohl erst nächste Woche kommen, aber so warm wird es dann auch noch nicht.
    Ein schönes Wochenende wünsche ich dir und ein lieber Gruß von Mathilda ♥

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, kaum ruft man nach dem Frühling, da verzieht er sich wieder. Hier schneeregnet es wieder einmal. Langsam geht einem die Frau Holle auf den Keks 😦
      Liebe Grüße zurück und auch Dir ein schönes Wochenende – wenn es wettertechnisch nicht schön wird, machen wir es uns anders schön 😉

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  9. luiselotte sagt:

    Hallo, meine Liebe,
    oh ich lese dich so gerne und ich liebe deine Bilder, und freue mich immer wieder, dir begegnen zu dürfen und wünsche dir, dass, wenn der Frühling kommt, nicht ein Pollenansturm kommt.
    Herzliche Grüße, Luiserl ♥

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    • Silberdistel sagt:

      Danke, Luise, ich freue mich sehr über Deine Worte 🙂 und Dein Kommen. Ich hoffe sehr, der Frühling pustet nicht zu fleißig mit den Pollen umher. Aber selbst wenn, werde ich es schon irgendwie überstehen. Ich glaube, ich bin da in guter Gesellschaft. Es gibt so viele Allergiker. Da müssen wir halt durch.
      Liebe Grüße auch an Dich ♥

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  10. Hoi Silberdistel, deine Bilder und deine Gedanken über den Frühling mag ich sehr. 😀

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