„Wo ist eigentlich die Katze?“ frage ich Herrn Silberdistel. „Keine Ahnung, draußen?“ lautet die Antwort. „Draußen?“ denke ich ein wenig ungläubig. „Aber habe ich sie nicht gerade reingelassen?“ Ich schaue Herrn Silberdistel verwirrt an und frage: „Hast Du sie denn wieder rausgelassen?“ „Warum sollte ich? Wir wollen doch weg!“ sagt Herr Silberdistel.
Wir wollen zum Einkaufen fahren und irgendwie mag ich es gar nicht, wenn die Katzen dann draußen sind. Schließlich haben wir bereits unangenehme Erfahrungen gesammelt, denn auf den Vorgänger unserer beiden Stubentiger wurde schon einmal mit einem Luftgewehr geschossen. Die Tierärztin stellte das mehr rein zufällig fest, als unser Kater wegen einer anderen Sache geröntgt werden musste. Da entdeckte sie oberhalb der Schwanzwurzel ein Luftgewehrgeschoss. So sind unsere Katzen seit diesem Vorfall immer nur draußen, wenn wir Silberdistels zuhause sind, sodass die Tiger doch zumindest ein wenig unter Aufsicht sind.

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Ich laufe also von Zimmer zu Zimmer, um die Vermisste zu suchen, befrage unterwegs den Kater, aber der antwortet mir nicht. Er ignoriert mich einfach und tut so, als läge er im Tiefschlaf.
Ich suche also weiter, schaue in der Hängematte vom Kratzbaum nach, inspiziere meinen PC-Sessel, krieche fast unter das Aquarium, einem der Lieblingsplätze unserer Katzendame, schaue im Bad nach, falls sie sich ein wenig frischmachen will. Auch im Gästezimmer, wo sie gern am Fenster liegt, ist heute kein graues Etwas zu entdecken.

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Da fällt mir ein, ob ich vielleicht nach dem Bettenmachen die Schlafzimmertür nicht ordentlich zugemacht habe? Also, letzter Versuch – Schlafzimmer. Unser Bett ist grundsätzlich mit Decken abgedeckt, weil eben doch manchmal die Katzen sich ins eigentlich verbotene Schlafzimmer schleichen und es sich auf dem Bett bequem machen – ganz nach dem Motto: Was verboten ist, macht doppelt Spaß. Die Decken stellen doch einen gewissen Fusselschutz dar. Heute aber wohl eher nicht. Die eine Decke hat eine deutlich Ausbuchtung. Als ich die Beule anfasse, beginnt sie zu schnurren.

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Ganz vorsichtig hebe ich die Decke hoch und entdecke graue Fusseln, die einem Katzenschwanz nicht unähnlich sind.

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Schaun wir doch mal von der anderen Seite! Aha, die Vermisste!

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Auch, wenn sie sich verstellt und so tut, als wäre sie eine Schottische  Faltohrkatze, erkenne ich unser graues Monster.

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Etwas sehr grimmig schaut die graue Herrschaft zu dem Störenfried hinüber. „Lass mich in Ruhe! Ich brauche meinen Schlaf. Was störst Du hier? Mach wieder zu und geh!“

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Okay, ich decke die graue Faltohrkatze wieder zu und „freue“ mich über all die Fusseln in meinem Bett.

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Die grüne Erhebung ruckelt sich ein wenig zurecht, es sieht aus, als würde sie sich zusammenrollen und dann schnurrt der grüne Berg wieder leise vor sich hin. „Nun ist es eh egal“, denke ich und gehe wieder hinaus. Auf jeden Fall ist die Vermisste ja nun da, wenn auch dort, wo sie nicht hingehört.

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Als ich ein wenig später noch einmal wiederkomme, merke ich, dass ich wohl doch ein Spielverderber war. Die graue Herrschaft kraucht aus ihrem warmen Versteck …

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… sorgt sich nicht weiter um die hinterlassene Unordnung und lässt sich nun oberirdisch nieder.

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 Bevor sie die richtige Lage gefunden hat, dreht sie sich mehrmals um sich selbst und dann …

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 … schließt sie die Augen und tut so, als wäre es ihr gutes Recht, hier zu schlafen – auf unserem Bett. Es scheint mir, als würde sie mir, als ich mich zur Tür drehe, noch hinterherrufen: „Bring mir was Schönes vom Einkauf mit!“ Während ich das Schlafzimmer verlasse, schnurrt es laut hinter mir her. Die Silberdistel wurde wieder einmal ums Katzenpfötchen gewickelt, denn das graue Fusselteil darf erst einmal bleiben, wo es ist.

Kommentare
  1. the3cats sagt:

    🙂 Ich sage auch immer jedem Besucher: „Nicht einfach auf Decken werfen. Es könnte eine Katze drunter sein.“ Linus kriecht auch schon mal unter die Bettdecke und liegt an meinen Füssen. Anscheinend sind die sehr trocken und der Kater möchte voller Mitgefühl für etwas mehr Feuchtigkeit sorgen und leckt ein wenig dran rum. Sehr aufmerksam, der Kater. LG Silke

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    • Silberdistel sagt:

      Unsere Katzendame ist auf den einen Eckplatz auf unserer Couch so unheimlich erpicht. Eigentlich ist das Herrn Silberdistels Platz. Er hat schon beim Hinsetzen manchmal fast die Katze zerdrückt, da die graue Eminenz um Sekundenbruchteile schneller auf diesem Platz war. Im allerletzten Augenblick konnte Herr Silberdistel sich noch neben die Katze fallen lassen. Da kennt das kleine Biest nichts, auch auf die Gefahr hin, dabei zerdrückt zu werden. Ihr Platz ist eben ihr Platz. Aber sie weiß wahrscheinlich, dass wir uns lieber alles verrenken, bevor wir eine Katze unter uns zerquetschen 😉
      Dein Kater ist aber nett – der reinste Fußkosmetiker 😀
      LG auch zu Dir

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  2. Diese ominösen Ausbuchtungen unter der Decke … ^^ Herrlich!
    (Ich hatte schon einen kleinen Schreck bekommen beim Lesen des Titels deines Blogposts – aber so „weg“ geht ja noch).

    LG Michèle

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    • Silberdistel sagt:

      Oh, erschrecken wollte ich hier niemanden. Ich hoffe aber, Dein Schreck hat sich schnell wieder verflüchtigt. Aber so weit hergeholt ist das auch nicht mit dem Verschwinden einer Katze. Wir hatten mal einen Kater, der war eines Tages wirklich weg und kam nie wieder, ein anderer war als kleines Kätzchen mal für eine Woche weg, weil ihn fremde Leute einfach mitgenopmmen hatten. Letzteren haben wir durch eine große Suchaktion dann wieder zurückbekommen. Wir kennen also auch solche schlimmen Fälle. Dieses Mal war es allerdings harmlos und eher lustig 😉
      Liebe Grüße zurück

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  3. Frau Hummel sagt:

    Dieses kleine Versteckspiel hat Deiner Katzendame sichtlich Spaß gemacht. Hatte ich Dir schon einmal erzählt, dass ich meinen Kater, nach langem Suchen, schlafend im offenen Backofen wiederfand?

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    • Silberdistel sagt:

      Sie hat öfter solche Sachen drauf und findet das immer sehr lustig. Dummerweise kann man ihr auch gar nicht böse sein bei all dem Unsinn, den sie anstellt. Das weiß sie leider nur zu genau.
      Schlafend im Backofen? Er wollte aber nicht der Sonntagsbraten werden, nein? 😀 Unser Kater lag schon öfter mal im Wäschetrockner 🙂

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  4. kowkla123 sagt:

    ich hatte bei dem titel schon überlegt, wie ich dich trösten kann, echt gut, deine Katze, sie hatte eine gute Lösung gefunden, darauf muss man erst kommen, wunderschönen Mittwoch, KLaus

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    • Silberdistel sagt:

      Das ist lieb, dass Du mich trösten wolltest, aber es war nicht nötig, denn die Vermisste tauchte wieder auf 🙂 Sie liebt all solche höhlenähnlichen Schlafplätze – nur die Höhle im Kratzbaum ignoriert sie.
      LG

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  5. Waldameise sagt:

    Liebe Silberdistel,

    ich muss gestehen, als ich deine Überschrift las, bin ich mächtig erschrocken. Aber schnell war mir klar, dass es sich um keinen traurigen Eintrag handelt, sondern im Gegenteil.

    Wir lassen unsere Katzen auch nur nach draußen, wenn wir zuhause sind. Aber auch unsere hatten sich schon so gut versteckt, dass wir suchen mussten.

    Du hast das wieder so herrlich beschrieben und fototechnisch untermalt … ein wahrer Genuss. Vorallem der Vergleich mit der schottischen Faltohrkatze hat mir einen lauten Lacher entlockt. Ich liebe solche Ideen.

    Ein lieber Gruß
    aus dem Ameisenbau 🙂

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    • Silberdistel sagt:

      Oh, Du hast Dich auch erschrocken? Das wollte ich nicht. Aber das spricht für Euch. Ihr seid ganz mitfühlende Tierfreunde. Ein Vorgänger unserer beiden Tiger ist allerdings eines schönen Tages einfach weg gewesen. Er tauchte auch nie wieder auf. Das war sehr traurig. Ich habe noch Wochen später immer wieder nach ihm gesucht. Er blieb einfach fort.
      Ein anderer Vorgänger wurde als kleines Kätzchen quasi einfach entführt. Zum Glück bekamen wir ihn durch eine Suchaktion wieder zurück. Das war allerdings auch ganz schön dramatisch.
      Diese graue Katzendame hat sehr viel übrig für gute Verstecke. Da muss man manchmal ganz schön suchen, obwohl ich immer denke, ich kenne schon alle Versteckmöglichkeiten, findet sie immer noch neue.
      Ich fand, sie sah aus wie eine Schottische Faltohrkatze 😀
      Grüße zurück in Deinen Ameisenbau

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  6. wolke205 sagt:

    Da hat sich Mieze aber ein schönes Versteck zum Schlafen ausgesucht 😉 Furchtbar, dass auf die Vorgänger mit Luftgewehren geschossen wurde..da würd ich sie auch nur noch unter Aufsicht rauslassen..

    Liebe Grüße

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    • Silberdistel sagt:

      Für gute Verstecke hat sie etwas übrig 🙂
      lch konnte das auch nicht glauben, dass auf unseren Kater geschossen wurde. Ich weiß nicht einmal wann. Die TÄ meinte, dass das Geschoss kurz unter der Haut lag und wahrscheinlich gar nicht groß geblutet hat, sodass uns das deshalb sicher nicht aufgefallen wäre.
      LG zurück

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  7. einfachtilda sagt:

    Die scheint sich gerne zu verstecken und sucht immer das optimalste Plätzchen oder eine kuschelwarme Höhle….einfach niedlich und aufpassen muß dann wohl auch, bevor man wieder zu Bett geht 😉

    Ein lieber Gruß von Mathilda ♥

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    • Silberdistel sagt:

      Sie hat was übrig für die schönsten Plätze hier. Kuschelwarme Höhlen sind ihre Leidenschaft. Sie lässt sich auch gern mal zudecken. Unser Kater mag das weniger oder gar nicht. Der flüchtet eher panisch, wenn man ihn zudecken will 🙂
      Ja, wenn man nicht aufpasst, ist das Bett schon besetzt:-D Dann muss man nehmen, was übrig bleibt 😉

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  8. katerchen sagt:

    habe schon einen Schreck bekommen..nee das bitte NIE.
    aber..fein alles gut.
    unser darf auch nur raus wenn wir da sind..
    einen lG vom katerchen der DANKE sagt für diese Geschicht aus dem ALLTAG..

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    • Silberdistel sagt:

      Na, sie war ja nur kurzzeitig weg. Aber seitdem uns schon zweimal Katzen abhanden kamen, mache ich mir gleich immer Sorgen, wenn sie einmal etwas länger unterwegs sind. Aber wie man sieht, können Katzen auch mal innerhalb des Hauses plötzlich weg sein 😉
      LG zurück

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  9. das kommt mir ja sooo bekannt vor 🙂 einfach koestlich wie du das mal wieder geschildert hast. und die schoenen fotos dazu sind eine wahre freude.

    *winke ueber’n teich*
    liebe gruesse
    Sammy

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  10. giselzitrone sagt:

    Katzen sind kleine Tiger die streunen gerne durch die Gegend.Wünsche einen guten Tag Gruß Gislinde.

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  11. Dina sagt:

    Als ich den Titel las, vermutete ich das Schlimmste…. puuuuuh. Eine herrliche Geschichte!
    Liebe Grüße
    Dina

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  12. kowkla123 sagt:

    ja, NBS macht das Wetter und nun kommt der Frost doch noch, alles Gute für dich von mir, KLaus

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  13. Gudrun sagt:

    Hach, woher kenne ich denn das alles? 😀 Du bist nicht die einzige, die um die Katzenpfote gewickelt wird. Die Kleo hinterläßt so eine Beule, wenn sie sich erschreckt hat, bei Gewitter oder Silvester. Ich habe Angst, dass ich das irgendwann einmal übersehe.
    Das ist komisch, man spürt Unruhe, wenn man die Katze ein Weilchen nicht gesehen hat. Mir geht das genau so.
    Liebe Grüße aus der Weiber-WG (Gudrun mit zwei Katzenmädchen)

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    • Silberdistel sagt:

      Silvester oder Gewitter machen unseren Katzen zum Glück fast nichts aus. Darüber bin ich ganz froh, denn ich kenne das auch anders. Der Kater, den ich hatte, als ich noch ein kleines Mädchen war, der fürchtete sich auch entsetzlich, wenn Silvester herumgeknallt wurde.
      Ich kann auch nachts nicht schlafen, wenn dann doch einmal eine unserer Katzen draußen ist, was zum Glück sehr selten der Fall ist. Aber im Sommer haben sie das manchmal drauf, da wollen sie das laue Nachtleben eben auch mal draußen genießen und lassen sich dann beim besten Willen nicht reinlocken.
      Liebe Grüße zurück in Deine Katzen-Mensch-WG

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  14. IceQueen37 sagt:

    Dass auf den Vorgänger eurer Katzen geschossen wurde, ist wirklich traurig. 😦 Das ist auch ein Grund, warum wir unseren Tiger nicht vor die Tür lassen.
    Kater Jerry hat sich mal davongemacht, weil mein Sohn die Wohnungstür beim Gehen nicht richtig geschlossen hatte und die später wieder aufging. Erst in der Wohnung gesucht. Dann in meine Jacke geflogen und schnell die Schuhe angeschnallt. Raus und Treppen runter. Wo soll ich nur zuerst suchen? Leicht panisch alle Treppen wieder hoch und immer die furchtbaren Bilder im Kopf. Oft genug hängen hier in Berlin Katzen-Suchmeldungen aus und eine weitere musste nun nicht unbedingt sein. Treppen wieder runter und doch noch unter die letzten Stufen vor der Kellertreppe geguckt. Da saß ein pelziges, zitterndes Etwas. Puh! Glück gehabt!!! Daher war ich erst erschrocken, als ich las: „Die Katze ist weg“. 😯 Aber es ist ja alles gut. *erleichtert aufatme* Mal wieder eine eine amüsante Bildergeschichte. 😆 Jerry hatte sich mal unter den Überwurf der Couch verkrochen gehabt. Ich hatte zwar gehört, dass er auf dem Sitzmöbel war, aber gesehen hatte ich ihn erst auf dem zweiten Blick. 😀

    Liebe Grüße
    Antje

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    • Silberdistel sagt:

      Wir haben es ja leider auch schon erlebt, dass uns ein Kater einfach abhanden kam und nie wieder auftauchte. Daher bin ich ohnehin immer sehr vorsichtig, wenn ich nicht weiß, wo sich unsere Katzen gerade rumtreiben. Ich kann mir schon vorstellen, wie aufgeregt Du warst, als Euer Kater verschwunden war. Aber zum Glück ging es bei Euch ja gut aus.
      Liebe Grüße zurück

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  15. Pilgerspuren sagt:

    deine geschichte ist ja fast kinderbuch reif, schön erzählt.
    viele grüsse aus asien kerstin

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