Kunst, die das Warten verschönt

Veröffentlicht: 31. Oktober 2012 in Alltägliches, Fundstücke, Garten, Sonderbares, Unterhaltendes
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Unlängst saß ich, wie schon manchmal im Leben, im Wartezimmer eines Arztes, eines Arztes, der hier vielleicht nicht genannt sein will. Oder ob er doch würde wollen? Nun gut, ich habe ihn nicht gefragt – ob oder ob nicht. Also soll es dann doch vielleicht lieber mein kleines Geheimnis bleiben, wo ich eines Vormittags saß und Bilder betrachtete, die nicht nur die schnöde Wand eines Warteraumes verschönern, sondern wohl auch der zahlreichen Patientenschar die Zeit des Wartens auf höchst angenehme Weise verkürzen sollen. Kaum hatte ich mich von der gestrengen Schwester an der Anmeldung abgewandt und mich auf einem der schwarzen Polsterstühle mit dem glänzenden Metallgestell, die unweigerlich zum Wippen animieren, häuslich niedergelassen, fiel mein Blick auf die Wand gegenüber. Kürzlich musste hier renoviert worden sein, oder war ich sonst blind für all diese Farbenpracht an des Doktors ärzteweißer Wartezimmerwand gewesen? Hingen sie schon immer dort? Nein, diese Schmuckstücke mussten neu sein. Sie wären mir ganz sicher aufgefallen. Ich schaute verträumt auf die Bilderpracht, rätselte, kniff die Augen zu schmalen Schlitzen zusammen, riss sie weit auf, um erneut zu erkunden, was sich mir an Schönheit bot, gegenüber, eingerahmt, an eine weiße Wand gehängt – Kreise, Linien, Schatten Nebel? Noch immer war ich des Rätsels Lösung nicht nähergekommen, aber meine Zeit des Wartens auf den Mann in Weiß war wie im Fluge vergangen. Fast hätte ich verpasst, als die Schwester des Doktors nach mir rief. Etwas verwirrt und noch ein wenig in die bunte und faszinierende Welt der Bilder vertieft, folgte ich schließlich dem Ruf der Schwester und riss mich nur widerstrebend von der Farbenpracht der Kreise, Striche und Wellenlinien los, um in das Heiligtum des Doktors zu eilen, den ich plötzlich mit ganz anderen Augen sah. Welch wundersamen und zugleich interessanten Kunstgeschmack der Doktor doch hatte. Oder ob ein Innenausstatter dem Doktor diese bemerkenswerte Kunst einfach aufs Auge gedrückt hatte, um die reine weiße Aussagekraft der Wand etwas zu entkräften, sie mit Farbenfreude zu beleben? Gern hätte ich mit dem Doktor ein Kunstgespräch geführt, aber er hatte anderes mit mir im Sinn und verscheuchte damit meine romantischen Gedanken über Kunst und weiße Wände und Männer in weißen Kitteln. Ich war wieder auf dem Boden der Tatsachen gelandet – ganz unsanft.

Wenig später vom Doktor als geheilt entlassen saß ich vor meinem PC und betrachtete die Bilder, die meine kleine Wildkamera in den letzten Tagen aufgenommen hatte.

Schatten des Lichts

Was ich dort sah, ließ mich an den Maler in des Doktors Wartezimmer denken, der die Quadratur des Kreises nachempfunden haben muss oder hatte er ganz schlicht seine Wildkamera ins Feld geschickt und sie einfach machen lassen? Schon einmal hatte ich den Kunstverstand dieser, meiner kleinen, Kamera bewundert, und nun sah ich, dass in ihr ein vollendeter Künstler steckte.

Gold in Deinen Augen

Jeder Pinselstrich, den sie hervorbringt, sitzt und hat seine eigene unverwechselbare Ausdruckskraft. Wir sollten uns gemeinsam auf den Kunstmarkt begeben. Wir sind Künstler – meine kleine Wildkamera und ich.

Hair

Ich gebe ihr die Motive aus meinem Garten vor und sie setzt sie um in hohe Kunst – wir sind ein unschlagbares Team. Ob der Doktor eines unserer Bilder für sein Wartezimmer möchte?

Kommentare
  1. Frau Hummel sagt:

    Liebe Silberdistel, ich hätte Dir sooo gern gegenüber gegessen, dort in Deinem Wartezimmer *lach*. Wie gern hätte ich Deine Blicke gedeutet, während Du mit zusammengekniffenen oder weit aufgerissenen Augen den Sinn der Bilder zu entdecken versuchtest. Ich glaube, ich hätte in dem Moment all meine Krankheiten vergessen und mich nur mit Dir und Deiner Studie beschäftigt. Ach, was herrlich…

    Deine Wildkamera und Du, Ihr seid wirklich ein unschlagbares Team, vielleicht sollte ich statt Hähnen und Kühen mal SO ETWAS an meine Esszimmerwand hängen. Ich bin stark beeindruckt und sage Dir und Deiner Wildkamera noch eine populäre Zukunft voraus. Die Titel Deiner Meisterwerke sind so was von treffend…

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    • Silberdistel sagt:

      Solche Bilder finde ich immer wieder interessant 😀 Manchmal erkennt man sogar etwas, was der Künstler gar nicht gewollt hat. Da habe ich mich schon ab und zu gefragt, wie er denn zu diesem Titel kam, denn ich sah da ganz andere Dinge. Naja, diese „Wartezimmerkunst“ ist vielleicht gar nicht so übel. Man ist beschäftigt und achtet nicht darauf, dass man eigentlich schon ewig auf den Doktor warten musste und vergisst wirklich seine Krankheiten für eine Weile. Außerdem hat man sich mit Kunst beschäftigt und musste nicht einmal in eine Kunstgalerie, wobei … Eintritt musste ich ja auch bezahlen … 10 Euro 😉

      Oh, ich danke für dieses Lob. Ich werde meiner kleinen Kamera sofort davon berichten und wir besprechen das weitere Vorgehen unsere künstlerische Zukunft betreffend. 😉

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    • Frau Hummel sagt:

      Das ich aber auch ständig ans Essen denken muss… sollte natürlich GESESSEN heißen *schäm*.

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  2. eifeltussi sagt:

    Also, die Wildkameravorlagen sind wirklich gut. Bei Bedarf könnte ich sie mit Ölfarbe auf Leinwand bannen. Wir zwei tun uns dann zusammen und „verticken“ die Teile meistbietend. Liebe Grüsse und ein schönes Wochenende bei klarem Blick offenen Auges… Elke

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    • Silberdistel sagt:

      Das klingt doch gut 🙂 Vielleicht finden wir auch genug Wartezimmer, in denen noch ein interessanter Auge und Sinne anregender Wandschmuck fehlt 😉
      Wir sollten das mal bereden 😉
      Liebe Grüße zurück und auch Dir ein schönes Wochenende

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  3. katerchen sagt:

    es gibt den Gedanken freien Lauf….beim BETRACHTEN..

    solche Wunderwerke hat meine alte Kamera neulich auch gezaubert liebe Silberdistel..nun ist sie still ..
    Überrabeitet hat der Fotomensch mit erzählt.:((

    einen LG vom katerchen der ein schönes Wochenende wünscht

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    • Silberdistel sagt:

      Oh, Deine Kamera hat sich überarbeitet und will nun gar nicht mehr? Da sieht man mal, sogar Kameras können sich Stress machen. Schade, wir hätten mit unseren Kameras vielleicht ein gutes Künstlerteam bilden können und Elke würde anschließend alles auf eine Leinwand bannen 😉
      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende. Ich bin jetzt erst mal weg bis zum späten Nachmittag

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