Die „Blaue Serie“ – Teil 9 – Herbst an der Ostsee

Veröffentlicht: 24. Oktober 2012 in Alltägliches, Natur, Naturgewalten, Tiere, Unterhaltendes
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Da ist sie wieder – die „Blaue Serie“. Nein, sie ist noch nicht in Vergessenheit geraten. Alles braucht halt seine Zeit, und für mich ist diese Zeit immer dann, wenn alle anderen vom bereits vergangenen Ostseeurlaub oder aber schon vom nächsten Badeurlaub am Meer träumen. Genau dann ist meine Zeit für das Meer gekommen, wenn der Herbst an der Ostsee Einzug hält, es wieder stürmt, kühler wird und die Naturgewalten uns zeigen, was sie können. Der Strand wird jetzt fast nur noch von denen besucht, die diese unbändige Gewalt des Wassers mögen, die die Natur auch mit ihrer scheinbar unfreundlichen Seite lieben. Ich mag dieses brausende und tosende Meer besonders gern. Da zeigt es, wieviel Freude am Leben es hat, wieviel Kraft und Begeisterung in ihm steckt, man hört es aufjubeln vor Glück, schreien aus reiner Lebensfreude, pfeifen und singen wie jemand, der mit sich und der Welt zufrieden ist. Wer schon einmal zu einer dieser eher kalten und ungemütlichen Jahreszeiten am Strand stand und dem Rauschen, Zischen und Brodeln des Meeres zugeschaut und zugehört hat, der wird wissen, was ich meine.

Der letzte Strandkorb ist inzwischen in seinem Winterquartier verschwunden. Der Strand wirkt einerseits aufgeräumt und auch ein wenig verlassen, andererseits wieder so urtümlich und schön in seiner Unendlichkeit, als würden hier nie etwas anderes als Sand und Meer regieren.  So mag ich ihn, wenn nur noch wenige Menschen den Strand bevölkern, wenn nur noch diejenigen ihn besuchen, die diese andere Seite des Meeres mehr lieben als das sommerliche Badevergnügen, diejenigen, die begeistert dem Meeresrauschen lauschen, entzückt den im Wasser hin- und herrollenden Steinen zuschauen und ihrer beruhigenden Melodie lauschen, staunend die Flugkünste der Möwen bewundern oder lächelnd zuschauen, wie ein Möwenjunges bei Mutter oder Vater Möwe um Futter bettelt und keines bekommt, weil es bereits ins feindliche Leben entlassen wurde und nun auf sich selbst gestellt sein wird, ob es das nun mag oder nicht.

Dann sind da noch diejenigen, die sich begeistert im Wassertreten üben, egal wie kalt das Wasser ist, oder die, die ihre Kräfte mit dem Meer auf einem Surfbrett messen oder die Jogger, die zu jeder Jahreszeit hier am Strand zu finden sind, weil scheinbar auch sie diese wundervolle Weite lieben. Auch Frauchen und Herrchen müssen mit ihrem vierbeinigen Freund nun nicht mehr auf den Hundestrand ausweichen. Bello darf wieder den gesamten Strand zum Umhertollen nutzen und dort in die rauschenden Wellen beißen, wo er mag. So ist jeder auf seine Art glücklich. Wir haben unseren Strand, unser Meer für eine Weile wieder und es scheint so, als würde uns das Meer verständnisvoll und verschwörerisch zulächeln.

Kommentare
  1. Elvira sagt:

    Ach wie wunderschön! Genau meine Jahreszeit an der See. Die Ostsee hat auf Deinen Bildern ja einen richtigen Nordseecharakter. Ich weiß auch, wer als nächstes den Strand mit oberschenkelhohen Gummistiefeln und wasserdichter Kleidung ablaufen wird: die Bernsteinsucher. Vorrausgesetzt, der Wind blies aus der richtigen Himmelsrichtung. Das durfte ich bei meinen herbst- und winterlichen Besuchen in Prerow beobachten. Solch eine wahrlich überschäumende See habe ich allerdings nur ein einziges Mal erlebt.
    Liebe Grüße von Elvira, die verstehen kann, warum Sanddornprodukte relativ teuer sind, nachdem sie sich einmal am Pflücken ausprobierte. Aua!

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, die Ostsee ist nicht immer so harmlos wie sie tut 🙂 Manchmal muss sie da durchaus keinen Vergleich mit der Nordsee scheuen. Sie hat es schon öfter einmal geschafft, uns ganz schön Angst zu machen.
      Hier bei uns findet man eher selten einmal Bernstein, aber Prerow ist dafür bekannt. Unsere Kinder waren in den Ferien auch einmal in Prerow und kamen mit selbstgefundenen Bernsteinen wieder. Ich selbst bin schon stundenlang in Prerow herumgelaufen und hab gar nichts gefunden. Nach einem Sturm hat man natürlich auch eher eine Chance etwas zu finden, weil die leichten Bernsteine dann an den Strand gespült werden.
      Diese überschäumende See, die auf meinen Bildern hier zu sehen ist, ist fast noch harmlos. Es geht da schon noch um Einiges mehr. Wir haben viele Jahre direkt am Wasser gewohnt. Ich weiß, wovon ich spreche.
      Ja, stimmt, Sanddorn wehrt sich gern, wenn man die Beeren ernten will 🙂

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  2. einfachtilda sagt:

    Wunderschön hast du das beschrieben und faszinierend sind deine Fotos und ich denke, das alle, die das Meer mögen, zu jeder Jahreszeit dort zu finden sind. Auch ich bin gerne dort, nicht unbedingt im Sommer, auch schon oft im Winter und Menschen nehme ich zu keiner Jahreszeit wahr, da bin ich mit mir und meinen Gedanken allein, das Meer rauscht dann nur für mich.
    Aber so wie es euch geht, so geht es auch den Menschen in der Lünebrger Heide, denn wenn die Saison vorbei ist, dann wird es auch dort sehr leer und die Heide gehört wieder den Menschen, die dort leben…das habe ich in einem Gespräch mit Einheimischen mitbekommen.

    Liebe Grüße zu dir und eine wunderschönen Mittwoch wünscht Mathilda ♥

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    • Silberdistel sagt:

      Danke für das Lob 🙂 Bei uns hier ist oft am Strand so ein Gedrängle im Sommer, dass man nicht umhin kommt, die anderen Menschen wahrzunehmen 😉 Wenn überall einer herumspringt, mich nassspritzt, mir den Ball an den Kopf wirft oder mir auf den Bauch tritt, also ICH kann dann schlecht die anderen total ignorieren 😉 Ich bewundere Dich, wenn und dass Du das kannst 😉 Naja, Spaß beiseite, in der Zeit, wenn das ganze Sommergetümmele hier vorbei ist, gefällt es mir einfach besser am Strand.
      Ich glaube, jede Urlaubsregion freut sich einerseits auf die Touristen, andererseits ist man froh, wenn die Massen dann für eine Weile wieder fort sind. Das ist ganz einfach normal und auch irgendwo menschlich. Wenn hier überhaupt niemand herkäme, wär’s wahrscheinlich auch nicht so gut, denn Tourismus bringt auch Geld in die Region. So muss man das vielleicht auch einmal sehen. Also lass sie alle kommen, ich gehe vom Herbst bis zum Frühjahr an den Strand 🙂
      Liebe Grüße auch zu Dir und einen schönen Rest vom Mittwoch

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  3. Waldameise sagt:

    Liebe Silberdistel,

    also wie du deine Empfindungen vom herbstumtosten Ostseestrand beschrieben hast … da geht mir das Herz auf. (Ja, es pöchelt schon wieder, diesmal vor Begeisterung! 😉
    Kombiniert mit deinen wundervollen Aufnahmen fällt es mir leicht, mir all diese Stimmungen vorzustellen. Ich kann die Wellen förmlich ans Ufer branden hören … immer begleitet von dem Geschrei der Möwen. Wie beeindruckend, wohltuend … nur die Stimmen der Natur. Danke für diesen Traum. Ja, es muss wunderbar sein …

    So schön deine Fotos allesamt sind, mein absoluter Favorit ist die Nr. 10.

    Ein lieber Gruß von der meerfernen Waldameise

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    • Silberdistel sagt:

      Naja, liebe Waldameise, wenn das Herzl vor Begeisterung pöchelt, dann ist das ja wohl positiver Stress und der soll doch wohl gesund sein. Ich hoffe, ich konnte damit wieder einiges gutmachen 🙂
      Wenn Strand und Meer in Wort und Bild so gut rübergekommen sind, freut mich das besonders, denn erst dann hat das Teilen ja seinen eigentlichen Zweck erfüllt. Schön, wenn mir das gelungen ist.
      … und ja, es IST wunderbar – für mich allemal. Es gibt nur wenige andere Orte, an denen ich würde leben wollen.
      Liebe Grüße zurück in Deinen Ameisenbau

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  4. kowkla123 sagt:

    welch schöne Erinnerungen an unserem letzten Urlaub an der Ostsee, danke für die schönen Bilder, es kommt wieder ein Sommer, so lange wandern wir an der Müritz entlang und schauen, wie sie jetzt und im Winter aussieht, KLaus

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  5. Frau Hummel sagt:

    Ich habe mich heute Morgen sehr gefreut, als ich entdeckte, dass rechtzeitig mit dem Herbst, die „Blaue Serie“ wieder Einzug in meinem Lieblingsblog gehalten hat 🙂 .Umso mehr erfreut es mich, weil ich selbst erst vor wenigen Tagen für drei Tage an Deiner Ostsee war und all das, was Du hier so liebevoll beschreibst, selbst erleben durfte. Ich habe es sehr genossen, am Wasser zu sitzen und dem Rauschen der Wellen und dem Kreischen der Möwen zu lauschen, den Wind im Haar zu spüren und leise vor mich hin träumend diese Bilder in mich aufzusaugen, damit ich noch lange davon zehren kann. In solchen Momenten könnte ich wie das von Dir beschriebene Meer aufjubeln vor Glück, glaub mir, liebe Silberdistel, ich weiß wovon Du schreibst… Deine Bilder zeigen mir, dass ich das Meer schon jetzt vermisse und sicher bald wiederkommen werde.

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    • Silberdistel sagt:

      Ohhhh, so viel Lob 🙂 Danke 🙂 Schön, dass ich auch Dir mit der Fortsetzung der „Blauen Serie“ eine Freude machen konnte. „Lieblingsblog“ geht mir ja runter wie Öl. Nur nicht so viel Lob, sonst werde ich noch übermütig 😉
      Da Du gerade selbst an der Ostsee warst, hast Du ja ganz sicher noch alle Geräusche, Gerüche und Bilder in guter Erinnerung und kannst vielleicht mit meinem heutigen Beitrag noch einmal all Deine Erlebnisse Revue passieren lassen. Außerdem … wenn das Meer und der Sturm tosen, kann man völlig ungehemmt vor Freude und Glück jubeln – das hören dann eh nur das Meer und man selbst. … und es tut irgendwie ungeheuer gut 😉
      Ja, ich kann Dich verstehen, wenn man das Meer mag, dann MUSS man einfach wiederkommen.

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  6. Aki sagt:

    Wunderschöne Bilder. Ich war mit meiner Familie Ende Sept zwei Wochen in Dänemark, zwar an der Nordsee, aber die ist da oben ja auch irgendwie eher harmlos^^
    es war einfach toll. Und ich wünschte ich hätte momentan die Möglichkeiten näher ans Meer zu ziehen. Ich glaube ich habe einfach mit meinen Eltern zu oft Urlaub an der Ostsee gemacht um dieses Meer nicht zu jeder Jahreszeit zu lieben.
    lg, eine den Wind, den Geruch und das Wasser vermissende
    Aki
    PS: ein oder zwei Bilder habe ich bei mir unter dem Reiter 52pics für eine Challenge vom Urlaub veröffentlicht..vielleicht mag ja mal wer gucken 😉

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    • Silberdistel sagt:

      Dankeschön 🙂 Ich hab‘ eben Deine Bilder angeschaut. Da hätt ich jetzt gedacht, das ist Ostsee 🙂 Aber wahrscheinlich ist es so, dass einerseits die Ostsee nicht immer harmlos ist, andererseits die Nordsee auch nett sein kann, wenn sie will 😉
      Ich glaube, man kann nie ZU oft Urlaub an der Ostsee machen. Mir würde das nie zu viel werden. Allerdings wäre ich wahrscheinlich hier mehr im Herbst und Frühjahr anzutreffen. Aber bei Euch war es ja auch schon Herbst, wenn Ihr Ende September in Dänemark gewesen seid.
      Schöne Bilder hast Du übrigens bei Dir eingestellt. Ich mochte gucken 🙂
      LG zurück

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  7. katerchen sagt:

    da klatscht das Wasser ganz SCHÖN..Kraut kommt nun auch und die Quallen..nun gehört der Strand bald nur den Mutigen die den Strand so lieben.. mit dem Getöse von Wind und Wellen..
    Danke für diese Bilderserie.

    LG vom katerchen

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    • Silberdistel sagt:

      Na, und wie es geklatscht hat – das war eine richtige Freude. Das Getöse von Wind und Wellen hat doch was, naja und Quallen und Kraut gehören zum Meer eben auch dazu. Ich mag’s genauso, wie es ist.
      LG auch zu Dir, liebes Katerchen

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  8. Deine Gedanken hast Du wunderbar in Worte, sprich in einen poetischen Text umgesetzt und deine Fotos passen dazu und gefallen mir sehr gut. Ich hoffe, es ist nicht die letzte Blaue Serie.
    Grüsse aus dem Süden. Ernst.

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    • Silberdistel sagt:

      Danke für das Lob 🙂
      Nein, es wird nicht der letzte Teil der „Blauen Serie“ sein. Ich denke, dass da doch immer wieder einmal etwas zu sehen und zu berichten sein wird, was mit Strand, Sand, Wind, Steinen und Meer zu tun hat.
      Grüße zurück aus dem Norden

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  9. Das kenne ich, da hab ich mal gewohnt! Schön das alles noch steht…und weht^^

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  10. winnieswelt sagt:

    ui Sanddorn, … wie ich den vermisse ♥

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  11. Wie schön! So mag ich es, das Meer und den Strand. Ungezähmt, rau, und dennoch auch lieblich … echt eben. In Strandkorb und Luftmatratzenzeiten finde ich es so befremdlich entfremdet. So rummelig und so gar nichts für „Flüchter“ wie mich. Jetzt aber, ja, jetzt würde ich auch wie jene ältere Dame barfuß meine Strandtour machen. Wie gerne sogar!
    Danke für die Bilder und ein lieber Gruß
    Sally

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    • Silberdistel sagt:

      Obwohl es im Sommer spät abends, wenn alle Badegäste vom Strand verschwunden sind, auch wunderschön ist. Ganz früh am Morgen ist es ebenso. Das ist ganz fantastisch. Da hätte ich manchmal gern am Strand schlafen mögen 🙂
      Liebe Grüße zurück

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  12. Gestöbert und „mein“ heißgeliebtes Ostmeer gefunden. Wie wahr Du alles so schön beschreibst, liebe Silberdistel. Im Herbst, Winter und Frühjahr genieße ich auch am liebsten alle sogenannten Lieblingsorte von mir. An erster Stelle aber: mein Ostmeer. Einmal habe ich es geschafft, etwas mehr als 6 Wochen am Stück dort zu sein, im tiefsten Winter. Im Dezember und ein wenig im Januar, himmlisch sage ich Dir. Ach wie freue ich mich, dass ich die „Blaue Serie“ bei Dir entdeckt habe. GLG von der Pauline 😀

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    • Silberdistel sagt:

      Fein, dass Du hier fündig geworden bist. Das kannst Du bei mir in Richtung Ostmeer noch öfter haben. Dazu kommt immer mal wieder ein Beitrag. Ich mag nämlich ohne dieses Ostmeer auch nicht sein. Es zieht mich regelmäßig dorthin. War gerade wieder dort, nur hat mein kaputter PC die Fotos geschluckt und rückt sie nicht wieder raus. Ich bin ganz sauer. Nun habe ich aber wenigstens Grund genug, mich demnächst noch einmal auf den Weg dorthin zu machen 😉
      Liebe Grüße zu Dir und ein schönes Wochenende

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