Der Frühstücksgast

Veröffentlicht: 10. Oktober 2012 in Alltägliches, Insekten, Natur, Tiere, Unterhaltendes
Schlagwörter:, , , , , , , , ,

Seit einigen Tagen schon leistet uns eine Fliege beim Frühstück Gesellschaft. Manchmal nervt sie regelrecht, so aufdringlich nähert sie sich unseren Frühstückstellern. Gewöhnlich muss sie sich mit den Krümeln, die doch ab und zu einmal auf die Tischdecke rieseln, zufriedengeben. Lieber würde sie jedoch mitten auf dem Marmeladenbrötchen landen und kosten, was wir uns so schmecken lassen. Heute bin ich einmal gnädig gestimmt. Ich bin fertig mit dem Essen.

Auf meinem Tellerrand liegt ein wenig Käserinde. Die Fliege hat den Teller bereits mehrmals umrundet, dann setzt sie an zum Sturzflug und landet dort auf dem Teller, wo noch einige Brötchenkrümel zu finden sind. Sie kostet und meint wohl: „Kenn ich schon, gibt es jeden Tag, wie langweilig!“

Dann krabbelt sie zielsicher in Richtung Käseresten, kostet vorsichtig und ja, der Käse scheint genau ihren Geschmack zu treffen.

Sie kostet immer wieder ganz kurz, fliegt auf, wohl aus Furcht vor Strafe, peilt dann erneut den Käse an und als sie merkt, dass sie heute wohl ausnahmsweise einmal nicht aus dem Paradies vertrieben wird, lässt sie sich genüsslich auf dem Käserest nieder und lässt es sich schmecken.

Ich habe natürlich inzwischen die Kamera geholt und sie in Position gebracht, denn für dieses leckere Frühstück muss die Fliege ein wenig arbeiten – Modell sitzen ist angesagt.

Ganz vorsichtig nähere ich mich unserem kleinen Frühstücksgast, der wegen dieses schwarzen Apparates wohl ein wenig misstrauisch ist, auffliegt und sich erst in sicherer Entfernung wieder niederlässt.

Doch dann, das Frühstücksmahl ist wohl doch zu lecker, kommt das Fliegentier wieder angebrummt und lässt sich hemmungslos auf IHREM Käse nieder und schmaust, was das Zeug hält, und ich kann ebenso hemmungslos drauflosknipsen, obwohl, ganz so einfach ist es nicht, denn die Fliege ist ein unruhiger Frühstücksgast und krabbelt hierhin und dorthin. Der Käse könnte an anderer Stelle noch viel leckerer sein. So muss die Fliege überall einmal kosten, und ich, ich muss mich ganz schön beeilen, um zu meinen Fotos zu kommen, und die Fliege muss noch lernen, wie man Modell sitzt.

Irgendwann ist die Fliege satt und ich habe genug Bilder im Kasten. Meine Fliege putzt sich noch einmal ausgiebig und dann fliegt sie davon in den Garten – seltsam, wo sie doch eine Stubenfliege ist.

Wahrscheinlich wird sie sich heute ganz satt und zufrieden in die Sonne setzen und vom nächsten wundervollen, ruhigen und störungsfreien Frühstück träumen.

Kommentare
  1. Mathilda sagt:

    Die Geschichte ist so richtig zum Lachen und deine Fots dazu ganz klasse. Besonders gefällt mir 06, da kann man wirklich alles erkennen.
    Laß sie mal noch ein bisserl leben, das ist die Geldfliege…..wurde früher immer gsagt.
    Hab einen schönen Tag und sei herzlich gegrüßt von Mathilda ♥

    Gefällt mir

  2. Elvira sagt:

    Davon, dass Du sie am Leben lässt, gehe ich mal aus – jedenfalls nach Deinen Posts und Kommentaren zu schließen. Ich stelle mir gerade vor, wie die Fliege durch die Nachbarschaft fliegt und ihren Kumpels Bescheid gibt, wo sie lecker frühstücken können. Dann stehen sie morgen vielleicht vor Deinem Fenster und bitten um Einlass. Oder die Fliege ist ein Egoist und hält die Quelle ausgiebiger Schlemmereien geheim. Auf alle Fälle hat sie gute Modelqualitäten.
    Liebe Grüße von Elvira

    Gefällt mir

    • Silberdistel sagt:

      ICH lasse sie ganz sicher am Leben. Sie muss höchstens unsere Katzendame im Auge behalten. Die ist nicht so fliegenfreundlich.
      Ich glaube, diese Fliege ist sehr egoistisch. Sie findet sich nämlich immer nur allein zum Frühstück ein. Vielleicht ist sie aber ganz einfach nur klug. Schließlich möchte sie gut speisen und nicht nur das nehmen müssen, was die anderen Fliegen dann noch übrig lassen 😉
      Liebe Grüße zurück

      Gefällt mir

  3. Flohnmobil sagt:

    Da stellt sich mir die Frage: Wer hat mehr Nerven gezeigt, die Fliege oder die Fotografin?

    Gefällt mir

  4. eifeltussi sagt:

    Prinzipiell töte ich keine Tiere, egal welche. Doch Meister Stubenfliege ist die rühmliche Ausnahme. Also fiel es mir eher schwer, Deine schönen Fotos anzuschauen. Ich hatte da mal ein Erlebnis (vorbereitetes Essen auf Arbeitsfläche – nicht durch Netzt geschützt – und, als ich es dann servieren wollte, war der Rand der Auflaufform verziert mit einer Kette von Fliegeneiern. Ich dachte, ich fall um. Dann wurde das komplette Mahl erst im Sack und dann in der Tonne versenkt. Seitdem immer, aber auch wirklich immer: Schutz mit Netzhaube und Fliegenmord. Sorry – ich bitte um Nachsicht. Liebe Grüsse Elke

    Gefällt mir

    • Silberdistel sagt:

      Mir geht es ebenso, ich töte auch prinzipiell keine Tiere, aber, nun ja, jede Regel hat ihre Ausnahme. Bei mir sind diese Ausnahme die Mücken.
      Dein Erlebnis lässt dieses kleine buntschillernde Wesen Fliege in einem ganz anderen Licht erscheinen, aber bei mir darf sie trotzdem weiterleben 😉
      … und naja, meine Katze sieht das auch mehr wie Du, aber wohl aus anderen Beweggründen heraus.
      Grüße zurück zu Dir

      Gefällt mir

  5. M. sagt:

    Lach. Das hast du schön geschrieben! Und was für schöne Fotos du noch dazu gemacht hast. Ich mag das eine ganz besonders, wo die Flügel so schön schillern….

    Gefällt mir

  6. Waldameise sagt:

    Liebe Silberdistel,

    hätte jemand zu mir gesagt, ich solle mal eine Geschichte mit passenden Fotos machen, in denen es um Käse und Fliegen geht, ich hätte vermutlich mit dem Kopf geschüttelt. Aber dir ist es gelungen … und was für eine. So schön, dass man dieses Tier lieb gewinnen könnte. Noch dazu, wenn ich deine schönen Fotos dazu sehe. Die kleinen Härchen am Körper der Fliege und ihre zarten irisierenden Flügelchen. Der kleine fliegende Käsemopser hatte wirklich Glück, auf deinem Teller gelandet zu sein, liebe Silberdistel.

    Vielen Dank auch für deine lieben Zeilen bzw. Gedanken in meinem Blog. So einen lieben Gast nehme ich gerne mit auf meine Wanderschaft. Und ja, auf dem Bänkchen konnte man wunderbar seinen Gedanken nachgehen und in die Ferne schweifen. Danke, dass du mich begleitet hast.

    Liebe Grüße aus dem Ameisenbau

    Gefällt mir

    • Silberdistel sagt:

      Die Fliege wird stolz sein, wenn ich ihr berichte, dass sie plötzlich mit ganz anderen Augen gesehen wird und dass man sie fast liebgewinnen könnte. Ich hoffe, sie wird nicht zu übermütig, wenn sie das hört, und beginnt mit dem Käsestehlen schon, wenn ich erst an der Reihe mit dem Essen bin 😉
      Aber es ist schon interessant, wie viele Details man sehen kann, wenn man ein Fliegentier so ganz aus der Nähe betrachtet. Toll, was sich die Natur so ausgedacht hat.

      Ich bin gern bei Dir zu Besuch, liebe Waldameise, und es macht ganz viel Spaß, Deine Bilder anzuschauen, Deine Gedanken dazu zu lesen, sich einfach von Dir in die Welt der kleinen und großen Wunder der Natur entführen zu lassen. Ich begleite Dich immer wieder gern auf Deinen Wegen.
      Liebe Grüße in Deinen Ameisenbau

      Gefällt mir

  7. kowkla123 sagt:

    sehr schöne Aufnahmen sind das, aber ich hätte nicht die Geduld, ich glaube, bei mir wäre sie schon weg, meine Frau hätte gleich die Fliegenklatsche geholt und peng, so ist es nun mal, alles Gute, KLaus

    Gefällt mir

  8. katerchen sagt:

    fein gesehen festgehalten und einen wunderbaren Text gebastelt..:D

    Liebe Siberdiste mit Speck fängt man Mäuse und mit Käse Fliegen..grins
    LG vom katerchen

    Gefällt mir

    • Silberdistel sagt:

      Danke, liebes Katerchen 🙂 Durchaus, der Käse war offensichtlich ein Leckerbissen für die Fliege. Marmelade mag sie allerdings auch sehr gern, nur MIR war diese Angelegenheit zu klebrig 😀
      Liebe Grüße zu Dir

      Gefällt mir

  9. luiselotte sagt:

    Ich danke dir von Herzen für das Lächeln in meinem Gesicht!
    Ich bin mit Fliegen aufgewachsen und habe eine Fliege namens Susi gehabt,
    ich war der festen Überzeugung, das war so und war entrüstet, wenn mein
    Vater mit der Zeitung auf Fliegenjagd ging.

    Gefällt mir

    • Silberdistel sagt:

      Ich kenne auch Fliegen in großen Massen. Man könnte fast sagen, ich habe jeweils mit ihnen meine Ferien verbracht, denn bei meinen Großeltern auf dem Lande gehörten Fliegen halt dazu. Sie waren allgegenwärtig. Während meines Studiums hatte ich wochenlang eine Fliege, die mit mir zusammen wohnte und mit mir gemeinsam frühstückte und zu Abend aß. Sie bekam immer ein Zuckerkrümelchen extra von mir. Diese Fliege hieß Emma 😀

      Gefällt mir

  10. Frau Hummel sagt:

    Dein Frühstücksgast ist aber auch sowas von fotogen…

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s