Gans(z) einfach

Nachdem wir letzten Donnerstag nach unserem Besuch im Freilichtmuseum in Groß Raden nett zu Mittag gegessen und ausgiebig die Zwergkaninchen des Hausherrn bewundert hatten, die er hoffentlich nur zur Belustigung der kleinen Gäste seines Hauses hält und nicht, um sie irgendwann den Mittagsgästen in gebratenem Zustand zu servieren, machten wir uns auf den Weg zu unserem zweiten Ziel an diesem Tag – zum Kloster Rühn.
Als wir Anfang Juli schon einmal hier in der Gegend waren, entdeckten wir auf unserer Rückfahrt einen Wegweiser, der uns auf eine Klosteranlage aufmerksam machte, die wir bisher noch nicht kannten. Was lag also näher, als diesem Kloster nun einen Besuch abzustatten. Es war noch früh am Tag, wir hatten also Zeit genug.
Mit dem, was uns dann dort erwartete, hatten wir allerdings nicht gerechnet – mit einem relativ großen Klosterkomplex in wirklich gut erhaltenem Zustand. Wie wir einer kleinen Informationstafel entnehmen konnten, stiftete Bischof Brunward von Schwerin im Jahre 1232 dieses Zisterzienserkloster, einige Jahre später, 1250, wurde für dieses Nonnenkloster eine Kirche gebaut.
In der Mehrzahl waren die im Kloster lebenden Nonnen Töchter alter mecklenburgischer Adelsfamilien.
Existiert hat das Kloster als solches noch bis zum Jahre 1756. Danach wurde es Sitz des Bützower Amtes, später ging es in Privatbesitz über. Von 1905 bis 1915 wurde es als Erholungsheim für junge Mädchen genutzt.
Nach dem 2. Weltkrieg bot es Waisenkindern und Umsiedlerfamilien Unterkunft, bis es dann von 1950 bis 1992 zum Jugendwerkhof für schwererziehbare Jugendliche umgewandelt wurde. Danach standen die Gebäude zunächst leer, bis im Jahre 2008 ein bereits im Jahre 2005 gegründeter Klosterverein das Objekt erwarb. Seit einigen Jahren nun ist Kloster Rühn Veranstaltungsort für vielerlei kulturelle Höhepunkte. Unter anderem findet alljährlich im Mai ein gern besuchtes mittelalterliches Klosterfest statt.

Von der ursprünglichen Klosteranlage sind noch der Ostflügel mit Konventhaus erhalten, das Dormitorium und der ehemalige Kapitelsaal sowie der Südflügel und ein Rest des Kreuzganges an der Südseite der Kirche.

Natürlich wollten wir die Klosterkirche nicht nur von außen betrachten, wir wollten sie auch gern von innen sehen. Den Originalschlüssel aus dem 12. Jh. erhielten wir in der Klosterschänke. Mein Herr Silberdistel musste dafür sogar extra eine Unterschrift leisten. Er wurde aufgefordert, den Schlüssel auch ja wiederzubringen. Es wäre schon einmal vorgekommen, dass jemand diesen Originalschlüssel einfach mitgenommen hätte. Herr Silberdistel fragte ganz erstaunt: „Dann hatten Sie also zwei Originalschlüssel aus dem 12. Jahrhundert?“ Er erntete daraufhin einen etwas verwirrten Blick. Egal, wir bekamen den Schlüssel und den Hinweis, bitte nicht zu fotografieren, die Pastorin würde das nicht gerne sehen.

So schlossen wir also mit dem edlen Schlüssel die Kirchentür auf und gingen mit Fotoapparaten behängt in die Kirche. Schade, die Finger zuckten immer wieder zur Kamera, aber wir blieben gehorsam, schließlich waren wir in einer Kirche. Verstehen konnten wir dieses Verbot nicht, wir hätten durchaus auch eine Fotoerlaubnis käuflich erworben. So blieb uns nur, alles besonders intensiv anzuschauen und das taten wir natürlich. Wir bewunderten den Altar mit dem Heiligen Abendmahl in der Mitte und in den Seitenflügeln das Herrscherpaar Ulrich und Elisabeth. Wir staunten über die Fürstenempore mit den vielen Schnitzereien und hübschen Bleiglasfenstern. Auch die Kanzel fand unsere Bewunderung. Sie soll auch aus der  Zeit wie der Altar stammen, aus der Mitte des 16. Jahrhunderts.
Im Altarbereich befinden sich außerdem etliche Grabsteine, die aus dem 14. bis 18. Jahrhundert stammen. Auch das Prunkepitaph der Regentin Sophie Agnes kann betrachtet werden. Schade nur, dass wir das alles ganz allein bewundern mussten und für Euch nichts anderes übrig blieb, als vor der Kirchentür auszuharren. Immerhin ist das gesamte Gebäudeensemble auch allein schon sehenswert genug, sodass wir wenigsten das miteinander teilen können.

Den Schlüssel haben wir nach unserer Kirchenbesichtigung natürlich wieder im Hofladen abgeben, in dem wir bei der Gelegenhiet gleich noch einen kleinen Rundgang machten und das Angebotene bestaunten. Mein Gatte konnte einigen Klosterbieren nicht widerstehen und ich, ich musste eine kleine Gans mit blauem Halstuch mitnehmen, die nun eines meiner Blumenregale ziert und mich an den Ausflug zum Kloster Rühn erinnert.

Kommentare
  1. katerchen sagt:

    Hallo liebe Silberdistel..schade das die Kirche nur mit den Augen und nicht mit der Knipse bewundert werden durfte..
    aber so ist es auch ein schönes Gotteshaus.
    Der Schlüssel..reichlich..
    LG vom katerchen der eine schöne Zeit wünscht

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    • Silberdistel sagt:

      Das fand ich auch wirklich sehr schade, dass man dort IN der Kirche nicht fotografieren durfte. Ich weiß auch nicht mit welcher Begründung. Man kann heute in fast allen Kirchen und Museen Bilder machen, sicher manchmal nur mit Fotoerlaubnis, aber das ist eine andere Sache. Ich empfand das hier als unsinniges Verbot. Ein schönes Gotteshaus ist diese Kirche ganz sicher und sie hat es verdient, bewundert und bestaunt zu werden.
      Schöner Schlüssel, nicht? Kein Wunder, dass schon einmal jemand „vergessen“ hat, ihn wieder abzugeben, aber irgendwie auch ganz schon frech. Das gehört sich einfach nicht.
      Liebe Grüße auch zu Dir und danke, ich hoffe, wir werden unsere freie Zeit ein wenig genießen können – Sonne ist bestellt 😉

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  2. Gudrun sagt:

    Es sind wunderschöne Bilder außen entstanden und die Erinnerung vom Besuch der Kirche werden bestimmt bleiben.
    So einen Schlüssel wünsche ich mir auch. Den kann ich nicht so leicht verlegen. Oder doch?

    Liebe Grüße von der Gudrun

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    • Silberdistel sagt:

      Danke, liebe Gudrun 🙂 Ich könnte mir vorstellen, dass wir irgendwann auch noch einmal wieder dort vorbeischauen. Vielleicht darf man ja dann fotografieren 😉 Mein Gatte hat seine Erinnerung an diesen Ausflug schon ausgetrunken, meine steht aber noch ganz stolz im Blumenregal 🙂
      Würdest Du immer mit diesem schweren und großen Schlüssel in der Tasche umherlaufen wollen? Ich glaube, ich nicht. Dann hänge ich an meinen kleinen lieber eine winzige Rundumleuchte 😉
      Liebe Grüße in Dein Spinn- und Webstübchen

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  3. hellboy2503 sagt:

    Welch wunderbare Orte wir haben, ich sollte mich mehr in der Heimat als im Ausland aufhalten 🙂

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  4. Mathilda sagt:

    Sehr schöne Bilderserie und erinnert mich an das Kloster Wienhausen in Celle, wo es auch einen wundervollen Garten gibt, mit uralten Bäumen. Ein Storchennest, das jedes Jahr gut angenommen wird und die Klosterführung war auch interessant, leider durfte man da auch nicht fotografieren, aber man kann sogar im Kloster Urlaub machen….aber alles mitmachen. Früh aufstehen, etc.
    Danke für diesen wundervollen Beitrag.

    LG Mathilda 🙂

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    • Silberdistel sagt:

      Danke 🙂 Wienhausen kenne ich nicht. Aber es gibt noch so viele schöne Klosteranlagen, die sehenswert sind. Ich glaube, wir haben noch viel zu tun 😉 Das ist bestimmt mal eine ganz besondere Erfahrung, im Kloster Urlaub zu machen. Ich weiß, dass man z.B. im Kloster Kreuzberg in der Rhön auch Urlaub machen kann. Das liegt in einer landschaftlich ganz reizvollen Gegend. Im Sommer ist dort allerdings nicht nur wegen der schönen Gegend sehr viel Betrieb, sondern unter anderem auch wegen des berühmten Kreuzbergbieres.
      LG auch zu Dir

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  5. kowkla123 sagt:

    dieses KLoster kenne ich noch nicht, dass ihr so rein durftet, war sicher toll, wünsche eine gute Woche, KLaus

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  6. […] enttäuscht. Nun wollten wir auf dem 8. Klostermarkt in Rühn dafür entschädigt werden. Über das Kloster Rühn hatte ich schon einmal im letzten Sommer berichtet. Vielleicht erinnert sich jemand daran. Damals […]

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  7. […] Erlebnisse im Kloster Rühn zurückschauen. Die Beiträge sind zu finden unter  “Auf ins Nonnenkloster” und unter “Ritterstriptease […]

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