Manche Tage beginnen schon am frühen Morgen so, dass man sie am liebsten auslassen würde.

Unsere beiden Pelztiere haben uns heute wieder einmal laut maunzend geweckt. Wahrscheinlich haben wir für Katzenbegriffe viel zu lange geschlafen. Manchmal meinen sie wohl, auch wir gehören zur Spezies der Nachtaktiven und müssten wach sein, wenn sie es sind.

Der Kater jedenfalls ist glücklich, als ich die Schlafzimmertür öffne und die Fusseltiger einlasse. Dass wir jetzt vielleicht noch einmal ein Auge zumachen können, wenn die beiden Katzentiere im Schlafzimmer sind, ist ein Irrglaube, dem ich immer wieder einmal verfalle, weil ich hoffe, dass sie mit einer offenen Schlafzimmertür zufrieden sind. Der Kater tigert im wahrsten Sinne des Wortes vor unserem Bett hin und her und übt dabei seine Stimme in allen Tonlagen. Die Katzendame hält sich nicht lange mit Geschrei auf, sie springt kurzentschlossen aufs Bett, dann auf meine Schulter und stupst mir ihre feuchte Nase ins Gesicht. Ich fühle mich irgendwie in einen der kleinen Filme von Simon Tofield versetzt und glaube Simons cat auf meiner Schulter. Herr Silberdistel neben mir stöhnt und fragt zu Recht: „Warum hast Du nur die Katzen reingelassen?“ Hm, eigentlich kann ich ihm diese Frage gar nicht beantworten. Das war dieser innere Zwang, von dem ich hier im Blog schon einmal oder sogar mehrmals berichtet habe. Was soll’s also. Ich setze mich auf und sofort sieht unser Katzenmädchen das als Signal, springt vom Bett herunter, läuft zur Tür und schaut von dort aus fragend zu mir zurück: „Na? Kommst Du jetzt auch wirklich?“ „Ist ja gut, ich komm schon!“ Noch einige Male herzhaft gegähnt, die Augen gerieben und ich stehe auf. Mein Kater blickt begeistert zu mir auf und beginnt ganz laut zu schnurren. Aha, heute ist wieder einmal ein Katerdietreppenruntertragetag. Ich schultere den Kater und schleiche, noch etwas verschlafen, die Treppe hinunter. Manchmal liebt dieser große Tiger es unendlich, von mir ein Stück getragen zu werden. Während ich mich mit ihm die Treppen hinunterquäle, erhöht er aus lauter Wohligkeit die Lautstärke seines Schnurrgesanges und singt mir dabei sein liebes „RRRRRRRR“ ins Ohr. Vor mir und dem Kater holpert unsere Katzendame die Treppe hinunter, sodass ich aufpassen muss, dass ich nicht noch über sie stolpere, denn viel kann ich nicht sehen, mein 10-Kilo-Tiger versperrt mir durch seine Ausmaße ein wenig die Sicht nach unten. Dennoch kommen wir gut an. Während ich mein Schwergewicht absetze, fällt mein Blick durch die offene Tür unseres Gästezimmers und mit einem Mal bin ich hellwach. Ich hatte dort einen halbvollen Eimer mit Aquarienwasser hingestellt, weil ich meinen Zimmerpflanzen gern ab und zu eine Düngung mit diesem gehaltvollen Nass zukommen lasse. Doch der Eimer, der gestern noch stand, liegt jetzt umgekippt auf dem Teppich und sein Inhalt, das schmuddelige Wasser, hat sich über den Teppich verteilt. Was heißt hier eigentlich verteilt? Der Teppich hat die 5 Liter so freudig aufgesogen, als wäre er am Verdursten gewesen. Ich schaue meine kleine Katzendame vorwurfsvoll an und sage: „Das warst Du doch, oder?“ Ich weiß, sie trinkt gern einmal ein wenig Wasser aus dem Aquarium, wenn sich die Möglichkeit bietet. Gemeinsam schauen wir in Richtung Eimer, sie als würde sie auch staunen, was da so passiert ist und meinen, dass dieser Eimer plötzlich wie von selbst umgefallen ist, ich  etwas ärgerlich über mich selbst, weil ich die Vorlieben meiner Katze durchaus kenne. Eigentlich wollte mein Katzenmädchen doch nur einmal hineinschauen, denn als Katze muss man wissen, was im eigenen Heim vor sich geht und natürlich hätte die kleine graue Dame gern einen Schluck von diesem herrlich nach Fisch duftenden Wasser genommen und dabei passierte das Unglück.

Ich stöhne, schüttele den Kopf über meine eigene Dummheit, denn ich hätte den Eimer dort, wo unsere Katzen Zugang haben, nicht stehen lassen dürfen, und lasse alles erst einmal so wie es ist. Der Teppich hat sich eh schon über das köstliche Fischwasser hergemacht. Jetzt kommt es auf eine halbe Stunde früher oder später auch nicht mehr an. Also, erst einmal ab ins Bad und das inzwischen erhitzte Gemüt mit einer kalten Dusche abkühlen. Ja, kalt, die Silberdistel duscht immer kalt.

Vorher bekommen die Katzentiere aber noch ihre allmorgendliche Kämmeinheit, dann gibt es Katzenfrühstück und erst danach darf ich unter die erfrischende Dusche. Während ich mit meiner täglichen Arbeit für unsere vierbeinige Herrschaft beschäftigt bin, hat Herr Silberdistel bereits geduscht und nun kümmert er sich um das Frühstück fürs Katzenpersonal. Ich habe es dadurch immerhin so gut, dass ich mich nun gleich an den gedeckten Frühstückstisch setzen darf. Das hat doch irgendwie etwas und bessert meine Laune erheblich. Satt und zufrieden setze ich mich nach dem Frühstück kurz an den PC, um nach meinen Mails zu schauen und was es sonst noch in der Welt des Internet gibt. Herr Silberdistel ist wieder ein lieber Gatte und beschäftigt sich schon ein wenig mit unserem Wasserfleck im Gästezimmer. Um den Restschaden kümmere ich mich dann später.

Wir essen zu Mittag und zum Dessert gibt es einen Cappuccino und ein Eis. Ich trage alles nach draußen, weil wir nebenher noch ein wenig frische Luft und Natur genießen wollen. Herr Silberdistel will sich gerade auf seinen Platz setzen, da kommt ihm doch unsere Katzendame zuvor, springt auf genau diesen Platz, den mein Gatte eben einnehmen will, und löst damit das nächste Highlight des Tages aus. Herr Silberdistel kann gerade noch, bevor er die Katze unter sich begräbt, aufspringen, stößt dabei gegen den Tisch und bringt die Tassen mit dem edlen Getränk mächtig ins Schwanken. Es plätschert fröhlich auf Tisch und Decke und unsere Tassen sind etwas weniger voll, ich bin sauer, meckere mit Herrn Silberdistel, der mit der Katze meckert, ich meckere, dass die Katze nicht Schuld ist, Herr Silberdistel meint, dass die Katze doch Schuld ist … Ich laufe in die Küche, hole Schwamm und Tuch und muss plötzlich über diesen ganzen Vorfall lachen. Mein Gatte fällt in mein Lachen ein. Der Familienfrieden ist somit wieder hergestellt. Wir trinken friedlich unsere nur noch halbvollen Tassen leer und genießen unser Eis.

Wenig später überlege ich, ob ich mich noch für ein halbes Stündchen an meinen PC setze und tue das dann auch. Plötzlich höre ich unseren Kater maunzen und maunzen. Ich rufe: „Was ist denn mit Dir, mein Katerchen?“ Das Maunzen wird immer jammervoller. Ich denke: „Ach, er wird die schwarze Maus wiedergefunden haben.“ Ich widme mich erneut meinem PC. Dann höre ich ein Husten und Würgen und weiß sofort, warum der Kater so jämmerlich geschrien hat. Mein Gatte ruft von unten: „Oh Gott!“ Aber der kann jetzt auch nicht mehr helfen. Ich gehe den Schaden, der sich über den gesamten Teppich verteilt, beseitigen. Der Kater ging nach jeden Würgeanfall ein Stückchen rückwärts und verteilte so seinen gesamten Mageninhalt auf unserem Teppich im Wohnzimmer. Ich sammle alles ein, putze und putze und bin endlich fertig. Entnervt setze ich mich wieder an meinen PC. Kaum sitzend, höre ich, wie der Kater wild im Katzenklo scharrt und schon wieder erbarmungswürdig maunzt. Ich traue mich gar nicht daran zu denken, was das wohl zu bedeuten hat, da erreichen bereits wundersame Duftwolken meine Nase und ich weiß, der Kater hat Durchfall. Inzwischen ist der Geplagte wie ein Wirbelwind die Treppen runtergerast, wahrscheinlich, um diesem furchtbaren Gestank zu entkommen.

Ich lasse PC PC sein und schaue ins Bad und starre mit offenem Mund in die Kiste mit der Katzenstreu. Ein Unglückshäufchen liegt neben dem Klo, der Rest von seltsam weicher Konsistenz ist im gesamten Katzenklo verteilt. Eine Spur von Tropfen führt aus dem Bad hinaus, über den Flur, die Treppe hinunter. Ich mache mich hektisch an die Reinigungsarbeiten im Bad. Erst, als ich damit fertig bin, kommt mir der Gedanke, wie wohl der Kater hinterwärts aussehen mag. Warum ist mir das nicht eher eingefallen? Ich suche den Kater. Es ist nicht schwer, ihn zu finden, wenn ich der Nase nach gehe. Er sitzt wie ein Häufchen Unglück im Wohnzimmer, unter sich einen stinkenden Fleck. Er lässt sich ohne Widerstand von mir ins Bad schleppen. Ich habe zu tun, ihn so zu halten, dass ich nicht auch noch etwas von seinem neuen Fellschmuck abbekomme. Im Bad putze ich am Kater herum, bis er wieder einigermaßen ordentlich aussieht. Ohne Wasser geht hier gar nichts mehr. Zum Glück ist mein Pelztier einsichtig und lässt die Putzaktion über sich ergehen. Er mag sich wohl einfach selbst nicht mehr riechen.

Ich öffne die Badtür und entlasse den Kater. Im Anschluss laufe ich mit Putzeimer und Tuch durchs Haus und beseitige die Kleckerspuren, die der Kater überall hinterlassen hat. Fix und alle und völlig entnervt setze ich mich wieder an meinen PC. Plötzlich höre ich erneute Scharrgeräusche, verdrehe die Augen, stöhne und stelle mich lieber gleich neben den Kater. Bevor er wieder in rasanter Geschwindigkeit davon läuft und seine neue Duftmarke im Haus verteilt, packe ich mein Katertier und verpasse ihm die nächste Popodusche. Ich glaube, auch der Kater verdreht die Augen, lässt sich aber alles gefallen.

Ich weiß nicht, wie oft sich dieses Spiel an jenem Tag noch wiederholt hat. Jedenfalls war ich abends fix und fertig und froh, als endlich der Kater an seinem gewohnten Schlafplatz lag und scheinbar nichts mehr in sich hatte, was er noch loswerden musste. Zwischenzeitlich hatte ich den Eindruck, es war ihm so schlecht, dass er sterben wollte. Ich dachte schon über einen Notbesuch beim Tierarzt nach. Doch dann schien sich Katerchens Magen zu beruhigen und ich mich auch.

Ich räumte noch das Katzenfutter weg. Jetzt war erst einmal Diät angesagt. Morgen würden wir weitersehen. Dann brauchte ich selbst eine Dusche, weil ich den Eindruck hatte, diesen würzigen Gestank schon selbst auszuströmen und meine gesamte Kleidung brauchte eine Waschmaschine.

Am anderen Tag war alles wieder in Ordnung. Der Kater war wieder er selbst und ich auch.

So kann man also auch einen Samstag verbringen. Es kam mir vor, als hätte man mir einen gebrauchten Tag angedreht. Ob dieser Tag dem Kater auch so vorkam?

Kommentare
  1. kowkla123 sagt:

    also, erstens mal, du solltest Bücher schreiben, so toll habe ich eine solche Geschicjhte noch nie gelesen und zweitens, wenn man so seine Tagge verbringen müsste jeden Tag, oje, ws wäre trotz Tierliebe dann das Leben, ich wünsche euch und den Katzen eine gute Woche, KLaus

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    • Silberdistel sagt:

      Ich glaube, zum Bücherschreiben braucht’s ein wenig mehr, aber danke 🙂
      Wenn man das jeden Tag hätte … lieber nicht darüber nachdenken 😉
      Ich werd’s den Katzen ausrichten. Ich hoffe,es hilft, im Moment sieht es gut aus.
      LG

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      • kowkla123 sagt:

        bist du eine Katzenflüsterin?

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          • kowkla123 sagt:

            Heißt das ja?

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            • Silberdistel sagt:

              Hm, gute Frage. Vielleicht sollte ich die Katzen fragen, wie sie das sehen. Aber, um Deine Frage zu beantworten, ich bilde mir ein, Katzen ganz gut zu verstehen. Ich habe fast mein ganzes Leben lang immer irgendwie mit Katzen zu tun gehabt und sie haben mein Leben bereichert. Da sollte ich sie inzwischen vielleicht ganz gut kennen und wissen, wie man mit ihnen umgehen muss. Ich beobachte sie viel und versuche, das, was sie tun zu verstehen. Ich glaube, das gelingt mir auch ganz gut, weil ich voraussetze, dass auch Tiere denken und fühlen. Meine Familie behauptet immer, ALLE Katzen würden mich mögen. Ob das nun wirklich so ist, wer weiß. Wenn ja, dann vielleicht auch nur, weil sie merken, dass ich versuche, mich in sie hineinzuversetzen und sie dadurch zu verstehen.

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  2. Oje. Katzenkotze und -Durchfall? Du Ärmste, das wünsch ich keinem. Hmm, allerdings sollte damit auch klar sein, wer von den beiden das Aquariumwasser nicht vertragen hat.

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  3. Frau Hummel sagt:

    Sei mir bitte nicht böse aber ich musste herzhaft lachen über Deinen ach so „arbeitsreichen“ Tag. Im nächsten Moment fragte ich mich, wer mir eigentlich mehr leid tat: Vielleicht die arme Silberdistel, die katzenpo-, katzenklo- und teppichreinigend voll ausgelastet war, oder der arme Durchfall geplagte Kater (ich vermute auch, dass er der Fischwassergenießer war) oder vielleicht der ebenfalls teppichreinigende und kaffeeverschüttende Herr Silberdistel der auch noch eins drauf kriegte? Manche Tage haben es echt in sich 🙂

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    • Silberdistel sagt:

      Am anderen Tag konnte ich dann auch schon wieder drüber lachen, am Samstag war ich zwischen Ärger wegen der ganzen Putzerei und Sorge um den Kater hin- und hergerissen. Zum Glück bin ich dieses Mal vergleichsweise ruhig geblieben. Wir hatten es schon einmal, da war ich so hektisch und ärgerlich über die vielen Kleckerspuren, dass sich das wohl auf den Kater übertrug und er auch immer hektischer und panischer wurde, wahrscheinlich genau in dem Maße wie ich. Da hatte ich ihn mir unter den Arm geklemmt und sein Hinterteil abgeduscht. Das gefiel ihm gar nicht und er zappelte und wollte fort, ich hielt immer mehr fest. Der Kater ist ein recht kräftiger Bursche und hat sich dann mit den Vorderpfoten in meinen Rücken gekrallt, um loszukommen. Schließlich habe ich gezwungenermaßen nachgegeben. Ich hatte wunderhübsche Kratzspuren auf dem Rücken und ein zerrissenes T-Shirt. Auch daraus lernt man – ruhig bleiben ist die Devise. Dieses Mal hat der Kater alles mit sich machen lassen, obwohl er natürlich auch weg wollte, aber lieb mit ihm reden, das hat geholfen. Vielleicht war ihm auch einfach nur zu schlecht, um sich zu wehren 😉

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  4. Für dich war es ja echter Stress – sorry, aber für mich war es herrlich zu lesen und hat mir am Tagesanfang gleich ein Lachen geschenkt. Herrlich geschrieben, ich hatte das Gefühl, dabei zu sein!
    Einen schönen Tag dir und liebe Grüße
    Regina

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  5. katerchen sagt:

    oh liebe Silberdistel HEFTIG was IHR da durchgestanden habt..
    Hoffe der Kater hat das nur ALLE 100 Jahre..
    LG vom katerchen der einen schönen Tag wünscht so einen ganz tollen mit Sonne Wärme und überall netten Gesichten..

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    • Silberdistel sagt:

      Das war ein aufregender und anstrengender Tag. Wenn das einer hat, dann meistens der Kater. Bei der Katze wäre das auch nur halb so problematisch. Sie würde sich die ganze Putzerei eher gefallen lassen. Der Kater ist eh kein Schmusetiger. Wenn man ihn mal einen Augenblick länger streicheln darf, kann man das schon im Kalender vermerken. Da ist ein langes an ihm Herumputzen schon gar nichts für ihn. So extrem wie dieses Mal hatten wir das allerdings noch nicht.

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  6. Christina sagt:

    Ohweh – das sind die Tage, an die man sich später mit einem ‚Weißt du noch…‘ erinnert. Und im Rückblick kann man auch darüber lachen, was da so alles passiert ist. Aber noch einmal erleben?? – Bitte nicht! Davon zu lesen war jedenfalls sehr amüsant – aber du hast natürlich auch mein ganzes Mitgefühl!
    Laß dir besser nicht noch einmal so einen gebrauchten Tag andrehen
    rät dir Christina… 😉

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