Heute, in unserem modernen und aufgeklärten Zeitalter glauben wir zu wissen, dass es sich bei den seltsamen Steinkreisen in der Nähe von Boitin um einen uralten Steinkalender handelt. Wenn man die Steine mit einer gewissen Logik betrachtet, so wie das Wissenschaftler normalerweise zu tun pflegen, erklären sich manche seltsamen und geheimnisvollen Dinge plötzlich wie von selbst. Aber immer, wenn etwas nicht in das Bild des Menschen passt, ein Ort von Geheimnissen umwittert ist, sucht der Mensch nach eigenen Erklärungen. Manchmal wird von einer Generation zur nächsten eine Geschichte zu solch unerklärlichen Erscheinungen oder Begebenheiten weitergegeben. Um geheimnisvolle Orte ranken sich oft Märchen und Sagen. Es wäre ein Wunder, wenn es eine solche Sage nicht auch über den „Boitiner Steintanz“ gäbe.

Man erzählt sich, dass einst in dem Dorf Dreetz eine große Bauernhochzeit gefeiert wurde. Die Gäste feierten ausgelassen und übermütig und einigen der feiernden Bauern kam in ihrem Übermut die Idee, Würste, Brote und Kuchen in einem Spiel als Kegel zu verwenden. Plötzlich erschien ein Geist in der Gestalt eines alten Mannes, der die Spieler aufforderte, ihr Tun zu unterlassen. Niemand hörte auf den alten Mann, im Gegenteil, man verspottete ihn sogar noch. Die Strafe folgte auf dem Fuße, denn alle Teilnehmer des Festes wurden zur Strafe für ihren Frevel in Steine verwandelt. So entstand einst der „Große Steintanz“.

Nicht weit vom Festplatz der Bauernhochzeit entfernt hütete gerade ein Schäfer seine Schafherde. Er hatte dem festlichen Treiben zugeschaut, aber die übermütigen Hochzeitsgäste nicht davon abgehalten, Brot, Würste und Kuchen als Kegel zu missbrauchen. Der Geist, in Verkleidung des alten Mannes, hatte den Schäfer aufgefordert, sich mit seinen Schafen davonzumachen und sich ja nicht mehr umzuschauen. So  eilte der Schäfer mit seinen Schafen und seinem Hütehund fort, war aber so neugierig, dass er, als er bereits ein ganzes Stück vom Festplatz entfernt war, doch gern wissen wollte, was dort hinter seinem Rücken geschehen war. Um sich nicht umzudrehen, bückte er sich ganz einfach und schaute durch seine Beine hindurch und zurück. In diesem Moment des Zurückschauens wurden Schäfer, Hund und Schafherde ebenso zu Stein verwandelt wie zuvor die Hochzeitsgesellschaft. Dort, wo der Schäfer stehenblieb, finden wir heute den „Kleinen Steintanz“, etwa 150 m vom „Großen Steintanz“ entfernt.

Die Brautlade

Jedes Jahr am Johannistag, am 24. Juni, soll aus der Brautlade, aus dem 12. Loch dieses Steines (dem Hauptstein des großen Kreises), ein roter Faden heraushängen. Die Brautlade hat 13 Löcher, davon sind 11 sichtbar. Wenn jemand den Mut hat, diesen Faden um Mitternacht herauszuziehen, kann er damit die versteinerte Hochzeitsgesellschaft und den Schäfer samt Hund und Schafherde erlösen. Als Lohn darf er den Schatz, der sich in der Brautlade befindet, für sich behalten.

Nun, erstens war nicht Johannestag und zweitens waren wir nicht mutig und Mitternacht war es auch noch nicht. So wird der Faden wohl auch weiterhin dort Jahr für Jahr hängen und Hochzeitsgesellschaft, Schäfer, Hund und Schafe werden weiter vier Steinkreise bilden und sich stumm gegenüberstehen. Herr Silberdistel und ich ließen die Hochzeitsgesellschaft wieder allein, ich schaute noch kurz beim Schäfer mit seinem Hund und den Schafen vorbei und dann machten wir uns auf den Rückweg zu unserem Auto. Ich nahm zwar nicht den Schatz aus der Brautlade mit, dafür aber mit Hilfe meines Fotoapparates ein wunderschönes Stück Natur in Form von Blumen, Schmetterlingen, Hummeln und was ich sonst noch so auf und an unserem Weg entdeckte und all das gibt es jetzt hier zu sehen.

Kommentare
  1. kowkla123 sagt:

    danke für deinen schönen Bericht und die SAge, na, ich werde es ja in kürze auch persönlich erleben, eine gute Woche, KLaus

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  2. katerchen sagt:

    liebe Silberdiesel glaube WIR sollten uns mal auf den Weg machen und dann..wird ALLES gut ..Johannistag,dauert ja noch.
    Ob der Schäfer dann mit dieser Welt noch zurecht kommt?? oder doch lieber ein Stein ??
    LG vom katerchen der die schönen Blümchen und Insekten sehr bewundert hat.

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    • Silberdistel sagt:

      Das ist eine gute Frage, ob der Schäfer mit dieser Welt noch zurechtkommen würde. Auf jeden Fall würde er erst einmal sehr staunen. Aber umgekehrt würde es uns sicher auch nicht anders gehen. UNS würde auf jeden Fall SEHR VIEL fehlen, all die Dinge, die für uns schon lange eine Selbstverständlichkeit sind. Ich bin mir nicht sicher, wer da mehr leiden bzw. weniger zurechtkommen würde 😉
      LG auch zu Dir

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  3. hellboy2503 sagt:

    Interessante Einblicke – schön festgehalten 🙂

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  4. Waldameise sagt:

    Liebe Silberdistel,

    wie immer finde ich hier eine Fundgrube der schönen Dinge vor … danke dafür. Pilze habe ich hier noch nicht entdeckt, aber man kann sie schon riechen. Ist der Sommer nicht wunderbar? Was er uns an Freude schenkt, ist unübertrefflich.

    Ganz liebe Grüße
    von der Waldameise

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    • Silberdistel sagt:

      Das waren in diesem Jahr auch meine ersten Pilze. Ich war ganz verwundert, dass dort schon welche wuchsen. Du hast recht, der Sommer ist wunderschön, auch wenn er uns hier im Moment gerade wieder etwas im Stich gelassen hat. Trotzdem, was er alles an Schönheiten hervorbringt, ist ein wahre Wonne.
      Liebe Grüße zurück in Deine Ameisenburg

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