Unterwegs in Mecklenburg – Der Boitiner Steintanz

Veröffentlicht: 14. Juli 2012 in Geschichte, Natur, Pflanzen, Reisen, Sehenswürdigkeiten, Tiere, Unterhaltendes, Urlaub
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Jetzt am letzten Dienstag waren wir Silberdistels wieder einmal in unserem schönen Mecklenburg unterwegs. Wieder ist die B 104 zwischen Schwerin und Güstrow, wie schon eine Woche zuvor, die Straße, die uns zu unserem Ausflugsziel führen soll. In der Nähe von Bützow, berühmt oder soll ich berüchtigt schreiben, durch seine riesige Justizvollzugsanstalt, gibt es den kleinen Ort Tarnow, der der Ausgangspunkt unserer kleinen Wanderung sein soll. Ein kleines Stückchen hinter dem Ortsausgang gibt es in Richtung Boitin einen kleinen Schießplatz, an dem wir halt machen, unser Auto auf dem Parkplatz davor abstellen und uns dann weiter zu Fuß auf den Weg machen. Unser Ziel ist der „Boitiner Steintanz“.

Die Landschaft um uns herum ist wunderhübsch und kaum aus dem Auto, muss ich sofort möglichst alles, was an Eindrücken auf mich einströmt, im Bild festhalten. Leider stehen auch hier wieder die mir unsympathischen Windräder umher und verschandeln die Weite und Schönheit dieser sonst so wundervollen Landschaft. Inzwischen gehören sie schon fast zu Mecklenburg wie die Holländermühlen zu den Niederlanden, so allgegenwärtig sind sie. Nur, dass unsere Mühlen nicht so hübsch aussehen wie die der Holländer. Sogar in dieser so idyllischen ländlichen Gegend drehen sich unermüdlich ihre riesigen Flügel. Ohne sie würde mir das hübsche Kornfeld  wesentlich besser gefallen. Aber was soll’s, von jetzt an habe ich die großen Monster im Rücken und muss sie vorerst nicht mehr anschauen. Wir laufen an Feldern und Wiesen vorbei, sehen einzelne Bauerngehöfte am Wegesrand stehen mit Pferden auf der Koppel, ein Greifvogel zieht seine Kreise am Himmel über uns, leider viel zu hoch, um uns ein brauchbares Foto zu liefern. Die Pferde allerdings müssen einfach aufs Foto. So springe ich wieder von einer Straßenseite zur anderen und muss plötzlich fast einen Hechtsprung ins Kornfeld machen, weil ein Auto in hoher Geschwindigkeit herangebraust kommt. Ich kann gar nicht verstehen, warum man in dieser herrlichen Natur so rasen muss. Aber vielleicht hat dieser Urlauber, das Autokennzeichen deutet darauf hin, keine Zeit und muss sehen, dass er seinen Urlaubsplan möglichst schnell abarbeitet.

Die Gefahr ist vorüber, ich kann mich wieder meinen Blumen und Insekten am Weges- und Feldrand widmen. Mein Herr Silberdistel ist bereits weit fort. Er will ebenso seine Kilometer schaffen, offensichtlich auch so schnell wie möglich. Das macht nichts. Ich hoffe, er wartet auf mich, wenn er merkt, dass er mich irgendwo in dieser wundervollen Natur verloren hat. Ah ja, am Straßenrand sehe ich ein Schild, das mir sagt, dass ich mich offensichtlich immer noch auf dem rechten Weg befinde und nun weiß ich auch, dass ich noch 2,5 km Fußmarsch vor mir habe, wohl in etwa so viel, wie ich bereits gelaufen bin. Wahrscheinlich waren es sogar mehr, da ich ja die Straße recht oft schon frequentiert habe. Neben den vielen hübschen Blumen entdecke ich auch andere Dinge, die auf eine Gegend hindeuten, in der offensichtlich nicht nur viele hübsche Blumen zu sehen sind, sondern in der auch viele verschiedene Tiere ihr Zuhause haben. Nistkästen für Vögel und Fledermauskästen deuten darauf hin, dass es auch andere Menschen außer uns gibt, denen die Natur am Herzen liegt. Als die Straße zum Waldweg wird, entdecke ich das Auto, das mich gerade noch fast ins Kornfeld trieb, auf einem kleinen Parkplatz. Hier mussten also auch die eiligen Urlauber ihr Gefährt stehen lassen, denn ab jetzt hat hier höchstens noch ein Forstfahrzeug freie Fahrt. Und da sehe ich auch Herrn Silberdistel auf einem am Rand des Waldweges liegenden Baumstamm sitzen. Inzwischen war ihm wohl doch aufgefallen, dass er seine Gattin wieder einmal verloren hatte. Ein Stückchen vor uns sehe ich nun die Familie, die wohl zu diesem Auto dort hinten auf dem Parkplatz gehört. Drei Kinder laufen fröhlich krähend durch den Wald, schauen hier und dort und dann überholen wir sie schließlich, weil die Familie eine auf dem Weg sitzende Kröte bewundert.

Wenig später treffen wir am Zielort unseres heutigen Ausflugs ein – am „Boitiner Steintanz“. Dieser Steintanz, so werden die Steinkreise, die sich mitten im Wald befinden, im Volksmund genannt, bestehen aus drei nebeneinander liegenden Steinkreisen und einem vierten Steinkreis, der sich etwa 150 m von den drei Kreisen entfernt befindet. Wenn man in südöstlicher Richtung vom Dreiersteinkreis aus durch den Wald läuft, trifft man auf diesen wesentlich kleineren Kreis.

Die drei Kreise bilden den sogenannten „Großen Steintanz“ und der etwas weiter entfernt liegende Kreis ist der „Kleine Steintanz“. Früher soll es sogar noch einen fünften Kreis gegeben haben.

Nach neueren Erkenntnissen handelt es sich bei diesen Steinkreisen um einen Steinkalender. Wer mehr wissen möchte, kann sich gern hier ein wenig genauer informieren, wie dieser monumentale Kalender funktioniert.

Scheinbar sind die Steinkreise auch heute noch ein Ort, an dem Sonnenwendfeiern stattfinden, denn einige Zeichen, die wir dort in den Bäumen und in der Mitte der Steinkreise vorfinden, lassen doch irgendwie diesen Schluss zu. Wir staunen und rätseln, finden aber keine Antwort auf diese für uns seltsame Symbolik.

Was mir wieder einmal besonders auffällt, sind die Bäume, die in den Steinkreisen und um die Steinkreise herum stehen. Sie sind geradezu übersät mit Buchstabenkürzeln, Herzchen, Zahlen und einzelnen Worten. Erstaunlich, dass wir Menschen immer den Drang haben, uns irgendwo verewigen zu müssen.

Den vierten und kleinsten Steinkreis hat mein Herr Silberdistel leider versäumt, denn er strebte mir schon wieder einmal weit voraus und dabei dann doch an dem kleinsten der Steinkreise vorbei. So musste ich dort allein stehen und staunen, denn auch hier fand ich wieder seltsame Symbole, wenn auch andere als bei den drei großen Steintänzen. Interessant war es allemal, auch wenn ich diese Zeichen nicht deuten konnte.

Unsere Urlauberfamilie bestaunt wenige Augenblicke nach uns diese seltsame Ansammlung von großen Steinen. Die Eltern kümmern sich sehr nett und liebevoll um ihre Sprösslinge, was mich dann mit dem stürmischen Autofahrer doch ein wenig versöhnt, denn viele Kinder lernen wahrscheinlich kaum noch so viel Natur kennen wie diese drei. Die Eltern erklären nicht nur den Steintanz, sondern auch, was es für Blumen, Bäume und Sträucher zu sehen gibt. Das imponiert mir doch irgendwie. Während die Familie ein kleines Picknick im Wald veranstaltet, machen Herr Silberdistel und ich uns langsam auf den Rückweg. Ja, natürlich, ich habe meinen Herrn Silberdistel wiedergefunden und ihm über den „Kleinen Steintanz“ berichtet. Zuhause hat er voller Interesse meine Fotos mit den geheimnisvollen Zeichen angeschaut, es aber auch nicht enträtseln können.

Was wir alles am Wegesrand für Naturschönheiten entdeckt haben, wird hier in den nächsten Tagen zu sehen sein, denn da gab es noch einiges andere außer Steinen zu entdecken.

Kommentare
  1. kowkla123 sagt:

    erstens ist es toll Meclenburger zu treffen und zweitens bewundere ich deine Fähigkeit alles so in Wort und Bild zu packen, toll, in Bützow waren wir auch schon, aber den Boitiner Steintanz kenne ich nicht, wieder hast du mich neugierig gemacht, oje, in der Nähe gibt es ja noch vieles zu erforschen, KLaus

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    • Silberdistel sagt:

      Oft ist das ja so, dass man die weite Welt kennt, nur seine unmittelbare Umgebung nicht so richtig. Ich glaube, hier bei uns gibt es noch mehr als genug anzuschauen. Der Boitiner Steintanz ist da nur ein Beispiel von vielen.

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  2. Frau Hummel sagt:

    Schöne knorrige Bäume und auch ein Beschützerbaum, hach, diese Bilder mag ich sehr. Hast Du in Erfahrung bringen können, warum dieser Stein (Brautlade) gesprengt werden sollte? Ich finde das sehr geheimnisvoll. Ein sehr interessanter Ausflug.

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    • Silberdistel sagt:

      Der eine Baum hat doch ein nettes Gesicht, oder? Er sieht aus wie ein kleiner hechelnder Hund und aus dem anderen schaut ein Froschgesicht heraus. 🙂
      Man weiß wohl auch nicht, warum dieser Stein gesprengt werden sollte und ob überhaupt. Man nimmt es wohl auch nur an, weil diese Löcher typisch für Sprengbohrungen sind. In die Bohrlöcher wurden Holzpflöcke geschlagen, die bewässert wurden. Mit der Zeit sprengte das den Stein auseinander. Eis im Winter tat natürlich in den Löchern auch ein Übriges. Wer weiß, vielleicht wollte man ja auch nur an den Schatz aus der Brautlade 😉
      Stimmt, ein wenig geheimnisvoll war es schon, aber auch sehr interessant.

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  3. Frau Hummel sagt:

    Ja, Du hast recht, toll was sich so in den Bäumen verbirgt 🙂 . Ich mag auch den mit den nassen Füßen und Dein Bankfoto und auch die der Felder sind sehr schön (wenn man sich die doofen Windräder mal wegdenkt).

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    • Silberdistel sagt:

      Den Baum mit den nassen Füßen mag ich auch sehr 🙂 und die Felder waren wirklich schön. Ich war ganz erstaunt, dass man schon mit der Ernte begonnen hatte. Eine schöne alte Windmühle hätte nett ausgesehen anstelle dieser Windräder. Die hätte gut zu den Kornfeldern gepasst.

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  4. katerchen sagt:

    nie gehört liebe Silberdistel..das werde ich mir mal ganz in RUHE durchlesen.und dann verinnerlichen.
    Würde mir dort auch gefallen von der Umgebung her..
    ..die Mühlen..liebe Silberdistel die Zeit der schönen Mühlen in Holland..ach das ist auch lange her.die hässlichen sindr dort in MENGEN..
    LG zum Sonntag vom katerchen

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    • Silberdistel sagt:

      Der Boitiner Steintanz ist übrigens einer der wenigen Steinkreise in Deutschland überhaupt, auf jeden Fall ist er der größte und bedeutendste in deutschen Landen. Landschaftlich liegt er in einer wunderhübschen Gegend.
      Mein letzter Hollandbesuch ist schon eine ganze Weile her. Warum sollte es nicht dort auch so sein wie bei uns mit den Windrädern. Es wäre ja ein Wunder gewesen, wenn es bei den Holländern anders aussehen würde. Bei uns sind die Dinger ja auch erst innerhalb der letzten Jahre aus dem Boden gestampft worden, ich wage sogar zu behaupten, viele erst innerhalb der letzten Monate.
      LG auch an Dich und einen schönen Rest vom Sonntag

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  5. Ich staune über deine interessante Geschichte vom Boitiner Steintanz, die bei Dir oben vorkommt. Ich kenne Menhire und Dolmen aus meinen zwei Bretagne-Reisen aus den 90er Jahren. Werde irgendwann darüber berichten.
    Und wieder muss ich Dich loben, wie immer ist dein UNTERWEGS brillant erzählt und deine Fotos sind echt Klasse. Mir gefallen speziell gut die Bäume, die Holz-Beige, die Bank und die geheimnisvollen Steine. Chapeau. Viele Grüsse.

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