Frisch geputzt ist nur halb gewonnen

Veröffentlicht: 11. Juli 2012 in Alltägliches, Unterhaltendes, Zimmergarten
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Soeben schaue ich mit stolzem Blick meine frisch geputzten Fenster an und bin ganz furchtbar stolz auf mich, dass ich es endlich wieder einmal geschafft habe, mich zu dieser von mir überaus ungeliebten Tätigkeit aufzuraffen. Wie strahlen sie, wie glänzen sie und wie hell es plötzlich wieder in unserem Heim ist. Erstaunlich, was ein wenig Staub auf den Fensterscheiben so anrichten kann. Man glaubt gar, der Sommer kommt gar nimmermehr, so dunkel war es im Inneren unseres Hauses. So dachte ich. Nun, nachdem der Putzwahn über mich gekommen war, musste ich doch tatsächlich feststellen, dass diese Finsternis ganz andere Ursachen hatte. So stehe jetzt da und staune und sonne mich in meinem Fleiß, als plötzlich ein kleiner Schatten auf den Teppich fällt, der fröhlich hin und her zappelt. Was ist das denn? Unsere Katzendame steht schmuddeligen Fußes hochkant an der Terrassentür, deren Scheibe ich gerade im Schweiße meines Angesichts geputzt habe, und begehrt Einlass. Kann dieses Tier nicht schlicht und einfach mit mir sprechen und mich höflich darum bitten, eingelassen zu werden? Nein, aus Prinzip macht sie das nicht und schon gar nicht, wenn man auf eine frischgeputzte Scheibe mit den Pfoten so herrliche Muster malen kann. Ich habe fast den Eindruck, es macht ihr Spaß, zu sehen wie immer mehr dunkle Streifen auf ihrem Malgrund entstehen. Ich reiße die Tür auf und mein Kätzchen stolziert an mir vorbei, als wollte es sagen: „Geht doch, warum machst Du nicht gleich auf? Stehst da dumm herum und guckst Löcher in die Luft, anstatt mir die Tür zu öffnen. Wenigstens sieht meine Scheibe nun wieder aus wie vorher. Unverschämt, mein Türenmuster einfach wegzuwischen.“
„Diese Tür ist MEINE Tür und die hat auszusehen, wie ICH es will. Schluss und Punkt,“ sprach’s und geht provozierend mit dem kleinen Katzenpopo wackelnd an mir vorbei in die Küche. Von dort höre ich ein forderndes Mau.

Ich nehmend stöhnend mein Putztuch noch einmal zur Hand, putze die Katzenpfoten fort und folge der kleinen arroganten Katzendame. Es ist Futterzeit. Madame verlangt ihr Abendessen. Während ich dabei bin, alles für das hochherrschaftliche Mahl vorzubereiten, höre ich ein dumpfes Pochen an der Terrassentür. Ich schaue um die Ecke und sehe unseren Kater, der genauso hochkant wie zuvor die kätzische Dame des Hauses an der Terrassentür steht und sein Pfotenmuster auf die Scheibe zeichnet. Entnervt renne ich zur Tür, öffne sie so hektisch vor lauter Ärger, dass mir der Kater förmlich entgegen plumpst und beseitige mit meinem Putztuch das frische Pfotenmuster. So, sauber und wieder blitzblank. Ich folge dem irritierten Kater, mir scheint, als würde er über mich den Kopf schütteln, in die Küche, stelle den beiden Malern ihr Abendfutter hin und bin sicher, dass wenigstens heute und für den Rest des Abends die Scheibe der Terrassentür sauber bleiben wird, denn nach dem Abendfutter werden sich die beiden Pelzträger zur Ruhe begeben.

Auch mein Gatte und ich widmen uns nun dem Abendessen. Doch was ist das plötzlich schon wieder für ein Geräusch? Hatte ich gerade Halluzinationen und es ist doch noch eine Katze draußen? Ich schaue ins Wohnzimmer und sehe den Kater unseres Nachbarn von außen die Scheibe unserer Terrassentür putzen. Ich stehe da, stöhne und lasse die Scheibe Scheibe sein. Es ist ein Kampf, den ich einfach nicht gewinnen kann.

Wie man sieht, habe nicht nur ich dieses Problem, das ich ertragen muss, solange Leben in mir ist … oder … solange ich mit Katzen lebe.

Kommentare
  1. katerchen sagt:

    hi hi..genau an DAS Filmchen habe ich gadacht als ich hier NOCH gelesen habe..grins..
    LG vom katerchen der einen Kater hat der auch die Fenster putzt..werde es mal bei Gelegenheit zeigen

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  2. kowkla123 sagt:

    ja, Katzen können viel und man muss sich nun mal damit abfinden, wenn man sich darauf eingelassen hat, ich sage auch oft, man, schon wieder saugen, schon wieder putzen, wird doch wieder schmutzig, sagt meine FRau ja auch, wenn ich das Auto putze, aber es ist nun mal so und sicher auch nötig, auch wenn es nervt, also, bleib ruhig, du schaffst das schon, KLaus

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  3. einfachtilda sagt:

    Und nicht zu vergessen die vielen kleinen „Scheißerchen“, die täglich trotz Fliegengitter in die Wohnung finden und die Fensterscheiben bevorzugen 😦 Ich putze erst wieder im Herbst 😀

    Liebe Grüße zu dir von Mathilda ♥

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    • Silberdistel sagt:

      Ich glaube, das ist eine gute Einstellung 😀
      Liebe Grüße zurück

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    • Wolfram sagt:

      Stimmt, meine Hausbienen haben hier auch ganz schön rumgesaut… aber die scheinen sich mittlerweile einen anderen Weg nach draußen zu suchen.

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      • Silberdistel sagt:

        Das ist doch echt beruhigend, dass nicht nur meine KATZEN solche kleinen Scheibenferkelchen sind. Aber die Katzen fangen die Fliegen wiederum weg, leider oft auch von der Scheibe. So weiß ich letztendlich nicht, was besser ist, Katzenpfoten oder Fliegenschmutz am Fenster.

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        • Wolfram sagt:

          Ich meinte schon Bienen, nicht Fliegen. Die wohnen offenbar im Kaminschacht und finden dann und wann einen Weg nach draußen. Aber da ungefähr 300 an diesen Strapazen und nachher an der Undurchgängigkeit der Fensterscheibe zugrundegegangen sind, geht es dem Stamm wahrscheinlich schlecht.
          Die Bienen haben auch überall orangefarbige Kleckse hinterlassen.

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          • Silberdistel sagt:

            🙂 Ich kenne den Unterschied zwischen Fliegen und Bienen. Ich hatte gedacht, dass es ab und zu mal eine Biene war, die Deine Scheiben „bemalt“, dass Du sie aber als kleines Volk in Deinem Kaminschacht hast, das hatte ich nun nicht vermutet. Darum hatte ich die Insekten als Fliegen veralgemeinert. Die Bienen mögen mir verzeihen 😉
            War das dann nicht etwas aufregend bei Euch mit den Bienen im Haus?

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  4. sanetes sagt:

    Ich hatte gerade „Fenster putzen“ auf meine Liste gesetzt, wobei ich nach deiner Geschichte und Mathildas Kommentar nochmal nachdenke, ob das wirklich eine sinnvolle Tätigkeit ist. Auch ohne Katzen hält der Glanz ja höchstens für ein paar Stunden….

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    • Silberdistel sagt:

      Es wäre, glaube ich, eine weise Entscheidung, nicht zu oft Fenster zu putzen. Wenn es irgendwann im Innenraum zu dunkel wird, kann man darüber nachdenken, ob es denn vielleicht doch einmal notwendig ist. Ich bewundere immer Leute, die alle vier Wochen Fenster putzen oder noch öfter. Ich wüsste gar nicht, wo ich das in meinem Tagesplan immerzu unterbringen sollte. 🙂
      Und wenn die Katzen meine Fenster nicht „putzen“, dann regnet es mit Sicherheit kurze Zeit, nachdem ich die Fenster geputzt habe und alles ist im wahrsten Sinne des Wortes für die Katz 🙂

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      • sanetes sagt:

        Hm. Also nachdem die Pollenschicht den Innenraum verdunkelt und ich keine Erinnerung an mein letztes Fensterputzen mehr habe, ist es wohl wieder Zeit.

        Mich verstören Leute, die zu oft putzen. Wer das irgendwie entspannend findet oder als Sportart gewählt hat, gut. Ich hab auch meine Marotten. Aber wer das ernsthaft für wichtig hält, wird wenig Verständnis für meine Macken aufbringen können…

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  5. Waldameise sagt:

    Liebe Silberdistel,

    lach … na, da bin ich aber froh, dass es nicht nur mir so geht. Ich putze ja auch sehr sehr ungern Fenster, aber wenn sie mal putzeblank und strahlend sind, dann mag ich natürlich auch keine Katzenpfötchenabdrücke daran. Aber das lässt sich eben nicht vermeiden. Und Katzen scheinen es eh zu lieben, wenn etwas schön sauber ist. Auf frisch überzogene Bettdecken legen sie sich auch sehr sehr gerne. Oder ihr Futter auf frisch geschrubbten Küchenböden verteilen … auch das scheinen sie zu bevorzugen.

    Ein lieber Gruß zu dir
    von der Waldameise

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    • Silberdistel sagt:

      Liebe Waldameise,
      ich glaube, die Nichtfensterputzmöger sind eine große Gemeinde. 😉 Nun, wenn man Katzen hat, muss man wahrschlich auch mit den Pfotenabdrücken an den Scheiben leben. Aber es muss nicht immer gleich und sofort sein. Diese pelzigen Wesen könnten wirklich ein wenig Rücksicht nehmen und einem die Freude an den schönen sauberen Fenstern auch ein klein wenig länger gönnen. Wahrscheinlich ist das aber bei ihnen wie ein innerer Zwang, die Scheiben berühren zu müssen, wenn sie so herrlich sauber leuchten. Ich kenne das auch, dass sie frisch gewaschene Wäsche lieben und frisch aufgezogene Bettwäsche. Wenn da nur ein winziger Moment lang die Tür zum Schlafzimmer auf ist, weil man einen Kissenbezug aus einem anderen Zimmer holen muss, ist schon alles zu spät. Dann liegt wohlig schnurrend eine Katze mitten im frisch bezogenen Bett, so als hätte man es extra für Katze oder Kater bezogen.
      Liebe Grüße in Deine Ameisenburg

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      • Waldameise sagt:

        Ja, genauso ist es, liebe Silberdistel,

        sie haben wohl das Gefühl, man macht das alles einzig und allein nur, um sie glücklich zu machen.
        Neulich haben wir neue Gartenstühle gekauft. Ich denke, du musst nicht lange überlegen, wer die gleich in Beschlag nahm … lach.

        Aber genau das ist es, was den Alltag mit ihnen so schön und belebend macht. Ich liebe Katzen und Tiere allgemein. Sie sind wundervolle Geschöpfe.

        Ein lieber Gruß zum späten Nachmittag,
        die Waldameise

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        • Silberdistel sagt:

          Jetzt wirst Du aber lachen. Wir haben schon einmal extra einen Gartenstuhl für unseren Kater gekauft, weil er immer einen Stuhl besetzt hielt. Irgendwann war uns dieser ewige Kampf um den Stuhl über und wir haben einen Stuhl für den Kater nachgekauft. Von da an hatten wir unsere Ruhe und jeder seinen Stuhl. 😀
          Liebe Grüße zu Dir

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  6. Frau Spätlese sagt:

    Noch eine schöne Geschichte – lach. Aber böse sein kann man den Katzentieren doch bestimmt trotzdem nicht, oder? Dafür bringen sie einfach zu viel Sonne in unser Leben. 😉

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    • Silberdistel sagt:

      Nein, man kann ihnen irgendwie nicht böse sein. Sie machen all ihren Unsinn 100fach wieder gut, wenn sie uns liebevoll anschnurren und anhimmeln, dann ist alles ganz schnell wieder vergessen. 🙂

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