Der verwunschene Prinz

Veröffentlicht: 16. Juni 2012 in Garten, Natur, Pflanzen, Tiere, Unterhaltendes
Schlagwörter:, , , , , , , , ,

Unser Kater sitzt seit Tagen an unserer kleinen mecklenburgischen Seenplatte im Garten und spricht still vor sich hin: „Sei kein Frosch und komm endlich mal raus aus Deinem Teich. Ich will Dich nur angucken. Ich tu Dir nichts, wirklich.“

Er sitzt und sitzt und sitzt, der Kater und starrt ins Wasser. Es war schon so, dass ich neben ihm saß und ebenso in das kleine Gewässer blickte, weil ich doch ein kleines Bisschen neugierig war, was es denn dort zu sehen gibt. Außer Wasser, Teichrosenblättern, Wasserminze und Hornkraut und diesen vielen kleinen hüpfenden Wassertierchen sah ich nichts. Gut, manchmal setzte sich eine Wespe auf ein Teichrosenblatt und tat sich an dem frischen Nass des Miniteiches gütlich.

Aber das war dann auch schon wieder alles. Mein Gatte amüsierte sich köstlich über diese beiden Miniteichstarrer. Da hockten ein Vierbeiner und eine Zweibeinerin von einem kleinen Tümpel, so als hätten sie nichts Besseres zu tun und blickten in die nicht einmal wogenden Wellen.

Doch da, was war das? Plötzlich wogten tatsächlich die Wellen der Seenplatte und ein Froschkönig steckte seine Nase aus dem Wasser, ganz vorsichtig erst und dann immer weiter, schob schließlich zwei bekrallte Vorderbeine nach und sagte: „Hallo!“ Kater und menschliche Silberdistel blickten verdutzt auf den Prinzen.

Als sich die Starre der Silberdistel gelöst hatte, stand sie ganz langsam und vorsichtig auf. Es fiel ihr unheimlich schwer, das alles so langsam und vorsichtig zu tun. Viel lieber wäre sie gesprungen und gerannt, um so schnell wie möglich ins Haus und an ihre Kamera zu kommen. Doch sie wollte den Märchenprinzen nicht erschrecken und schlich sich so vorsichtig, wie es ihr in der Aufregung möglich war, davon. Wenige Augenblicke später war sie wieder bei dem Kater und dem Prinzen, hatte jedoch einen schwarzen Kasten dabei, mit dem sie so oft schon den Kater genervt hatte. Der Kater verdrehte sogleich symbolisch die Augen und stöhnte still vor sich hin, weil er wusste, was jetzt folgen sollte.

Während der Abwesenheit der Silberdistel hatte sich der Prinz an Land begeben und sprach mit dem Kater: „Du hast versprochen mir nichts zu tun.“ Der Kater jedoch hatte dieses Versprechen völlig vergessen, so fasziniert war er vom dem grünen Gesellen, der da jetzt vor ihm hockte. Wenigstens begrüßen wollte er den grünen Prinzen und zwar per Pfotenschlag, wie es sich gehört. Der Prinz erschrak und erstarrte, als die große Katerpfote auf ihn zusauste.

Ganz still und klein saß er dort, auf den Boden gedrückt und war sozusagen ganz platt vor lauter Verwunderung darüber, wie schnell man doch ein gegebenes Versprechen vergessen oder ganz einfach ignorieren kann. Der Kater wollte den Prinzen gerade ein zweites Mal begrüßen, als sich plötzlich die Silberdistel in diese Begrüßungszeremonie einmischte und dem Kater verbot, erneut Pfote an den Prinzen anzulegen. Der Kater schaute die Prinzessin … äh … Silberdistel erstaunt und verwundert an: „Denkt sie nun etwa wirklich, dass da ein verwunschener Prinz aus dem kleinen Teichlein geklettert ist? Außerdem, was will sie mit noch einem Prinzen? Sie hat doch ihren Prinzen schon. Dahinten sitzt er und starrt in ein Buch. Vielleicht sollte ich ihn holen, damit er merkt, was hier gleich vor sich geht.“

Die Silberdistel jedoch schob den Kater etwas zur Seite und hatte nichts Besseres zu tun, als diesem vermeintlichen Prinzen das schwarze Dingens vor die Nase zu halten. Der Prinz war darüber so verwirrt, dass er sich immer noch nicht rührte. So konnte die Silberdistel dem grünen Prinzen sogar ganz tief in seine hübschen dunklen Augen schauen. Für einen kurzen Moment fragte sie sich, ob denn in diesem Frosch wohl, wie in dem Märchen, ein verwunschener Prinz stecken würde. Sie schaute und schaute und da sah sie plötzlich ganz deutlich, dass da wohl doch kein Prinz vor ihr saß, nein, nicht alle Frösche sind verwunschene Prinzen. Vor allem, wenn man seinen Prinzen schon gefunden hat, dann bleibt ein Frosch immer ein Frosch. So schaute die Silberdistel dem Prinzen noch ein letztes Mal in die hübschen Froschaugen, nahm ihn auf die Hand und …

„Heh, Silberdistel, heeeeeh, lass ihn hier! Nicht, nein, nicht wieder in den Teich setzen! Ich will mich noch weiter mit dem Prinzen unterhalten. Ich war noch nicht fertig mit der Begrüßung! Ach nein, Menschen sind sooooo dumm! Jetzt hat sie doch tatsächlich diesen Prinzen wieder in den Teich gesetzt. Nun muss ich wieder tagelang warten, bis er sich irgendwann noch einmal aus dem Wasser traut. Ärgerlich so was!“

Kommentare
  1. kowkla123 sagt:

    da hast du ja wiedr richtig gezaubert in Wort und Bild, dein Prinz hat sich wohl auch köstlich amüsiert wie ich, schönes WE, Klaus

    Gefällt mir

  2. Frau Spätlese sagt:

    Eine schöööne Geschichte! Ganz genau so muss es im Katerköpfchen vor sich gegangen sein!
    Und ein hübsches Fröschlein. Gut, dass ihm nix passiert ist.
    😀

    Gefällt mir

    • Silberdistel sagt:

      Danke 🙂 Nein, dem Fröschlein ist nix passiert. Ich habe es schon wieder beobachtet, als es am Teichrand saß und sich die Nase von der Sonne bescheinen ließ. 😀 Es scheint also auch keinen Schock fürs Leben bekommen zu haben.

      Gefällt mir

  3. wolke205 sagt:

    Super schöne Bilder und ich staune immer wieder wie toll Du die passenden Worte dazu findest. Mei schön 🙂

    Liebe Grüße

    Gefällt mir

    • Silberdistel sagt:

      Danke 🙂 Das freut mich, dass Dir Bilder und Geschichte gefallen. Manchmal sind solche Geschichten einfach da. An anderen Tagen fällt mir auch wieder rein gar nichts ein.
      Liebe Grüße auch zu Dir und ein schönes restliches Wochenende

      Gefällt mir

  4. einfachtilda sagt:

    Ein Frosch, ein Frosch und so wunderschön, da mußte ich gleich einen Kommentar schreiben, auch wenn ich eigentlich gar nicht zu hause bin, aber woanders gibt es auch PCs 😀

    Wundervolle Fotos

    Wünsche dir eine gute Nacht und einen schönen Sonntag.

    LG Mathilda ♥

    Gefällt mir

  5. katerchen sagt:

    liebe Silberdistel gut das Du alles so fein festgehalten hast..so ein Märchen live bekommt man sonst ja nicht zu Gesicht und Ohren..
    DANKE sagt das katerchen der nun ein paar Lachfalten mehr hat.

    Gefällt mir

  6. alltagsblick sagt:

    Eine tolle Geschichte. Das Warten hat sich für dich und deinen Kater gelohnt. das zweitletzte Bild, also der Frosch in Detailaufnahme ist mein Favorit.
    LG Claudia

    Gefällt mir

    • Silberdistel sagt:

      Manchmal lohnt es sich wirklich zu warten 😉 Der Kater sitzt immer wieder dort und wartet auf seinen Frosch. Ich glaube, er hat ihm unwahrscheinlich gut gefallen. Aber mir auch 😉
      LG auch an Dich

      Gefällt mir

  7. elke-sylvia sagt:

    Hallo, durch Zufall bin ich hier gelandet und bin ganz begeistert von dem Märchen mit Prinzen und dem Kater. Toll – super geschrieben und schön bebildert. Danke dafür. Darf ich ab und zu vorbei schau’n? Liebe Grüsse Elke

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s