Wer aufmerksam in der Natur unterwegs ist, dem dürfte nicht entgangen sein, dass genau jetzt der schwarze Holunder blüht. Manchem mag das egal sein, mir ist es weniger egal, denn unsere Holunderblütengeleevorräte nähern sich langsam dem Ende, was da heißt, Nachschub ist erforderlich.

Wer nun besonders klug oder auch unklug ist, der hat natürlich seinen höchsteigenen Hausgeist auch im eigenen Garten. Unklug deshalb, weil die Geister immer mehr Raum benötigen und somit über kurz oder lang der kleine Minigarten vollkommen zugewuchert sein wird.

Er ist dann ein wunderbares Geisterreich. Wenn wir nämlich das glauben wollen, was unsere bäuerlichen Vorfahren schon glaubten, wohnt in diesem Hollerbusch der gute Geist des Hauses. Er ist verantwortlich dafür, dass diesem Haus nichts Böses widerfährt. Ja, und dann ist er noch verantwortlich für den alljährlichen Nachschub an Gelee aus diesen herrlich duftenden Blüten. Manch einer mag diesen strengen Geruch vielleicht nicht so gern, ich mag ihn sehr, aber noch viel lieber mag ich das Gelee, das man daraus herstellen kann.

So leuchtete denn mein Hollerbusch mir schon seit einigen Tagen mit seinen Blüten freundlich entgegen, sodass ich wusste, es ist so weit – Geleezeit. Und das nun ist das Kluge daran, wenn der Hollerbusch im eigenen Garten wächst. Man sieht sofort und aus erster Hand, wann er blüht und der Weg zur Ernte dieser herrlichen Blüten ist vergleichsweise kurz. Ansonsten müsste man vielleicht 30 km oder mehr durch die Gegend radeln, um zu diesen wunderbaren und köstlichen Blüten zu kommen. Aber man kann natürlich die Suche von blühenden Hollerbüschen auch mit sportlichen Übungen verbinden. Das ist der Gesundheit sicher nicht abträglich.


Apropos sportlich, wer sportlich ist, egal ob er radelt oder nicht, kann, so die Geister dies zulassen, auf den Hollerbusch steigen und sich so die schönsten und herrlichsten Blütendolden aussuchen. Man kann natürlich auch eine Leiter nehmen und unter Umständen etwas gefahrloser an die duftenden Blüten kommen, was nun wieder schwierig ist, wenn man mit dem Radel unterwegs ist. Aber es gibt ja auch kleine Hollerbüsche. Obwohl, letztendlich ist es egal, wo man runterfällt, ob vom Hollerbusch, von der Leiter oder vom Radel. Wie auch immer, man braucht für das:

Holunderblütengelee

7 Dolden Holunderblüten (mögliche kleine Bewohner entfernen)

– ¾ Liter Orangensaft (wer möchte kann auch Apfelsaft nehmen – Orangensaft ist aber viel leckerer!)

Die Holunderblüten zum Orangensaft geben und 24 Stunden stehenlassen (nicht in den Kühlschrank stellen!!!)

am anderen Tag etwas Zitronensaft hinzugeben, etwas einwirken lassen und dann den Saft abgießen (nicht in den Ausguss, er wird noch gebraucht!)

Wer den Saft jetzt also noch hat, darf nun die Holunderblüten wegwerfen und den Saft in einen Kochtopf tun.

Zu dem Saft kommt nun eine 500-g-Packung Gelierzucker (die Silberdistel nimmt den 2:1-Zucker).

– Damit das Gelee besonders gut mundet, kann, wer möchte, noch etwas Vanillenaroma oder Vanillestange zur Saftmischung geben und auf Wunsch des Herrn Silberdistel fügt seine Gattin noch ein Gläschen Rum hinzu.

Wer mag, kann natürlich vorher kosten, ob der Rum noch gut ist. Bitte aber nicht zu viel kosten. Es sollte noch ein wenig Rum für das Gelee übrig sein. Außerdem sollte man später noch dazu in der Lage sein, das fertige Gelee verlustfrei in Gläser zu füllen.

Nachdem wir nun ausreichend Rum verkostet haben und sicher sind, dass er noch gut ist, tun wir auch der Saft-Zuckermischung Gutes und erfreuen sie mit dem besagten Gläschen Rum. Ich will hier niemandem vorschreiben, wie groß dieses Gläschen zu sein hat. Das ist und bleibt ganz einfach Geschmacksache oder natürlich auch eine Frage der Kondition.

– Nun sind wir an der Stelle angekommen, an der wir den Kochherd anschalten sollten, den Topf mit unserer hervorragend duftenden Saftmischung auf die Herdplatte setzen und zuschauen, wie das Gemisch sich langsam erhitzt und schließlich wallend kocht. Es sollte so lange kochen, wie es der Hersteller des Gelierzuckers für die Zubereitung von Gelee empfiehlt. Das können zwischen ein und vier Minuten sein. Wer aber lesen kann, sollte dennoch die Gelierzuckerpackung befragen, bevor er sich hier einfach auf die Angaben der Silberdistel verlässt. Wer nun während des Kochvorgangs merkt, dass der verwendete Kochtopf langsam zu klein wird, hat ein Problem. Das könnte so ausarten wie in dem Märchen „Der süße Brei“. Daher sollte man in seinem Haushalt nach einem möglichst großen Topf Ausschau halten und diesen natürlich auch für das Kochen unseres Holunderblütengelees verwenden. Während unser Gebräu so vor sich hinköchelt, sollten wir es fleißig umrühren. Tut man das nicht, könnte selbst der größte Topf zu klein werden und das klebrige Etwas sucht sich seinen Weg in die Freiheit der Küche.

Wenn dann plötzlich und unerwartet die entsprechende Kochzeit abgelaufen ist, wird das fertige Gelee, so man noch dazu in der Lage ist und nicht zu reichlich vom Rum gekostet hat, noch heiß in die vorbereiteten Gläser gefüllt.

Natürlich wird man sich nicht mit nur einem ¾ Liter O-Saft abgeben. Ich habe die vierfache Menge von allem genommen. Aus 3 Litern Saft, 28 Dolden Holunderblüten und 2 kg Gelierzucker (2:1) wurden doch tatsächlich 11 Gläser dieses leckeren Holunderblütengelees. Ja, richtig gezählt, hier stehen nur 10 Gläser. Das elfte Glas hat die Silberdistel gleich in den Kühlschrank gestellt. Das muss schon zum nächsten Frühstück dran glauben.

Anmerkung: Wer zufällig in seinem Haushalt Sekt gehortet hat, wie es zuweilen bei den Silberdistels vorkommt, der kann auch nur die halbe Menge Orangensaft (also nur 1,5 Liter Saft) verwenden und dazu den Inhalt von 2 Flaschen Sekt hinzufügen. Auch hier kann der Koch/die Köchin gern den Sekt vorher verkosten.

Die Silberdistel kostet immer lieber den Sekt als den Rum. Beim Rum verlässt sie sich in der Regel darauf, dass er noch gut ist. Bei Sekt kann man allerdings nie wissen … Übrigens hat die Silberdistel zwei Tage später den Hollerbusch noch einmal um 28 Blütendolden gebeten und dann die Holunderblütengeleevariante mit Sekt zusammengeköchelt. Hier sind es sogar 12 1/2 Gläser geworden. Erstaunlich, oder?

Ach ja, noch etwas, je länger das Gelee in seinen Gläsern weilen darf, umso leckerer wird es. Man sollte also gleich ganz viel zubereiten. Der Inhalt des letzten Glases wird ganz fantastisch und hinreißend und nach MEHR schmecken. Aber der Holunder wird auch im nächsten Jahr wieder seine weißen Blüten verlockend zur Schau stellen.

… und damit auch diejenigen hier und heute auf ihre Kosten kommen, die nichts mit Gelee und mit Kochen schon gar nichts am Hut haben, habe ich den Hausgeiststammsitz der Silberdistels in all seiner Schönheit abgelichtet.

Auch Hausgeister möchten einmal ins Internet. Hier ist also unser Hollerbusch samt seiner Geister, nur die zeigen sich nicht immer und nicht jedem …

Vielleicht noch eine kleine Schlussbemerkung und einen Tipp für musikliebende Köche. Beim Kochen hört die Silberdistel immer gern etwas Musik. Für die Zubereitung des Holunderblütengelees eignet sich ausgezeichnet die folgende musikalische Begleitung.

Sie unterstützt wunderbar die Dramatik des aufregenden Kochvorganges unseres brodelnden Geleesüppchens. Und nebenbei bemerkt ist genau diese Musik ein wundervolles Mittel, um die Geister des Hollerbusches zu besänftigen, denn schließlich hat man den Hollerbusch eines Teils seiner Schönheit, nämlich der Hollerbuschblüten, beraubt.

Mit dem letzten Titel war übrigens auch das letzte Glas Gelee fertig eingefüllt. Also, sogar die Musik passte perfekt zu dieser Freizeitbeschäftigung der Silberdistel.

Kommentare
  1. katerchen sagt:

    da hat die Silberdistel ja doll gewerkelt..
    LG vom katerchen

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  2. M. sagt:

    Ich habe noch nie in meinem Leben Holunderblüterngelee genaschelt. Nur wenn ich krank bin, trinke ich Holundertee, allerdings aus der Apotheke.

    Ich bewundere dich für deine Ausdauer beim Zubereiten. Stark.

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    • Silberdistel sagt:

      Da hast Du echt etwas versäumt. Es schmeckt ganz lecker. Das Schöne ist, Holunder wächst fast überall. So kann man auch ohne einen eigenen Garten zu köstlichem Gelee kommen.
      Viel Zeit für die Zubereitung braucht man nicht. Die meiste Zeit geht dafür drauf, das Gelee in die Gläser zu füllen.

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  3. Frau Hummel sagt:

    Ein sooo wunderbarer Bericht über die Geisterreich-Holunderblüten-Gelee-Zubereitung. Voller Freude las ich ihn, liebe Silberdistel. Wie gut, dass in Deinem Garten Hollerbuschgeister leben und Dir somit eine über 30 Kilometer lange Fahrradtour mit geschulterter Leiter erspart blieb 😉

    Dein Rezept gefällt mir so gut, dass ich die Variante mit dem Sekt auch einmal ausprobieren werde *hicks*. Wären alle Rezepte dieser Welt so herrlich humorvoll geschrieben, ich würde meine Zeit wohl nur noch in der Küche verbringen 🙂 Ganz liebe Grüße von mir zu Dir an Deine Ostsee.

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    • Silberdistel sagt:

      Man sollte ja einiges wissen, bevor man den Holunder seiner Blüten beraubt. Nicht, dass nachher jemand sagt, ich hätte ihn nicht vorgewarnt 😉
      Ja, ich habe es gut, ich muss nicht durch die Gegend radeln, um zu Holunderblüten zu kommen, aber ich habe schon davon gehört, dass es Leute gibt, die wahre Strapazen auf sich nehmen, um zu Holunderblüten zu kommen. Mit geschulteter Leiter und Fahrrad, da muss man schon ganz schön durchtrainiert sein. Ob ICH dann hinterher noch Gelee kochen könnte, wage ich zu bezweifeln.
      … und mit dem Sekt bitte vorsichtig, nicht zu viel davon kosten 😉
      Ganz liebe Grüße zurück in die Heide (da gibt es doch bestimmt viele Hollerbüsche?!)

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      • Frau Hummel sagt:

        Ja, aber natürlich gibt es hier Hollerbüsche, ich habe schon drei Stück gesehen ;). Die Warnung mit dem Allohol kam leider zu spät, hicks.

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        • Silberdistel sagt:

          … und hast Du auch schon Blüten geerntet? Nicht? Hallo! Huhu, huhuuuuuuu Frau Hummel! Aufwachen! Da schläft sie doch glatt ihren Rausch aus, bevor sie sich ans Geleekochen macht *kopfschüttel*

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          • Frau Hummel sagt:

            Also mit einer Strickleiter ging das nicht so gut, kann ich nicht empfehlen. Musst Du denn so laut sein?

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            • Silberdistel sagt:

              Nein, muss ich nicht *flüster* Bei mir ging nicht mal alles mit der Leiter. Für die zweite Runde Gelee musste ich sogar auf den Geräteschuppen steigen. Aber nicht weitersagen.*psst* Meine Familie schimpft mit mir, wenn sie das erfährt, obwohl sie alle wissen, dass ich UNHEIMLICH sportlich bin. 😉

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  4. Mathilda sagt:

    Du warst sehr fleißig und nicht nur bei der Zubereitung des Gelees, denn die Fotos sind überaus wunderschön, aber leider mag ich keinen Gelee, in keiner Fruchtart. Meine Lieblingsmarmelade ist bittere Orange und manchmal koche ich auch Erdbeermarmelade selber, dann aber mit vielen Erdbeerstückchen….das ist sooo lecker.
    Hab einen schönen Tag und liebe Grüße

    Mathilda ♥

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    • Silberdistel sagt:

      Naja, wer nicht kochen mag oder auch nicht essen mag, der sollte auch noch eine kleine Freude haben 😉
      Ich mag übrigens die englische Orangenmarmelade gaaaaaanz ganz gern – ist eine meiner Lieblingsmarmeladen. Ich hab sie bisher aber auch noch nicht selbst zubereitet, dagegen Erdbeerkonfitüre schon.
      LG auch zu Dir

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  5. briefeausprovidence sagt:

    Hmm, lecker. Man kann die Blüten auch in Eierkuchenteig ditschen und dann ausbacken. :-p

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    • Silberdistel sagt:

      Ich weiß 🙂 Hab es aber bisher noch nicht ausprobiert. Soll aber sehr lecker sein 🙂 Könnte ich vielleicht direkt mal tun. Mein Holunder hat noch genug Blüten 😀
      Danke für den Tipp 🙂

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  6. kowkla123 sagt:

    schöne Infos in Wort und Bild, ich kenne hier das nur unter Hollundertee, den wir nehmen, wenn wir uns nicht so fühlen, einen guten Tag wünsche ich, KLaus

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, als Tee und Saft kenne ich das auch, aber als Gelee ist es eine tolle Sache. Es ist echt super lecker. Ich habe irgendwann mal ein Glas mit Holunderblütengelee von einer Kollegin geschenkt bekommen. Von da an habe ich selbst Gelee gekocht, weil ich es enorm lecker fand.
      Dir auch einen schönen Tag

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  7. freudefinder sagt:

    toll geschrieben und wunderschöne Fotos – ja ich liebe auch das Gelee und den Duft. Köstlich..

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  8. Ernst sagt:

    Hallo, meine (L)liebe,
    Du hast mich mit deiner Maxi-Holdere-Reportage ein wenig erschlagen, kaum bin ich wieder einmal auf deinem Blog, mutest Du mir soviel zu! Ich bin schon müde vom lesen und schauen. Auch ich habe im Garten einen grossen Holderebusch. Dass er böse Hausgeister vertreibt, wusste ich nicht und er hat sich mir auch noch nie gezeigt. Meine jüngste Tochter macht manchmal mit den Holdereblüten einen Sekt und betreibt Blütenraubbau wie Du. Ich und meine Frau machen im Herbst dann aus den ausgereiften Holderebeeren mit dem Saftborn Confiture-Gelee. Das must Du mal machen, liebe Silberdistel. Ich wünsche Dir……

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    • Silberdistel sagt:

      Aber, aber, erschlagen? Dafür konntest Du aber noch erstaunlich viel schreiben, im Ernst 😉
      Leider war es mir bisher nicht vergönnt, aus den Beeren vom Hollerbusch in meinem Garten Gelee zu kochen. Die Vögel waren keineswegs bereit, mit mir zu teilen. Sie wollen die Beeren immer alle für sich. So muss ich mich alljährlich mit den Blüten begnügen und DARAUS Gelee kochen, was aber nicht minder lecker ist.
      Dann schicke ich Dir mal alles Liebe zurück

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  9. alltagsblick sagt:

    Mmmmmm so lecker! Sind die tollen Aufnehmen der kleinen einzelnen Blüten mit deinem neunen Makro entstanden?
    LG Claudia

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  10. Frau Spätlese sagt:

    Oh – ich muss mich unbedingt noch einmal ‚offiziell‘ über die schönen Holunderblütenfotos freuen. Wirklich toll! (Wir machen unser Holunderblütengelee zwar etwas anders – aber lecker ist es wirklich.)
    Liebe Grüße

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  11. […] Holunderblüte verpasst. Aber glücklicherweise komme ich doch noch glegentlich zum Lesen. Und da erinnerte mich die Silberdistel daran, dass man, wenn man Interesse an Holunderblütengelee hätte, es dann wohl jetzt tun müsste […]

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