Urlaub in der Rhön 2012 – Zu Thomas Morus und das war’s

Veröffentlicht: 7. Juni 2012 in Natur, Naturgewalten, Pflanzen, Reisen, Tiere, Unterhaltendes, Urlaub
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Der Himmel ist blau, ein Frühstück im Freien scheint eine gute Idee zu sein. Also, nichts wie raus auf den Balkon. Wir lassen uns das Frühstück schmecken und es ist auch gar nicht so kalt wie die Wetterfrösche verkündet haben, denn die Sonne scheint uns ins Gesicht und der Balkon ist windgeschützt. So bekommen wir von der fast winterlichen Kühle eigentlich gar nicht so richtig etwas mit. Die sollen wir erst später zu spüren bekommen. Während wir unser Frühstück und die wärmende Sonne genießen, freuen wir uns schon auf den heutigen Ausflug zum Thüringer Rhönhaus. Diese Wanderung ist uns eine der liebsten, auch wenn sie eine der anstrengendsten ist, weil die Strecke nicht gerade zu den kürzeren unserer Wanderstrecken gehört und der Anstieg ist auch nicht zu verachten. Der Kreislauf bekommt ordentlich zu tun und das ist gut so, denn ab und zu sollte er ein wenig durchtrainiert werden, denn zuhause sind wir im Allgemeinen nicht so sportlich unterwegs wie hier im Urlaub.

Nach dem Frühstück bereiten wir uns wie üblich auf unsere Wandertour vor und dann geht es los. Wir haben Hilders noch nicht einmal ganz verlassen, da färbt sich der eben noch strahlendblaue Himmel dunkler und dunkler, mehr und mehr Wolken erscheinen und es riecht schon irgendwie nach Regen. Die dunkle Wand ist aber hinter uns, vor uns, in Richtung Thüringen, sieht es noch sehr freundlich aus. So schenken wir den dunklen Wolken hinter uns erst einmal lieber keine Beachtung, nicht, dass sie am Ende noch auf uns aufmerksam werden. Ich bin derweil wieder auf der Suche nach reizvollen Fotomotiven, versuche einen Raubvogel, der über uns kreist, ins Bild zu bekommen, habe aber nicht viel Glück. Ich erhasche nur eine Art Greifvogelsilhouette.

Ein wenig später entdecke ich wieder einige arg zerschnitzte Bäume. Vor mir stehen gerade zwei riesige Elefantenfüße, die mit zahlreichen „Tätowierungen“ „geschmückt“ sind. Ob der Elefant um diese „Verschönerungen“ gebeten hat? Ich kann es mir fast nicht vorstellen. Ich vermute, er ist ungefragt zu seinem „Schmuck“ gekommen. Vielleicht hätte er eines seiner Beine schwungvoll bewegen sollen, als das Messer der jeweiligen Übertäter blitzte. Das hätte mit Sicherheit abschreckende Wirkung gehabt.

Nicht weit von den Elefantenfüßen blickt ein Geist mit einem langen Gewand bekleidet, ziemlich weit oben im Baum stehend, auf mich herab. Er soll sich nur ordentlich festhalten, sonst stürzt er am Ende noch auf mich hinunter. Ich gehe doch lieber schnell weiter.

Nicht weit davon, ein wenig oberhalb des Wegs, winkt mir aus dem Wald ein weiterer Baumgeist ganz verschämt zu, so als würde er fürchten, es könne ihn jemand dabei beobachten und das wäre ihm unangenehm. Sitzt da rechts etwa eine kecke Riesenmaus auf seiner Schulter?

Als wir schon fast am Thomas-Morus-Haus, einem Jugendwerk der katholischen Kirche, angekommen sind, sehe ich, wie sich ein Baum über einen großen Reisighaufen neigt. Was ihn da wohl interessieren mag, dass er sich so tief hinunterbeugt? Erstaunlich, was in diesem Wald heute alles los ist oder liegt das an der immer dunkler werdenden Wolkenwand hinter uns? Sehe ich etwa deshalb überall Gespenster oder Waldgeister?

Obwohl oder gerade weil wir den dunklen Himmel hinter uns ignoriert haben, scheint er uns mehr und mehr zu verfolgen, uns immer näher zu rücken. Wir beschließen, hinauf bis zum Thomas-Morus-Haus zu laufen und uns dort notfalls unterzustellen, falls uns der Regen doch noch erreichen sollte. Ich bin gerade tief in meine Geisterbetrachtung versunken, mein Gatte hat inzwischen schon oben das Haus erreicht und hält mich fast für verschollen, da beginnt es zu regnen. Ich lasse Geister Geister sein und eile meinem Herrn Silberdistel hinterher. Wir finden unter dem breiten Vordach des Thomas-Morus-Hauses einen guten Schutz gegen den Regen. Wir wollen erst einmal abwarten. Vielleicht wird es ja gleich wieder besser und der Regen hört auf. Aber nichts wird besser, rundherum erstreckt sich ein einheitsgrauer Himmel. Von den Bergen in der Ferne ist kaum noch etwas zu sehen. Wir warten und warten, aber es bleibt wie es ist. Wir schauen in den Regen hinaus, umrunden einmal das Haus, um irgendwo am Himmel vielleicht eine Wolkenlücke zu entdecken, die uns Hoffnung auf besseres Wetter macht. Was wir entdecken ist, dass es rund um das Thomas-Morus-Haus ganz nett aussieht. Sogar um die Vögel sorgt man sich hier, denn die Glasscheiben einer Veranda sind mit Greifvogelsilhouetten versehen, damit kein anderer Vogel gegen die Scheiben fliegt und sich verletzt. Schön, dass man hier so an unsere gefiederten Freunde denkt, weniger schön ist, dass der Regen nicht aufhören will und somit aus unserer Wanderung zum Thüringer Rhönhaus, einer hübschen kleinen Gaststätte mitten im Wald, nichts wird.

Am Thomas-Morus-Haus

Was soll’s. Wir machen uns doch lieber wieder an den Abstieg. Als der Regen zwischendurch wieder stärker wird, machen wir noch einmal an einem z. Z. unbewohnten Ferienhaus einen Zwischenstopp und stellen uns erneut unter. Dann, als der Regen weniger wird, geht es weiter, doch Hilders ist noch weit entfernt. Der Regen wird wieder stärker und eine Unterstellmöglichkeit gibt es jetzt nicht mehr. So weichen wir mehr und mehr durch. Zwischendurch hagelt es sogar. Die Luft ist eisig kalt und uns inzwischen auch. Später sehen wir an unserm Autothermometer, dass es nur noch 5°C an Lufttemperatur sind – irgendwie fast winterlich und kein Wunder, dass uns kalt ist.

Endlich sind wir unten im Ort, müssen ihn noch durchqueren, den steilen Anstieg auf der anderen Seite wieder hoch und dann, ja, dann hört der Regen auf und die Sonne scheint wieder. Wir dachten uns schon etwas in der Art. Aber zu unserem Trost hält dieser Sonnenschein nicht lange an. Den ganzen weiteren Tag wechseln sich Regen und Sonne ab.

Wir machen uns als Mittagessenersatz ein Brot und fahren anschließend zum Einkaufen und erledigen nun schon heute, was eigentlich erst für morgen eingeplant war. Als kleines Trostpflaster bringen wir uns vom Bäcker Kuchen für den Nachmittag mit.

Den restlichen Teil des Tages verbringen wir am Laptop, mit einem Buch und mit Telefongesprächen, denn meine Mutter und eine unserer Töchter rufen an. Mit unserem Sohn unterhalte ich mich kurz per Messenger und tausche mit ihm einige Neuigkeiten aus. Dann ist es Schlafenszeit. Wir lesen noch ein wenig und löschen dann das Licht, in der Hoffnung, dass uns morgen noch einmal ein Wandertag möglich sein wird.

Kommentare
  1. katerchen sagt:

    die Wolkenwand wollte GENAU wissen was Ihr so spannendes macht..liebe Silberdistel
    Mutig wenn es so kalt ist,dann den Wandertag in die Tat umzusetzen..
    Freundlich,erholsam wirkt die Umgebung.
    LG vom katerchen der leichten Landregen melden kann..

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  2. Mathilda sagt:

    Na ja, etwas Pech gehabt und dennoch so schöne Bilder fotografiert, aber man unterschätze nie so eine Wolke, die kommt ohne Geisterhand, einfach so 😀
    Hoffentlich habt ihr im Moment gutes Wetter? Bei uns immer mal wieder Regen und wie üblich auch kalt.
    Wünsche dir einen schönen Tag und liebe Grüße

    Mathilda 😉

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, diese Wolke hatte sich einfach so in unseren Tag gedrängt. Fand ich doch ein wenig unfair. Aber das war ihr egal 😉
      Im Moment ist es ein Hin und Her mit dem Wetter, mal nieselt es, dann guckt mal wieder kurz die Sonne vorbei. Es ist allerdings etwas wärmer geworden – ein kleiner Pluspunkt. 🙂
      Liebe Grüße und auch für Dich einen schönen Tag

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  3. Frau Hummel sagt:

    Also das mit den Tätowierungen an den Elefantenfüßen, das geht wirklich überhaupt nicht. Da hätten die anderen Baumgeister aber auch ein wenig mit aufpassen müssen. Da kann ich mich sowasvonaufregendrüber, echt.

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  4. Schon wieder wilde Tiere – und ein wildgewordener Baum… ich hoffe, der Reisigsack hat sich nicht allzu sehr erschreckt 😉

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