Die „Blaue Serie“ – Teil 5 – Der rote Hühnergott

Veröffentlicht: 19. April 2012 in Alltägliches, Fundstücke, Natur, Naturgewalten, Pflanzen, Tiere, Unterhaltendes, Urlaub
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Wie bereits versprochen, geht es nun weiter mit der „Blauen Serie“. Am Karfreitag war Familie Silberdistel wieder einmal zu einer kleinen Strandwanderung aufgebrochen. Die Sonne meinte es gut mit ihnen und den vielen anderen Strandwanderern, die diesen freien Tag genauso genießen wollten wie unsere beiden Disteln … Distels … nun ja, diese beiden eben. Mit Rucksack und Kamera behängt waren viele der anderen Strandgänger genauso ausgerüstet wie auch Frau Silberdistel. Der Herr des Hauses hatte beschlossen, den Strand, das Wasser und die Sonne einfach nur zu genießen, ohne sie mit den Augen des Fotografen betrachten zu müssen, ganz frei von jeglichem Zwang. So war er natürlich innerhalb kürzester Zeit, kaum, dass unsere beiden Wanderer am Strand waren, der Silberdistel wieder weit voraus und erkundete schon einmal die Gegend, die seine bessere Hälfte erst Stunden … nein … wohl höchsten Viertelstunden … später erreichte, denn sie hatte viel zu tun am Strand. Einerseits war sie heute eigentlich aufgebrochen, um Hühnergötter zu sammeln, denn eine neue Kette dieser hübschen gelochten Steine sollte in ihrem Garten ihren Anfang nehmen. Andererseits wollte die Silberdistel auch wieder einige Fotos mit nach Hause nehmen. Sie kann einfach nicht ohne ihre Kamera sein, auch wenn Herr Silberdistel die Kamera seiner Gattin dieses Mal etwas argwöhnisch betrachtete, wusste er doch, wenn dieses Gerät erst einmal mit ist, dann zieht sich diese Strandwanderung bis in die Unendlichkeit hin, allerdings nur von der Zeit her, kilometermäßig würde man allerdings nur sehr mittelmäßig vorankommen. Die Silberdistel hatte zwar behauptet, die Kamera nur sicherheitshalber mitzunehmen, denn man wisse ja nie, wann ein schönes Motiv vorbeiflöge, eigentlich aber sollte die Kamera in ihrem Täschchen bleiben … Eigentlich …

Trotz dieser unterschiedlichen Sichtweisen der Silberdistels wurde aus der Strandwanderung ein wunderschönes Unternehmen. Herr Silberdistel schritt fröhlich aus, genoss die Gegend und trainierte seinen Kreislauf für den bevorstehenden Urlaub, denn auch da soll gewandert werden. Seine Gattin kam auch zu ihrem Recht, sammelte fleißig die herumliegenden Hühnergötter ein und bemühte sich, wenigstens einigermaßen Schritt mit ihrem Angetrauten zu halten. Hier und da konnte sie nicht widerstehen, wenn ein hübsches Motiv ihren steinigen Wanderweg querte. Da zog sie wie hypnotisiert die Kamera aus der Tasche und hielt, was immer ihr da so vor die Linse kam, für die Ewigkeit fest. Erstaunt schaute sie auf die Kamera in ihrer Hand, die sie doch gar nicht auspacken wollte, aber was machte schon dieses eine Foto oder das nächste oder übernächste. Schnell eilte sie hinter Herrn Silberdistel her, entdeckte dort drüben noch einen Hühnergott, den sie einsammeln musste und, oh … diese Muscheln … die müssen mit der Kamera … und mitnehmen … ja, das auch. Diese Muscheln gehören ja eigentlich ins Meer. Sie mussten nun ihr Leben hier am Strand beenden. Dass der Strand nicht nur Schönheit und brausendes Leben zu bieten hat, wie z.B. die Schwäne im Wasser, die in der eiskalten Ostsee badenden Hunde oder diese zwitschernde Uferschwalbe, die die Silberdistel unterwegs entdeckte und die leider viel zu schnell wieder in einem der Löcher an der Steilwand verschwand, als dass die Silberdistel sie mit der Kamera erwischen konnte, sondern der Strand zeigt auch, dass das Leben im und am Meer vielfältige Gefahren in sich birgt. Die Silberdistel entdeckte leider auch solche anderen, weniger schönen, Dinge am Strand – einen toten Fisch, die Überreste einer Möwe. Wie mögen sie hierhergekommen sein? Das sind die unangenehmen Geschichten, die das Meer zu erzählen hat und die wir auch eher weniger hören wollen. Trotzdem sind sie immer da. Nachdenklich steht die Silberdistel am Strand und schaut aufs Meer hinaus.

Mit ihren Gedanken wieder in die Gegenwart zurückgekehrt, vermisst die Silberdistel ihren Wanderbegleiter. Oh, wo ist Herr Silberdistel geblieben? Ach dort! Er ist wohl von seinem schnellen Marsch bereits k.o., obwohl er behauptete, nur auf der Bank zu sitzen, weil er auf seine Gattin warten würde. Na, wer’s glaubt … Seine Gattin schaut ihn skeptisch an. Die Silberdistel ist natürlich noch gut in Form und braucht keinen Bankaufenthalt. Weiter geht es nun oben auf der Steilküste entlang und zwar in Gegenrichtung – Richtung Heimat bzw. Auto. Was den beiden Wanderern dort oben alles so begegnete, ja das, das ist eine andere Geschichte, die dann demnächst hier zu lesen und zu sehen sein wird.

Ach ja, die Hühnergottausbeute … vier neue wunderhübsche Steine für die Kette – ein netter neuer Anfang . Bilder, ja, das waren einige wenige mehr als vier, aber sie wogen ja auch nicht so schwer wie die Steine. Da durften es dann durchaus ein paar mehr sein. Diesen einen roten Hühnergott, den die Silberdistel noch entdeckte, ließ sie jedoch lieber am Strand zurück. Sie hatte den Eindruck, als wäre das ein Hühnergott, der extra für die Touristen gefertigt wurde. Die heimischen Strandgänger nehmen nur die einzig echten Hühnergötter mit. Sie fallen nicht auf diese bunten neumodischen industriell gefertigten Steine herein. Das überlassen sie den Touristen.

Kommentare
  1. M. sagt:

    Das sind wundervolle Bilder. Mensch, du wohnst an der Nord-oder Ostsee? Ich bin da auch immer sehr gerne und könnte stundenlang am Wasser unterwegs sein.

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, ich wohne an der Ostsee. Obwohl ich hier wohne, kann ich trotzdem oder immer noch stundenlang am Wasser unterwegs sein oder einfach nur dasitzen und den Wellen zuschauen und mir den Wind um die Nase wehen lassen oder Steine sammeln 🙂

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  2. Mathilda sagt:

    Ich bin ganz begeistert von deinen wunderschöen Fotos.
    Hab lieben Dank dafür ♥

    Mathilda 😉

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  3. Frau Hummel sagt:

    Fürwahr, ein merkwürdiger Hühnergott, dieser neumodische rote Stein.
    Ich bin immer wieder gern dabei, wenn Du mit Deinem Mann oder aber auch allein einen Spaziergang am Meer machst. Deine Bilder sind schön und ich habe durch Deine Beschreibung stets das Gefühl direkt dabei zu sein. Danke für den netten Ausflug ans Wasser.

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    • Silberdistel sagt:

      Jaja, diese roten Steine – nur nicht mitnehmen. Die werden immer zum 1. April ausgelegt.
      Siehst Du, Du warst also auch dabei. Dieses Mal war auch erstaunlich viel los am Strand. Wo noch waren wir aneinander vorbeigelaufen? Bestimmt an diesem roten Stein, oder?
      Danke, dass Du mitgekommen bist 🙂

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  4. katerchen sagt:

    ein Hühnergott in rot..ein Indianerstein hat sich an die liebliche Ostsee getraut und ist dann doch vor Heimweh zerbrochen..ach ..schlimme Sachen geschehen dort am Strand..
    Danke für die schöne Geschichte und die tollen Bilder..das katerchen hat sich sehr über diese Unterhaltung gefreut
    LG von hier

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    • Silberdistel sagt:

      Ich hatte mich schon über seinen zerbrochenen Zustand gewundert. Aber Du hast recht, er ist vor Heimweh zerbrochen. Irgendwie tut er mir jetzt richtig leid, so allein und gebrochen hier am Strand. Och nee, ne?
      Wie gut Du Dich in ihn hineinversetzen konntest. Schön 🙂 Man merkt, Du magst Steine, egal welche Farbe sie haben. 😉
      LG auch an Dich

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  5. Steine mag ich auch, aber ein Hühnergott? Keine Ahnung. Kannst du mir erklären, welches Bild von den wunderbaren Stein-und Strandbildern es ist, dasderdie Hühnergo(e)ttchenin? Danke dir im voraus! Die Uferschwalben kenne ich, wir hatten vor vielen Jahren eine stattliche Kolonie in einem Steinbruch ganz in der Nähe. C’est passé. Leider. Bei uns fehlen die Sandsteilhänge – deshalb sind sie bei uns rar geworden. Tote Vögel oder Fische gehören auch zum Meeresleben. Aber das verstehst du ja. Ich hatte eigentlich nur mit dem Herrn Silberdistel Erbarmen! Danke für deinen schönen und lustig geschilderten Strandgang. Ernst

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    • Silberdistel sagt:

      Ich habe in meinem Beitrag Tei 6 der „Blauen Serie“ (Beitrag von heute) ein Bild mit Hühnergöttern eingefügt und habe auch noch eine fachgerechte Erklärung zum Begriff Hühnergott verlinkt. Vielleicht magst Du das ja anschauen. Kurz erklärt – es handelt sich hier um einen Stein mit einem Loch, aus dem z.B. eingelagerte Kreideteile herausgewaschen oder -gewittert sind. Wenn das Loch durchgängig ist, sodass man also hindurchschauen kann, ist es ein Hühnergott. Hühnergott deshalb, weil er das Hausgeflügel vor bösen Geistern beschützen sollte. Man legte den Hühnern z.B. einen Hühnergott ins Nest und schon legten sie fleißig Eier und blieben gesund und munter. 😉
      Warum hattest Du mit dem Herrn Silberdistel Erbarmen? Meinst Du, er hat so unendlich gelitten bei dieser herrlichen Wanderung? Vielleicht leidet er ja ganz gern an meiner Seite, auch wenn die Seite manchmal etwas von ihm entfernt war 😉 oder gerade deshalb? *grübel*
      LG zurück zu Dir

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      • Ok, viel gelernt bei Dir, danke. Dein Link war sehr gut und du hast dem alten Herrn eine Freude gemacht. Jetzt kenne ich also den Hühnergott. Du lachst, wenn ich dir erzähle, dass ich neben einer Steineule (von einem Bildhauer aus der Provence erworben) einen gut fausgrossen Hühnergott stehen habe, in dem seit Jahren eine Kerze steckt und den ich glaub ich an einem Fluss gefunden habe. Also meine ehemaligen Hühner haben auch ohne ihren Gott fleissig Eier gelegt, gut, sie hatten einen schönen Stall, Grasauslauf und artgerechte Haltung.
        Ich würde wegen deinem Gatten nicht grübeln, er leidet sicher ganz gerne…….
        Ich danke dir und nimm es leicht. Ernst

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        • Silberdistel sagt:

          Das freut mich, dass ein Weltenbummler wie Du von mir auch noch etwas lernen kann. Der Stein, der neben Deiner Steineule (finde ich interessant, könnte ich auch haben wollen) steht, muss für Dich ja doch etwas Besonderes gewesen sein, denn sonst hättest Du ihn sicher nicht mitgenommen und über so viele Jahre aufgehoben.
          Deine Hühner hatten es offensichtlich gut bei Dir und haben sich auch ohne Hühnergott wohlgefühlt. So sollte es ja eigentlich auch sein.
          Gut, ich grüble dann auf Deinen Rat hin nicht weiter über meinen Gatten nach. Aber ich denke, er hat es bei mir genauso gut wie ich bei ihm und es besteht gar kein Grund zum Grübeln. 😉
          Liebe Grüße an Dich

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    • Silberdistel sagt:

      Übrigens findest Du hier https://buecherstaub.wordpress.com/2012/02/11/wo-man-auf-den-huhnergott-trifft/ bei den Abbildungen einen besonders schönen Hühnergott.

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  6. sanetes sagt:

    Liebe Silberdistel, ich hatte mit den Fotos in diesem Post massive technische Probleme. Wenn ich auf das erste Bild geklickt habe, kam gar nichts. Wenn ich auf ein anderes Foto geklickt habe, konnte ich etwas vor- oder zurückblättern, bevor dann auch wieder nichts mehr kam.

    Die ersten drei Bilder gingen erst mit einem Rechtsklick und einem neuen Tab. 😮

    Ich vermute, man sollte nicht allzu viele Fotos in einen Beitrag einbauen… Aber vielleicht war ich die einzige, die das Problem hatte.

    Freut mich, dass ihr so einen schönen Auflug hattet!

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    • Silberdistel sagt:

      Da ich selbst eigentlich eine relativ langsame Leitung habe, denke ich nicht, dass das Problem bei mir liegt, denn erstens sind die Bilder nicht zu groß und zum anderen hätte ich, wenn es zu viele Bilder wären, gar nicht alle auf einmal hochladen können. Das ging völlig problemlos. Außerdem hatte ich heute schon recht viele Zugriffe, beschwert hat sich bisher aber weiter niemand. Ich vermute eher, dass das Problem wohl doch bei Dir irgendwo liegt.
      Danke, ja, der Ausflug war sehr schön. 🙂

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