Mein kleiner Märchenwald – Fortsetzung 3 – Wer flüstert denn da?

Veröffentlicht: 17. April 2012 in Alltägliches, Insekten, Natur, Pflanzen, Tiere, Unterhaltendes
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Wieder bin ich in meinem kleinen Märchenwald zu Besuch. Dieses Mal betrachte ich all das, was der Herbst sogar über den Winter gerettet hat – Zapfen der Nadeläume, trockene Blätter noch am Strauch oder solche, die einfach durch Zufall irgendwo gelandet sind. Seltsam, denke ich, wie kann ein Blatt regelrecht auf einen Ast aufgespießt hier mitten im Wald hängen? Geschah das in selbstmörderischer Absicht des Blattes oder wollte es eher sein Leben verlängern und zurück an seinen Ursprungsplatz am Baum, um noch eine weitere Saison zu überdauern und das Waldleben zu beobachten und zu genießen? Wenn ja, wer hatte ihm dabei geholfen, hierher zu kommen auf dieses Zweiglein dicht an diesem herrlichen Baumstamm? Hier hängt es nicht zu hoch und nicht zu tief. Hier kann es alles beobachten. Es ist jeglichem Geschehen im Walde ganz nah. War es nun der Wind, ein Tier oder gar ein Mensch wie ich, der hier den Wald betrachtete, dem Blatt half, an diesen Platz zu kommen und der mir schließlich so dieses Zeichen hinterließ, um mir ein kleines Rätsel aufzugeben?

Das Blatt schien mich seltsam schelmisch anzublinzeln, als wollte es sagen:Ja, nun rate einmal, warum ich hier hocke und wie ich überhaupt hierher kam. Ich sehe schon, Du wirst es nicht herausbekommen. Macht nichts, mach Dir nur weiter Gedanken über mich. Bestimmt kommst Du mich noch öfter besuchen, weil Dich dieses Rätsel nicht loslassen wird. Aber wer weiß, ob ich dann immer noch hier hocke. Eigentlich könnte ich wieder einmal etwas weiterwandern. Vielleicht hilft mir ein ordentlicher Windstoß dabei, meinen hübschen Hochsitz zu verlassen oder der Rehbock von neulich kommt noch einmal vorbei und streift mich ganz einfach ab, schließlich hat er mir auch geholfen, hier hinaufzukommen. Wenn er mir noch einmal behilflich ist, kann ich wieder fröhlich durch den Wald flattern, hierhin und dorthin schauen bis ich schließlich ganz müde bin und mich irgendwo für immer zur Ruhe bette. Bis dahin jedoch werde ich noch viel erlebt haben, denn in diesem, meinem hübschen kleinen Wald ist es nie langweilig. Die Hauptsache ist, dieser blöde große Vogel kommt nicht wieder, um mich nach da ganz oben auf den Baum zu schleppen, wo er sein Nest baut. Ich konnte neulich gerade noch so von dem Zweig, an dem ich hing, und den er dort nach ganz oben hinauftragen wollte, abspringen. Das Leben da oben kenne ich schon. Ich will jetzt lieber schauen, wer hier unten umherspaziert. Das ist viel aufregender als da, wo ich vorher war. Meister Lampe ist in dieser Gegend auch oft unterwegs und hoppelt um meinen Baum herum. Neulich war sogar der Fuchs hier, schaute kurz zu mir hinauf und ging dann wieder seiner Wege. Ich glaube, er hat gemerkt, dass kurz zuvor Meister Lampe hier war, denn anschließend ging er mit ganz tiefer Nase in die Richtung davon, in die auch das Langohr verschwunden war. Was mag er von ihm wollen?“

Hatte eben neben mir etwas geflüstert? Irritiert schaue ich mich um, kann aber nichts entdecken. Sollte tatsächlich dieses Blatt dort am Baum mit mir gesprochen haben? Nein, also das kann nicht sein. Obwohl, irgendwie ist es hier wirklich ein wenig seltsam und ein ganz kleines bisschen märchenhaft. Ob das Blatt nun mit mir gesprochen hat oder meine Fantasie nur wieder einmal mit mir durchgegangen ist, das will ich jetzt lieber dahingestellt sein lassen, obwohl, in diesem Wald ist alles möglich. Schnell noch ein Foto von diesem merkwürdigen kleinen braunen aufgespießten Etwas und dann verlasse ich den Wald, der mir heute so überaus gesprächig vorkam. All diese Wesen, die mir etwas zuzuflüstern schienen und mich mit Augen, wie auf rotbraunen Stielen, beobachteten – diese grünen Moose dort, sagten die nicht, als ich meine Kamera auf sie richtete, auch etwas? Eigenartig ist es heute, dieses leise Rauschen im Wald, so als würde er mir von allen Seiten etwas zuflüstern wollen.

Ganz langsam, wieder einmal seltsam berührt von diesem wundersamen Wald, verlasse ich die flüsternde Schar von … ja … von was eigentlich? Hat der Wald eben tatsächlich mit mir gesprochen oder war es Einbildung, Traum …?

Kommentare
  1. Flohnmobil sagt:

    Pass bloss auf, dass dir nicht die Hexe verkommt auf deinem nächsten Spaziergang durch den Märchenwald. 😉
    Schöne Detailaufnahmen.

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    • Silberdistel sagt:

      Meinst Du, da besteht erhöhte Hexengefahr? Ich muss wohl doch noch ein wenig genauer schauen und etwas tiefer in den Wald, um dieses Lebkuchenhaus zu finden. Am besten ist, ich mache das dann um die Weihnachtszeit herum 😉

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  2. einfachtilda sagt:

    Das sieht wahrlich nach einem Märchenwald aus. So schöne Details, darüber kann ich mich auch freuen. Auch dein Text dazu ist wundervoll.

    LG Mathilda 😉

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  3. katerchen sagt:

    da hat sich ein Blatt einfach geweigert auf den Boden zufallen..das gibt es nur im Märchenwald..ODER sollted a doch eine Hexe sein die ein Rezept auf das Blatt gekritzelt hat und es dann vergessen hat.?? Fragen über Fragen..
    es flüstert und tuschelt dort..bestimmt..
    LG vom katerchen der DANKE für den tollen Text und die schönen Bilder sagt

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    • Silberdistel sagt:

      Oh, ein Rezept auf dem Blatt? Da hätte ich auch eher drauf kommen können. Hätte ich doch nur geschaut, ob etwas draufsteht. Ich muss unbedingt noch einmal hin und nachschauen. Wer weiß, was ich da versäumt habe.
      Liebe Grüße von der He … Silberdistel

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  4. Frau Hummel sagt:

    Ja, man muss nur einmal gut hinhören, dann hat einem so ein Märchenwald viel zu erzählen…

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    • Silberdistel sagt:

      Und was da alles erzählt wird. Das ist schon erstaunlich. Ich lerne gerade die Sprache der Bäume aus einem Buch mit genau dem Titel „Die Sprache der Bäume“. Vielleicht verstehe ich dann mit der Zeit ein wenig mehr von dem, was da geflüstert wird im Wald 😉

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  5. Frau Hummel sagt:

    Ich bilde mir ein, viel über die Sprache der Bäume erfahren zu haben, indem ich sie fotografierte. Wenn ich mir die Bilder so anschaue, erkenne ich vieles, das mir im Vorbeigehen verborgen geblieben wäre 🙂

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    • Silberdistel sagt:

      Erstaunlich ist, wenn man dann nachher die Bilder anschaut, entdeckt man oft noch viel mehr als an Ort und Stelle. Ich bin manchmal sogar noch ein zweites Mal zum entsprechenden Baum gegangen und habe ihn noch einmal mit ganz anderen Augen angesehen. Bäume sind faszinierend – jeder für sich ist ein kleines großes Wunder.

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