Muss man Müller werden, wenn man Müller heißt?

Veröffentlicht: 16. April 2012 in Bücher, Beruf, Bibliothek, Fundstücke, Lesen, Sonderbares, Unterhaltendes
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Silberdistel, wo bist Du?

Ob man manchmal unter einem inneren Zwang handelt? Ich kenne das beispielsweise, wenn ich gerade unsere Katzen nach draußen gelassen habe, mich dann an den Frühstückstisch setze und irgendwann, noch nicht einmal fertig mit dem Essen, aufstehe und durch die Tür ins Wohnzimmer schaue, ob nicht vielleicht eine unserer Katzen bereits wieder vor der Terrassentür sitzt und Einlass begehrt.

Ich will rein!!!!

Oft ist das tatsächlich der Fall. Da sitzt dort ein Pelztier und trampelt förmlich mit den Füßen und es scheint stumm zu rufen: „ Lass mich rein!“ Warum bin ich aufgestanden und habe überhaupt geschaut? Ich hätte doch wirklich in Ruhe zu Ende frühstücken können. Es muss hier doch eine innere Stimme gerufen haben: „Schau jetzt nach den Katzen, jetzt, sofort, es ist dringend!“ Natürlich mag es auch sein, dass Katzen über eine Art Telepathie verfügen. Das will ich nun hier wirklich nicht ausschließen. Katzen sagt man ja so allerlei Kunstfertigkeiten dieser Art nach.

So habe ich mich schon oft gefragt, ob nicht Menschen mit einem bestimmten Namen, nehmen wir jetzt einfach einmal den Herrn Müller, sich auf seltsame Weise dazu berufen fühlen, wie durch einen inneren Zwang geradezu geschubst fühlen, einen Beruf auszuüben, der ihrem Namen gewissermaßen alle Ehre macht.

Während meines bibliothekarischen Daseins ist mir manchmal schon aufgefallen, dass das einfach so sein muss, dass für manche Menschen der eigene Name auch Beruf wird. Für Menschen mit mehr schreibkünstlerischen Fähigkeiten ist es wohl ähnlich, ihr Name scheint wie ein Muss zu wirken, ein Buch zu schreiben zu einem Thema, dass einen gewissen Zusammenhang zum eigenen Namen hat. Schon immer hat mir gefallen, dass der Herr Teichfischer ein Buch über Goldfische geschrieben hat.

Hier einige Beispiele, die mir, bildlich gesprochen, schon einmal über den Weg gelaufen sind. Es gibt da sicher noch weitaus mehr dieser Art, aber die folgenden habe ich mir irgendwann einmal notiert, weil ich sie so schön fand und mich fragte, ob es sich bei den Autoren um Menschen mit viel Sinn für Humor handelt, es reiner Zufall war oder doch eine Bestimmung, ein innerer Zwang, gerade ein Buch zu genau diesem Thema zu schreiben, sich also beruflich oder in der Freizeit, um bei diesem ersten Beispiel zu bleiben, mit Goldfischen zu beschäftigen, wenn man denn Teichfischer heißt. Gern hätte ich Herrn Teichfischer einmal dazu befragt, wie er ausgerechnet dazu kam, Bücher über Fische zu schreiben.

Goldfische in aller Welt: Haltung, Zuchtformen und Geschichte der ältesten Aquarienfische der Welt / von Bernhard Teichfischer. – 1994.

– Vom Botanischen Garten zum Großstadtgrün / von Werner Adams und Joachim Bauer von Bachem. – 2001. 

Garten am Strom : der Rheinpark in Köln / von Joachim Bauer, Dieter Klein-Meynen und Henriette Meynen von Bachem. – 2007.

– Mein großes Natur-Bildwörterbuch – Fluss und Teich / [Ill.: Bob Bampton. Text: Gisela Fischer]. – 2008.

– Pauline , die Mühlenmaus / Müller, Elisabeth. – 2008.

– De Utrooper’s kleines Buch von der ostfriesischen Mühle / Müller, Ernst. – 1999.

– Michail Nesterow : ein Maler des gläubigen Russlands / hrsg. v. Elsa Mahler. – 1938.

Kommentare
  1. Mathilda sagt:

    Müllers gibt es ja so viele, auch Meier oder Schulze, das Telefonbuch ist voll davon.
    Hoffentlich konntest du doch noch in Ruhe weiterfrühstücken, denn Katzen können ganz schön fordernd sein.
    Liebe Grüße zum Wochenstart.

    Mathilda 😉

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    • Silberdistel sagt:

      Manchmal muss ich mich richtig zwingen sitzenzubleiben, obwohl ich eigentlich unheimlich gern schauen möchte, ob dort schon wieder jemand rein möchte. Heute waren sie beide schon wieder VOR unserem Frühstück drin. Ich glaube, es war ihnen zu kalt da draußen. 😉 Ich konnte also ganz in Ruhe frühstücken. 🙂
      Auch Dir einen guten Wochenstart

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  2. Frau Spätlese sagt:

    Das mit den Katzen kenne ich. Bei meinen Eltern ist das Katervieh zwar äußerst knufig aber auch sehr missbilligend, wenn es um geschlossene Türen geht.
    Tja – und das mit den Namen? Ist, glaube ich, heutzutage vielleicht doch eher zufällig? Aber lustig ist es schon, wenn es mal passt.

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    • Silberdistel sagt:

      Das stimmt, Katzen können sehr missbilligend schauen. Darin sind sie Meister. Unsere haben darin sogar ein Diplom.
      Ich würde gern mal so jemanden befragen, wie z.B. den Herrn Teichfischer, was ihn dazu trieb, Bücher über Fische zu schreiben. Das interessiert mich ganz brennend. Aber Du meinst, es war Zufall *grübel* Schade, ich hatte an Höheres gedacht – wie Magie. 😉

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  3. M. sagt:

    Nun lass doch schon endlich den armen Kater ins Warme. Der guckt schon ganz bedeppert. Lach. Meiner schaut heute aber auch nicht anders. Ob das an dem kühlen Wetter liegt?

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  4. Gudrun sagt:

    Du wirst es nicht glauben. In meinem Dörfchen Räpitz gibt es einen Müller in einer Mühle, der heißt auch Müller. 😀 Er ist der letzte von drei Müllern. Wie die beiden anderen hießen, weiß ich leider nicht. Über den Müller Müller gab es sogar mal eine Fernsehsendung.

    Liebe Grüße von der Gudrun

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    • Silberdistel sagt:

      Siehst Du, ich hab’s doch gewusst, dass es das gibt. Bestimmt blieb dem Herrn Müller gar keine Wahl. Er MUSSTE einfach Müller werden bei DEM Namen. Es ist mir fast so, als hätte ich diese Fernsehsendung auch gesehen.
      Super, dass Du für meine These sogar ein Beispiel hast. Danke Dir und Deinem Müller 😀
      Liebe Grüße zurück in Dein Spinn-, Filz- und Malstübchen

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  5. katerchen sagt:

    das mit den Katzen kenne ich auch..wer denkt an wen??

    das mit dem Beruf?? warum soll es kein ZWANG sein..grins..glaube aber eher an einen Zufall.
    LG vom katerchen

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  6. Frau Hummel sagt:

    Liebe Silberdistel, Dein Eintrag wollte mir einfach nicht aus dem Kopf gehen, ein innerer Zwang ließ mich immer wieder über Namen und Beruf nachdenken *lach*. Eben ist es mir eingefallen: Ich würde gern König heißen 😉

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    • Silberdistel sagt:

      … und sein? Netter Gedanke 🙂 Aber bleib lieber die, die Du bist. Ich weiß nicht, ob man als König oder Königin immer unbedingt glücklicher wäre. … und Hummel, finde ich, klingt doch überaus nett und sehr gemütlich 🙂 Mit diesem Namen würde ich durchaus leben können. Selbst als Hummel, wenn das dann auch noch mein Beruf wäre, ist das Leben bestimmt sehr reizvoll. 🙂 Aber ich denke, Du weißt das sicher besser als ich.

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  7. Wolfram sagt:

    Mahler mit h sind aber Müller, oder?

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    • Silberdistel sagt:

      😀 Sicher, Du hast Recht oder recht damit, dass der Mahler im letzten Beispiel zur Mühle oder zum Müller gehört. Trotzdem fand ich diesen Zusammenhang nett, auch wenn die Orthographie oder Orthografie dazu anderer Meinung ist. 😀

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      • Wolfram sagt:

        Ein Orthograf ist ein conte desstro oder sowas ähnliches, wie ein Paragraf ein falscher Adliger… Grafen sind Adlige, Graphen haben was mit Schreiben oder Malen zu tun. 😉

        Ich sah eben ein Auto vorbeifahren von einer Straßburger Gerüstbauerfirma, mit Namen Nonnenmacher. Nun stelle ich mir ein klösterliches Rekrutierungsbüro vor, ähnlich denen der US-Army oder auch der französischen Armee, und den Leiter desselbigen, der dann Nonnenmacher heißt…
        („Nönnchen“, Nonnettes, sind aber auch kleine kalorienhaltige Gebäcke mit Fruchtfüllung. Honni soit qui mal y pense. Vielleicht ist der Nonnenmacher ein Konditor?)

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        • Silberdistel sagt:

          Zu Otto, dem Grafen, sage ich dann mal jetzt gar nichts mehr. 😀
          Aber … Punkt 2 erregt doch wieder meine Aufmerksamkeit. Wenn ich das nun alles zusammenmixe, stelle ich mir das so vor, dass es nach der Rekrutierung wenigstens ein ordentliches Gebäck gibt(Nonnettes – klingt überaus lecker). Interessant immerhin, wie man zwei Berufe unter einen Hut bekommen könnte. 😉

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          • Wolfram sagt:

            Otto der Graf, das war doch der mit dem silbernen Stock… 😉

            Während des Mittagessens fiel mir auch noch eine andere kalorienbombige Nonne ein, die „religieuse“ heißt. Ich empfehle mal google zu bemühen.

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            • Silberdistel sagt:

              Otto, genau selbiger mit diesem silbernen …
              Nach dieser kalorienbombigen Nonne muss ich google nicht extra bemühen. Sie ist mir auch so ein Begriff und lag bis vor wenigen Sekunden noch auf einem Teller vor mir. Inzwischen ist sie, wohl wissend welchen Schaden sie meiner Figur zufügen wird, verspeist. Sehr lecker! Du hast einen guten Geschmack.

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  8. Bisher hatte ich immer der Bedeutung von Vornamen mehr Interpretationsmöglichkeit gegeben. Mein Kollege sagte immer: Wir kommen mit unserem Namen auf die Welt, nichts ist zufällig, es steckt eine höhere Bedeutung dahinter.
    Den Nachnamen kann man ablegen, den Vornamen aber nicht.
    Trotzdem finde ich es sehr interessant, deine Beispiele anzuschauen und gern würde ich auch wissen, ob das Zufälle oder eher Bestimmungen sind …

    Liebe Grüße
    Regina

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    • Silberdistel sagt:

      Wobei ja eigentlich auch die Zunamen viel Bedeutung haben, d.h. sie bezeichneten in grauer Vorzeit ja wirklich einmal die Berufe. Die besten Beispiele dafür sind ja nun einmal Müller, Krüger, Böttcher, Schulze, Meier, Jäger, Fischer in welcher Schreibform auch immer. Die Namensforschung hat da bestimmt viele tolle Beispiele parat.
      LG zurück zu Dir

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  9. […] erst habe ich behauptet, dass Katzen über gewisse magische Kräfte verfügen. Man kann das auch überall in der Literatur finden. In vielen Büchern wird auf diese […]

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