Die „Blaue Serie“ – Teil 2 – Wenn Bäume erzählen könnten

Veröffentlicht: 21. März 2012 in Alltägliches, Natur, Naturgewalten, Pflanzen, Unterhaltendes
Schlagwörter:, , , , , , , , , , , , , , ,

Weiter geht’s mit der „Blauen Serie“ und unserem Strandspaziergang am vergangenen Freitag, dem Tag, an dem hier an der Küste der Frühling ausgebrochen zu sein schien. Er hatte sich dann in den darauffolgenden Tagen wieder etwas verflüchtigt und sich hinter grauen Nebelbänken verkrochen. So hatte ich genug Zeit, um meine Bilder vom Freitag noch einmal anzuschauen und die unter ihnen auszuwählen, die ich hier und heute zeigen möchte.

Wir, mein Gatte und ich, waren, wie ich schon am Beginn dieser „Blauen Serie“ geschrieben hatte, ein ganzes Stück westlich vom weißen und breiten Sandstrand Warnemündes unterwegs, an einem Teil des Strandes, der mit vielen Steinen bedeckt ist. Was diese Steine betrifft, ist dort stets und ständig für Nachschub gesorgt, denn, so man sich immer weiter in westlicher Richtung bewegt, beginnt der Strand ganz allmählich immer schmaler zu werden und links vom Wanderer erhebt sich mehr und mehr eine Steilküste. Das Meer fordert alljährlich von dieser Steilküste seinen Tribut, dringt bis an den Fuß dieses Steilhanges vor, unterspült ihn und lässt Wasser, Wind und Wellen so lange seine Arbeit tun, bis dem Land wieder ein wenig mehr von seinem kostbaren Boden abgerungen wurde. Herbst- und Frühjahrsstürme tun Jahr für Jahr ihr übriges, um diesen Vorgang in Bewegung zu halten. Das Land hinter dem Strand ist von einem schmalen Küstenwald vor den stärksten Stürmen geschützt. Doch jedes Jahr wird dieser schmale Schutzgürtel noch ein wenig schmaler. Die Steilküste ist in ständiger Bewegung, immer wieder brechen große Teil ab und stürzen hinunter an den Strand oder ins Meer.  So mancher Baum musste auf diese Weise sein Leben lassen. Traurig liegt das einst lebende Holz am Strand. Manchmal nimmt das Meer es mit, spült es später erneut an und gibt es dem Strand zurück. Sicher hätte so mancher dieser Bäume eine spannende und interessante Geschichte zu erzählen. Schon oft habe ich vor den Überresten eines einst stolzen Baumes gestanden und mich gefragt, was dieser Baum so alles erlebt hat in den vielen Jahren, in denen er hier im Küstenstreifen Wind und Wetter getrotzt hat und nun scheitern, sich dem Meer geschlagen geben, sein Leben beenden musste. Schade um ihn, aber auch das gehört zum Leben, auch das ist Natur. Das bizarre und urtümliche Bild der Landschaft an dieser Steilküste zeigt uns, dass Natur nicht nur Schönheit hervorbringt, nein, sie kann auch entsetzlich grausam und zerstörerisch sein und kann all dass, was sie einst wachsen, groß und stark werden ließ, mit einem Schlag und ungeheurer Gewalt wieder zerstören, so als wäre sie wütend auf all diese bezaubernde Schönheit. Doch diese Zerstörungswut bringt seltsamerweise neue Schönheit hervor. Die Abbrüche der Steilküste werden von den Wellen wieder und wieder hin- und hergespült, Steine werden freigelegt, Versteinerungen, die Jahrtausende tief in der Erde geruht haben, erblicken das Licht der Welt und jedes Jahr kommen neue kleine und große Wunderdinge hinzu, die schon so manches Wandererherz erfreut haben. Selbst die von der See bearbeiteten Baumwurzeln, Äste, Stämme begeistern so die Strandbesucher, weil dieses tote Holz nun eine neue, andere Schönheit entfaltet und letztendlich gibt es dem Strand sein ganz besonderes Gesicht. Hier befindet man sich, wo man geht und steht, auf dem Boden so mancher Naturgewalten, Gewalten, die das Meer wütend toben und brausen lassen und all seine Wildheit zur Schau stellen, Gewalten, die uns einerseits das Fürchten lehren und uns andererseits wahnsinnig faszinieren. Wie oft habe ich schon bei Sturm und Regen am Strand gestanden, mich einerseits gefürchtet, andererseits aber auch ein berauschendes Gefühl in mir gespürt, das mich auf unerklärliche Weise mit all dieser zerstörerischen Kraft verband. Ich konnte mich oft genug nicht vom Anblick dieser tosenden Wellen lösen. Sie haben einfach etwas Großartiges an sich, so viel Kraft, so viel Energie, so viel unaussprechliche Schönheit. Wer einmal da wie ich im Sturme stand und das Meer beobachtet hat, wird mich verstehen können, wird wissen, warum ich dieses, oft so unberechenbare Wasser, dann aber wieder harmlos erscheinende blaue, graue, grüne oder von der Sonne glutrot gefärbte, Nass so liebe und es immer wieder und wieder besuchen muss.

Für Diashow eines der Bilder anklicken!

Kommentare
  1. Mathilda sagt:

    Jedes einzelne Bild spricht für sich und könnten Bäume erzählen, dann würden sie viel seufzen, so sehe ich das.
    Das Meer und die Küste, der Strand, immer wieder faszieniert es mich ebenso.

    LG Mathilda ♥

    Gefällt mir

    • Silberdistel sagt:

      Ja, ich glaube, Du hast es gut beschrieben. Man würde bestimmt manch spannende Geschichte hören können, aber sicher auch manch tragische.
      Ich sehe, wir mögen diese wässrige Gegend beide gern 🙂
      Liebe Grüße auch an Dich

      Gefällt mir

  2. Das Bild mit den von Wasser umspülten Steinen ist heute der Spiegel meiner Seele.
    Gut getroffen. Es ist nicht immer leicht, über den Dingen zu stehen, aber ein Glück genauso schwer unterzugehen. Alles fließt….

    LG Tuluna

    Gefällt mir

  3. Frau Hummel sagt:

    Bäume und Meer – hier bin ich eindeutig richtig.
    Ich könnte dort an der Steilküste Stunde um Stunde verbringen. Mein Entdeckerherz macht Luftsprünge beim Betrachten Deiner schönen und doch so geheimnisvollen Bilder. Doch nicht nur Deine Bilder, liebe Silberdistel, auch Deine Worte haben mich schon irgendwie beeindruckt. Ich könnte Dir stundenlang zuhören. Ich bekam richtig Lust auf Meer/mehr. Danke dafür…

    Gefällt mir

  4. katerchen sagt:

    Hallo liebe Silberdistel
    tragisch was den Bäumen geschieht..aber so ist es an den Steilküsten sie werden vom Meer an BESONDEREN Tagen verschlungen..für immer.
    Hier kann man das auch sehen.. in Noer und in Waabs..aber auch danach mit viel Glück etwas Schönes finden was lange verborgen war.
    LG zum Abend vom katerchen

    Gefällt mir

    • Silberdistel sagt:

      Irgendwie tut es mir immer ein wenig weh, wenn ich die vielen Bäume sehe, für die nach einem Sturm das Leben vorbei ist. Aber das ist nun mal so und eigentlich ja nicht zu ändern. Damit müssen wir hier wohl leben. Ein kleiner Trost sind dann wirklich manchmal die wunderschönen Versteinerungen, die man nach solchen Stürmen oft finden kann.
      LG zurück zu Dir

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s