Sonnenanbeter

Veröffentlicht: 17. März 2012 in Alltägliches, Garten, Insekten, Natur, Pflanzen, Tiere, Unterhaltendes
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Das war ein Gartentag, wie er im Buche steht. Die Gärtnerin werkelte fleißig und mit einer unübersehbaren Begeisterung vor sich hin, so als hätte sie den ganzen Winter über nur diesen einen Tag herbeigesehnt, an dem sie endlich wieder den Garten nach ihren Vorstellungen gestalten konnte. Natürlich hatte sie Gesellschaft, aber nicht, dass nun jemand auf den Gedanken kommt, sie hätte fleißige Helfer an ihrer Seite gehabt. Nein, die anderen Gartenliebhaber setzten und legten sich nur dekorativ in die Gegend, beschäftigten sich mit ihrer Schönheitspflege oder ließen sich die Sonne auf den Pelz scheinen. Manchmal schauten sie nach dem Rechten und Linken und informierten sich über den Fortgang der Arbeiten der in der Erde wühlenden Zweibeinerin. Sie schauten aufmerksam zu, erkannten dann weise, dass die Gärtnerin ganz gut allein mit all der Arbeit zurecht kam, suchten sich wieder ein nettes Plätzchen in der hübschen Natur, die die Gärtnerin für sie umgestaltete und dösten vor sich hin. Nur manchmal wurden sie von Frau Elster aus dem Schlaf gerissen, wenn diese aus dem Baum, in dem sie im Vorjahr mit dem Nestbau begonnen hatte, dann aber von einem gefährlichen pelzigen Grautier vertrieben wurde, hübsche kleine Stöckchen hervorzog, um diese zum diesjährigen Nistplatz im Nachbargarten zu tragen. Als die Gärtnerin das beobachtete, fragte sie sich ganz erstaunt, ob Elstern sich wohl an längst vergangene Vorgänge erinnern können, an Vorgänge, die ein ganzes Jahr zurückliegen, denn wie kam die Elster darauf, dass in genau diesem Baum noch brauchbares Nistmaterial lag? Oder hatte die Elster es rein zufällig wiedergefunden? Da war dieser in der Sonne bunt schillernde Vogel schon wieder und er sparte auch dieses Mal nicht mit Schimpfworten, wenn er in den Garten der beiden Pelztiere einflog, um neues Nistmaterial sicherzustellen. Die beiden schnurrigen Raubtiere putzten sich jedes Mal auffallend hektisch den Pelz, wenn die Elster auftauchte und demonstrativ schimpfte, gähnten den schwarz-weißen Vogel dann aber überaus gelangweilt an. Das fand die Elster wiederum ungehörig und schimpfte um so lauter, sodass sogar die Gärtnerin nun ebenfalls genervt aufblickte, aufstand, ihren geplagten Rücken gerade richtete und zur tschackernden Elster schaute, der dieser Blick nun doch etwas unheimlich vorkam. Vor Schreck verlor der Vogel das eben ergatterte Stöckchen, flatterte zu seinem Nest und schimpfte zur Gärtnerin hinüber, die ihrerseits über den Vogel den Kopf schüttelte, dann aber wieder ihrer Arbeit nachging, dabei jedoch darüber nachgrübelte, wie lange es wohl dauerte, bis einer Elster die Stimme wegen Heiserkeit versagte. Plötzlich war Ruhe. War die Elster bereits heiser und somit stimmlos geworden? Die zwei Fusseltiger und die Zweibeinerin schauten interessiert zur Elster, die jedoch plötzlich in Richtung des nahen Wäldchens davonflog. Erleichtert schauten Mensch und Pelztiere dem Vogel hinterher. Endlich konnte man wieder dem Zwitschern von Meisen und Spatzen lauschen, auch das Summen der ersten Bienen, die von einem Krokus zum anderen flogen, war wieder zu hören und da krabbelte sogar ein Marienkäfer aus dem alten Laub hervor und ließ sich von der wärmenden Sonne bescheinen. … und dann waren auf einmal Kraniche zu hören. Begeistert richtete die Gärtnerin ihren Blick in den blauen Himmel und schaute zu den wunderschönen Vögeln hinauf, die über dem Garten, in dem sie stand, große Kreise zogen, sich höher und höher tragen ließen, bis sie schließlich wieder eine Formation bildeten und in Richtung Nordosten davon zogen. Noch lange blickte die Zweibeinerin ganz in Gedanken versunken zum Himmel empor, als hätte sie alles um sich herum vergessen. Nach einer unendlich langen Zeit rührte sie sich wieder, so als wäre sie von einer weiten Reise gerade eben wieder in die Gegenwart zurückgekehrt. Sie legte ihr Gartengerät beiseite, ging an den Katzen vorbei, vergaß nicht, kurz über ihr warmes Fell zu streichen, ihnen dabei einige zärtliche Worte zuzuflüstern und verschwand dann im Haus. Bald darauf waberte ein angenehmer Kaffeeduft durch den Garten, den die Katzen als Zeichen dafür nahmen, noch einmal die Augen zu schließen und ein kleines Nachmittagsschläfchen im Freien zu halten. Die Gärtnerin und ihr Gatte machten es sich währenddessen mit Kuchen und dem herrlich duftenden Kaffee gemütlich. Für heute war die Gartenarbeit beendet.

Kommentare
  1. katerchen sagt:

    DAS tolle Erlebnis habe ich noch vor mir..:( ..werde auch so einen GRAUEN haben der genau schaut WAS ich da mache und mir ab und an erzählen..Frauchen einen Erdklumpen könntes du mal schmeissen..ich möchte das…SO gerne.

    So ist es überall..und wenn das Werk vollbracht ist.dann freut man sich ..so ein toller Garten ist auch eine Oase für die Seele..man muss sich nur genug bücken bis es soweit ist…
    LG vom katerchen zum Wochenende

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    • Silberdistel sagt:

      Die Arbeit im Garten ist das eine, das andere mag ich mindestens genauso gern, wenn nicht noch lieber, einfach nur darin sitzen und faul sein 🙂 Ja, und manchmal Erdklumpen für die Katzen schmeißen 😉
      Auch Dir liebe Grüße zum Wochenende

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  2. einfachtilda sagt:

    Bohh, das sind tolle Erlebnisse und zauberhafte Fotos.
    Auch bei uns schönes Wetter und gestern habe ich mir zwei Stunden Auszeit in einem Minizoo gegönnt, heute säubere ich meinen Balkon, aber Lust habe ich keine dazu.
    Auch ein paar Blumen müßte ich noch kaufen, einiges wird ausgesäät, denn ich mag wildwachsende Blumen in Töpfen sehr gerne und viele Kräuter.

    LG Mathilda ♥

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    • Silberdistel sagt:

      Danke 🙂
      Eine Auszeit im Minizoo ist doch sicher schön. Wir waren vor Jahren mit unseren Kindern einmal in einem hübschen kleinen Minizoo. Da gab es auch zahlreiche Tiere, gestanden haben wir aber gefühlte Stunden vor einem großen Meerschweinchengehege. Dieser Zoobesuch geistert in unserer Familie als der schönste Zoobesuch überhaupt umher.
      Liebe Grüße und arbeite nicht zuuuu viel, der Sonntag ist zum Erholen da, obwohl ich mich oft nicht daran halten kann, weil manche Arbeit für mich wie Erholung ist 😉

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  3. Frau Hummel sagt:

    Ist es nicht schön? Obwohl so ein Garten viel Arbeit bereitet, ist er doch auch ein Ort der Erholung und Entspannung. Ich konnte mich sooo gut in die Gärtnerin hinein versetzen. Genau so erlebe auch ich GARTEN.

    Liebe Silberdistel, wie konnten Du und Deine Vierbeiner (wunderbare Bilder) sich aber auch erdreisten ins Revier von Familie Elster einzudringen? Was soll das noch werden, wenn erst einmal Jungvögel im Nest dieser vorlauten Vögel gefüttert und beschützt werden? Ich hoffe, Ihr dürft dann auch noch Euren Garten benutzen.

    Du hast für uns wieder einmal mit Deinen wunderschönen Bildern den Frühling eingefangen. Blumen, Insekten, Vögel und Katzen. Alles sehr schön anzusehen. Ich habe mich über Deine Einsicht in Dein Frühlingserlebnis sehr gefreut.

    Liebe Grüße aus meiner seit drei Tagen sonnigen Heide

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    • Silberdistel sagt:

      Schön, dass Du Dich über mein Frühlingserlebnis gefreut hast. Das freut mich nun wieder. Ja, eigentlich erhole ich mich lieber in meinem Garten als dass ich in ihm arbeite. Aber, wer’s schön haben will, muss zunächst einmal leiden.
      Was das mit den Elstern noch wird, wo sie jetzt schon mit uns schimpfen. 😦 Ich habe gerade über sie gelesen, dass sie, wenn sie brüten, sehr leise und unauffällig sein sollen. Also erst einmal haben wir vielleicht Ruhe. Aber dann??? Ich werde berichten.
      Liebe Grüße aus dem bedeckten Norden

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  4. Ernst sagt:

    Wie immer sind deine Bilder aus dem Paradies-Garten wunderbar. Auch bei uns war Gartenarbeit Trumpf, Bäume schneiden, Blumen- und Kräuter-Stauden zurückschneiden, erstes langes Beet lockern und zum pflanzen bereit machen. Noch warten wir aber die notwendige Bodenwärme ab. Rückenweh gabs auch noch – man ist halt nicht mehr der jüngste. Wobei ich mich um gewisse
    Arbeiten auch nicht unbedingt vordränge! Die kommende Woche gibts viel Freizeit, das Wetter….
    Liebe Grüsse Ernst

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    • Silberdistel sagt:

      Ein Dankeschön für das Lob zu meinem Paradies-Garten. Klingt gut – PARADIES-Garten 🙂 Einiges muss in meinem Garten auch noch warten, aber zum Eingewöhnen war es schon mal ganz gut. Wenigstens sieht es jetzt schon ein wenig aufgeräumt aus. Ja, und der Rücken hat sich natürlich auch gemeldet. Meinst Du wirklich, das ist das Alter? Ich dachte, es käme von der Arbeit. 😉
      Liebe Grüße in Deinen hübschen gelben Blumengarten

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