Amselfamilie mit Hausboot

Veröffentlicht: 7. August 2011 in Alltägliches, Garten, Natur, Tiere, Unterhaltendes
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Eine unserer Töchter hatte eine Zeitlang in unserem Garten ein Paddelboot liegen. Gewöhnlich verbrachte das Boot auf diesem Liegeplatz den Winter. Im Sommer entkam es manchmal unserem Garten und konnte seiner eigentlichen Bestimmung nachgehen, nämlich der, im Wasser zu liegen und mit unserer Tochter die Wasserlandschaft hier zulande zu erkunden.

In einem Frühling vor einigen Jahren aber entdeckte eine Amseldame, dass so ein Boot auch anderen Zwecken dienen könnte. Kurzerhand bemächtigte sie sich des Bootes. Das lag ca. 1,50 m über der Erde auf einem Holzregal und mit der Kielseite nach oben, damit es nicht hineinregnete, von der Höhe her also ideal für ein Amselnest. Auch sonst fand die Amseldame es wie geschaffen für ihren Zweck, Amselkinder großzuziehen, denn ihr neues Domizil hatte sogar ein Dach und neben die Sitzfläche für den Paddler passte genau ein Amselnest .

Da das Paddelboot in jenem Frühjahr wegen einer längeren Schlechtwetterphase noch nicht im Einsatz war, hatte die Amsel genügend Zeit, um sich ihrem Nestbau zu widmen. Bevor wir überhaupt registriert hatten, was da geschah, war das Nest so gut wie fertig. Als ich entdeckte, dass unsere Amsel immer wieder mit Nistmaterial in Richtung Paddelboot flog, brachte ich es nicht mehr übers Herz, ihr diesen schönen Nistplatz auszureden. Ich teilte lediglich der Bootseignerin mit, dass sie die nächsten ca. 4 Wochen keine Bootsfahrten einplanen möge, denn wir hätten das Boot für diesen Zeitraum leider vermieten müssen. Unsere Tochter war sprachlos. Wie konnten wir einfach ihr Boot vermieten? Doch als sie hörte, wer da als Untermieter eingezogen war, stimmte sie zu, zunächst auf Paddelboottouren zu verzichten. Diese Zustimmung war die eine Seite, die andere Seite waren zwei Katzen, die auch auf eine gewisse Art an der Vogelwelt interessiert waren. Nun mochte ich die beiden nicht für ganze 3 bis 4 Wochen einsperren, denn sie waren an ihren täglichen Ausgang gewöhnt.

Also musste eine Art Katzenschutz her. Ich verhängte kurzerhand den Einflug zum Boot mit einem Ranknetz, um den Katzen den Zugang zum Amselhausboot zu versperren. Ich war mir nur nicht sicher, ob auch die Amseln diese Veränderung an ihrem Boot hinnehmen würden. Aber, als wüssten sie, dass der Umbau nur zu ihrem Schutz geschehen war, baute Frau Amsel das Nest zu Ende und begann zu brüten.

Zu Anfang merkten die Katzen nicht einmal, dass dort oben ein Vogelnest war, denn hineinsehen konnten sie nicht und von unten hinaufspringen auch nicht. Die einzige Möglichkeit für sie war, direkt von einer Trennwand zum Nachbarsgarten auf die Kielseite des Bootes zu springen. Aber im Moment war das alles noch nicht akut, zumal die Amseln ja ständige Gäste in unserem Garten waren und Amseln und Katzen sich kannten. Inzwischen hatten unsere Pelzträger es akzeptiert, dass sie nicht jeden Vogel, der in unserem Garten herumflog, fangen konnten. Die Vögel waren im Normalfall schneller. Besonders bei den Amseln hatte man manchmal den Eindruck, als würden sie regelrecht mit den Katzen spielen und ihnen beweisen wollen, dass sie ohnehin schneller wären.

Da Katze und Kater im Regelfall morgens nur kurz, bevor wir zur Arbeit gehen, und abends bzw. am späten Nachmittag, wenn wir wieder zuhause sind, nach draußen dürfen, konnte unsere neue Untermieterin also getrost ihrem Brutgeschäft nachgehen. Zu Zeiten, zu denen die Katzen im Garten unterwegs waren, ließ sich Frau Amsel auch gar nicht sehen. Sie saß auf ihrem Nest und wärmte die Eier, in denen ihre Kinder heranwuchsen. Die Katzen schnupperten zwar manchmal zum Boot hinauf, wenn sie in dessen Nähe waren, kümmerten sich aber nicht weiter darum und Frau Amsel tat klug daran, sich ganz ruhig zu verhalten, während Papa Amsel auf unserem Dachfirst saß und sein Lied sang. So verging die Zeit.

Um nicht den Zeitpunkt zu verpassen, zu dem die kleinen Amseln das Licht der Welt erblicken würden, hatte ich  Literatur gewälzt und heraus gefunden, dass Amseln ca. 2 Wochen brüten. Nach etwa 15 Tagen war dann auch der spannende Moment da. Die kleinen Amselküken waren geschlüpft. Die ersten Tage nach diesem freudigen Ereignis vergingen ohne Zwischenfälle. So wie die Amselkinder kräftiger wurden, wurden es auch ihre Stimmen und sie riefen aufgeregt nach Futter, wenn Mama bzw. Papa Amsel das Nest anflogen. Das blieb nun allerdings auch unseren Katzen nicht verborgen. Sie blieben jetzt oft unterhalb des Amselhausbootes stehen, die Nase emporgereckt, die Ohren aufmerksam nach oben gerichtet. Da oben musste doch etwas sein. Herr Amsel gab den beiden Katzen Recht. Er schimpfte sofort aufgeregt los, sobald er eine Katze sah. Je mehr er schimpfte, umso aufmerksamer wurden natürlich die Katzen. Sie taten zwar manchmal so, als würde sie das alles nicht interessieren, aber das scheinbare Desinteresse täuschte uns Menschen nicht. Wir hielten den Ausgang für die beiden Tiger von Tag zu Tag kürzer, damit Vater Amsel nicht an totalem Stress schon vor dem Ausflug seiner Kinder verstarb.

Fühlten sich die Katzen von uns unbeobachtet, kletterten sie jetzt auch gern einmal von der Trennwand zum Nachbargrundstück aus auf das Boot. Sie konnten zwar vom Kiel oben liegenden Boot aus nichts ausrichten, weil Katzen nun einmal nicht fliegen können, aber sie störten natürlich damit die Vogeleltern, die fleißig ihre Kinder mit Futter versorgen wollten. So musste ich so manches Mal eine Katze vom Boot pflücken und sie wieder ins Haus sperren, damit die kleine Vogelschar ordentlich versorgt werden konnte.

Dann war der Zeitpunkt des Ausflugs der kleinen Amseln herangerückt. Nun galt für die Katzen totales Ausgehverbot. Sie waren zwar beleidigt und bettelten immer wieder um Ausgang, aber es ging nun mal nicht anders. Das mussten sie jetzt aushalten und wir auch.

Am Tag des Ausflugs begannen die Amselkinder schon früh am Morgen mit den Flügeln zu wedeln und am Nestrand hin und her zu springen, bis eines von ihnen den kühnen Sprung hinaus ins feindliche Leben wagte. Mein Gatte war zufällig zuhause und konnte diesen aufregenden Moment miterleben. Natürlich hatte er nichts Eiligeres zu tun, als den Fotoapparat zu holen und den Ausflug der Vogelfamilie zu dokumentieren. Nach und nach sprang der Amselnachwuchs mehr als dass er flog aus dem Nest und verteilte sich in unserem Garten. Einer von ihnen machte sogar eine kleine Stippvisite in unserm Wohnzimmer, weil zufällig die Tür offen stand. Keine Angst, die Katzen waren weit entfernt!

Die Vogeleltern hatten von nun an natürlich alle Schnäbel voll zu tun. Es war wesentlich anstrengender für sie als vorher, denn da saßen alle fünf Amselkinder noch eng beieinander im Nest. Jetzt waren sie überall im Garten verteilt und schrien aus allen Himmelsrichtungen nach den Eltern und um Futter. Einige Tage lang konnten wir die Amselfamilie noch beobachten und uns über ihre Fortschritte freuen. Irgendwann waren sie dann unseren Blicken schließlich doch entschwunden. Eine ganze Weile später bemerkten wir, dass unsere Vogeleltern wieder mit sich selbst beschäftigt waren. Frau Amsel suchte sogar schon wieder nach einem neuen Nistplatz.

Das Hausboot stand nicht mehr zur Verfügung. Das war endlich auf dem Wasser und machte wohlverdienten Urlaub mit unserer Tochter. Wo Frau Amsel ihr nächstes Nest baute, entzog sich unserer Kenntnis. Aber wir konnten beobachten, dass beide Altvögel einige Wochen später wieder mit Schnäbeln voller Würmer durch unseren Garten flogen, um irgendwo die nächste Brut zu versorgen.

Kommentare
  1. kuddels sagt:

    Einfach N U R schön.Tolle Bilder von den jungen Drosseln.Als ich noch einen Garten hatte, habe ich die Drosseln und Amselmann betreut und geschützt, soweit ich es konnte.
    Wie hat die Amsel mit mir geschimpft, wenn ich im Garten z.B. umgegraben habe und er die Würmer sah.Ich habe ihm sie dann hingeworfen, später hat er sie sich geholt von mir. Abstand etwa so 80 cm.
    Jo, wie hatten ein wunderbares Verhältnis und es war eine schöne Zeit.

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, unsere Amseln sind auch immer fleißig dabei, wenn im Garten umgegraben wird. Da halten sie auch nur ganz geringen Abstand, so als wüssten sie, dass man ihnen nichts tut. Aber wahrscheinlich wissen sie es wirklich.
      Das war in dem Jahr, als die Amseln in dem Boot brüteten, auch eine schöne Zeit. Hat richtig Spaß gemacht, das miterleben zu können vom Nestbau bis zum Ausflug der kleinen Amseln.

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  2. […] an, ließen dennoch der Familie Amsel den gewählten Nistplatz. Hier der Beweis – “Amseln im Hausboot”.  Also, was Silberdistels für eine Amselfamilie taten, könnten Kranführer doch ebenso für eine […]

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  3. […] ihres Nestes. Sie liebt es abwechslungsreich und baut mal hier, mal dort, gern auch einmal in einem Boot, wenn es zufällig vorhanden ist. Man gönnt sich ja sonst nichts. Hier wird alljährlich neu […]

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