Arschkalt

Veröffentlicht: 27. Juli 2011 in Alltägliches, Unterhaltendes
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So geschehen: Gestern zur Mittagszeit!

Mittagspause! Gerade eben habe ich mir ein Stück Kuchen bei meinem Lieblingsbäcker gekauft, weil ich heute irgendwie vergessen habe, das Paket mit meinem Mittagessen mit zur Arbeit zu nehmen. Guter Grund, sich  wieder einmal mit einem leckeren Stück Kuchen zu verwöhnen. Kann ich mir nicht oft leisten. Ich bin kalorienbewusst (blödes Wort und meistens auch nicht hilfreich). Naja, jedenfalls wäre ich gern kalorienbewusst. Aber lassen wir das!

Ich bin gerade auf dem Weg zurück zu meinem Arbeitsplatz, als ich hinter mir eine penetrant laute Stimme sagen hören: „Mir ist auch immer arschkalt!“ Ich schaue erschrocken über meine linke Schulter und sehe eine Frau und einen etwa 10 Jahre alten Jungen schräg hinter mir gehen. Der Junge sagt mit einer um etliche Dezibel weniger lauten Stimme: „Eiskalt, da stand eiskalt!“ Die Frau erneut mit gewaltiger Stimmstärke: „Arschkalt, arschkalt stand da.“ Der Junge kontert: „Nein, eiskalt!“ Die Frau nun noch einmal unüberhörbar laut, ich zucke fast zusammen: „Aaaaarschkalt! Da stand Aaaarschkalt! Wenn wir zurückgehen, lesen wir beide noch mal zusammen. Du wirst sehen, da steht aaaaarschkalt!“ Dann wiederholt sie noch mehrmals in beeindruckender Lautstärke: „Aaaaaarschkalt, aaaaarschkalt, wirklich aaaarschkalt!“, öffnet die Tür einer Bankfiliale, die hier nicht weiter genannt sein will, und verschwindet darin mit dem Jungen. Ich sehe nach dem Türplopp noch einmal durch die Glasscheiben den offenen Mund der Frau und weiß genau, was sie gerade noch einmal wiederholt. Hoffentlich ist es in der Bankfiliale nicht so kalt, dass man diesen Aufschrei dort als Kritik auffasst.

Ich bin ohne Zweifel tief beeindruckt, wie ehrgeizig diese Frau daran arbeitet, ihrem Kind die Eigenarten der deutschen Sprache beizubringen. Hätte ich jetzt einen Hut auf, würde ich ihn abnehmen – vor lauter Ehrfurcht.

Mein Gatte und ich hatten uns vor vielen Jahren, als unsere Kinder noch klein und niedlich waren, einmal ganz verschämt angeschaut, als unser Sohn zu Papas Tun einen Kommentar abgab. Mein Gatte war gerade damit beschäftigt, etwas zu reparieren. Er schlug mit einem Hammer auf, ich weiß nicht mehr, was es war, ein und traf nicht das, was er treffen wollte, sondern seinen Daumen. Er stöhnte vor Schmerz auf und verkniff sich im letzten Moment ein schlimmes Schimpfwort. Unser kleiner Sohn, der daneben stand und Papa bei seiner Arbeit zusah, sagte mitfühlend: „Scheiße, Papa?“ Papa und ich schauten uns an und mussten losprusten. Mein Gatte sagte dann ernst zum Sohnemann: „Scheiße, ja. Aber eigentlich sagt man das nicht.“

Wir fühlten uns ertappt, weil uns doch dieses Sch-Wort irgendwann einmal herausgerutscht sein musste. Eigentlich sollten unsere Kinder solche Worte nicht von uns lernen. Wir dachten, das käme noch früh genug von anderer Seite. Aber, wie ich heute gelernt habe, ist das wohl Ansichtssache. Manche sind geradezu erpicht darauf, diese Worte an ihre Nachkommenschaft weiterzugeben.

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