Meine Bibliothek – ein Refugium, ein Biotop, was auch immer … die Maus

Veröffentlicht: 22. Juni 2011 in Alltägliches, Bibliothek, Insekten, Natur, Sonderbares, Tiere, Unsinniges, Unterhaltendes
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Schon öfter haben sich um unser Gebäude herum, am und im Bibliotheksgebäude Tiere ein neues Zuhause gesucht. Im Winter ist es mir beispielsweise eine Selbstverständlichkeit, ein kleines Futterhaus an das Fenster meines Arbeitszimmers zu hängen und meinen Arbeitsalltag damit zu verschönern, dass ich den Vögeln, die da draußen in Winters Kälte nach einem Körnchen Wahr… äh … Futter Ausschau halten, ab und zu einen Blick zuwerfe, denn sie nehmen mein Futterangebot rege wahr. Wenn die Augen von der vielen Arbeit am PC schon langsam zu tränen beginnen, tut man ihnen durchaus etwas Gutes, wenn man mal zwecks Entspannung der Augenmuskulatur in die Ferne blickt oder eben auf ein Futterhaus, in dem doch öfter mal ein Vögelchen sitzt und sich mit nahrhaften Körner den Magen füllt. Zu Anfang des Futterhausdaseins waren die Futtergäste noch nicht so zutraulich oder abgehärtet (?), wenn sie mich durch das Fenster zu Gesicht bekamen. Inzwischen haben sie sich an meinen Anblick gewöhnt und picken munter weiter ihre Körnchen, auch wenn ich im Zimmer und am Fenster umherlaufe. Diese Futterhausidee ist allerdings nicht auf meinem M… gewachsen. Eine ehemalige Kollegin, die inzwischen schon lange ihren Ruhestand genießt, und mit der ich mein Arbeitszimmer teilte, kam eines Winters mit so einem Futterhaus daher und hängte es an das Fenster neben ihrem Arbeitsplatz. Da ich nun mal ab und zu auch arbeiten musste, kam ich ja nur in den halben Genuss dieser neuen Arbeitsplatzverschönerung, denn ich konnte ja nicht andauernd am Fenster meiner Kollegin stehen und den Vögeln zuschauen. Es dauerte nicht mal einen Winter lang und schon hing auch an meinem Fenster so ein hübsches Futterhäuschen. So entdeckten wir beide, meine Kollegin und ich, ganz nebenbei, wie artenreich die Vogelwelt rund um unsere Bibliothek ist.

Aber nicht nur Vögel besuchen Futterhäuser. Auch das lernten wir. In einem recht strengen Winter, kamen auch andere Gäste ins Häuschen. Da unser Gebäude mit Efeu und wildem Wein bewachsen ist, gibt es also auch gute Versteck- und Klettermöglichkeiten für anderes Getier. Wie ich schon an anderer Stelle berichtete, fühlen sich auch Spinnen in unserer Bibliothek manchmal heimisch. Sicher kann man es ihnen nicht verübeln, wenn sie sich, wenn langsam die kalte und auch für Spinnen ungemütliche Jahreszeit hereinbricht, ins gemütliche Innere der Bibliothek hineinschleichen. … und gute Versteckmöglichkeiten gibt es in so einer Bibliothek ja allemal. Aber das wollte ich gar nicht erzählen.

Eines Tages also rief unsere damalige Chefin laut über den Flur: „Kommt mal alle her! Aber schnell bitte!“ Wir schauten uns an, einer den anderen und kramten in unserem Gedächtnis, was wir uns wohl hatten zu Schulden kommen lassen, dass wir zur Chefin mussten und dann auch noch schnell. Ich äugte vorsichtig um Chefins Tür und sah unsere Herrin und Gebieterin vor ihrem Fenster stehen und verzückt nach draußen schauen. Sie blickte sich um zu uns und sagte nun im Flüsterton: „Kommt mal ganz vorsichtig her. Das müsst Ihr Euch ansehen.“ Wir kamen und sahen. Unsere Chefin hatte es nämlich dem gemeinen Volk nachgetan und auch ein Futterhaus aufgehängt. Aber an diesem Chefinnenfutterhaus saß kein Vogel, nein dort saß eine Maus ganz gemütlich auf ihren zwei Hinterbeinen, hielt zwischen den Vorderpfoten einen Sonnenblumenkern, putzte ihn munter weg und griff nach dem nächsten. Irgendwie sah es putzig aus. Wir starrten alle voller Faszination auf die Maus und konnten es gar nicht fassen, was die Chefin für seltsame Vögel in ihrem Futterhaus hatte. Nun ja, der Chefin steht halt was Besseres zu. … oder sind Vögel nicht doch besser? Egal, wem was und wie. Jedenfalls entdeckte die Maus plötzlich, dass sie beobachtet wurde und machte sich aus dem Staube, so schnell, dass wir sprachlos dastanden. Sie ließ sich einfach aus dem Futterhaus fallen, klatschte auf das etwa einen Meter tiefer liegende Fensterbrett und entschwand dann irgendwie unseren Blicken. Alle waren der Meinung, die Maus liegt nun tot, oder zumindest schwer verletzt, vor dem Fenster im kalten Schnee. Aber nichts da, die Maus war fort, denn es fand sich natürlich sofort eine Kollegin, die hinaus ging und nach der verletzten Maus suchte. Nun weiß ich allerdings nicht, was besagte Kollegin getan hätte, wenn da wirklich eine Maus mit gebrochenem Oberschenkel gelegen hätte.

Am anderen Tag brachten mehrere Kolleginnen einen Fotoapparat mit, um „unsere“ Maus, nein, nein, sie gehörte nicht nur der Chefin, zu fotografieren, falls sie uns noch einmal mit ihrer Anwesenheit beehren sollte. Aber die Maus muss so schockiert gewesen sein vom Anblick all dieser offenen Münder, dass sie es vorzog, während der Arbeitszeit nicht mehr am Futtertrog vorbeizuschauen. Wochenlang noch schleppten wir unsere Fotoapparate mit herum. Die Maus jedoch … kam nicht mehr.

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