Blick von der Osterburg

Ich decke draußen auf dem Balkon den Frühstückstisch, hole noch etwas aus der Küche, komme wieder auf den Balkon und … es tröpfelt vom Himmel.

Während ich den Himmel betrachte und darüber nachdenke, ob ich nun die Markise ausfahre oder alles wieder ins Zimmer zurücktrage, hört die Tröpfelei schon wieder auf. Also können wir doch draußen frühstücken.

Nach dem Frühstück müssen wir heute noch neue Verpflegung für den Rest der Woche ranschaffen. So starten wir dann erst einmal eine Einkaufstour. Während wir unterwegs sind, regnet es immer wieder, so dass wir den heutigen Tag als Wandertag schon im wahrsten Sinne des Wortes völlig ins Wasser fallen sehen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Doch dann klärt sich der Himmel langsam auf. Der Regen lässt nach, und wir überlegen, was wir uns für heute vornehmen können. Als wir in der vorigen Woche auf dem Kreuzberg waren, fiel unser Blick beim Rückweg zu unserem Auto auf die in der Ferne liegende Ruine der Osterburg. Auf dem Parkplatz, auf dem wir unser Auto zurückgelassen hatten, gibt es ein Schild, durch das man einiges über die Burg und ihre Geschichte erfahren kann. Das hatte vor einer Woche schon unser Interesse geweckt. Da die Ruine ganz in der Nähe des besagten Parkplatzes liegt, wäre das ohnehin nur eine Miniwandertour, wie geschaffen für den heutigen Tag, wo man nie weiß, regnet es sich jetzt ein oder scheint gleich wieder die Sonne.

Also auf ins Auto! Wir fahren in Richtung Kreuzberg und lassen unser Gefährt auf dem schon bekannten Parkplatz stehen. Das Wetter sieht momentan ganz ordentlich aus. Die Sonne scheint zwar nicht, aber es regnet auch nicht. Die Fernsicht ist erstaunlich gut. Vielleicht hat man ja einen guten Blick von dort oben, wo die Burgruine steht.

Wir erwägen kurz, ob wir eventuell vorher zum Kreuzberg hinauf wandern, weil wir bisher noch kein Mittagessen hatten, essen dann aber gegen den kleinen Hunger jeder etwas aus meinem Wanderrucksack und wandern in Richtung „Osterburg“ davon. Wir nehmen nicht den langen Weg, der gleich am Parkplatz in den Wald und dann ganz furchtbar steil bergab führt und anschließend wieder ebenso steil bergauf. Wahrscheinlich hat man sich das als Wandertrainingsstrecke für Touristen ausgedacht, denn einen echten Sinn kann ich in dieser Wegführung nicht entdecken.

Wir entscheiden uns für einen Weg gleich neben der Straße, der uns fast direkt zur Burgruine führt. Nach vielleicht 200 bis 300 Metern überqueren wir die Straße. Dann geht es in den Wald hinein und ein wenig bergauf. Nach wenigen Minuten haben wir die Osterburg bzw. den Platz, wo sie mal stand, erreicht. Man nimmt an, dass die Burg etwa 1160 entstand zur Sicherung der Salzforste des Würzburger Bistums. Nach 1259 verschwand die Osterburg plötzlich seltsamerweise für mehrere Jahrhunderte ganz aus der Geschichtsschreibung. Im Laufe der Zeit soll sie mehrmals zerstört worden sein, z. T. wurde sie auch als Steinbruch für andere Bauten verwendet. Erst in den Jahren 1897 bis 1912 grub der Forstmeister Max Fuchs die Burgreste wieder aus und begann sie zu sanieren. Bald darauf eroberte der Wald die Burg erneut zurück. Erst 2006 begann man wieder, das, was noch übrig war, freizulegen. Heute kümmert sich der Förderverein „Freunde der Osterburg e.V.“ um die bauliche Sanierung, Pflege und Erschließung und zwar in enger Abstimmung mit dem „Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege“.

Das gesamt Gelände der Burgruine hat man in höchstens 30 Minuten erkundet. Man hat einen schönen Blick auf die umliegenden Berge, z.B. auch auf den Kreuzberg. Die Vegetation ist wildromantisch. Dort wachsen die verschiedensten Wärme liebenden Pflanzen. Überall summt es, weil sich in der Wärme der Burgmauern auch zahlreiche Insekten wohlfühlen. Ich entdecke Wiesenhummeln, Steinhummeln, Erdhummeln, zahlreiche Käfer, Ameisen und vieles andere, was summt und brummt. Die ganze Ruine erweckt den Eindruck einer wundervollen Idylle. Ich sehe überall Blumen, die ich gern fotografieren würde. Auf der anderen Seite mag ich auch nicht alles hemmungslos niedertreten, was dort wächst und gedeiht. Darum schaue ich vieles nur aus der Ferne ehrfurchtsvoll an. Mit diversen Fotopausen haben wir das Gelände bald rundherum erforscht und sind wieder am Ausgangspunkt angelangt. … und da beginnt es auch schon wieder zu tröpfeln. Wir gehen etwas schneller zurück als geplant. Unterwegs holen wir dann doch unsere Regenjacken hervor und ziehen sie vorsichtshalber über. Das ist auch gut so, denn es beginnt plötzlich, richtig zu regnen. Zum Glück ist unser Auto schon in Sichtweite. Als wir im Trockenen sitzen, beginnt es regelrecht zu schütten.

Langsam fahren wir bergab und peilen wieder einmal das „Haus am Roten Moor“ für eine Kaffeepause an. Das wird für heute reichen, denn wir sind bei unserer Vermieterin zum Abendessen eingeladen.

In der Gaststätte ist heute ausreichend Platz. Als wir uns Kuchen und Kaffee widmen, beginnt es auch am „Moordorf“ zu regnen.

Als wir wieder aufbrechen, nieselt es noch ein wenig. Es lohnt nicht, jetzt noch etwas, was mit Tätigkeiten unter freiem Himmel zu tun hat, zu unternehmen. So machen wir uns auf den Weg in unsere Ferienwohnung. Unterwegs kommen wir an dem kleinen Ort Ehrenberg vorbei. Das Schild am Straßenrand, das auf eine Töpferei aufmerksam macht, lässt uns kurzentschlossen handeln. Wir biegen links ab und fahren zur Töpferei. Dort haben wir schon öfter hübsche Geschenke für Familie und Freunde gekauft. Auch dieses Jahr suchen wir noch ein Mitbringsel. Vielleicht werden wir auch dieses Mal fündig.

Als wir in die Werkstatt kommen, sind wir erst einmal allein. Wir warten und schauen uns dabei natürlich schon mal um. Ich entdecke einen hübschen Krug, den ich durchaus mitnehmen würde, wenn denn der Künstler käme. Wir räuspern uns laut und rufen: „Hallo?“ Niemand erhört uns. Von irgendwo ganz hinten dringen leise Geräusche zu uns, die irgendwann dann auch langsam näher kommen. … und da steht er, der sehnlichst Herbeigewünschte, und sagt: „Ich hab‘ Sie gar nicht kommen hören.“ Ich antworte ihm: „Wir haben schon mal alles, was uns gefällt, weggetragen.“  Er lächelt und zeigt uns, dass wir hätten klingeln können und macht das Licht im Raum an, damit wir die tönernen Kunstwerke besser sehen können.

Wir schauen uns nun noch einmal bei Lichte um, finden zwei (ja ZWEI) hübsche Krüge, „und eine Teekanne hätte ich noch gern“ und schaue den Künstler fragend an, denn im Verkaufs- und Ausstellungsraum kann ich keine entdecken. Wie es der Zufall will, stehen gerade frisch gebrannte Teekannen, die eben aus dem Brennofen gekommen sind, in der Werkstatt. Wir dürfen mit in das Heiligtum und uns eine Teekanne aussuchen. Wir sind zufrieden und glücklich, zahlen unsere Zeche, verabschieden uns bis zum nächsten Jahr und ziehen von dannen.

So, auch das mit den Mitbringseln ist erledigt. Nun können wir uns auf das Abendessen freuen, zu dem wir für heute eingeladen sind.

Falls sich jemand dafür interessiert, in welcher Töpferei wir waren, der kann sie unter Tonhaus finden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s