Wie ich schon an anderer Stelle erwähnt habe, hält die Mehrzahl der Weltbevölkerung  Bibliothekare für eine seltsame Spezies. Man bringt sie auch immer wieder mit Katzen in Verbindung. Seltsamerweise gibt es in Bibliotheken auch tatsächlich hier und da eine Bibliothekskatze (ja KATZE, nicht mit der Bibliotheksmieze zu verwechseln). Unlängst habe ich ein Buch über einen Kater namens Dewey gelesen, geschrieben, von …einer Bibliothekarin (Vicky Miron). Und dieser Kater nun war eine Bibliothekskatze, oder richtiger, ein Bibliothekskater. Er lebte in einer Stadtbibliothek im Staate Iowa in den USA und wurde in dieser, Vicky Mirons,  Bibliothek alt und weise. Buch von Vicky Miron - Buchclubausgabe, 2008
Als ich das Buch las, fiel mir wieder ein, dass es fast auch in meiner Bibliothek einmal einen Bibliothekskater gegeben hätte. Das Projekt Katze scheiterte dummerweise daran, dass die Kollegin, die das Katerchen zum Bibliothekskater machen wollte, die Bedingungen nicht erfüllen wollte, die mit dem Projekt verbunden gewesen wären. Sie hätte, wenn sie irgendwann bei uns aufgehört hätte zu arbeiten, den Kater adoptieren müssen, sprich: er hätte bei ihr zuhause einziehen müssen. Zwar wollte sie mir, die ich als Katzenpersonal bekannt war, einreden, dass der kleine schwarze Kater der ideale Spielgefährte für mich bzw. die beiden Katzen, bei denen ich leben darf, wäre. Ich musste das Angebot, auch wenn es mir durchaus verlockend erschien, ausschlagen. Das konnte ich Katze und Kater zuhause nicht antun. Sie würden keine dritte Katze in ihrem Haushalt dulden. So scheiterte also dieses durchaus ernsthaft in Erwägung gezogene Projekt. Ich war schuld – logisch, wer sonst. Wäre ich nicht so störrisch gewesen, hätten wir ohne Frage die wundervollsten Stunden des Tages in der Bibliothek verbringen können, weil uns, gleich Musik, ein ständiges und sanftes Schnurren bei der  Arbeit begleitet hätte. So scheitern halt manchmal die schönsten Projekte an uneinsichtigen Mitarbeitern.

Andererseits, wenn ich so darüber nachdenke, hätte so ein vierbeiniges Bibliothekspersonal sicher hin und wieder auch Probleme verursacht, weil einem Nutzer der Erstickungstod wegen einer Katzenhaarallergie drohte. … oder ein anderer Kunde würde schwer verletzt werden, weil es eine Meinungsverschiedenheit zwischen Bibliotheksnutzer und vierbeinigem Personal gab. Immerhin mag es auch sein, dass sich jemand vor Katzen fürchtet und wir somit wertvolle Kundschaft verloren hätten. Vielleicht hätten wir sogar den Notarzt rufen müssen wegen des erlittenen Schocks eines Kunden. … oder man hätte uns nachsagen können, dass unsere Bibliotheksluft nicht nur staubig, sondern mit unangenehmem Katzenduft vermischt wäre, weil Katzen bzw. Kater  unter Umständen etwas streng riechen. Hier muss ich allerdings Einspruch einlegen, denn Katzen können sehr gut riechen und sehen. Aber da stünde Aussage gegen Aussage. … und wer was Unangenehmes riechen will, der riecht auch was Unangenehmes – ohne jede Frage. Das nennt man dann Starrsinn.
Ja, und dann gibt es auch Katzen, die den angeblich bösen Blick haben. Manchmal schauen sie uns Menschen wirklich sehr streng an – zum Fürchten streng. Das muss sogar ich zugeben, eine äh … anerkannte … Katzenexperin (oder heißt das ’selbsternannte‘ (???). Für  furchtsame Bibliotheksnutzer könnte das mit dem bösen Blick natürlich fatal sein. Der eine oder andere Kunde könnte sich dadurch von seinem nächsten Gang in unsere Bibliothek abhalten lassen und zur Konkurrenz überlaufen. Das wäre wiederum nicht so gut für das Image unserer Bibliothek.

Einer von beiden hätte Bibliothekskater werden sollen

Chance für Bibliotheksdienst verpasst

Hoppla,  mich schaut gerade auch eine Katze so hypnotisierend an. Was hab ich falsch gemacht? Mein Gott … dieser Blick! Ach so, es ist Futterzeit (nein, sie will nicht mich fressen, ich soll ihr was Leckeres zubereiten, aber nicht wie in der Werbung – ohne Petersilie bitte!) Ich hatte mir doch nun wirklich schon eingebildet, dass ich irgendwas … Na lassen wir das. Eigentlich wollte ich das hier alles gar nicht erzählen. Im Grunde wollte ich nur kurz einwerfen, dass auch ich schon von Kindesbeinen an irgendwie und unaufhaltsam darauf zusteuerte, mein Leben als Bibliothekarin verbringen zu müssen. Nein, das hing nicht nur mit den Büchern, die mich überall hin verfolgten, zusammen … offensichtlich auch mit Katzen. Ich teile schon erstaunlich viele Jahre mein Leben mit Katzen (das mit dem „Leben teilen“ – dieser Satztorso ist nicht von mir – Loriot hat sowas mal gesagt; allerdings teilte er sein Leben mit Hunden; ich wollte das nur erwähnt haben, dass das nicht von mir ist, nicht, dass da einer sagt, ich hätte diese Worte einem anderen  geklaut … und das wäre nicht rechtens).

Was wollte ich noch gleich erzählen? Ach ja, dass man immer wieder auf Bibliothekare trifft, die in irgendeinem Verhältnis zu Katzen stehen.  Da gibt es durchaus auch die eine oder andere Geschichte, die ich mit Katzen erlebt habe, wobei wir wieder bei der Beziehung von Bibliothekaren und Katzen zueinander wären.

In meinem Leben gab es bisher fünf Katzen. … und die eine oder andere namenlose Katze hat meine Kindheit und Jugend bereichert – bei meinen Großeltern auf dem Lande, bei denen ich Jahr für Jahr meine Sommerferien vom ersten bis zum letzten Tag verbrachte. Traurig darüber, wenn sich die wundervolle Ferienzeit unaufhaltsam ihrem Ende näherte, und ich mich wieder einmal für ein ganzes Jahr lang von Katzen, Hunden, Hühnern, Enten, Ziegen, Schafen, Pferden und all dem, was dieses herrliche Landleben ausmachte, verabschieden musste.

Zugegebenermaßen gibt es natürlich  nicht nur Bibliothekare und Katzen. Im Leben vieler berühmter und bekannter Personen spielten Katzen eine wichtige Rolle. Helga Dudman hat sogar ein Buch über solche Katzen-Mensch-Beziehungen geschrieben – „Chaplins Katze, Clintons Kater und viele andere verkannte Miezen“.

… und hier noch ein P.S., falls sich auch der eine oder andere Hundeliebhaber hierher verirrt haben sollte. Frau Dudman hat auch ein Buch über berühmte und berüchtigte Hunde geschrieben à la oben genanntem Katzenbuch mit dem Titel „Schopenhauers Pudel, Hitchcocks Terrier und 67 andere verkannte Hunde“.

Ach ja, … und noch was … was wäre aus meiner derzeitigen Kollegin geworden, wenn ein Kater unsere Bibliothek sein Eigen genannt hätte? Besagte Kollegin leidet an einer Katzenhaarallergie. … hätte etwa der Kater gehen müssen? … wobei … sie leidet auch an einer Spinnenphobie – nur … Spinnen kann man nicht so einfach vor die Tür setzten (es sei denn, man hat eine beherzte Kollegin ohne Spinnenphobie), denn … wo Bücherstaub, sind oft auch Spinnen …  Sie gehören einfach zu einem ordentlichen Bibliotheksambiente – sicher mehr in den hintersten Ecken dunkler Magazinräume als im Visier des Kunden. Aber das Bibliothekspersonal muss hin und wieder auch Bücher aus den dunkelsten und hintersten Ecken hervorgraben, nämlich von dort, wo die freundlichen Kellerspinnen leben.

Kommentare
  1. […] früherer Stelle hatte ich schon einmal berichtet, dass auch an mir der Versuch scheiterte, einem Bibliothekskätzchen in unserer Bibliothek ein neues Heim zu geben. Aus eben diesem Wurf stammt auch der kleine […]

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