Wenn es um Wind geht, untertreiben wir Nordlichter es ja gern einmal. An der Küste geht es höchst selten ganz windstill zu. So empfinden wir das, was andere bereits als stürmisch betrachten würden, höchsten als büschen windiger als sonst. Las ich nicht unlängst, für uns Küstenbewohner gilt, dass Sturm erst dann ist, wenn die Schafe keine Locken mehr haben?

01-Dsc_0037Am vergangenen Sonntag waren einige von uns Silberdistels wieder einmal gemeinsam mit anderen Hinterbliebenen Seebestatteter zu einer Gedenkfahrt mit dem Schiff vom Wismarer Hafen aus zum Urnenfeld vor der Insel Poel unterwegs. Alljährlich zum Volkstrauertag und zum Totensonntag werden den Angehörigen und Freunden solche Fahrten zum Platz der letzten Ruhestätte ihrer Lieben angeboten. Für uns war es bereits die fünfte Reise zu dem Ort, an dem mein Vater einst vom Meer in Empfang genommen wurde. Bisher waren es dem Anlass entsprechend immer recht besinnliche und ruhige Fahrten gewesen. Vom Wetter her haben wir schon fast alle Witterungsvarianten erlebt – von strahlendem Sonnenschein mit silbern glitzerndem Wasser über herrliches Abendrot mit golden leuchtender See bis hin zu einem still vor sich hin weinenden Himmel mit einem in trauriges Grau gekleideten Meer.

Als wir uns dieses Mal auf die Reise zu unseren lieben Verstorbenen machten, formten sich am Himmel in rascher Folge die spannendsten Wolkenbilder. Dann wieder zauberte die Sonne ein betörendes Lächeln an einen strahlend blauen Himmel. Das alles ging in rascher Folge hin und her. Auch so mancher Regenguss fehlte an diesem Tag nicht.

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Der Wettergott durchschritt offensichtlich gerade ein Wechselbad der Gefühle. Und diese Gefühle machten sich auch noch ordentlich Luft. Das büschen Wind, denn mehr war es für uns im ersten Moment nicht, mit dem wir den Wismarer Hafen in Richtung Insel Poel verließen, entwickelte sich bald zu einem recht lungenstarken Burschen.

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Der windige Geselle wurde stürmischer und stürmischer. Die Schafe hätten wohl wirklich um ihre Locken im Pelz fürchten müssen, wären sie mit uns auf See gewesen. Je mehr wir uns dem Urnenfeld näherten, umso mehr spürten wir die recht bewegte See. Die Wellen platschten spritzend gegen den Schiffsbug und donnerten dann brausend gegen die vorderen Scheiben des Fahrgastraumes. Welch imposantes Bild! Die Fahrt war bereits bis dahin schon fast ein kleines Abenteuer.

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Inzwischen sind wir vor der Insel Poel angekommen – wir erleben ein tiefblaues Meer

Nach einer knappen Stunde hatten wir das Urnenfeld erreicht. Doch dieses Mal war alles etwas anders. Der Käpt’n forderte die wenigen, die sich bis dahin auf dem Oberdeck den kalten und stürmischen Wind um die Ohren wehen ließen, dazu auf, sich aus Sicherheitsgründen wieder unter Deck zu begeben. Unser Schiff würde gleich wenden. Wegen des Sturms wäre es leider dieses Mal nicht möglich, das Urnenfeld, wie es sonst jeweils üblich war, für einige Minuten zu umkreisen. Wir sollten uns auf unsere Plätze begeben und uns gut festhalten. Das Schiff würde bei der Wende seitlich von den Wellen getroffen werden und so dem Seegang entsprechend hart ausgeliefert sein.

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Wenig später erfahren wir dann live, was die See alles kann, wenn sie aufgebracht ist. Mir entgleitet bei der Kehrtwendung unseres Schiffes fast meine Knipse, so schräg liegt die „Mecklenburg“ plötzlich in der tosenden Ostsee. Und dann klirrt und scheppert es heftig um uns und an Bord geht einiges an Gläsern und Geschirr zu Bruch.
Als wir uns von unserem Schreck erholt haben und das Schiff wieder vergleichsweise ruhig im Wasser liegt, dürfen wir dennoch dem Meer die Blumengrüße für unsere verstorbenen Angehörigen übergeben. Dieses Mal sind es mehr stürmische denn andächtige Grüße. Unsere Blumen werden uns regelrecht aus der Hand gerissen und fast gierig von der See verschlungen.

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Stilles Gedenken ist, wie wir alle wissen, doch ein wenig anders. Aber andererseits wäre unser Vater sicher stolz auf uns, hatten wir uns doch trotz der widrigen Wetterverhältnisse zu ihm auf den Weg gemacht.

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Ich sah ihn regelrecht vor mir, wie er uns grinsend zuzwinkerte und sagte, er habe das Wetter so bestellt. Er wollte einmal sehen, wie seefest seine Familie ist.

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Wir sind bereits wieder auf den Rückweg – vor uns liegt das Panorama der alten Hansestadt Wismar

Ob unser Vater deshalb eine Seebestattung wollte, weil er wusste, dass jeder Besuch bei ihm für uns ein kleines unvergessliches Abenteuer werden könnte?

Übrigens waren scheinbar alle Mitfahrer seefest. Jedenfalls konnte ich nichts Gegenteiliges beobachten. Sogar meine Mutter, die ich schon recht seekrank erlebt habe, hat unsere Sturmfahrt gut überstanden. Hinterher meinte sie nur, es wäre dieses Mal ja recht windig gewesen. Ob man mit zunehmendem Alter einfach seefester wird? Oder wollten wir uns nur nicht vor unseren Lieben dort im Meer blamieren?

Trotz oder vielleicht gerade wegen des Sturms war es eine schöne Fahrt, wenn auch nicht so andächtig wie sonst. Auf jeden Fall wird uns diese Reise wohl immer im Gedächtnis bleiben und mit ihr auch derjenige von uns, der dort im Meer sein letztes Zuhause hat. Das Meer hat uns für die diesjährige aufregende Schaukelei aber reich entschädigt. Es zeigte sich uns in vielen wundervollen Farbschattierungen – von hellem bis zu dunklem Grün, zwischendurch mit silbrigem Glanz und dann wieder in herrlichem Himmelblau und schließlich  in einem fantastisch tief dunklen Meeresblau. Und natürlich fehlte höchst selten das für diesen Tag so bezeichnende weiße Spitzenhäubchen auf den Wellen.

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Es wurde wieder einmal Zeit, unsere Schränke von Sommer auf Winter umzuräumen. Und da ich eh schon am Räumen war, nahm ich die Gelegenheit gleich wahr, um Schränke und Schubladen generell ein wenig auszumisten. Am Ende stand ein ganz ansehnlicher Sack mit Altkleidungsstücken & Co. vor mir.
Kaum hatte ich das gut gefüllte Teil bis zum Abtransport in die Ecke gestellt, war es auch schon besetzt – mit etwas Pelzigem.
Sollten die eben ausgesonderten Klamotten nun etwa doch in unserem Haushalt noch eine neue Bestimmung gefunden haben?

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Es schaut fast so aus. Prinz Keks im edlen Tigerlook hat endlich seinen ihm zustehenden Thron gefunden. Schließlich ist unser Keks so blaublütig wie der Müll-Thron, den er seit gestern besetzt hält. Okay, der Thron ist ohne Blüten, aber blau ist er schon.

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„Was? Müll-Thron? Silberdistel, da musst Du etwas verwechseln. Dieser Thron ist angenehm weich und von müllig weit entfernt. Er ist sowas von gemütlich. Die graue Eminenz und Torty werden vor Neid erblassen, wenn sie mich hier so königlich sitzen sehen. Und guck mal, wie schön er glänzt. Wenn das nicht königlich ist, dann weiß ich auch nicht.“

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„Was? Ich soll hier runter, weil Du meinen Thron wegbringen willst, Silberdistel?“

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„Nein, ich bleib hier sitzen. Da kannst Du Dich auf den Kopf und wieder auf die Füße stellen, Silberdistel. Ich geh hier nicht weg.“

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„So, und jetzt stör‘ mich nicht weiter, Silberdistel. Ich will meinen Thron genießen. Und denk nicht, Du kannst mich überlisten und mein neues Ruhemöbel heimlich wegschaffen. Der Thron bleibt hier! Und wenn Du mich schön bittest, darfst Du vielleicht später auch einmal ein kurzes Probesitzen drauf machen. Aber wirklich nur kurz.“

… war der 4. August im Sommer dieses Jahres für die kleine und die etwas größere Silberdistel. Wir beiden Mädchen – Enkelin und Oma – waren an jenem Freitag nämlich wieder einmal im Rostocker Zoo unterwegs.
Der Zoobesuch ein Jahr zuvor, als unsere Enkelin das erste Mal ohne Mama und Papa bei uns einen Teil ihrer Ferien verbrachte, muss ihr wohl gefallen haben, denn der Vorschlag auf einen erneuten Besuch kam von unserem silberdisteligen Ableger.
Aber auch mir macht ein Zoobesuch immer wieder Spaß. Wie bereits 2016 begannen wir unseren Rundgang wieder im „Darwineum“.
Wer mag, kann sich mit dem kleinen Film, den ich mir bei YouTube ausgeliehen habe, auf unseren Besuch und die Bilder, die ich im August eingefangen habe, ein wenig einstimmen.

So, dann wollen wir uns mal gemeinsam auf den Weg machen. Das „Darwineum“ wartet auf uns.
Und es hatte, wir waren noch nicht einmal ganz dort, schon eine Überraschung für uns parat. Bisher dachte ich, diese riesigen elefantenähnlichen Tiere, die Mammute, gelten als ausgestorben.

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Wie man sich doch irren kann. Plötzlich nämlich stand doch tatsächlich ein solches Mammut vor uns. Einfach so, am Wegesrand. Ein wenig erschrocken waren wir da schon. Aber es tat uns nichts, schaute uns nur mit kleinen aufmerksamen Augen an.  Es hatte sicher Mitleid mit uns beiden schreckhaften Mädels, und so blieb es ganz bewegungslos dort stehen, wo es gerade stand. Wir nutzten die Gelegenheit und schlichen auf leisen Sohlen davon – Richtung „Darwineum“.

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Und dort ging es schon vor dem Eingang mit uraltem Getier weiter – mit Galàpagos-Riesenschildkröten. Warum an ihrem Gehege wohl ein Schild angebracht war, auf dem stand, dass man sie nicht füttern solle? Sie könnten beißen. Andererseits konnte man lesen, dass sie reine Pflanzenfresser seien. Ob sie einen menschlichen Finger mit einem dicken Grashalm verwechseln würden?

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Nun ja, uralt und so ganz ohne Brille kann das vielleicht doch schnell mal passieren. Da sollte man die Finger lieber doch von so einer Riesenschildkröte lassen.
Die Riesen mit dem dicken Panzer fühlten sich übrigens nicht nur in der Wärme ihrer großen Halle im „Darwineum“ sehr wohl, ihnen schien auch ihr grünes Freigehege mit Pool und schattigen Felshöhlen zu gefallen.

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Aber auch ich fand ihren Vorgarten ausgesprochen hübsch und sehr wohnlich. Der Rostocker Zoo weiß, wie sich seine Riesenschildkröten ein gemütliches Zuhause vorstellen.

So, dann hinein ins „Darwineum“!

Wir beiden Mädels hatten viel Spaß in der tropischen Hitze. Besonders faszinierend ist für mich immer wieder die fantastische Unterwasserwelt. Aber meiner jungen Begleiterin erging es nicht anders. Sie konnte sich ebenso wenig  wie ich an all den Fischen, Korallen, Quallen und den vielen anderen Unterwasserwesen sattsehen.

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Aber es gibt noch mehr im „Darwineum“ zu sehen – nicht nur Unterwasserwelten. Es gibt auch spannendes Landleben zu beobachten.

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Nach dem „Dawineum“ schauten wir, was der Zoo sonst noch zu bieten hat. Obwohl wir bereits ein wenig pflastermüde waren, sahen wir uns auch noch bei all den anderen Tieren um, die der Zoo beherbergt. Zuvor stärkten wir uns aber ein wenig mit einem kleinen Mittagessen und natürlich einem leckeren Eis zum Dessert. Mit neuen Kräften ging es auf zum zweiten Teil unseres Zoobesuchs. Am Ende waren wir dann wirklich rechtschaffen müde, aber auch zufrieden und dankbar für den interessanten, spannenden und sehr lehrreichen Tag.

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Habe ich das gestern richtig gelesen? Der Winter soll so wie fast sofort über uns hereinbrechen? Gut, den ersten Nachtfrost hatten wir vor einigen Tagen bereits. Doch in der Regel ist das für den Monat November nicht unbedingt ungewöhnlich.
Ich bin zwar mit der Winterfestmachung meines Gartens noch nicht ganz fertig, aber was soll’s, zur Not muss ich eben einfach fertig sein. Dann wird der Rest auf das Frühjahr warten müssen. Die wichtigsten Arbeiten sind allerdings getan.
Viel wichtiger ist, dass für die Federbälle gesorgt ist, wenn es draußen dauerhaft frostig und sogar schneebedeckt werden sollte.  Unser „Gasthaus zur Silberdistel“ hat bereits Ende Oktober seine Körner- und Knödelbar wieder geöffnet. Es dauerte auch gar nicht lange und die ersten Gäste stellten sich ein, um das diesjährige Herbstangebot zu testen.
Unsere alte Körnerbar wurde durch eine neue, moderne, ersetzt. Die alte muss noch einige Reparaturen über sich ergehen lassen. Vielleicht kommt sie danach an anderer Stelle wieder zum Einsatz.

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Eine Blaumeise testet das Angebot unserer neuen Körnerbar

Auch die Knödelstation wird bereits wieder begeistert angeflogen. Eigentlich müssten diese Bälle Spatzenknödel heißen, denn genau die Spatzen sind die eigentlichen Knödelfans. Ich weiß nicht, wieso die Dinger Meisenknödel genannt werden. Bei uns sind es eher Spatzenknödel.

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Neben den Körnern und Knödeln hat unser silberdisteliges Gasthaus auch vitaminreiche Desserts im Angebot. Die Federbälle haben sich dort bereits fleißig bedient. Wenn sie so weitermachen, wird für den Winter zumindest von den hübschen roten Früchten nichts mehr übrig bleiben.

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Die Sitzplätze rund um die Futterstellen in Baum und Strauch sind an manchen Tagen schon wieder fast vollständig ausgebucht. Gerade, als ich die versammelte Großfamilie Sperling in meine Knipse sperren wollte, sauste sie wie der Wind davon. Nur ein einziger Haussperling war so freundlich, mir noch für einen kurzen Moment Modell zu sitzen.

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Haussperlingsmann

Doch dann, dann wurde auch er etwas unruhig. Wo schaut er denn so plötzlich hin? Oder will er mir nur seinen hübschen Rücken zeigen? Vielleicht ganz nach dem Motto: Ein hübscher Rücken kann auch entzücken?

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Aha, er hat noch einen anderen, allerdings sehr seltsamen, Vogel entdeckt. Nun weiß ich auch, warum die Großfamilie eben doch lieber die Flucht ergriffen hat. Sie war nicht fotoscheu, sie war vorsichtig, denn hoch oben im Rankgerüst flattert ein vierbeiniger bunter Vogel umher, mit dem sicher nicht zu spaßen ist, wenn man ihn zu nahe an sich heran lässt.

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Unsere pelzige Ornithologin ist hoch oben in unserem Garten unterwegs

Wenn ich Herr Sperling wäre, würde ich mich jetzt auch lieber aus dem Staube machen.  Man weiß nie, ob so ein pelziger Vogel nicht plötzlich doch losfliegt.

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„Oh, Silberdistel, Du auch hier?“

„Na Torty, auf Vogelpirsch?“

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„Och, nee, Silberdistel, ich mache nur Balanceübungen. Aber ich bin schon fertig damit.“

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„Ich … hm … wo geht’s denn hier nur wieder runter?“

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„Silberdistel, wo steigst Du immer runter, wenn Du mit Deinen Balanceübungen fertig bist?“

Als ich nach meiner Sommerpause hier wieder meine Tür öffnete, versprach ich, demnächst darüber zu berichten, was wir Silberdistels während dieser scheinbaren Ruhepause so getrieben haben. Ich denke, es wird so langsam Zeit dafür.
Gestern zeigte sich der November zwar ausnahmsweise einmal nicht von seiner grauen Seite. Nein, er hatte ein sonniges Lächeln in seinem erstaunlich blauen Himmelsgesicht. Damit wir jedoch angesichts seines sonnigen Strahlens nicht gleich übermütig werden, zeigte uns der Schelm neben dem sonnigen Lächeln auch seine kalte Schulter.
Soll er nur, wir schlagen ihm ein Schnippchen und erinnern uns einfach an den einen oder anderen schönen und warmen Tag des vergangenen Sommers. Auch wenn der nun nicht gerade übermütig mit solchen Tagen geprotzt hat. Egal, wir picken uns einfach die schönsten heraus. Die schönsten müssen nicht gezwungenermaßen die sonnigsten Tage gewesen sein, schöne Tage sind auch solche, die uns nette Erlebnisse beschert haben.
Und von solchen Erlebnissen hatten wir Silberdistels während des hinter uns liegenden Sommers eine ganze Menge. Es begann damit, das unsere Enkeltochter einige ihrer Ferientage bei uns verbrachte. Natürlich sollte unsere kleine Bayerin auch wieder erleben dürfen, in welcher landschaftlich hübschen und interessanten Gegend ihre Mutti ihre Kindheit und Jugend verbracht hat.
So haben wir, wie auch schon im vorigen Jahr, wieder den einen oder anderen Ausflug unternommen. Einer davon führte uns in das kleine Städtchen Ribnitz-Damgarten. Vielleicht ist dem einen oder anderen dieser Ort von einem Urlaub an der Ostsee bereits bekannt, vielleicht aber auch wegen des „Deutschen Bernsteinmuseums„.  Und genau dieses Museum war an einem Tag Anfang August unser Ziel. Damit dürfte sich nun wohl auch der Titel des heutigen Beitrags erklären:

Bernstein, ein fossiles Harz, wird gern auch als Gold des Meeres bezeichnet. Es entstand ursprünglich aus dem Harz von Nadelbäumen, die vor 40 bis 50 Millionen Jahren im Gebiet der heutigen Ostsee zu finden waren. Bernstein begeisterte die Menschen schon immer, und so entstanden aus ihm viele faszinierende Dinge, nicht nur Schmuck, auch Pommes, wie wir sehen konnten 😉
So mancher Künstler zauberte fantastische Kunstwerke aus diesem besonderen Gold. Eine klitzekleine Auswahl davon ist in der folgenden Bilderschau zu sehen. Es lohnt sich, in Ribnitz-Damgarten vorbeizuschauen und sich selbst von all den goldenen Wundern, die im Laufe der Zeit aus diesem harzigen Material entstanden sind, zu überzeugen.

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Das Bernsteinmuseum befindet sich übrigens in einem interessanten historischen Gebäude – im „Klarissenkloster„. Bekannt geworden ist das Kloster durch eine seiner Äbtissinnen – Beatrix von Ribnitz, die als einzige heilige Frau Mecklenburgs gilt.
Im Zuge der Reformation wurde das Kloster in „Mecklenburger Landeskloster Ribnitz“ umbenannt. Es bot von da an als Damenstift unverheirateten adligen Damen Unterkunft.

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Heute befindet sich im Klostergebäude nicht nur das „Deutsche Bernsteinmuseum“, es beherbergt unter anderem auch die Stadtbibliothek, das Stadtarchiv und das Standesamt.

Nach unserem Museumsbesuch war natürlich ein Eis nahezu Pflicht. Das kleine Café, mit Freiluftsitzplätzen im Klosterhof, lockte uns unwiderstehlich an.

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Links das Café mit Freiluftsitzplätzen im Klosterhof, rechts das Klostergebäude

Schau’n wir doch mal, welche Eissorten im Angebot sind. Unsere Enkeltochter findet die Eiskarte ungeheuer spannend.

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Eine Eiskarte ist durchaus eine spannende Lektüre

Mich dagegen interessiert der Baum schräg gegenüber unseres Sitzplatzes viel mehr. Ein Baumliebespaar – das sieht man nicht alle Tage, Eis dagegen schon 😉
Aber letztendlich widme auch ich mich meinem Eisbecher. Dabei muss ich aber immer wieder schmunzeln, wenn ich zu dem lustigen Baumpaar hinüberschaue.

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Gestärkt und mit kühlem Kopf Bauch machen wir uns schließlich wieder auf den Weg zu unserem Auto, das wir in der Nähe der Ribnitzer „Stadtkirche St. Marien“ geparkt haben. Auf dem Marktplatz befindet sich übrigens ein sehr hübscher Brunnen – „Bernsteinfischer mit Familie“. Er ist eine Arbeit von Thomas Jastram. Im Zuge einer Neugestaltung des Marktplatzes wurde der Brunnen 2007 zur Eröffnung des Bernsteinfestes der Öffentlichkeit übergeben. Wir konnten uns sogar davon überzeugen, dass die Öffentlichkeit diesen Brunnen nun auch rege nutzt. An dem Tag unseres Besuches in Ribnitz-Damgarten fischten dort nicht nur der Bernsteinfischer und seine Familie. Es übten sich noch andere Fischer in der Kunst des Bernsteinfischens oder vielleicht auch nur in der Kunst des Wasserspiels …

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Und wer nun glaubt, wir haben im Bernsteinmuseum oder bei den Bernsteinfischern nur geschaut und gestaunt, der irrt. Wir beiden Mädels konnten nämlich nicht widerstehen, als wir am Museums-Shop vorbeikamen. Wir fühlten uns plötzlich auch zum Bernsteinfischer berufen. Zu unserem Leidwesen Glück ging es auch ohne Kescher. Unsere Fischerutensilien bestanden aus kleinen runden Teilchen mit eingeprägten Ziffern drauf, die wir gegen Bernsteine in Gestalt netter kleiner Andenken oder einer riesigen Auswahl an Schmuck eintauschen konnten. Das Kind verliebte sich in ein Igelchen und ich mich in herzige Ohrstecker.

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… dann braut die Silberdistel möglicherweise wieder etwas zusammen. Kocht sie Pfeffitee? Schließlich ist es Herbst. Ein wärmender Tee sollte in dieser Jahreszeit gar nicht so übel sein. Hmmm … Und wie das duftet …

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Okay, der Tee ist vielleicht gar nicht soweit hergeholt. Aber er ist nichts Außergewöhnliches und fast jeder kann ihn kochen. Das ist nun wahrlich keine große Kunst und dafür braucht es sicher keine silberdistelige Brauanleitung.
Natürlich könnte es auch wundervoll minzig duften, weil in diesem Jahr die Minzenernte überaus reichlich war und überall im Hause Minze zum Trocknen aufgehängt ist. Welch  herrlich frischen Duft so ein Sträußchen Minze ins Heim zaubern kann.

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Zum Trocknen aufgehängte Apfelminze

Und nebenher entsteht sanft vor sich hin trocknend auch noch die Grundlage für die nächste Generation eines rundum wärmenden Gebräus, eines Gebräus, das graue Herbst- und kalte Wintertage in wohlige Gemütlichkeit zu verwandeln vermag.

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Und tatsächlich trocknet so manches Minzesträußchen – momentan vorwiegend Apfelminze – in unserem Hause dem nächsten Teeabend entgegen. Die Apfelminze duftet nicht nur wundervoll, ihre Blüten ziehen im Sommer auch magisch die verschiedensten fliegenden Insekten an. So haben nicht nur wir Menschen Freude an der Minze aus unserem Garten.
Apropos Apfelminze … Da habe ich doch gleich die passende Überleitung gefunden, denn heute geht es nicht nur um Minzen, es geht AUCH um Äpfel.

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Die Apfelernte war in diesem Jahr in meinem Gärtchen im Vergleich zur Ernte der minzigen Kräuter eher mäßig. Ein paar Äpfel waren es am Ende aber dennoch, die unsere beiden U-Bäumchen schmückten.
Und da ich beim Roh-Verzehr der leckeren Früchte von meinem Herrn Silberdistel so gar keine Hilfe habe – seine Allergie macht ihm hier einen Strich durch die Rechnung – waren es letztendlich doch mehr, als ich allein schaffen konnte. So musste der Rest irgendwie verarbeitet werden.
Mein „Schneller Apfelkuchen“ war die eine Variante, die immer wieder sehr lecker daherkommt. Aber immer nur Apfelkuchen, selbst mit Sahne, ist auf die Dauer auch langweilig.

Für den Frühstückstisch habe ich allerdings schon lange nichts mehr geköchelt. Hatte ich nicht in grauen Vorzeiten in meiner Küche schon einmal Minze und Apfelsaft miteinander verheiratet? Richtig! Und das daraus entstandene „Minzgelee“ war damals ein richtiger Frühstücksknüller geworden und fast schneller verspeist als hergestellt. Soooo gut hatte es uns Silberdistels gemundet. Dieses Rezept sollte sich doch durchaus gut als Anregung für eine neue Marmeladenkreation eignen. Also, nichts wie ran an die Arbeit!
Und so machte ich mich auch gleich voller Elan ans Werk, schälte und schnitzelte Äpfel und pflückte diverse Stängel Apfelminze in meinem Garten für eine:

Minzige Apfelmarmelade

Zutaten:
1 kg Äpfel – geschält und geschnitzelt
3/4 l Apfelsaft
Blätter von etwa 10 Stängeln frischer Minze
Saft von zwei Zitronen
etwas abgeriebene Orangenschale
etwas Vanillearoma oder Vanillemark
etwa 10 Gewürznelken
1 Teel. Zimt
3 Hände voll Rosinen
1 doppelter Calvados
1 doppelter brauner Rum
2 Pck. (je 500 g) Gelierzucker 2:1

Zubereitung:
Nachdem die Äpfel geschält und in kleine Stückchen geschnitten waren, durften sie in einen Kochtopf wandern.

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Hinzugefügt wurden Apfelsaft, Zitronensaft, Rosinen, Gewürze und Aromen. Anschließend wurde alles gut miteinander vermischt und zum Kochen gebracht.

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Das Ganze sollte drei bis fünf Minuten vor sich hin köcheln – bis die Äpfel glasig sind. Wer möchte, kann die Apfelstückchen nach diesem ersten Kochvorgang noch mit dem Mixstab pürieren, damit unsere Marmelade nicht ganz so stückig wird.

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Nun kommt die Apfelminze, oder welche Minze auch immer, ins Spiel. Ich habe die Blätter der frischen, also nicht der getrockneten, Minze abgezupft und von meinem elektrischen Küchenhelfer zerkleinern lassen.
Auch wenn es auf dem Foto oben wie Spinat aussieht, es ist kein Spinat. Der frische Duft weist den „Spinat“ unverkennbar als Minze aus. Bitte tief einatmen! Na, Minze, oder?

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Die so malträtierte und dadurch ganz besonders prächtig duftende Minze darf nun ebenfalls zu den Äpfeln und den anderen Zutaten, die bereits im Topf auf ihr weiteres Schicksal warten.

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Der Minze folgt noch der Gelierzucker, und schon kann das Ganze erneut zum Kochen gebracht werden. Unsere Minze-Apfel-Mischung sollte nun noch einmal je nach Anleitung auf der Gelierzuckerpackung gekocht werden. In der Regel sind das drei bis vier Minuten. Kurz vor Ende des Kochganges geben wir noch Calvados und Rum hinzu.

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Zugegeben, es sieht hier fast wie ein Gemüseeintopf aus, es duftet aber wesentlich frischer – minzig frisch. Und so minzig frisch schmeckt es auch. Versprochen!
Nach erfolgreicher Gelierprobe darf unsere „Minzige Apfelmarmelade“ in die vorbereiteten Schraubgläser gefüllt werden.

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Ein Kilo geschnitzelter Äpfel und ein 3/4 Liter Apfelsaft ergaben am Ende acht Gläser einer überaus leckeren Frühstücksmarmelade.

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Natürlich mussten wir Silberdistels sie zum nächsten Frühstück sofort probieren.

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Wir wurden nicht enttäuscht. Der minzige Apfel-„Eintopf“ schmeckt überaus lecker. Es lohnt sich, ihn nachzukochen.

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Bleibt mir also nur noch, gutes Gelingen und GUTEN APPETIT zu wünschen.

Oder heißt es geistliche Auswertung? Nein, das klingt nicht gerade nach Halloween, das klingt mehr nach dem Martin mit seinen Thesen. Aber der, der war gar nicht dabei – also gestern am Reformationstag. Naja, doch am Reformationstag war er wohl irgendwie schon dabei. Aber nicht an unserem völlig entarteten. Da hätte sich ihm bestimmt das Hirn gesträubt. Hier gaben sich weniger Geistliche den Türklopfer in die Hand, vielmehr waren es Geister, viele Geister, die nahezu pausenlos an unsere Tür hämmerten. So sollte ich vielleicht eher von geisterhafter Verschwörung Auswertung sprechen. Obwohl … geisterhaft sind die uns vorliegenden Geisterzahlen nun auch wieder nicht. Sie stehen nämlich mit schwarzen Schrift- … ähem … Strichzeichen fest auf ein weißes Kärtchen gemeißelt – ganz real, so gar nicht geisterhaft.
Egal wie, jedenfalls war es hier nicht nur gruselig am gestrigen Abend, es war auch eine hochgeistige Anstrengung, sich nicht bei der Geisterzählung zu vertun. Manchmal, so schien es mir, standen ganze Kindergartengeistergruppen vor unserer Tür. Ich hatte in solchen Momenten fast Mühe, diese Ansammlung von Geistern überhaupt noch überblicken, geschweige denn zahlenmäßig erfassen zu können.
Da fällt mir ein: Gehen Geister eigentlich auch in Kindergärten? Sicher, oder? Selbst große Geister müssen doch einmal klein angefangen haben. Wie sonst sollte so manch großer Geist entstehen können?
DSC05285Aber zurück zu, zu  … ach nennen wir es einfach zu meiner … meiner Geisterstatistik. Ich hoffe, ich habe mich beim Zählen nicht vertan. Aber wenn, dann habe ich eher zu wenige denn zu viele Geister auf meinem Kärtchen erfasst. Möglich, dass ich bei all der Aufregung das eine oder andere Strichelchen vergessen habe, weil es gleich schon wieder an der Tür pochte und ich höchst erschrocken sofort den Stift von mir warf, um dem nächsten Geist zu öffnen, bevor er vielleicht noch einfach so an unserer Haustür kleben blieb. Die Gefahr bestand durchaus. Ich hörte immer wieder, dass Geister gern Kleber fressen, und wenn sie nicht sofort Süßes bekämen, würden sie einfach vor unserer Tür kleben bleiben. Also, da rückte ich dann doch lieber etwas von dem gehorteten Süßen heraus, um die Geister schnell wieder loszuwerden.
Aber jetzt endlich zu meinem Statistikzettelchen:

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Na, was habt Ihr zusammengerechnet? Ich bin auf 57 Striche, also 57 Geister, gekommen. Das war gar nicht einmal so übel, obwohl wir damit nicht den bisherigen Rekord gebrochen haben. 2015 sind nämlich sogar 64 Geister nach Süßem schreiend über uns hergefallen. Aber aufregend war es auch dieses Mal enorm und Kräfte zehrend. Ich habe gestern wohl so einige Meterli zurückgelegt. Naja, Bewegung soll ja gesund sein.

Die Katzen übrigens erwiesen sich nicht wirklich als Hilfe bei der Bewältigung des gestrigen Geisterandrangs. Torty verkrümelte sich gleich nach dem ersten Hämmern an der Tür von ihrem Fensterplatz nach hoch oben auf den Kratzbaum.

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Sie hatte wohl die irre Hoffnung, dass Geister nicht fliegen können und sie dort kurz unterhalb der Zimmerdecke vor ihnen sicher wäre. Ich weiß ja nicht …
Sie hatte Glück, aber auch nur, weil ich mich jeglichem Geist tapfer in den Weg gestellt habe und alle, ausnahmslos alle Hexen, Geister, Gespenster, Vampire und auch den gruseligen alten Mann mit Süßem besänftigen und somit wieder zum Abzug bewegen konnte. Der Gruselalte hätte auch einem Gruselclown alle Ehre gemacht. Ich war in dem Falle echt erschrocken, zumal er mich um einiges überragte. Zuvor ging mein Blick nach dem Öffnen der Tür gewöhnlich nach unten, weil die Masse der Geister mehr Kleingeister (oder sagt man kleine Geister?) waren. Doch auf einmal stand dieser Alte vor mir – mit wirrem Haar und einem extrem faltenreichen Gesicht. Gruselige Augen starrten zu mir hinunter. In diesem Moment wünschte ich mir nichts sehnlicher herbei als die Bratpfanne, die ich eben gerade abgetrocknet und in den Schrank zurückgestellt hatte.
Doch auch der Gruselalte wollte nicht mein Leben oder/und unsere Wohnungseinrichtung, sondern nur Süßes. Dass er mir, als er ging, noch einen schönen Abend wünschte, nahm ich mehr zitternd denn erleichtert zur Kenntnis. Die Bratpfanne spukte nach dieser Aufregung noch eine Weile in meinem Kopf herum. Oder wie gern hätte ich neben einer Bratpfanne doch wenigstens noch eine Katze mit scharfen Krallen und spitzen Zähnen an meiner Seite gehabt – besser noch drei. Doch die, die fürchteten sich wohl noch mehr als ich vor jedem Klopfer an unserer Haustür. Torty hatte es vielleicht doch gar nicht so schlecht dort oben auf dem Kratzbaum.

Keks war natürlich auch weit von der Haustür und mir entfernt. Er glaubte, ein Karton mit viel Verpackungsmüll sei der sicherste Platz vor Geistern. Dort könnte er sich in Windeseile völlig unsichtbar machen.

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Und unsere graue Eminenz verschwand unter meinem ihrem Schaukelstuhl. Der Platz war gar nicht einmal so schlecht gewählt.

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Fast hätte ich selbst sie übersehen. Sie verschmolz nahezu mit dem Schaukelmöbel. Da sieht man mal wieder, dass ein langes Leben auch mächtig erfahren macht.

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Erst als mich zwei Augen anleuchteten, erkannte ich unsere graue Plüschlöwin. Tja, also die Hilfe und Unterstützung der Katzen hatte ich mir für den gestrigen Gruseltag doch etwas anders vorgestellt.

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Und unser Körbchen wurde mehrmals geleert. Einmal verfiel ich der dummem Idee, die Tür mit dem Körbchen in der Hand zu öffnen. Ich konnte gar nicht so schnell schauen und schon war nichts mehr drin. Zahllose Geisterhände hatte sich rasant schnell bedient und nichts mehr übrig gelassen – nur mich – mit offenen Mund dastehend.

So, und nun brauch ich Erholung von all dem Stress. Ich esse jetzt den Schokoriegel, den ich mir gestern noch in einem lichten Moment schnell in die Tasche gesteckt habe, damit ich mich wenigstens nach all der Aufregung etwas stärken kann, denn es bestand schon früh die Gefahr, dass von dem Süßen nichts übrig bleiben könnte.