Dass unser Keks sie bisher noch nicht entdeckt hatte, kommt schon einem kleinen Wunder gleich. Schließlich schläft er genauso gern in dem Weidenkörbchen im Bad wie seine Schwester Torty.

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Aber wahrscheinlich schläft er dann wirklich – mindestens so fest wie Torty es hier gerade tut. Da steht einem Katz sicher nicht der Sinn nach Unsinn. Obwohl … bei Keks weiß man eigentlich nie …

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Torty hatte gerade dieses gemütliche Plätzchen verlassen, schließlich wollte sie rechtzeitig am Futternapf zur Stelle sein. Und wenn sich Torty nicht total täuschte, dann würde die Silberdistel gleich mit ihrer morgendlichen Wasserplantscherei fertig sein und dann, dann gab es Frühstück.
Keks ist zwar auch ein großer Futterliebhaber, aber noch mehr liebt er es, überall dabei zu sein. Und solange die Silberdistel noch im Bad herumwuselte, würde er ihr nicht von der Seite weichen. Schließlich könnte er etwas ganz Wichtiges verpassen.

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Na, und wer sagt’s denn? Was, was macht die Silberdistel denn gerade an diesem Dingens dort über dem Katzenschlafplatz? Komisch, wieso hatte er dieses so keck herumschaukelnde Teil noch nie gesehen?

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Das musste aber schleunigst nachgeholt und untersucht werden … Und zack war er mit einem Satz dem Schaukelteil ganz nah und fischte geschickt mit einer Kralle zwei dieser kleinen weichen Teilchen heraus.

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Uups, schon waren sie herunter geflattert. Nichts wie hinterher!

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„Wow, die fliegen ja wie kleine Federchen!“

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„Was? Eigentlich sind die zum Gesichtputzen gedacht, Silberdistel?“

„Genau, Keksilein.“

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„So, Silberdistel?“

„So ähnlich, Katerchen. Ich mache sie immer ein bisschen feucht, dann putzen sie besser.“

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„Hahahatschihhihi! Das kritzelt aber mächtig im Gesicht. Und das soll zum Putzen sein?“

„Naja, damit sie nicht kitzeln und trotzdem saubermachen, befeuchte ich sie ein wenig, mein wissbegieriger Kater.“

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„Aber sonst kitzeln die bei Dir auch, Silberdistel, oder?“

„Ein bisschen schon, Keks. Ja-!“

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„Ob ich’s noch einmal versuche? Was Du kannst, Silberdistel, muss ich doch auch können.“

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„Hm, gar nicht so einfach. Wo, wo ist denn nun das andere hin?“

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„Ah, ich hab’s! So, nun anlecken und dann das Gesicht drauf und vorsichtig putzen. Nee, Silberdistel, das kitzelt schon wieder.“

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„Hm, und wozu soll es gut sein, mit so einem Fusselteil sein Gesicht zu putzen, Silberdistel? Ich glaub‘, ich nehme lieber meine Zunge dafür. Du weißt das sicher nicht richtig, Silberdistel. Die sind nicht zum Putzen gedacht, die sind zum Spielen für Katzen.“

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„Guck mal, Silberdistel, wieviel Spaß sie machen, wenn man sie fliegen lässt und dann wieder auffängt.“

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„Und jetzt, Silberdistel, zeig‘ ich Dir, wie man sich richtig putzt.“

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„Zum Putzen ist Deine Zunge viel besser geeignet, Silberdistel. Siehst Du, wie schick ich schon aussehe?“

„Aber mit meiner Zunge komme ich gerade mal so rund um meinen Mund. Fürs Gesicht ist die nun nicht gerade geeignet, Keks.“

„Fürs Gesicht machst Du Deine Pfote mit der Zunge nass und dann streichst Du damit über Dein Gesicht, Silberdistel. Das ist viel besser als Dein fusseliges Teilchen. Silberdistel, ich glaube, Du hast noch nie was von Katzenwäsche gehört. Wenn ja, hättest Du Deine Wattedingse schon längst weggeschmissen und lieber Deine Zunge zum Putzen genommen.“

„Okay, Keks, Du hast Deinen weichen Fussellappen gleich in Deine Pfote eingebaut. Meine Pfote sieht da schon ein bisschen anders aus.“

„Na, beim Gesicht- und Ohrenputzen kann ich Dir ein bisschen helfen, Silberdistel. Komm mal mit, ich zeig Dir mit Torty, wie es geht.“

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„So, siehst Du, Silberdistel, so geht das. Damit kann ich Dir helfen. Alles andere kriegst Du aber allein hin mit Deiner Zunge. Und diese Federchen nehmen wir lieber zum Spielen, Silberdistel. Dafür kannst Du uns immer mal wieder welche mitbringen.“

… aber ein Küchlein doch eher nicht. Aber glücklich und zufrieden macht es schon. Da steht es dem größeren Kumpel in nichts nach.

Ich weiß, die Fastenzeit hat begonnen. Ich sollte  also lieber nicht von Kuchen, Küchlein und ähnlich verführerischen Leckereien sprechen und schon gar nicht darüber schreiben. Aber vielleicht geht es ja dem einen oder anderen unter Euch ähnlich wie uns Silberdistels. Bei uns richtet sich der Beginn der Fastenzeit nicht nach dem Aschermittwoch, sondern nach dem Geburtstag eines Familienmitglieds. Und ehe dieser Ehrentag nicht gebührend mit Kuchen und Co. begangen wurde, schiebt sich bei uns gar nichts mit dieser Fasterei zusammen.

So sind wir Silberdistels also in der glücklichen Lage, den Beginn unserer Enthaltsamkeit so festzulegen, wie es uns gerade in den Kram passt. Geburtstag ist schließlich Geburtstag und ein Geburtstag ohne Kuchen ist rein gar nichts. Das geht absolut nicht. Wo kämen wir denn da hin?

Na, und irgendwie müssen nach einer solchen Feier auch erst noch die Reste vertilgt werden. Erst danach kann man sich daran machen, die in den letzten Wochen aufgesammelten Kalorien wieder abzuarbeiten.

So hatte ich vor, als kleine Überraschung für das Geburtstagskind süße Küchlein zu backen. Diese kleinen Dinger gingen mir nämlich, seitdem ich sie entdeckt hatte, einfach nicht mehr aus dem Kopf. Jetzt endlich war die Gelegenheit für einen Testbacklauf gekommen. Ich suchte also hurtig dieses niedliche kleine Heftchen, in dem ich sie just in der Vorweihnachtszeit entdeckt hatte, hervor und machte mich in freudiger Erregung an die Arbeit. Vielleicht erinnert Ihr Euch noch an die leckeren Mokkakekse, die bei uns Silberdistels in der Adventszeit begeisterten Anklang gefunden hatten?

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In genau diesem Heftchen, dem ich schon das Rezept für dieses leckere Kleingebäck entnommen hatte, sprangen mir außer eben diesen Keksen noch entzückend ausschauende kleine Espresso-Kuchen entgegen. Ich werde sie jetzt einfach mal Muffins nennen. Da hat man gleich eine bessere Größenvorstellung von ihnen. Also, sie sind wirklich klein und machen bestimmt überhaupt nicht dick 😉

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Aber was mich natürlich brennend interessierte: Würden diese kleinen Küchlein auch so schmecken, wie ich es mir vorstellte? Um das zu erfahren, musste ich mich natürlich opfern und mich rührend und backend ans Werk machen. Na, wie ist es? Macht Ihr mit?

Ja? Na dann los! Wir brauchen für die Espresso-Muffins die folgenden

Zutaten:
200 g Zartbitterschokolade
100 g Butter
2 Eier
100 g Zucker
1 Päckchen Vanillinzucker
1 Prise Salz
75 ml Espresso
150 g saure Sahne
100 g Mehl
2 gestrichene Teelöffel Backpulver
1 Teelöffel Zimt

Wenn wir dann alles bereitstehen haben, machen wir uns also an die

Zubereitung:
Okay, los geht’s! Zunächst geben wir die Butter und die Zartbitterschokolade in einen Topf und bringen beides, möglichst in einem Topf mit Wasserbad, zum Schmelzen. Ich verwende gewöhnlich einen Milchkochtopf, der praktischerweise schon über ein integriertes Wasserbad verfügt.

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Während nun Butter und Schokolade langsam schmelzen, können wir Eier, Zucker, Vanillinzucker und die Prise Salz mit einem Rührbesen schaumig schlagen.

Derweil dürften Butter und Schokolade gut geschmolzen sein. Wir verrühren sie noch etwas miteinander …

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… und bereiten nebenher schon mal den Espresso zu. Hmmm, der sieht richtig lecker aus … Dennoch … nicht trinken. Er hat heute einmal eine andere Bestimmung.

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Er kommt nämlich mit der Schokobutter zu unserer schaumigen Zuckereimasse. Dazu geben wir ebenso die saure Sahne und vermischen dann alles gut miteinander.

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Jetzt wiegen wir das Mehl ab, geben Backpulver und Zimt hinzu, vermischen es …

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… und fügen es ebenfalls in unsere Schüssel.

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Nun ist erneut gutes Umrühren angesagt.

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Und damit wären die wichtigsten Arbeiten bereits getan. Damit wir zügig weiterarbeiten können, sollten wir schnell noch den Backofen vorheizen – 180° C Umluft sollten genau richtig sein.

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Irgendwo hatten wir doch noch eine Muffinform … Ah ja, da ist sie ja. Und da sind auch gleich die kleinen Papierförmchen, die das Ankleben der Küchlein in der Form verhindern. Wer keine Papierförmchen hat, sollte die Muffinform gut einfetten, damit sich unsere kleinen Espresso-Muffins später gut aus der Form lösen lassen.
So, und nun hinein mit dem Teig in die Form!

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Ich habe übrigens die Zutatenmenge jeweils halbiert, denn wir wollten es mit den Kalorien dann doch nicht zu arg treiben. Wir Silberdistels waren nach der kleinen Geburtstagsfete ja wieder nur zu zweit.  Aber zu unserem Wochenendkaffee wollten wir gern noch eine bescheidene süße Kleinigkeit dazu haben, zumal wir uns vorgenommen haben, ab kommenden Montag dann mit unserer Fastenzeit zu beginnen. Die Muffins sollten unsere Ruhe vor dem Sturm sein. Naja, vielleicht auch der Sturm vor der Ruhe …

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Ein paar kleine Weihnachtspfunde sollen nämlich alsbald wieder von den Hüften und anderen wieder etwas mehr gepolsterten Stellen. Aber unsere Espresso-Muffins werden wir jetzt noch gaaaaaanz intensiv genießen.
Huuuuch, beinahe hätte ich sie vergessen. Ich plaudere hier, stelle sie nebenher in den Ofen und vergesse fast, sie rechtzeitig wieder herauszunehmen.
Die 15 Minuten, die sie backen sollten, sind doch schon längst um.

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Lasst uns schnell schauen, ob noch was zu retten ist!

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Boahhh, noch mal Glück gehabt. Ich glaube, sie sehen perfekt aus.

Unsere Wochenend-Espresso-Muffins sollen natürlich ihrem Namen alle Ehre machen. Deshalb bekommen sie noch ein hübsches Mützchen, sprich: Schokoböhnchen, auf ihr braunes Haupt.

In dem kleinen Heftchen und zu unserer Geburtstagsfeier waren die kleinen Kuchen allerdings mit einer Creme verziert. Das war mindestens ebenso lecker, wenn nicht sogar noch etwas leckerer. Hier für die Interessierten die

Zutaten für die Creme:
200 ml Sahne
2 Päckchen Vanillinzucker
200 g Doppelrahm-Frischkäse

Zubereitung der Creme:
Die Sahne wird zusammen mit dem Vanillinzucker steif geschlagen, der Frischkäse cremig gerührt und dann hebt man den cremigen Frischkäse unter die Sahne.

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Anschließend kann das Ganze in einen Spritzbeutel gefüllt werden, um die Muffins mit der Creme zu dekorieren.
Meine Muffins sahen am Ende meiner Dekorationskunst mehr bekleckst denn formvollendet mit einem schmucken Sahnehütchen dekoriert aus.

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Allerdings war meine Creme nach dem Zufügen des Frischkäses zur Sahne auch fast wieder flüssig geworden. Keine Ahnung, woran es lag. Geschmeckt hat es trotzdem ausgezeichnet.
Die zweite Generation der Espresso-Muffins bekam nun ein Schokoböhnchen aufs Haupt.

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Und in Ermangelung von Frischkäse blieben wir ganz einfach nur bei simpler Schlagsahne.

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Das kleine Küchlein war auch damit sehr zufrieden. Sieht es nicht äußerst keck aus mit seinem Sahnehäubchen? Na, und es sieht nicht nur keck aus, es schmeckt auch sehr lecker, denn drei von ihnen mussten heute zur silberdisteligen Kaffeezeit schon ihr Leben lassen. Die anderen drei harren auf ihr sonntägliches Schicksal 😉 😀

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Übrigens sind die kleinen Küchlein sehr schnell gemacht. Ratzbatz sind sie zusammengerührt, in den Ofen geschoben und … aufgegessen 😉 Die Zubereitung schafft man locker noch zur sonntäglichen Kaffeezeit. Na, … und das Aufessen erst recht 😀

Katzen sind doch enorm clevere Wesen. Sie können quasi aus nichts immer noch ein Wunder an beneidenswerter Behaglichkeit machen. Okay, ihr pelziges Outfit kommt ihnen da mitunter schon sehr entgegen. Naja, und so ein Pelz ist eben doch alles andere als nichts. Er ist enorm universell einsetzbar. Nicht nur als simpler Wintermantel.

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Da geht noch wesentlich mehr – wie Torty bestens beweisen kann. Schon toll, wenn man sein Kopfkissen stets und ständig dabei hat, oder?
Kein Wunder also, dass Katzen immer und überall schlafen können – äußerst komfortabel noch dazu. Egal, wo sie schläfrig niedersinken, das warme und weiche Kopfkissen ist immer an der Katz und somit sofort und ohne Umschweife einsetzbar.

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Als Torty ihre Lehrvorführung in puncto Kopfkissen, Bequemlichkeit und Behaglichkeit gab, schien uns hier in meinem Teil der Ostseeküste noch die Sonne auf den Pelz und ließ nicht nur Torty vom nahen Frühling träumen.

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Tja, diesen Wetterbericht müssen wir leider inzwischen schon wieder korrigieren. Frau Holle schüttelt gerade noch einmal – zwar mehr oder weniger lustlos – an ihren Betten herum.

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Ob aus dieser lustlosen Bettenschüttelei noch mehr wird? Torty meinte gerade, ihr sei es völlig egal, was die diesen Winter so verwirrte Holle da oben treibt oder nicht. Und schon eilte unsere pelzige Dame beherzten Schrittes ins Bad, sprang auf den Wäschetrockner, stieg dort ins Weidenkörbchen und legte das flauschige milchkaffeefarbene Kopfkissen zurecht.  Das bunte Torty-Köpfchen sank sanft dagegen, die Augen schlossen sich. Schließlich war noch ein zutiefst entspannter Grunzer zu hören und weg war’s, das Kätzchen, im Land der Träume.

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Herr Silberdistel lernte schnell von Torty. Bei solchem Wetter ist ein Mittagsschlaf eine wundervolle Idee. Nur mit dem Kopfkissen klappte es nicht ganz so perfekt wie bei unserer Tortellini. Was man nämlich nicht dabei hat, ist oft schon durch andere besetzt …

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Obwohl, wie man sieht, die doch eigentlich auch wie Torty ihr eigenes Kopfkissen dabei haben … Aber warum sollte man auf Gemütlichkeit nicht immer noch eins drauflegen können?

Kaum zu glauben, es gibt sie noch – die Sonne. Erst Schnee, dann Schneematsch und Nieselregen und nun plötzlich knackiger Frost und tatsächlich strahlend blauer Himmel dazu und abends ein ganz besonderer Farbenzauber.
Doch als ich gestern Abend Richtung Westen schaute und den farbenfrohen Sonnenuntergang betrachtete, kam zu diesem fantastisch gefärbten Himmel noch ein weiterer Zauber hinzu – ein akustischer Zauber, der mir fliegend entgegenschwebte, unser Haus überquerte und wenig später hinter dem nahen Wäldchen verschwand.

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Fliegende Kraniche vergoldeten mir den Abend und den schönen Sonnenuntergang noch ein wenig mehr. Wir haben sie hier immer wieder gehört – den ganzen bisherigen Winter lang. Es war für uns so, als wären sie nie fort gewesen. Für etliche von ihnen trifft das wohl auch zu. Während der Wintervogelzählung sind mehrere Tausend von ihnen gezählt worden. Sie sind scheinbar einfach hier bei uns geblieben, um sich den kräftezehrenden Flug zu sparen. Sie sind nicht die einzigen Zugvögel, die inzwischen die Winter hier bei uns in ihren eigentlichen Brutgebieten verbringen. Sie ziehen jeweils nur soweit, wie es die Witterungsbedingungen erforderlich machen. Und bisher war der Winter auch durchaus auf ihrer Seite.

Hoffentlich macht den Vögeln, die sich für eine Überwinterung bei uns entschieden haben, der momentane knackige Frost nicht zu schaffen. Am Tage lagen hier in meinem Teil des Nordens nahe der Küste die Temperaturen etwa um den Gefrierpunkt herum. Nachts war es jedoch mit bis zu -10° C unangenehm kalt. Ich drücke den Kranichen und auch solchen Vögeln wie meiner Mönchsgrasmücke die Daumen, dass sie die frostige Zeit gut überstehen.
Sollte es doch zu kalt für sie werden, haben sie ja immer noch die Option, sich in etwas wärmere Regionen auf den Weg zu machen. Wenn man selbst Flügel hat, kann man sich, ohne lange vorher einen Flug buchen zu müssen, ganz kurz entschlossen auf den Weg in die Wärme machen.

Aber momentan sind die Kraniche doch ein Lichtblick in Richtung Frühling, für mich zumindest.

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Schlaftrunken ließ ich heute zu nachtschlafender Zeit die Katzen nach draußen. Herr Silberdistel musste früh raus. Damit es ihm nicht gar so schwerfiel, leistete ich ihm Gesellschaft. Als die Katzen hinaus in den Garten wuselten, fiel mir im ersten Moment gar nicht auf, dass sie kurz stockten. Es war noch dunkel – morgens kurz vor 6 Uhr. Ich musste, um nicht vom rechten Wege abzukommen, im Wintergarten Licht machen. Viel vom Draußen sah ich nicht, zumal  sich die Lampen in den großen Scheiben spiegelten. Was sollte es dort im finsteren Garten auch großartig zu sehen geben? Gut, die Katzen würden mir sicher eine ganze Menge an Interessantem aufzählen können. Aber mich interessierte das gerade so gar nicht. Ich wollte, wenn ich schon nicht ins Bett konnte, wenigstens schnell zurück ins Warme.

Als ich wenig später in der Küche stand, bereits etwas wacher, und mein Blick aus dem Fenster fiel, staunte ich nicht schlecht. Eine dünne Schneeschicht lag auf der Häuserlandschaft vor dem Küchenfenster. War etwa hinten im Garten auch alles weiß? Wie konnte mir das entgangen sein? Ob ich doch kein Licht angeschaltet hatte, als ich die Katzen raus ließ? Eigentlich sollte ich ja den Weg schon so wie mit geschlossenen Augen finden können. Ja, wahrscheinlich war es so, dass ich noch irgendwie schlafwandelnd die Tür zum kalten Garten hin geöffnet hatte, um unseren drei drängelnden Pelzträgern ihren Wunsch nach Freiheit und herrlicher Dunkelheit zu erfüllen.

Wie ich gar nicht soviel später erfuhr, war es im Garten tatsächlich ebenso winterlich weiß wie vor dem Haus. Die Katzenmädels standen schon wieder schreiend an der Wintergartentür und begehrten zügigen Einlass in die wohlige Wärme des Hauses. Nur unser Keks, der war nicht dabei, der musste natürlich erst einmal wieder alles ganz genau anschauen und untersuchen. Die Mädels dagegen sahen in der dünnen weißen Schneedecke wohl eher das Zeichen für eine gemütliche Winterschlafrunde. Entspannt schmissen sie sich auf ihre Lieblingsschlafplätze.

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Die graue Eminenz schaute zwar zwischendurch noch einmal kurz aus dem Fenster, die Welt könnte ja schon wieder ganz anders aussehen, …

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… doch dann besetzte sie schnell meinen Schreibtischsessel, bevor ich vielleicht noch auf dumme Ideen kommen könnte.

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Schließlich weiß man nie, ob sich die Silberdistel nicht auch auf dem Sessel würde zusammenrollen und ein Nickerchen würde machen wollen.
Nur unser Keks, der hatte gerade keine Zeit für den Winterschlaf. Der musste erst einmal seinem Forscherdrang nachgeben. Schlafen konnte er immer noch, denn wer weiß, in letzter Zeit war dieses weiße Etwas immer schnell wieder fort gewesen – noch bevor er es so richtig ergründet hatte.

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Na, und Amsel, Rotkehlchen und Blaumeise hatten ebenso keine Zeit für Winterschlaf, wie Keks nach diversen Ausflügen in die mit einer hauchzarten weißen Schneeschicht bedeckte Winterlandschaft später berichtete.

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Hier im „Bücherstaub“ treiben sich nicht nur auf den Büchern mitunter das eine oder andere kleine StaubStaubkörnchen herum, manchmal schwebt auch Staubiges durch der Silberdistels Küche. Dabei handelt es sich allerdings um eine ganz andere Art von Staub – mehr Staub mit mehligem Charakter.

Unlängst war es wieder soweit, dass Mehliges durch meine Küche waberte. Brotbacken war nämlich angesagt. Seit Anfang letzten Jahres versuche ich mich in der Kunst des Brot- und Brötchenbackens – einer Kunst, die gar nicht so einfach zu erlernen ist, auch wenn es vom Fachmann vorgeführt, wie ich in einem meiner Beiträge berichtete, kinderleicht ausschaut. Aber wie heißt es so schön? Probieren geht über Studieren. Na, und probiert habe ich inzwischen eine ganze Menge.

Essen konnten wir bisher alles, was aus meinen Versuchen hervorging, ganz zufrieden war ich dennoch nicht. Rein äußerlich sahen all meine Brote und Brötchen recht ansprechend aus, nur der Geschmack hatte mich bis eben noch nicht 100%ig überzeugt. Besonders die Brote stellte ich mir geschmacklich noch etwas herzhafter vor. Wir sprechen hier übrigens von Broten, die mit Sauerteig zu vollendetem Geschmack kommen sollten. Angeblich schmeckt selbstgebackenes Brot doch so ganz besonders gut, wenn man den Hobbybäckern dieser Welt Glauben schenken kann. Was andere können, sollte ich doch auch irgendwie hinkriegen.

Gut, meine Backversuche waren so übel nicht. Zumindest konnten sie allemal mit den Broten, die die Supermärkte anbieten, mithalten. Mir schien es aber so, als würden sämtliche Hobbybrotbäcker mehr können als ein gewöhnliches Supermarktbrot backen. Entweder schwindelten sie alle oder ich hatte das Geheimnis des Brotbackens noch nicht bis in alle Einzelheiten ergründen können … bis, ja bis mir eines Tages Lutz Geissler über den Weg lief, d.h., er lief mir nicht selbst und höchstpersönlich über den Weg, sondern eines seiner Bücher.

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So studierte ich wieder einmal ein Brotbackbuch und stieß bald auf ganz simple Rezepte, die noch dazu kaum Arbeit erforderten – nur Zeit und die nicht zu knapp.

Auf Seite 62 des oben abgebildeten Buches fand ich ein Rezept für ein Roggenvollkornbrot, dessen Foto mir förmlich zuschrie: „Probier‘ mich aus, probier‘ mich aus! Wenn nicht, wirst Du es bereuen!“ Vielleicht sollte ich einfach einmal testen, ob es stimmte, was Lutz Geissler versprach. Aus ganz wenigen Zutaten sollte nach seinen Worten „Ein kräftiges, überaus lockeres und tagelang frisch bleibendes Brot“ entstehen.

Also an die Arbeitsplatte, fertig los!

Wir benötigen für ein Roggenvollkornbrot, das aus einer schlichten Kastenform daherkommt (meine hat folgende Maße: 27 cm lang, 8 cm breit und 7 cm hoch – Länge und Breite am Boden der Form gemessen), folgende

Zutaten:
580 g Roggenvollkornmehl
550 g Wasser
13 g Salz
4 g Roggensauerteig

Zubereitung:
Alle Zutaten zu einer einheitlichen Masse vermengen. Lt. Anweisung aus dem Buch kann das von Hand mit einem Löffel geschehen. Ich habe dazu kurz meine Küchenmaschine bemüht.

Anschließend soll der Teig in eine gefettete oder mit Backpapier ausgelegte Kastenform gegeben werden. Ich habe den Basteltipp bevorzugt und mir Backpapier passend für die Form zurechtgeschnitten.

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Wenn die Form hübsch ausgelegt oder eingefettet ist, kann der Teig in die Form gefüllt werden. Das Ganze sieht dann natürlich noch nicht so hübsch glatt aus wie auf dem Bild oben. Der Teig ist nämlich recht klebrig und wir haben zunächst ein entsprechend hügeliges Gebilde in unserer Kastenform. Wenn wir die Teigoberfläche nun aber mit einem in Wasser getauchten Löffel glattstreichen, wird er recht schnell dem obigen Bild gleichen.

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Nach diesen Streicheleinheiten braucht der Teig 24 Stunden Ruhe. Damit er während seiner Ruhezeit nicht austrocknet, sollte er gut abgedeckt werden, z.B. mit einer Folie. So gut zugedeckt kann er bis zum nächsten Tag reifen. Das sollte bei einer Temperatur zwischen 18 und 20° C geschehen.

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Am darauffolgenden Morgen hatte sich bei meinem Teig noch nicht allzu viel getan. Ein wenig war er aber dennoch gegangen. Ich war gespannt, wie er sich weiterentwickeln würde.

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Nach etwa 24 Stunden Gesamtruhe hatte mein Brotteig dann aber doch den Kastenrand erreicht und war somit fast um das Doppelte Teigvolumen gewachsen. Zeit, den Backofen auf 250° C Ober- und Unterhitze vorzuheizen und den Teig noch mit etwas Mehl zu bestreuen. Das Bemehlen kann man aber auch nach etwa 12 Stunden Teigruhezeit schon tun. Wenn nun die 250° C im Ofen erreicht sind, kann die Form mit unserem Teig auf die mittlere Stufe in den Backofen geschoben werden. Ich habe noch eine Tasse mit etwas Wasser unten in den Ofen gestellt, um, wie es allgemein beim Brotbacken empfohlen wird, die richtige Atmosphäre im Ofeninneren zu schaffen. Die Temperatur sollte nach dem Einschieben der Form auf 200° C reduziert werden. Die Backzeit sollte 60 bis 65 min. betragen.

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Bei meinem Backofen passte diese Backzeit perfekt. Nach genau 65 min. konnte ich ein lecker duftendes Roggenvollkornbrot aus dem Ofen ziehen.

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Eigentlich soll man Sauerteigbrot ja erst am nächsten Tag anschneiden, weil sich sein Geschmack dann erst so richtig gut entfaltet hat. Aber es duftete so verführerisch, ich konnte nicht anders und musste es nach dem Auskühlen, das am besten auf einem Gitterrost geschieht, gleich anschneiden. Na, und außerdem waren mein Herr Silberdistel und ich äußerst gespannt, ob das Brot auch so schmecken würde, wie es duftete.

Und dann war er da, der spannende Moment: Ich führte die herrlich duftende Brotscheibe zum Munde, biss hinein, kaute und verdrehte vor Wonne die Augen. Endlich war mir ein Brot so gelungen, wie ich es mir vorstellte. Lecker und luftig. Nur eines stimmte nicht, da hatte Lutz Geissler unrecht, es hielt sich nicht viele Tage. Es war ganz schnell aufgegessen 😀

Fazit: Es lohnt sich, dieses Brot nachzubacken. Es ist wirklich überaus köstlich und schreit nach Butter und/oder Käse. Besser geht nicht!

Vielleicht noch eine kleine Ergänzung: Falls jemand das Brot nachbacken möchte und noch keine Erfahrung mit Sauerteig hatDSC07547. Es gibt auch fertigen Sauerteig zu kaufen. Wenn man ihn auf die Schnelle nicht selbst herstellen mag oder kann, ist diese Variante zugleich eine gute Möglichkeit, sich daraus für alle folgenden Brotbacktage seinen eigenen Sauerteig herzustellen. Hebt man nämlich davon ein Löffelchen Sauerteig auf, kann man ihn mit etwas Mehl und Wasser (jeweils gleiche Grammzahl) füttern, also zu diesem Ansatz hinzufügen, alles gut umrühren und das Ganze in einem Schraubglas verschlossen in den Kühlschrank stellen. Dieser Sauerteig, auch als Anstellgut bezeichnet, hält sich nach meinen bisherigen Erfahrungen so aufbewahrt viele Wochen. Daraus kann man jeweils für den nächsten Brotbacktag entweder soviel Sauerteig abnehmen, wie man benötigt oder man stellt daraus die notwendige Menge her, indem man entsprechend viel Wasser und Mehl hinzufügt. Wichtig ist, dass man immer etwas von dem Anstellgut übrig behält, das man dann wiederum mit Mehl und Wasser füttert. Ich habe meinen ersten Sauerteig bei einem Bäcker gekauft. Von jenem Sauerteig habe ich vor etwa einem Jahr zwei Esslöffel voll übrig behalten und davon lebe ich jetzt immer noch. Wenn man immer wieder einmal etwas Wasser und Mehl hinzu gibt (möglichst von der gleichen Mehltypsorte), ihn also damit füttert, hat man zu jeder Zeit lebenden Sauerteig zur Hand. Sauerteig kann aus Roggenmehl, aber durchaus auch aus Weizen- oder Dinkelmehl hergestellt werden, je nachdem, welcher Sorte Sauerteig für das entsprechende Rezept benötigt wird.

Heute gibt es etwas vorwiegend Grünes fürs Auge. Das soll ihnen ja ausgesprochen guttun – also den Augen. Gestern nämlich habe ich einen kleinen Gartenrundgang – natürlich mit Kamera – gemacht und dabei allerlei Frühlingshaftes eingesammelt.
Dass es in unserem Wintergarten blüht, ist sicher nicht ungewöhnlich, schließlich sind dort die Temperaturen das ganze Jahr über immer im Plusbereich. So stellt sich dort der Frühling für die Pflanzenwelt normalerweise bereits etwas eher ein als draußen im Garten. Dort blühen Christrosen und die erste Hyazinthenblüte zeigt auch schon Farbe.

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Die zweistelligen Temperaturen der letzten Tage haben die Frühblüher aber auch draußen im Garten überall ans Licht gelockt. Ich hoffe sehr, sie haben sich nicht zu unbedachtem Handeln hinreißen lassen. Es soll doch wohl wieder kalt werden.
Okay, Frau Holle, wenn schon, dann denke bitte an die vorwitzigen Blümchen in unseren Gärten und decke sie schön warm zu, damit sie sich nicht am Ende doch noch erkälten.  Wir wollen doch nicht, dass sie all ihr Pulver schon jetzt verschießen und im richtigen Frühling ermattet und völlig verausgabt darniederliegen.

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Übrigens scheinen auch die Vögel schon Frühlingsgefühle zu haben. Die Blaumeise ist bereits fleißig dabei, gesangsmäßig ihr Revier abzustecken. Und wer weiß, vielleicht sucht auch das Rotkehlchen schon nach einem geeigneten Brutplatz.
Ob man all den Gefühlen der Pflanzen- und Tierwelt denn vertrauen kann? Sollte der Frühling tatsächlich schon im Anmarsch sein? Auch wenn ich nicht immer glaube, was die Wetterfrösche so prophezeien, momentan sprechen sie ja wieder von einem Kälteeinbruch, bin ich dennoch skeptisch, was die Gefühle von Herrn Blaumeise und den Tulpenspitzen in meinem Garten betrifft. Lassen wir uns mal überraschen, was da noch so kommt.

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